Raging Fire

Um Raging Fire schwebt eine große Tragik: Regisseur Benny Chan (Hongkong Crime Scene), vor allem durch seine gemeinsame Arbeit mit Jackie Chan berühmt geworden, erlebte die Premiere seines letzten Streifens nicht mehr. Er verstarb im Alter von 58 Jahren an den Folgen von Krebs. Im Hongkong-Kino galt der Drehbuchautor, Produzent und Regisseur zu Recht als einer der ganz Großen. Somit ist Raging Fire in gleich vielerlei Hinsicht von Bedeutung, denn tatsächlich wirkt die Produktion wie ein von Wut entfesselter Schrei, der durch das Kino tobt. Auf dem Fantasy Filmfest 2021 gab es großen Applaus für sein Werk, das Ende Januar 2022 auch als 4k-Scheibe von Koch Media veröffentlicht wird.

   

Seit Jahren führt Officer Bong (Donnie Yen) seine Einheit mit kühlen Kopf und Durchschlagvermögen zu einer beeindruckenden Erfolgsquote. Auch wenn er sich im Dezernat selbst mit seinem Festhalten an Prinzipien keine Freunde gemacht hat. Aus reiner Schikane wird er von einem heißen Fall abgezogen: Der Coup gegen eine Drogenbande hätte zum Höhepunkt seiner Karriere werden können. Ihm ist bewusst, dass mehr dahintersteckt, und so beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln …

Hongkong-Action im Wandel

Originaltitel Nù Huǒ
Jahr 2021
Land China
Genre Action, Martial Arts
Regie Benny Chan
Cast
Cheung Sung-bong: Donnie Yen
Yau Kong-ngo: Nicholas Tse
Anna Lam: Qin Lan
Lok Chi-fai: Simon Yam
Yiu Yeuk-sing: Ray Lui
Seto Kit: Ben Yuen
Au Man-kwai: Ben Lam
Ma Kau-wing: Ken Lo
Yuen Ka-po: Patrick Tam
Tai Cheuk-yin: Kenny Wong
Chow Chi-chun: Deep Ng
Laufzeit 126 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 27. Januar 2022

Der Hongkong-Actionfilm ist ein ganz eigenes Genre, das man in dieser Form nirgendwo sonst auf der Welt findet. In den 80ern und 90ern entstanden dabei bahnbrechende Spektakelproduktionen, die zu immer höheren Budgets führten. Schauspieler und Regisseure wurden zu Stars und mit der Jahrtausendwende fand zunehmend ein Anstieg digitaler Effekte statt. Mit dem Rückfall Hongkongs an China wurde die inhaltliche Darstellung diverser Sachverhalte allerdings auch zunehmend braver. Insbesondere die Darstellung der Polizei hinsichtlich ihrer Linientreue wurde ins rechte Bild gerückt. Diese Landesvorgaben, die eigenen Polizisten als tapfere Aufrechte unter all der Korruption darzustellen, macht auch vor Raging Fire keinen Halt und fühlt sich oftmals sehr gewollt hat. Die Vergleichbarkeit zum Actionkino vor 30 oder 40 Jahren ist heute nicht mehr vorhanden.

Geradlinig erzählt

Raging Fire wirkt bemüht darum, seine Helden zu zelebrieren: Unter all den harten Fights steckt eine Menge Heldenpathos in nicht geringer Dosis. Der Beigeschmack, dass dies alles vorgabengetreu umgesetzt ist, lässt sich so schnell auch nicht abschütteln und bleibt immer präsent. Dazu gehört auch das Bedienen jeglicher Klischees, die dazugehören: Der aufrechte Protagonist auf der einen, der rivalisierende Ex-Kollege (Nicholas Tse, New Police Story) auf der anderen Seite, knochenharte Fights, schanzende Autos, stürmende Passant:innen und  tosender Bleihagel. Die über allem schwebenden Motive: Ehre, Loyalität, Pflichtbewusstsein. Also rein gar nichts Neues im Actionkino. Wenn Klischee neben Klischee aufgereiht wird, geschieht das allerdings auf sympathische Weise. Tatsächlich wirkt der Film nun wie ein letzter lauter Schrei des Regisseurs, in dem sich die ganze angestaute Frustration und vielleicht auch Wut noch einmal entladen zu haben scheint. Eine Art Best of seines Talents und trotz allen Pathos funktioniert seine Geschichte. Auch wenn man sich hier und da über die Geradlinigkeit ärgern könnte: zurücklehnen und genießen ist die bessere Devise.

Atemlos durchgetaktete Action

Die Actionszenen sind furios, wenngleich Genrefilm-Fans Anlehnungen an Heat und Buy Bust erkennen werden. Die zahlreichen Fights und Shoot-Outs sind jedoch so originell, dass man alles andere, sämtliche Anlehnungen und Klischees, schnell vergisst. Die beeindruckenden Verfolgungsjagten brauchen sich etwa vor jüngsten 007-Ablegern keineswegs verstecken. Donnie Yen (Jahrgang 1963!) tobt, als sei er in seinen 20ern. Den actionreichen und knochenbrechenden Stunts kann man sich wahrhaft nur schwer entziehen. Dabei ist der Titel schlichtweg Programm. Das Finale schafft es in all seiner Wucht, die (wohl meisten) Erwartungen noch einmal zu übertreffen.

Fazit

Raging Fire ist ein Hochkaräter des Hongkong-Blockbusters und ein Action-Feuerwerk auf Bestellung. Exzellente Kämpfe und inszenatorische Highlights bestimmen den Film von Anfang bis Ende. Die inhaltliche Schwarz-weiß-Malerei kann man gut zur Seite räumen und auch einfach die umwerfenden Actionszenen bestaunen, sofern man den Kopf abschalten kann. Ein würdiges Vermächtnis von Benny Chan, das eine stimmungsvolle Hommage an das Hongkong-Kino vergangener Tage darstellt.

© Koch Media


Veröffentlichung: 27. Januar 2021

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