The Twilight Zone (Folge 1×07)

Lesezeit: 5 Minuten

Ein Meteoritenschauer ist ein beeindruckendes Naturschauspiel, das zu einem romantischen Abend beitragen kann. Und es ist doch noch schöner, wenn ein kleiner Gesteinsbrocken es sogar bis zur Erde schafft und als Souvenir dienen kann. Es sei denn natürlich, man befindet sich in der Twilight Zone. Da lösen Weltraumbakterien, die ins Grundwasser sickern, bedrohliche Gemütsänderungen aus.

Annie (Taissa Farmiga) wird von ihrem Kollegen Dylan (Luke Kirby) eingeladen, abends den angekündigten Meteoritenschauer von seiner Veranda aus zu beobachten. Sie versucht zunächst abzulehnen, aber Dylan überredet sie schließlich und die zwei haben einen weitestgehend netten Abend. Beängstigend ist nur, dass tatsächlich Steine auf die Erde stürzen und das in nicht geringer Anzahl. Auch Dylan hebt einen auf und macht noch Witze, dass er ihn Annie nicht geben mag, denn er könne ja radioaktiv verstrahlt sein und er müsse sie beschützen. Die beiden landen gemeinsam auf der Couch und küssen sich. Kaum hat Annie ihre Reserviertheit ein wenig abgestreift, geht Dylan ihr sofort an die Wäsche. Da zieht Annie die Bremse und möchte gehen, was in einer kurzen Rangelei endet. Dylan wird wütend, fängt an zu schreien und Annie tritt die Flucht an. Am nächsten Tag geht sie ihm auf der Arbeit aus dem Weg, wird aber mit ihm für ein Projekt verpartnert. Annie schweigt. Als sie abends auf der Geburtstagsfeier ihrer Schwester Martha (Rhea Seehorn) ist, will sie noch immer nicht über den Vorfall reden. Dabei beobachtet sie schon den ganzen Tag, wie Männer überall um sie herum wegen der kleinsten Dinge in Rage geraten. Und Marthas Mann Mike (Ike Barinholtz) lässt sich auch bald anstecken.

Not All Men

Originaltitel The Twilight Zone
Jahr 2019
Land USA
Episode 7 / 10
Genre Fantasy, Horror, Science-Fiction
Cast Annie: Taissa Farmiga
Dylan: Luke Kirby
Martha: Rhea Seehorn
Mike: Ike Barinholtz
Cole: Percy Hynes White
Steve: Agape Mngomezulu
Der Erzähler: Jordan Peele

Die aktuelle Auflage der Twilight Zone hält mit den sozialen Kommentaren nicht hinterm Berg. Aber bei Folge 7 ist sogar der Titel schon eine Provokation pur. „Nicht alle Männer“ ist die Erinnerung in all den Debatten rund um häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe und verwandte Themen, dass Verallgemeinerungen nicht weiter helfen. Und das stimmt schließlich auch, nicht alle Männer sind von Natur aus darauf aus, andere Menschen – vor allem Frauen – zu verletzen. Aber viele Frauen sind es gewohnt, bei Interaktionen mit fremden Männern auf mögliche Warnhinweise zu achten. Es ist etwas unfair, dass die Unschuldsvermutung auf den Kopf gestellt wird, aber wer schon ein paar Mal dumm angemacht wurde oder Schlimmeres erlebt hat, geht eben erst auf Nummer sicher. Ist das Gegenüber wirklich ein netter Kerl oder ein Nice Guy™? In der Twilight Zone stellt sich diese Frage natürlich nicht, wenn aus dem All ein paar Bröckchen regnen, die das Wasser rot färben und Männern jegliche Hemmungen rauben. So erschreckend es auch ist, wenn Annie und Martha um ihr Leben laufen, sie bemerken, dass alle Männer durchdrehen, und können sich so besser schützen.

Ein unschönes Spiegelbild

Es ist die langsame Eskalation, die der Episode Wirkung als Spiegel der Realität verleiht, bevor die Situation völlig aus dem Ruder läuft. Dass Dylan in seinem Haus Annie anblafft, weil sie nicht gleich mit ihm schlafen will, ist ein einzelnes Vorkommnis. Und sie schweigt sich darüber aus. Nur gegenüber ihrem Neffen Cole (Percy Hynes White) lässt sie eine Bemerkung fallen. Auch wie aggressiv die Männer in der Stadt auftreten, löst noch keine Alarmsirenen aus. Sind sie eben zufällig alle schlecht gelaunt. Und abends in der Bar wird einer lauter, was sicherlich am Alkohol liegen kann. Taissa Farmiga macht als Annie mit ihrer Körpersprache und Mimik mehr als deutlich, wie unwohl sie sich zu fast jedem Zeitpunkt fühlt. Und in diese Lage werden sich viele Zuschauer – und vor allem Zuschauerinnen – gut versetzen können. Martha und die anderen Frauen ziehen Annie sogar damit auf, dass sie so verkrampft wirkt. Was sie als bedrohlich wahrnimmt, finden andere normal, und jegliche Besorgnis führt schnell dazu, dass man als Spaßverderber gilt. Ein fatales Problem.

Wirklich nicht alle Männer

Vor einer Frage scheut das Drehbuch von Heather Anne Campbell (die auch die vorherige Episode schrieb) zurück – wie wirkt sich das Ganze auf Trans-Leute aus? Dann müsste das Konzept erforschen, ob es hier um biologische oder soziologische Probleme geht. „Not All Men“ zeigt Männer, die aggressiv vorgehen, ihr Revier verteidigen, einen Anspruch auf Respekt von anderen haben. Das mystische Alphatier kommt zum Vorschein. Und wenn alle sich die breite Brust klopfen, Frauen und Platz für sich beanspruchen, dann müssen andere klein gehalten werden. Oder in diesem Fall eben so lange geschlagen werden, bis sie am Boden bleiben. Aber es gibt einen Lichtblick am Horizont. Cole ist mit seinem Freund Steve (Agape Mngomezulu) unterwegs, die beiden beschaffen sich Bier, obwohl sie minderjährig sind und machen miteinander rum. Steve benimmt sich bald wie Dylan anfangs und Cole will es langsamer angehen lassen. Obwohl er die ganze Zeit über einen dieser Meteoriten in der Hosentasche hat und für einen Moment diesen Instinkt in sich spürt, der Aggression nachzugeben, entscheidet er sich bewusst dagegen. Und das ist des Rätsels Lösung. Die Meteoriten sind eine Versuchung und eine Entschuldigung. Aber es liegt bei den Männern selbst, ob sie zu Tieren werden wollen. Es ist eher eine Massenhysterie als eine Beeinflussung von außen. Wie bei einer Gruppe von Männern, die sich selbst über längeren Zeitraum gegenseitig überzeugt, dass ihnen Dinge zustehen. Dass es per se männlich sei, sich zu prügeln, Sex zu wollen und grundsätzlich das Sagen zu haben.

Meinung

Ich mag es, dass sich die Twilight Zone 2019 nicht davor scheut, sozial-gesellschaftlich Stellung zu beziehen. Auch wenn es erzählerisch manchmal Finesse vermissen lässt, wie auch in dieser Folge. „Not All Men“ packt allerdings ein furchtbar heißes Eisen auf interessante Art an. Besonders der Twist am Ende macht deutlich, dass der Titel wörtlich zu nehmen ist. Es geht nicht darum, Männer pauschal zu verurteilen und als Monster hinzustellen. Aber viele Männer machen das von sich aus und andere Männer und Frauen müssen gemeinsam dagegen stehen. (Es liegt mir fern zu unterschlagen, dass Männer selbst sehr wohl Opfer von sexueller Nötigung und Gewalt in Partnerschaften werden können. Ein Diskussionspunkt, der leider zu oft unterschlagen und nicht ernst genug genommen wird. Innerhalb der 40 Minuten ist aber einfach kein Platz mehr für Nuancen in diesem Szenario, wo toxische Maskulinität vor allem durch Aggression gekennzeichnet wird.) Dafür ist die Atmosphäre einmal mehr äußerst gelungen. Regisseurin Christina Choe liefert einen Horror-Kurzfilm ab. Besonders der Umschwung in Mikes Verhalten ist beängstigend. Die Schauspieler liefern rundum eine überzeugende Darstellung ab. Bei all den vielen toten Frauen im Horrorbereich musste ich zuerst überlegen, wo ich eine ähnliche Story schon gesehen habe. Bei den Masters of Horror von 2006 erzählt Joe Dante in seiner Folge „The Screwfly Solution“ von Männern, die Frauen töten. Viel Blut, etwas düsterer, weniger auffälliger Kommentar zu Gewalt gegen Frauen. Für diejenigen, denen es hier zu politisch wird. Von mir gibt es einen Bonuspunkt für den Einsatz der Bratpfanne. Eben doch ein perfektes Geschenk.

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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