Mission: Impossible – Fallout

Lesezeit: 6 Minuten

Der Bekanntheitsgrad von Ethan Hunt ist längst nicht so hoch wie der von James Bond. Und dennoch muss sich der von Tom Cruise verkörperte Agent nicht hinter Ian Flemmings Spionageikone verstecken. Mission: Impossible – Fallout bietet zwar ebenfalls atemberaubende Action, kommt aber unerwartet wendungsreich und komplex daher. Der sechste Teil der 1996 gestarteten Reihe ist nicht nur innerhalb der Filmreihe das Glanzlicht, sondern fordert dem Zuschauer auch volle Konzentration ab. Denn die Geschichte schlägt mit einer Wendung nach der nächsten zu Buche und gibt Vollgas, um dem Zuschauer auch ja keine Atempause zu lassen.

    

Agent Ethan Hunt nimmt nach der Wiederbelebung der geheimen Impossible Mission Force (IMF) einen neuen Auftrag von Obertier Alan Hunley (Alec Baldwin, Jagd auf Roter Oktober) an. Im Konkreten geht es um die Weltuntergangsorganisation “Apostel”, die Terrorsiten entsandt hat, um drei Plutonium-Kapsel in ihren Besitz zu bringen. Das Ziel ist es, die Welt mittels Nuklearexplosionen zu zerstören. Bekannt ist nur, dass der Anführer der Apostel ein Mann namens John Lark ist ist. Gemeinsam mit seinen Partnern Benji (Simon Pegg, Ready Player One) und Luther (Ving Rames, Pulp Fiction) ist Ethan Hunt einer Kapsel auf der Spur. In Berlin rennt die Gruppe in eine Falle…

Auftrag: Selbstoptimierung

Die schwiergiste Aufgabe einer langlebigen Reihe wie Mission Impossible ist es, sich immer wieder neu zu erfinden. Und das unter der Prämisse, weder die Fans zu enttäuschen, noch einen Abklatsch des jeweils letzten Teils zu produzieren. Im Actionfilm gilt das Gesetz der Superlative: Höher, weiter, schneller, besser. Eine Formel, die schnell dazu verleitet, einen Film zur hochexplosiven Granate zu entwickeln und die Handlung zu kurz kommen zu lassen. Anders funktioniert das bei Mission: Impossible – Fallout. Hier greift “sowohl als auch”. Actionfans sind rasante Verfolgungsjagden gewohnt. Doch was sich hier per Auto und Motorrad in der Pariser Innenstadt abspielt, ist atemberaubend und intensiv in Szene gesetzt. Es ist gar nicht so einfach, einen wirklichen Höhepunkt des Films auszumachen, denn Material dafür ist genug vorhanden. Eine Szene, welche sicherlich nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird und auch die brachiale Herangehensweise unterstreicht, ist aber sicherlich ein Kampf, der innerhalb einer Toilette stattfindet. Nicht nur, dass dabei alles, was so ein Bad an Inventar bietet, zum Einsatz kommt. Gleichzeitig wird hier im Subtext das Verhältnis von Ethan Hunt und der zweiten Hauptfigur, dem Attentäter August Walker (Henry Cavill, Superman in Man of Steel) definiert. In dieser Szene zeigt sich, wie clever die Herangehensweise ist, Figuren und Action gleichermaßen zu berücksichtigen.

Duracell-Häschen Tom Cruise

Originaltitel Mission: Impossible – Fallout
Jahr 2018
Land USA
Genre Action-Thriller
Regisseur Christopher McQuarrie
Cast Ethan Hunt: Tom Cruise
Ilsa Faust: Rebecca Ferguson
August Walker: Henry Cavill
Benji Dunn: Simon Pegg
Alanna Mitsopolis / Weiße Witwe: Vanessa Kirby
Alan Hunley: Alec Baldwin
Solomon Lane: Sean Harris
Erica Sloan: Angela Bassett
Luther Stickell: Ving Rhames
Julia: Michelle Monaghan
Laufzeit 147 Minuten
FSK

Tom Cruise ist auch nach 22 Jahren noch immer das Aushängeschild der unmöglichen Mission. Mit seinen 55 Jahren ist er so fit wie eh und je und dreht all seine Stunts selbst. So geriet der Film bereits während seiner Dreharbeiten im Sommer 2017 in die Schlagzeilen, als Cruise sich beim Sprung auf den Vorsprung auf ein Vordach am Knöcheln verletzte und der Dreh für mehrere Wochen pausieren musste. Diese Zwangsunterbrechung hatte keinen Effekt auf den Kinostarts, doch zwischen Beendigung der Postproduktion und dem Einmarsch in die Lichtspielhäuser lagen weniger als vier Wochen. Im Film selbst ist davon nichts zu merken: Die Stunts wirken authentisch und rabiat und das Drehbuch erweckt ohnehin in den Eindruck, bis ins kleinste Detail durchdacht zu sein. Die Karten werden so häufig neu gemischt, dass sich nur erahnen lässt, wie aufwendig die Herangehensweise an den Stoff war, um ihn so verschachtelt erzählen zu können. Dabei wird auch nicht auf die ikonischen Maskerade-Gimmicks verzichtet, die so glaubhaft zum Einsatz kommen, dass selbst die Figuren geradezu überrascht werden.

