Deadsight

Lesezeit: 4 Minuten

Bei so vielen Zombie-Apokalypsen, die das Kino in den letzten Jahren heimgesucht haben, wird es zunehmend schwieriger, etwas zu zeigen, was bislang noch niemand auf dem Schirm hatte. Dabei haben sich die Autoren in den letzten Jahren immer weiter davon entfernt, mutige Actionhelden darzustellen, sondern stattdessen vornehmlich Durchschnittsbürger, die über sich hinauswachsen müssen. Eine Schippe in Sachen Herausforderung legt Horror-Regisseur Jesse Thomas Cook mit Deadsight drauf. Seine Hauptfigur Ben (Adam Seybold, Let Her Out) erwacht blind während der Apokalypse. Und die einzige ihm zur Seite stehende Figur Mara (Liv Collins, Creep Nation) trägt ein anderes Handicap mit sich: sie ist schwanger. Das eröffnet auch in einem Zombiefilm ganz neue Perspektiven.

 

Ein schneereicher Tag in Toronto. Ben erwacht in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Was genau passiert ist, weiß er nicht. Und auch die Orientierung fällt ihm schwer, denn seine Augen tragen einen Verband, und wie er feststellt, ist er blind! Zudem trägt er Handschellen. Schon bald trifft er auf eine weitere Überlebende, die Toronto-Polizistin Mara, die durch ihre Schwangerschaft ebenfalls physisch eingeschränkt ist. Doch nicht nur die Untoten stellen eine Gefahr dar, sondern auch andere Überlebende, die nicht lange fackeln und alles abknallen, was ihnen entgegenschlurft …

Ein ungleiches Duo

Originaltitel Deadsight
Jahr 2018
Land Kanada
Genre Horror
Regisseur Jesse Thomas Cook
Cast Mara Madigan: Liv Collins
Ben Neilson: Adam Seybold
Gator: Ry Barrett
Kranke Frau: Jessica Vano
Laufzeit 89 Minuten

Augenscheinlich haben Ben und Mara keinerlei Chancen zu überleben. In einer Ausnahmesituation, die alle Kräfte und Sinne erfordert, bewegen sich beide mit ihren individuellen Einschränkungen. Vor allem auf Glück sind beide angewiesen, denn die Lage sieht erst einmal wenig positiv aus. Die Einführungsszene ist gleichzeitig eine Hommage an 28 Days Later und The Walking Dead. Auch dort erwachen die Hauptfiguren mit eingeschränkter Erinnerung in einem Krankenhaus und müssen erst einmal verstehen lernen, was dort draußen eigentlich geschehen ist. Bei einer einzigen Szene bleibt es nicht: Immer wieder zitiert Jesse Thomas Cook zum Beispiel seinen amerikanischen Kollegen George Romero, etwa bei einer Verfolgungsszene auf einem Friedhof. Die Verbeugung vor den Meistern des Genres ist immer spürbar. Da bereits erzähltechnisch klar sein sollte, dass die Erkundung der Welt durch einen blinden Charakter eher langsam voranschreitet, bekommt er mit Mara eine umso dynamischere Partnerin an die Seite gestellt. Zwar ist sie durch ihre Schwangerschaft eingeschränkt, beherrscht aber als ehemalige Polizistin zumindest den Umgang mit der Waffe. Damit trägt sie schließlich nicht nur für ihr Kind, sondern auch für Ben Sorge.

Performance über Story

Viel Dialog besteht zwischen den beiden Figuren nicht und sie definieren sich überwiegend durch ihre Aktionen, als durch das, was sie tun. Dementsprechend gibt es auch für den Zuschauer kaum Informationen zu den Umständen, aber das fällt auch nicht weiter ins Gewicht. Spannender ist hier schon die Frage nach den Hintergründen für Bens Handschellen. Wurde er vor Ausbruch der Apokalypse etwa inhaftiert? Obendrein stellt sich auch immer wieder die Frage, ob beide es bis zum Ende des Films schaffen werden. Der Weg dorthin ist voll mit Blut, dessen CGI-Herkunft nicht immer überzeugend ausfällt. Adam Seybold und Liv Collins liefern eine überzeugende Performance ab. Die wirklich essenziellen Dinge geschehen hier zwischen den Zeilen. Angenehm an beiden Figuren ist auch, dass sie anders agieren, als man erwarten würde. Maras Entscheidungen fallen rational und geprägt von ihrer polizeilichen Herkunft aus. Schwangerschaftshormone und emotional überstürzte Entscheidungen bleiben aus. Und Ben, bei dem man vermuten möchte, dass seine Blindheit für einige Gags sorgt, muss überhaupt nicht als Witzmaschine herhalten.

Fazit

Bei Deadsight lässt sich eine klare (Nicht-)Empfehlung aussprechen: Wer auf alternative oder minimalistische Herangehensweisen steht, ist hier richtig und bekommt eine überzeugende schauspielerische Performance geboten, in der die essenziellen Dinge nicht im Dialog stattfinden. Zombie-Fans, die vor allem auf Action aus sind, kommen nur bedingt auf ihre Kosten und werden sich aufgrund der melancholischen Grundstimmung eher langweilen als mitgerissen werden. Am Ende muss man dem Titel auch ankreiden, dass die Beeinträchtigung der Protagonisten nicht durchgehend konsequent durchgezogen wird und auch Ben mit der Zeit Angriffsskills entwickelt, die ihm eigentlich nicht zustünden. Mit 82 Minuten ist die Geschichte kompakt gehalten, aber wesentlich Neues gibt es hier nicht zu entdecken.

 

© Raven Banner

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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