Kate

Assassinen sind eigentlich tödlich genug. Schlimmer kommt es bekanntlich trotzdem, wenn diese nichts mehr zu verlieren haben und sie sich auf einen Rachefeldzug begeben. Unter der Regie von Cedric Nicolas-Troyan (The Huntsman & the Ice Queen) macht sich in Kate (seit September 2021 auf Netflix) die namensgebende Antiheldin auf einen solchen Feldzug und hinterlässt im japanischen Osaka eine Spur der Verwüstung sowie zahlreiche Leichen überforderter Handlanger. Viel Zeit, Rache zu nehmen, bleibt ihr jedoch nicht, denn sie wurde von ihren Gegnern bereits umgebracht.

 

Auftragsmörderin Kate ist ziemlich gut in dem, was sie tut und hat auch recht wenig Probleme damit, allerlei Leute umzubringen. Nur eine Regel hat sie: keine Aufträge, die Kinder involvieren. Als bei einem Job in Osaka – das Ziel ist ein hohes Tier in der hiesigen Yakuza-Dynastie – eben ein solcher Fall unversehens eintritt, möchte Kate schon abbrechen, wird von ihrem Betreuer und väterlichen Mentor Varrick aber dazu gedrängt, das Ziel trotzdem auszuschalten. Widerwillig tut Kate dies und tötet den Yakuza-Boss vor den Augen seiner Tochter Ani wie auch vor dessen Bruder und Familienoberhaupt Kijima. Infolgedessen verspürt sie immer mehr Verdruss mit ihrer mordenden Profession, die sie schon seit ihrer Jugend ausübt. Kate erklärt Varrick schließlich, dass sie sich nach einem letzten Job zur Ruhe setzen und endlich ein normales Leben führen will, das sie sich mehr als verdient hat. Durch plötzliche gesundheitliche Beschwerden verfehlt sie jedoch in diesem letzten Auftrag ihr Ziel (dieses Mal Kijima selbst) und kann danach nur mit Mühe und Not ihren Verfolgern entkommen. Wie sich herausstellt, sind ihre Beschwerden erst der Anfang, denn sie wurde gezielt einer tödlichen, radioaktiven Strahlungsmenge ausgesetzt und hat nur noch knapp 24 Stunden zu leben. Statt im Krankenhausbett aber auf den unvermeidlichen Tod zu warten, macht sich Kate ausgerüstet mit Schmerz- und Aufputschmitteln daran, ihren eigenen Mörder zu finden und Rache zu nehmen. Die erste Spur ist ihr bezahlter One-Night-Stand von letzter Nacht und wenig überraschend hat auch die Yakuza bei Kates nahendem Ableben die Finger im Spiel.

Die Kunst des Prügelns und Schießens

Originaltitel Kate
Jahr 2021
Land USA
Genre Action
Regie Cedric Nicolas-Troyan
Cast Kate: Mary Elizabeth Winstead
Varrick: Woody Harrelson
Ani: Miku Patricia Martineau
Kijima: Jun Kunimura
Renji: Tadanobu Asano
Jojima: Miyavi
Laufzeit 105 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 10. September 2021

Kates Rachefeldzug führt sie anschließend durch das meist nächtliche Osaka in Clubs, luxuriöse Mafia-Unterschlupfe und enge, mit Imbissen gefüllte Gassen, wo sich die Action entfaltet. Besonders hier kann Kate am meisten punkten. Die Handlungsorte entwickeln schnell einen stimmungsvollen Sog und die Kampf- und Schießeinlagen mit Kate (gespielt von Mary Elizabeth Winstead, die sich ja bereits in Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn die ersten Action-Sporen verdient hat) im Mittelpunkt sind genussvoll anzuschauend inszeniert. Im Zusammenspiel entwickeln die Action-Sequenzen so eine sehr hochwertige Ästhetik, die es auch mit den John Wick-Filmen aufnehmen kann. Ganz allein stapft Kate jedoch nicht durch endlose Scharen auszuschaltender Yakuza-Schläger. Zwecks Geisel / Druckmittel entführt sie ausgerechnet die junge und großmäulige Ani, die jedoch einen derartigen Hass auf ihre eigene Familie hat, dass sie sich Kate kurzerhand anschließt. Neben dem bedienten Badass & Child-Trope sorgt diese Konstellation für einige Comic-Relief-Momente und erlaubt der stoischen Einzelkämpferin auf den letzten Metern ihres Lebens neben der gewohnten Gewalt auch noch einige zwischenmenschliche Augenblicke.

Die Inhaltsleere des Gesagten

Dass mit Kate kein großer Wurf gelingt, ist wohl besonders dem schwachen Drehbuch (Umair Aleem, Extraction: Operation Condor) zu schulden. Die ansehnlichen Actionsequenzen sind mit eher alibi-logischen Begründungen verknüpft, über die Zuschauende besser nicht allzu intensiv nachdenken sollten. Schwerer sind allerdings die hölzernen Dialoge zu ignorieren. Zwar erwartet man im Action-Kino keine feinschiffigen, rhetorischen Meisterleistungen, aber die Gespräche in Kate reichen von bestenfalls vergessenswerter Mittelmäßigkeit bis hin zum gänzlich Unsinnigen. Sie wirken einfach lieblos und sind frei von jeglichem geistigen Witz. Während Mary Elizabeth Winstead in ihrer Rolle eh mehr Taten als Worte sprechen lässt und so schauspielerisch mit Mimik und Körpereinsatz überzeugt, monologisiert sich besonders Woody Harrelson (Die Tribute von Panem – The Hunger Games) um Kopf und Kragen und verursacht ungewohntes Fremdschämen. Auch hätte dem Film eine mutigere Richtung durchaus gutgetan. So hat er einige komische und überzogene Momente, scheut aber die hemmungslose Entfesslung wie beispielsweise Crank. Auch gibt es ernstere und melancholische Momente, jedoch wird auch hier in Kates Seelenleben und Vergangenheit nur unmotiviert an der Oberfläche rumgestochert, ohne dass der Film eine konsequente Unternote bekommt.

Fazit

Einerseits überzeugt Kate so mit stylischen und begeisternden Action-Sequenzen, enttäuscht andererseits aber mit dem Dazwischen in Form einer schwachen Handlungsverknüpfung und ziemlich unguten (peinlichen, klobigen, unschönen, frühreifen, Augendrehen hervorrufenden, schlicht: schlechten) Dialogen. Der Film hinterlässt einen so mit dem Gefühl von verspieltem Potenzial und dem Wunsch, dass man hier und dort erzählerisch etwas geschickter oder auch mutiger vorgegangen wäre. Das heißt jedoch nicht, dass Kate ein schlechter Film ist. Er ist in der Tat sogar ein ganz guter Streifen und bringt alle Qualitäten für ein unterhaltsames Filmerlebnis mit. Setzt man den Maßstab aber bei wirklich hervorragenden Actiontiteln wie John Wick, fehlen Kate letztlich die besonderen Herausstellungsmerkmale, um sich von der breiten Masse abzuheben. Zumindest mir wird Kate (sowohl Film wie Figur) wohl trotzdem durch einen an Badassitude kaum zu überbietenden Supercool-Slow-Mo-Entrance-Walk am Ende des Films noch lange in Erinnerung bleiben und allein deswegen bestimmt den gelegentlichen Rewatch bekommen.

© Netflix

Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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