Vetala (Staffel 1)

Gute Zeiten für alle Zombie-Freunde mit Netflix-Zugang: Neben The Walking Dead und Kingdom reiht sich mit Vetala seit Ende Mai 2020 ein weiteres Franchise in den Reigen der Untoten ein. Die Besonderheit: Gedreht wurde die Serie in Indien mit überwiegend indischen Darstellern. Tatsächlich steckt hinter dem Vierteiler aber ein US-Produzent: Blumhouse, bekannt für Get Out oder Happy Deathday. Damit handelt es sich um eine weitere Serie nach Ghul und Der Geist von Sultanpore, die ihren Weg aus Indien auf die heimischen Bildschirme findet. Ursprünlich für eine Staffel à vier Folgen konzipiert, erkannte der Streamingdienst das Potenzial in der Serie, die Handlung über zwei Staffeln hinweg zu erzählen.

   

Mudhalvan (Jitendra Joshi) arbeitet mit seiner Mannschaft an einem Straßenbauprojekt in der Nähe der indischen Metropole Mumbai. Als dafür ein uralter Tunnel freigelegt wird, glauben die die Anwesenden ihren Augen kaum: Eine Horde blutrünstiger Zombies stürmt empor. Zurückzuführen ist deren Existenz auf einen 200 Jahre alten Fluch − “Betaal”. Da kann auch die vor Ort angesiedelte Spezialeinheit “Baaz Squad” unter Kommandant Tyagi (Suchitra Pillai), zu der unter anderem Sirohi (Vineet Kumar Singh) und Ahluwalia (Aahana Kumra) gehören, nicht viel ausrichten. Denn ihre untoten Gegner sind bewaffnet …

Doch-nicht-so-ganz-Zombie

Originaltitel Betaal
Jahr 2020
Land Indien
Episoden 4 in Staffel 1
Genre Horror, Action
Cast
Vikram Sirohi: Viineet Kumar
Tyagi: Suchitra Pillai
DC ‘Ahu’ Ahluwalia: Aahana Kumra
Assad Akbar: Jatin Goswami
Nadir Haq: Siddharth Menon
Puniya: Manjiri Pupala
Seit dem 24. Mai 2020 auf Netflix verfügbar

Indische Produktionen sind vor allem durch Bollywood bekannt, wo wie am Fließband um die 250 Produktionen jährlich entstehen. In der Regel sind diese im romantischen oder komödiantischen Bereich anzusiedeln. Netflix hat das Land schließlich für sich entdeckt, um die Nische an Genre-Produktionen anzukurbeln. Ob Thriller (Der Pate von Bombay), Science-Fiction (Leila) oder Horror (Ghul) − das zweitbevölkerungsreichste Land nach China scheint ideale Voraussetzungen zu bieten, um sich dort niederzulassen. Auch die indische Mythologie zählt zu den Vorzügen, die sich für eine überirdisch ausgerichtete Handlung nahezu anbietet. Vetala schöpft hier aus den Vollen und spielt mit dem Aberglauben, der den geheimnisvollen Tunnel umgibt. Vermarktet wird die Produktion zwar als Zombie-Serie, doch nimmt man es ganz genau, hat man es hier eher mit Dämonen zu tun.

Adrenalinkicks durch agile Untote

Serienschöpfer Patrick Graham arbeitete bereits an den genannten Titeln Leila und Ghul. Sein dynamisches Drehbuch sorgt für kurzweilige Unterhaltung und eine hohe Schlagzahl an Zombie-Angriffen. Denn wenn Vetala eines beherrscht, dann ist es das Mitreißen seiner Zuschauer. Besonders hervorzuheben ist dabei die Maske der Untoten, die durchaus das Fürchten lehren kann. Das Makeup-Department hat ganze Arbeit geleistet, die Fratzen zombiegerecht, aber immernoch schockierend genug auszuschmücken. Zudem löst sich Vetala von dem Klischee, dass Zombies schlurfende Dummerchen sind, die nur Trieben folgen können. Denn diese Kolonialisten sind flink, wissen mit Schusswaffen umzugehen und planen ihre eigene Neuzeit. Das macht sie zu ernstzunehmenden Gegnern und befreit die Serie von Situationskomik, denn für simple Fallen sind diese Gegner einfach zu schlau. Davon ausgehend, dass die meisten Zuschauer mit der indischen Geschichte und Gesellschaft neues Terrain betreten, bleibt genügend Stoff, um die drei Stunden auch mit nmythologischen Bezügen zu füllen. Vor allem aber macht sich eine beklemmend-klaustrophobische Atmosphäre breit, die indes hier und dort unter zu dunkel geratenen Szenen kränkelt. Nicht immer ist alles ideal ausgeleuchtet.

Dramaturgie-Fehlschuss

Bis auf Kleinigkeiten scheinen die Grundvoraussetzungen also zu stimmen. Doch ausgerechnet mit den Charakteren tut sich Graham keinen Gefallen. Die blassen Figuren laden nicht dazu ein, mit ihnen zu fiebern und zu durchschaubar fällt auch der dramatische Einfall aus, die Familie des Protagonisten zur Unglücksstelle zu bringen. Das sorgt für eine Extraportion Tragik, so muss der Gedanke beim Schreiben des Drehbuchs jedenfalls ausgesehen haben. Dass sich dadurch alles ein wenig in die Länge zieht: geschenkt. Dass Frauen und Kinder aber eine Extrabehandlung kriegen: durchschaubar. Ein Charakter ist sogar für ganze drei Episoden abwesend, nur um im Finale schließlich die Situation maßgeblich zu lenken. Dieser lieblose Umgang mit den sowieso farblosen Charakteren schafft mehr Distanz als notwendig. Da wirkt selbst ein zwischenzeitig aufkommender Subplot über Geschlechtsdiskriminierung forciert.

Fazit

Das unverbrauchte Setting und der erfrischende Schauplatz sind die großen Asse, die Vetala im Ärmel hält. Mit der Finanzierung durch die Blumhouse Studios lassen sich hohe Produktionswerte vorweisen, die manch einer einer indischen Serie wohl kaum zutrauen würde. Die drei Stunden Laufzeit der ersten Staffel vergehen wie im Flug, hinterlassen aber wenig Nachhaltiges, weil die Charaktere ebenso schnell wieder in Vergessenheit geraten. Es bleibt zu hoffen, dass die zweite Staffel an diesem Umstand arbeiten wird. Viel zu tun gibt es auf dieser Baustelle.

© Netflix

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Alva Sangai
6. Juni 2020 20:13

Klingt ansich nicht schlecht, aber wenn die Charaktere nicht überzeugen, glaube ich auch nicht, dass es mir sonderlich Spaß machen würde das anzusehen.