Brachiale Stunts rund um den Globus

Ähnlich wie in der James Bond-Reihe ist es auch hier von Notwendigkeit, Vielfältigkeit hinsichtlich der Kulissen anzubieten. Die Hatz rund um den Globus (Belfast, Berlin, Paris, London, Ramstein, Kaschmir) wartet mit atmosphärischen Kulissen auf, die nicht nur die globale Wichtigkeit der Mission betonen. Für den Showdown wurde dabei die denkbar dramatischste aller Kulissen gewählt: Die steinernen Klippen des Himalaya, wo jeder Schritt den Tod bedeuten kann. Doch was Ethan Hunt und sein Gegner hier in Sachen Zweikampf abfeuern, ist beinahe gottesgleich.

Regisseur Christopher McQuarrie (Edge of Tomorrow) weiß auch, wie ein Absprung aus 7.500 Metern Höhe noch drastischer wirkt, als er ohnehin schon erscheint: wenn man ohnmächtig springt. Solche Szenen sind es, bei denen sich das Adrenalin unmittelbar auf den Zuschauer überträgt. Cruise hat diesen Sprung wirklich gewagt, ohne Absicherung und nach etlichen Tests. Mehrere Kameramänner fingen das Geschehen mit 3D-Kameras ein und Cruise schauspielert dabei noch immer. Eine Szene, die noch lange nachhallt. Ohnehin ist McQuarrie der erste Regisseur, der mehr als einmal bei einem Mission Impossible-Film Platz auf dem Regiestuhl nimmt und seine Erfahrungen mit der Materie vertiefen darf. Deshalb sitzt im sechsten Teil jede Choreografie und jedes noch so mutige Experiment funktioniert.

Keine One-Man-Show

Im Verlauf der Filme entwickelte sich die Agenten-Reihe immer weiter weg von einem 007-Konkurrenten hin zu einer Team-Geschichte. Ein wichtiger Faktor, der auch in Fallout zum Tragen kommt. Neben Luther und Benji, die immer wieder für humorvolle Momente mit Aha-Effekt sorgen, ist auch der undurchsichtige CIA-Agent August eine spannende Figur. Er lässt sich praktisch nie in die Karten schauen und auch der Zuschauer wird nicht auf den ersten Moment entscheiden können, ob er nun Sympathie oder Antipathie für den stillen Actionheld aufbringen kann. Komplettiert wird die Gruppe durch die MI6-Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson, Schneemann). Auch die restlichen Figuren wie “Weiße Witwe” oder Solomon Lane besitzen Strahlkraft und sorgen für charismatische und erinnerungswürdige Szenen.

Mit Mission: Impossible – Fallout boxt sich die Reihe endgültig frei von allen Vorurteilen, Hirn aus-Action oder nur ein 007-Konkurrent zu sein, und stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie Superlativ-Action und ein ausgeklügeltes Drehbuch in Verbindung mit Charakterzeichnung harmonieren können. Eindimensionalität sucht man hier jedenfalls vergeblich, denn hierbei handelt es sich um einen der aufregendsten Actionfilme des Jahrzehnts. Es bleibt zu hoffen, dass ein siebter Teil folgen wird, doch hinsichtlich seiner Wucht wird Teil 6 kaum zu schlagen sein. Das wissen wohl auch alle Beteiligten, weshalb die Möglichkeiten nach Ende des Films nicht mehr ganz so groß sind. Doch selbst dann besitzt die Reihe einen runden und würdigen Abschluss.

Zweite Meinung:

Als großen Fan der Reihe würde ich mich nicht bezeichnen, aber ich war trotzdem sehr gespannt, wie der sechste Teil werden würde. Bekommen habe ich ein paar wirklich spannend choreografierte Actionszenen, bei denen mich vor allem die Verfolgungsjagd in England begeistert. Es ist einfach zu amüsant, wie Benji hier Ethan durch die Gegend lenkt. Doch auch das Duell in der Toilette weiß zu überzeugen, weil hier einiges nicht wie geplant läuft — ein Thema, das sich passend durch den Film zieht. Ein klein wenig übertrieben finde ich das große Finale, aber ich versuche nicht allzu viel darüber nachzudenken. Einige der Wendungen sind auch nicht wirklich überraschend, da man nach fünf Teilen weiß, wie der Hase läuft. Dafür fällt positiv auf, dass Zeit bleibt, den Figuren Charaktermomente zu geben. Gerade Ethans Ehe ist eine Thema, das hier gut eingeflochten ist. Auch dass Solomon Lane, ein Wiederholungstäter, hier noch einmal eine tragende Rolle spielt, gefällt mir. So wurde nicht einfach schon wieder ein neuer Bösewicht aus dem Hut gezaubert. Alles zusammen ergibt einen unterhaltsamen Film, der es für mich nur nicht an meinen Lieblingsteil Mission: Impossible – Phantom Protokoll schafft.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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