Underworld: Evolution

Als wäre der Erfolg vorausgesehen worden, hat Underworld in seinen letzten Szenen schon die Weichen für die Fortsetzung gestellt. Mit der 2006 erschienen zweiten Teil Evolution führt Regisseur Len Wiseman (Lucifer) die Geschichte um Todeshändlerin Selene und den Hybriden Michael fort und ergründet zudem die Anfänge von Vampiren und Werwölfen.

      

Underworld: Evolution schließt fast unmittelbar an den ersten Teil an. Nachdem Obervampir Viktor erfolglos versucht hat, Michael als neugeborenen Vampir-Werwolf-Hybriden umzubringen und dabei im Gegenzug von Ersatztochter Selene für den Mord an ihrer Familie enthauptet wurde, befindet sich Selene mit Michael auf der Flucht. Zunächst verstecken sie sich in einem der zahlreichen Unterschlupfe der Todeshändler, wobei Selene den Plan hegt, mit Marcus an den letzten der verbleibenden Vampirältesten zu appellieren, dass er ihr und Michael helfen möge – doch daraus wird nichts. Kraven sieht indes nämlich seine Gelegenheit mit Marcus auch den letzten der drei Ältestenvampire zu eliminieren und sich so selbst zum Anführer emporzuschwingen. Marcus‘ Grab findet er jedoch nicht nur leer vor, auch ist dieser durch das in seine Schlafstätte gesickerte Blut eines Lykaners erwacht und hat sich als Nachfahre von Alexander Corvinus, von dem auch Michael abstammt, ebenso in einen Hybriden verwandelt. Mit Kraven macht er dementsprechend kurzen Prozess und frei von der Kontrolle durch Viktor zieht Marcus los, um seine eigene Agenda zu verfolgen. Er braucht dafür jedoch einen Schlüssel, der sich unwissentlich im Besitz von Selene und Michael befindet. Abseits von Vampiren und Werwölfen beobachtet währenddessen eine dritte Partei mit einem unscheinbar wirkenden Anführer die Geschehnisse und macht sich daran, die Spuren, die Vampire und Lykaner zuletzt in ihren teils in der Öffentlichkeit geführten Kampf hinterlassen haben, zu beseitigen.

Nach der Großstadt mal raus an die frische Luft

Originaltitel Underworld: Evolution
Jahr 2006
Land USA
Genre Action, Fantasy
Regie Len Wiseman
Cast Selene: Kate Beckinsale
Michael: Scott Speedman
Marcus: Tony Curran
Corvinus: Derek Jacobi
Tanis: Steven Mackintosh
Viktor: Bill Nighy
Laufzeit 102 Minuten
FSK
Im Handel erhältlich

Nachdem der erste Teil sich auf eine geographisch nicht genau definierte, dauernächtliche, dauergewitternde Großstadt und deren unterirdische Eingeweide beschränkt hat, wird in Sachen Örtlichkeiten nun eine sehr viel größere Abwechslung an den Tag gelegt, der sich auch tatsächlich in seiner sonnigen Pracht mal zeigen darf. So kommt es zu kämpferischen Auseinandersetzungen auf offener Landstraße, auf Schiffen, in Wäldern, unterirdischen Gewölben und zu einem furiosen Finale in einer alten Burgruine. Während die Kämpfe im ersten Teil zudem abgesehen vom Schluss meist schießwütige Angelegenheiten zwischen Selene (mit etwaigen anderen Todeshändlern) und den Werwölfen waren, haben sie und Michael es nun in Form von Marcus mit einem einzigen, jedoch sehr starken Gegner zu tun. Da sich dessen Hybridform im Gegensatz zu Michaels sehr viel mehr auf der Fledermausseite befindet und er damit über passende Flügel zum Fliegen verfügt, sind die wiederholten Kämpfe mit ihm auch entsprechend abwechslungsreich. Der Film lässt dadurch aber mit der finsteren Großstadtkulisse und der Gun-Action-Ästhetik zwei wichtige Bestandteile vermissen, die stark zu der sehr stimmigen Atmosphäre des ersten Teils beigetragen haben, die in Evolution nicht mehr so richtig aufkommen will. Charaktermomente bleiben zudem auch eher rar gesät: So erfährt Selene etwas mehr über die Hintergründe von Viktors Mord an ihrer Familie und Michael ringt mit seinem neuen Dasein als Nicht-Mensch. Auch vertiefen Selene und Michael ihre im ersten Teil entflammte Liebe in einigen intimen Momenten. Wichtiger als die beiden Protagonisten scheint in Underworld: Evolution jedoch der Ausbau der Erzählwelt und deren Ursprungsgeschichte um die Vampire und Werwölfe.

Wo kommen wir her, wo fliegen wir hin

Zwischen allerlei Action arbeitet Underworld: Evolution auch daran, die Mythologie des Underworld-Filmuniversums auszubauen. So ist Marcus, gespielt als recht paranoider Wüterich von Tony Curran (Defiance), nicht nur ein entfernter Nachfahre von Alexander Corvinus, sondern einer von seinen drei direkten Söhnen und somit der erste ursprüngliche Vampir. Sein Ziel ist es, seinen Bruder William, wiederum der ursprüngliche Werwolf, aus einem versteckten Gefängnis zu befreien, in das Viktor diesen vor Jahrhunderten weggesperrt hat. Die Gefangennahme von William wird dabei sogar anfangs in einem Rückblick gezeigt, sodass es in Evolution trotz dessen Ablebens zu einem erneuten Auftritt von Bill Nighy (Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2) als Viktor kommt. Auch Alexander Corvinus selbst ist noch unterwegs. Als einziger Überlebender eines mysteriösen Virus ist er infolgedessen unsterblich geworden, wenn auch ohne die tierischen Eigenschaften seiner Söhne. Gespielt von Derek Jacobi (Gladiator) ist er der Anführer der mysteriösen Beobachter und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kollateralschäden, die durch die Taten seiner Söhne nunmehr seit Jahrhunderten entstehen, vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen.

Fazit

Underworld Evolution ist okay. Es ist eine konsequente Fortsetzung der im ersten Teil angefangenen Erzählstränge, die hier ausgespielt und zum Abschluss gebracht werden. Es fehlt jedoch irgendwie das gewisse Etwas, das der erste Teil besonders stimmungstechnisch noch hatte. Insbesondere Marcus als Bösewicht ist eher etwas nervig und anstrengend geraten. Er wirkt mehr wie ein wütendes Kind als wie ein tausend Jahre alter Vampir und lässt den Charme von Viktor aus dem ersten Teil vermissen. Am Ende hat man damit einen eher trashigen Urban-Fantasy-Actionfilm, der unterhaltsam ist, aber auch nichts Besonderes hat und seine filmische Existenz auch nicht über das Dasein als Fortsetzung hinaus rechtfertigen kann.

© Sony Pictures Home Entertainment


Im Handel erhältlich:

Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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