Mission: Impossible II

Lesezeit: 4 Minuten

Wenig überraschend ließ die Fortsetzung von Mission: Impossible nicht lange auf sich warten. Unter neuer Regie von John Woo, der kurz zuvor mit Face/Off – Im Körper des Feindes unter Beweis stellen durfte, dass ihm nicht nur das HongKong-Kino liegt, sondern dass er auch das US-Action-Kino beherrscht. Jene Intensität sollte auch auf Mission: Impossible II überspringen. Doch das schneller-höher-weiter-Prinzip des Actionfilms ist nur ein Faktor der Optimierung, welcher alleine nicht aufgeht, wenn der Rest des Films auf dem Boden bleibt.

Während seines Urlaubs im Monument Valley erhält Geheimagent Ethan Hunt (Tom Cruise) seinen nächsten Auftrag. Hunts Boss (Anthony Hopkins, Hannibal) erläutert seinem Agenten die neueste Weltbedrohung: Der Wissenschaftler Dr. Nekhorvich (Radé Sherbedgia, The Saint – Der Mann ohne Namen), der im Labor ein bösartiges Virus entwickelt hat, ist entführt worden. Und das kurz bevor er sich mit Ethan Hunt treffen konnte, um das gefährliche Virus vor den geldgierigen Absichten eines Pharmakonzerns in Sicherheit zu bringen. Stattdessen geht er dem ehemaligen IMF-Agenten und Ex-Kollegen Hunts, Sean Ambrose (Dougray Scott, Hitman – Jeder stirbt alleine), in die Falle. Mit Hilfe der Meisterdiebin Nyah Hall (Thandie Newton, L.A. Crash), der Ex-Geliebten von Ambrose, soll Hunt dem Schurken seine Geheimnisse entlocken. Doch romantische Verstrickungen zwischen der Kleptomanin und dem Top-Agenten komplizieren die Angelegenheit.

Neuer ästhetischer Anspruch täuscht über Konventionen hinweg

Originaltitel Mission: Impossible 2
Jahr 2000
Land USA
Genre Action-Thriller
Regisseur John Woo
Cast Ethan Hunt: Tom Cruise
Sean Ambrose: Dougray Scott
Nyah Nordoff-Hall: Thandie Newton
Luther Stickel: Ving Rhames
Billy Baird: John Polson
John C. McCloy: Brendan Gleeson
Swanbeck: Anthony Hopkins
Laufzeit 124 Minuten
FSK

Tom Cruise zufolge war geplant, jeden weiteren Teil der Reihe mit einem neuen Regisseur zu besetzen. John Woos Anspruch lag darin, die Virtuosität und Geschmeidigkeit des Vorgängers auf eine neue Weise zu interpretieren. So leichtgewichtig und tänzerisch wie das Action-Ballett seiner anderen Filme. Der Erwartungsdruck, sowohl die kommerzielle als auch stilistische Nachfolge von Mission: Impossible anzutreten, war also hoch. Formal sind die Bedingungen erfüllt: der hochklassige Actionfilm mit stilistischen Eigenheiten stand. Doch der Rest der Formel setzt sich aus nur allzu bekannten Zutaten zusammen. Wie immer erhält Ethan Hunt einen schier unmöglich auszuführenden Auftrag. Dieser besteht aus der Vernichtung einer gefährlichen Bio-Waffe. Interessant ist nicht etwa der Ausgang (genrebedingt wissen wir immer, dass der Agent es schaffen wird), sondern der Weg dorthin. Genau hier wird es öde: Pyrotechnik, Geballer, Verfolgungen und eine süßlich-romantische Lovestory. Hier schwingt auffällig viel Hong Kong-Kitsch mit, der selten glaubhaft ausfällt. Auch eine ikonische Szene sollte nicht fehlen: Aus der lautlosen Schwebeszene im Hauptquartier von Langley wurde im zweiten Teil ein tosender Freifall mit abruptem Stopp.

Ethan Hunt, Agent ohne Profil

Bereits die erste Szene spricht Bände: Ethan Hunt beim freien Klettern in schwindelerregenden Höhen. Höher, schneller, weiter. Selbiges ist der Fokus von Mission: Impossible II, welches nie den Verdacht abbauen möchte, die wichtigsten Actionszenen seien lange vor der Handlung auf dem Papier gewesen. Es wäre falsch, dem Film vorzuwerfen, seine perfekten Choreografien und tänzerischen Kampfeinlagen könnten nicht überzeugen. Doch der Preis dafür ist nur zu offensichtlich: ein lahmer Aufhänger und ein Ethan Hunt ohne nennenswerte Charaktereigenschaften. Immer zur Stelle, wenn gebraucht und immer mit der zündenden Idee in den ausweglosesten Situationen. Ethan Hunt verkörpert den Stereotypen des identitätsbefreiten Agenten in Mission: Impossible II wie kaum ein anderer. Und spätestens die Fortsetzung sollte die Frage, wer der Protagonist ist, mit ein paar Eigenschaften beantworten lassen. Als Ethan Hunt darf Tom Cruise wieder einmal mehr Muskeln als Mimik zeigen, obwohl die Liebesgeschichte deutlich mehr Emotion erfordert als der erste Teil. Besonders fatal waren die langen Dreharbeiten für Dougray Scott, der ursprünglich für die Rolle des Wolverine in X-Men vorgesehen war, seine Rolle jedoch an Hugh Jackman abgeben musste, da es zu zeitlichen Überschneidungen kam.

Fazit

Mission: Impossible II ist der schwächste Teil der Reihe, doch ein entscheidender Wegweiser für den weiteren Verlauf. Die Reihe schlägt hier einen Weg ein, den die kommenden Filme fortführen. Über den fehlenden inhaltlichen Anspruch täuscht der Action-Overkill hinweg, der souverän in Szene gesetzt ist und auch überzeugen kann. Die hochexplosiven Szenen wechseln sich mit den schicken Slow Motion-Sequenzen ab. Nur in den ruhigen Momenten sickert eben die fehlende Substanz hindurch und bereits der Storyabriss lässt erahnen, wie nebensächlich die Handlung doch ausfällt. Also stolpert Tom Cruise an den zu einem Markenzeichen gewordenen Tauben vorbei und sieht dank Slow Motion-Technik hervorragend aus, hat dabei aber nichts zu sagen.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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