Living Among Us

Lesezeit: 3 Minuten

Sachen gibt es: Erst verstecken sich die Vampire über mehrere Jahrhunderte vor den Menschen. Und dann ist die Technik irgendwann fortgeschritten genug, dass sie sich zu erkennen geben können. Denn mit Blut aus Blutbänken sollte doch eigentlich nichts mehr schief gehen können! Ob das funktioniert? Regisseur Brian A. Metcalf (The Lost Tree) klärt uns in seinem zweiten Spielfilm Living Among Us auf. So alt das Thema Vampire und Menschen auch ist, findet der Regisseur mit seinem Found Footage-Stil neue Ansatzwege.

Eigentlich könnte alles doch so einfach sein: Vampire werden von der Gesellschaft toleriert, indem sie Menschen in Ruhe lassen und ihren Blutdurst mittels Blutbanken stillen können. Ein Reporterteam wird entsendet, um eine Dokumentation über den Alltag einer vampirischen Familie zu drehen. Mike (Thomas Ian Nicholas, Please Give) und Carrie (Jordan Hinson, Eureka – Die geheime Stadt) sind wenig begeistert darüber, dass Benny (Hunter Gomez, The Little Mermaid), der Stiefbruder des Senderchefs mit dabei ist. Dieser stört nicht nur die Abläufe, sondern muss immer mit seiner Kamera draufhalten. Wird das Team den ultimativen Beweis abliefern können, dass Vampire total nett und normal sind?

Der freundliche Vampir von nebenan

Originaltitel Living Among Us
Jahr 2018
Land USA
Genre Horror, Dokumentation
Regisseur Brian A. Metcalf
Cast Benny: Hunter Gomez
Carrie: Jordan Hinson
Mike: Thomas Ian Nicholas
Andrew: John Heard
Elleanor: Esmé Bianco
Samuel: William Sadler
Laufzeit 87 Minuten

Der Vampirfilm zählt zu den ältesten Spielarten des Horrorfilms. Bereits in den 1920ern entstanden die ersten Produktionen, in den 1930ern folgten diverse Dracula-Filme und ab den 70ern strömten regelmäßig neue Vampir-Titel auf den Markt. Ob als romantisierter Spielfilm (Interview mit einem Vampir), Actioner (Blade) oder Sci-Fi (Daybreakers) – Spielarten für die Blutsauger gibt es zuhauf. Living Among Us gehört ebenfalls zu jenen Filmen, die sich aus der Masse hervortun. Das gelingt durch eine gar sonderbare Verschmelzung aus Genre und Thematik: Bei einem Mockumentary handelt es sich um eine in der Fiktion angesiedelte Dokumentation, hier also über den Frieden zwischen Mensch und Vampir. Bereits 2010 lieferte Regisseur Vincent Lannoo mit dem belgischen Vampires einen ähnlichen Film ab, welcher jedoch wesentlich ruhiger ausfällt. Living Among Us erhöht sein Tempo nach kurzer Zeit bereits merklich.

Found Footage-Vorzüge- und Nachteile

Wenn Vampirbotschafter Samuel (William Sadler, Die Veurteilten) vor der Presse eine Rede hält, ist man selbst hin und her gerissen: trügerischer Schein oder doch endlich eine Vereinigung beider Parteien? Der Ausgang der Geschichte liegt sozusagen auf der Hand. Der Found Footage-Stil, der im Horror-Genre durch Blair Witch Project einst etabliert wurde und seinen Kino-Höhepunkt in der Paranormal Activity-Reihe fand, erfreute sich bis in die 2010er hoher Beliebtheit. In dieser Welle entstand 2013 schließlich auch Living Among Us. Der Film lag fünf Jahre in der Schublade, bis es zu seiner US-Auswertung kam. Damit auch ein Jahr nach dem Tod von John Heard (Kevin – Allein zu Haus), welcher hier die Rolle des Andrew spielt. Die genauen Gründe dafür sind nicht bekannt, doch die Qualität des Films hängt damit nicht zusammen. Über weite Strecken fällt der Film unterhaltsam aus und es wird auch kein dokumentarisches Material untergejubelt, um falsche Eindrücke beim Zuschauer zu erzeugen. Dafür beeinträchtigen Störgeräusche und Bildrauschen (selbstverständlich gewollt) die Aufnahmen. Angesichts der modernen Zeit ein fragwürdiges Mittel, schließlich wird hier modernes TV-Equipment genutzt und nicht auf VHS gefilmt. Da die sonstigen Effekte zu überzeugen wissen, wirkt diese kreative Entscheidung umso fragwürdiger.

 

Fazit

Ganz ohne Särge und Knoblauch zeigt Living Among Us, wie eine Frischzellenkur für den Vampirfilm aussehen kann. Leider bleibt der Film hier und dort an Genreklischees hängen. Etwa, wenn der Kameramann selbst in für ihn brenzligen Situationen weiterhin voll draufhält, anstatt das Weite zu suchen. Für Horrorfans wird erschreckend wenig geboten: Trotz Panik, Herumrennerei und hektischen Schnitten wird es selten gruselig. Brian A. Metcalf zieht seinen dokumentarischen Stil von Anfang bis Ende durch. Spannung und Action sind in geringer Dosis enthalten, doch zum Gruseln bleibt wenig. Dafür fällt auch der entscheidende Moment des Films viel zu unaufgeregt aus und zum Mitfiebern sind die Charaktere schlichtweg nicht entworfen. Somit bleibt ein wertvoller Beitrag für Freunde alternativer Vampirgeschichten, aber kein Highlight des Horrorfilms.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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