One Cut of the Dead

Lesezeit: 4 Minuten

Was passiert eigentlich, wenn ein realer Zombie mitten in die Dreharbeiten eines Zombiefilms platzt? Ein Wunder, dass sich noch niemand diese Frage gestellt hat. Die Antwort darauf kommt aus Japan und nennt sich One Cut of the Dead. Regisseur Shinichiro Ueda sammelte zunächst Erfahrungen als Synchronsprecher in Animes (Aku no Hana) ehe er sich an das Produzieren von Filmen machte. Sein erster Langfilm ist bis ins Detail durchdacht, überzeugt gleichermaßen mit satirischen wie blutigen Einlagen und obendrein wurde die erste halbe Stunde auch noch am Stück gedreht! Der vermutlich größte Crowdpleaser des Fantasy Filmfests 2018.

    

Regisseur Higurashi (Takayuki Hamatsu) ist kurz davor, die Nerven zu verlieren. Sein Horrorfilm scheint sich bereits während des Drehs als Flop abzuzeichnen. Und daran sind vor allem die talentbefreiten Darsteller schuld. Da kommt eine reale Zombie-Invasion fast wie gerufen. Am Set taucht plötzlich ein Untoter auf, der Jagd auf die Crew macht. Higurashi geht über Leichen, denn er wittert dank neuer Authentizität endlich Qualität! Panik greift um sich und für ihn zählt nur noch eines: Action!

Zombie-Wahnsinn ohne Schnitt

Originaltitel Kamera o tomeru na!
Jahr 2017
Land Japan
Genre Comedy, Satire, Horror
Regisseur Shin’ichiro Ueda
Cast Regisseur Higurashi: Takayuki Hamatsu
Chinatsu: Yuzuki Akiyama
Nao: Harumi Shuhama
Ko: Kazuaki Nagaya
Kasahara: Hiroshi Ichihara
Mao: Mao
Laufzeit 96 Minuten

Zunächst dringt aus allen Poren nur “billig”. Billige Inszenierung, billige Location, billige Darsteller. Einfach alles an One Cut of the Dead sieht nach Low Budget aus. Und zwar so schlimm, dass man sich als Zuschauer wundern mag, ob die Produktion komplett privatfinanziert wurde. Doch der Wahnsinn entpuppt sich als doppelbödig erzählt. Es ist besser, so wenig wie möglich über den Film zu wissen, denn sonst funktioniert der wahrhaft gelungene Twist nicht mehr. Was zunächst zählt und gleichermaßen verwundert, ist der fehlende Schnitt. Gleich nach Beginn folgt eine lange Plansequenz, welche erst einmal gar kein Ende nimmt. Erst im Nachgang wird erklärt, weshalb das so ist. Doch auch diese Auflösung ist wieder Teil der Wendung. Bis es soweit ist, muss der Zuschauer Geduld, Nerven und vor allem ein gutes Gehör beweisen. Denn das japanische Geschrei zeichnet sich besonders durch hohe Oktaven aus.

Mediensatire

One Cut of the Dead ist ein Film, der wie gemacht ist für Menschen, die keine Zombies mögen. Wieso? Nur auf den ersten Blick haben wir es hier mit Zombies zu tun. Doch hinter der blutigen Fassade steckt die dynamische Kombination aus einem ambitionierten Regisseur sowie einer Crew mit viel Improvisationstalent – inklusive einer gehörigen Portion an (Un)Glück. Eine Hommage an das Filmedrehen unter Druck durch TV-Sender, Finanzknappheit und zeitliche Limitierung. Wie dabei die Kreativität nicht zu kurz kommen darf und mit wieviel Leidenschaft eine Produktion ablaufen kann, wenn die Akteure ein gutes Zusammenspiel abliefern.

Ein Take, tausend Gags

Dass hinter dem Projekt hohe Erzählkunst steckt, wird erst in dem Moment klar, in dem der Abspann flimmert. Nämlich der erste von vielen Abspännen. Ab hier funktioniert das Erzählprinzip wie bei einer Zwiebel: Eine Erzählebene wird solange um weitere ergänzt, bis plötzlich alles einen Sinn ergibt. Jede noch so trashig aussehende Szene erklärt sich auf einmal von selbst. So, als wolle sich ein Aha-Effekt in den Köpfen einbrennen, der einem erklärt, weshalb viele (schlechte) Filme sind, wie sie eben sind. Eine Verzahnung dieser Art funktioniert nur, wenn von vorne bis hinten alles so durchdacht ist, dass das Drehbuch jedem Widerspruch standhält.

Man sieht es One Cut of the Dead nicht an, doch hinter dem Titel verbirgt sich ein echter Feel Good-Film. Eine Liebeserklärung des Regisseurs an das Filmemachen und eine waschechte Partygranate. Hat man sich erst einmal durch die ersten Minuten gequält, die in keiner Weise mehr heutigen Konventionen entsprechen, wird man ab hier nur noch belohnt. Um den Titel wirklich zu besprechen, muss man jedwede Pointe vorwegnehmen und selten ist eine Spoilerwarnung so angebracht wie an dieser Stelle. Auch abseits aller Kuriositäten ein echtes Must-see und eine der größten Charme-Offensiven des Filmjahres 2018.

 

©Koch Films

Sharing is caring / Artikel teilen:

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: