The King’s Speech – Die Rede des Königs

Winston Churchill, Charles Darwin, Sir Isaac Newton, Marilyn Monroe, Lewis Carroll, Rowan Atkinson und Bruce Willis. All diese berühmten Persönlichkeiten haben etwas mit König George, dem VI. von Großbritannien, gemeinsam: sie stottern. Doch durch unterschiedliche Behandlungsmethoden haben sie es geschafft, mit ihrem Sprachdefizit zu leben und es sogar zu unterdrücken. Unter anderem können Schauspielerei oder Gesang hilfreich sein. Unter der Regie von Tom Hooper (Les Misérables) und dem Drehbuch von David Seidler (Son oft he Dragon) zeigt die britische Filmbiografie The King’s Speech – Die Rede des Königs aus dem Jahr 2010 die Geschichte eines stotternden Monarchen, der verzweifelt von einer Therapie zur nächsten läuft und irgendwann kurz davor steht, jegliche Hoffnung auf Heilung aufzugeben. Der Film fand weltweit Bewunderung – sogar im Königshaus. Denn die amtierende Königin Großbritanniens, Elizabeth II., Tochter des titelgebenden Königs George VI., bewertet den Film nach einer privaten Vorführung positiv als “bewegend”.

Seit er ein kleiner Junge war, leidet Prinz Albert Frederick Arthur George Duke of York (Colin Firth, Kingsman: The Secret Service), der von allen der Familie “Bertie” genannt wird, unter starkem Stottern. Seine Gemahlin Elizabeth (Helena Bonham Carter, Harry Potter und der Orden des Phönix) und er haben alles versucht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Von Arzt zu Therapeut und vom Therapeuten zum Arzt. Alle Versuche, das Sprachdefizit zu heilen, waren ohne Erfolg. Als Königssohn gehören öffentliche Auftritte dazu. Durch technische Neuentwicklungen wie das Radio werden Ansprachen zum Volk ins ganze Land live übertragen. Zu seinem Glück ist Albert der zweitgeborene und steht so zunächst noch im Schatten seines Bruders Edward (Guy Pearce, Bedtime Stories). Die Ehefrau des Prinzen findet den äußerst eigenwilligen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush, Fluch der Karibik) und bittet ihn um Hilfe. Seine Bedingungen sind allerdings, dass er nicht ins Königshaus kommt, sondern der Prinz als normaler Patient zu ihm kommt. Außerdem gibt es im Behandlungsraum keinen Königssohn, sondern zwei Menschen ohne Standesunterschiede.

Eure Majestät, ihr stottert!

Originaltitel The King’s Speech
Jahr 2010
Land Großbritannien
Genre Drama
Regie Tom Hooper
Cast George VI.: Colin Firth
Lionel Logue: Geoffrey Rush
Königin Elisabeth: Helena Bonham Carter
König Eduard VIII: Guy Pearce
König Georg V.: Michael Gambon
Königin Mary: Claire Bloom
Laufzeit 118 Minuten
FSK
Im Handel erhältlich

Was zunächst durch die irrwitzigen Therapiemethoden als vermeintliche Komödie beginnt, wandelt sich schnell zu einem Drama um einen lustlosen, abgeschlagenen und verzweifelten Mann, der den Kampf mit sich selbst schon beinahe aufgegeben hat. Luftschnappen, das Suchen nach Worten, stottern und stammeln, peinliche Verzögerungen sowie Atemaussetzer verunsichern ihn sehr. Das Wissen, dass es auf einen öffentlichen Auftritt zugeht und er sich vor der Bevölkerung artikulieren muss, versetzt ihn in Panik. Peinliche Momente vor den Menschenmassen häufen sich und nicht einmal seinen Zorn und den Schmerz kann Bertie ohne Stammeln herauslassen. Colin Firth verdient für seine Darstellung eines Prinzen, den es zur Verzweiflung bringt zu versagen, Auszeichnungen. Der erfahrene Schauspieler fühlt sich in die persönliche Situation des Monarchen ein. Was bedeutet Stottern für die Persönlichkeit? Wie kann man dieses Defizit anerkennen? Firths Fähigkeit, sich in die Figur hineinzuversetzen, spricht für sich. Ebenso seine Gesichtsmuskulatur so zu kontrollieren, dass eine glaubwürdige Beeinträchtigung vor die Kamera kommt. Neben Colin Firth steht auch den jeweiligen Synchronsprechern im Deutschen, vor allem Tom Vogt (Stammstimme von Colin Firth und Clive Owen), großes Lob zu. Denn auch sie schaffen es, die Sprachbeeinträchtigung in der Landessprache authentisch rüber zu bringen.

Stimme des Volkes

Dass das Kauen von Murmeln die Gesichtsmuskulatur lockern soll und das Rauchen angeblich den Hals entspannt, sind Therapiemethoden, die Bertie bereits hinter sich hat. Erfolglos. Seine Frau macht nach vielen vergeblichen Versuchen einen großen Schritt zu dem Sprachtherapeuten Lionel Logue. Für ihn ist der künftige König kein Monarch, sondern ein Patient, dem er einen Spitznamen gibt und das “Du” verwendet. Der unkonventionelle Sprachlehrer zähmt den zunächst widerspenstigen Prinzen mit gymnastischen Übungen, Verrenkungen und Fluchausbrüchen mit dem Ziel, am Ende eine stotterfreie Rede an das Volk zu halten. Oscar-Kandidat Geoffrey Rush gibt dem Therapeuten sein Gesicht. Mit seinem derben Humor sorgt er für komödiantische Momente. So bildet er durch seine leicht verrückte Art das komplette Gegenstück zu dem steifen Prinzen. Die Benutzung von Schimpfworten in einer gewissen aggressiven Lautstärke, wie es im Lauf der Therapie von Bertie zu hören ist, soll dafür sorgen, dass die Zunge gelockert wird. Wenn das nicht eine unorthodoxe Behandlungsmethode ist.

Innere Stärke

Was würde Bertie nur ohne seine Frau machen? Denn durch ihren Mut, den ersten Schritt in die Praxis des Logopäden zu setzen, kann sie ihrem geliebten Mann zur möglichen Heilung helfen. Sehr autoritär zeigt Helena Bonham Carter als Elizabeth ihr Können vor der Kamera. Ihre Figur gibt Albert Kraft, ist an seiner Seite und wird sogar in die Therapie eingebunden. Obwohl die männlichen Figuren definitiv den Mittelpunkt des Films darstellen, steht die Schauspielerin ihnen in nichts nach. Aufgeben ist keine Option. Sie sagt klar, was sie denkt, aber immer bedacht auf ihre aristokratische Stellung. Im kleinen Familienkreis lauscht sie Alberts Stimme, wie er sich Gute-Nacht-Geschichten für die beiden Töchter, unter ihnen die amtierende Königin Elizabeth II., ausdenkt. Hierbei ist bemerkenswert zu sehen, dass sein Stottern beinahe weg ist, weil er es durch die Liebe zur Familie vergisst und sich sicher fühlt. An seiner Seite definitiv eine Frau, die des Titels als mögliche Königin würdig ist und bei jeder Rede, sei es mit oder ohne Stottern, ihrem Mann liebevoll zur Seite steht.

David Seidlers Herzensprojekt

Eine Umsetzung von Ideen braucht den richtigen Zeitpunkt. Bereits 1980 begann Drehbuchautor David Seidler, der als Kind selbst stotterte, mit den Arbeiten an der Geschichte um König George VI. Auf Wunsch der Königinmutter und Witwe Elizabeth stellte er zu ihren Lebzeiten die Arbeiten ein. Drei Jahre nach ihrem Tod 2005 nahm er das Projekt wieder auf. Zunächst als Theaterstück und später als Filmdrama. Weltpremiere durfte die Filmbiografie in Colorado beim Telluride Film Festival feiern, hierzulande fand 2011 Deutschlandpremiere auf der Berlinale statt. Nach dem weltweit großen Erfolg des Meisterwerks wurde das Theaterstück mehrfach aufgeführt. Unter anderem auf den Schauspielbühnen Stuttgart und im Berliner Schlosspark Theater. Hohe Auszeichnungen erhielt der Film durch zahlreiche Preise und zwölf Nominierungen bei den 83. Oscars. In den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch und Bester Hauptdarsteller durften Tom Hooper, David Seidler und Colin Firth ihre Karriere krönen.

Fazit

Nach einer wahren Begebenheit zeigt The King’s Speech – Die Rede des Königs einen Ausschnitt aus dem Leben des künftigen Königs George VI. Sein Stottern beeinträchtigt ihn sehr und das Wissen, vom eigenen Vater als unwürdig und peinlich angesehen zu werden, macht es nicht einfacher. Dass ihm der Geduldsfaden schnell reißt, ist ebenso wie die Wutausbrüche nachvollziehbar. Beim ersten Treffen mit Lionel Logue prallen zwei Temperamente aufeinander. Es dauert eine Weile, bis Vertrauen aufgebaut werden kann und sogar Freundschaft entsteht. In der Praxis kann er einfach Mensch sein, ohne an seine königlichen Pflichten denken zu müssen. Beeindruckend ist zu sehen, wie der Prinz zwischen der politischen Stellung und Verantwortung als Königssohn und seinem Stottern hin und her schwankt, was ihn selbst in seinen Augen als unwürdig darstellt. Colin Firth in dramatischen Szenen; die mit dem überraschen, was bei schreienden, fluchenden, singenden und lachenden Sprachübungen zum Vorschein kommt.

© Senator Home Entertainment

 

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