What keeps you alive

Lesezeit: 3 Minuten

Weite Wälder, ein malerischer See, ein sich vor dem Sonnenuntergang umarmendes Paar. Schöner könnte der Hochzeitstag von Jules und Jackie kaum sein. Genrefans wissen: Diese Harmonie hält nicht lange an. Was genau passiert, ist die größte Überraschung von What keeps you alive, denn der Film baut auf einem einzigen Überraschungsmoment auf. Colin Minihan (Grave Encounters) setzt einen Psycho-Thriller frei, der nur weniger Mittel bedarf und gleich zwei starke Frauenfiguren ins Zentrum der Handlung rückt. Der Film feierte seine Deutschland-Premiere auf dem Fantasy Filmfest 2018.

  

Jackie und Jules (Hannah Emily Anderson und Brittany Allen, beide Jigsaw) feiern ihren Hochzeitstag. Dafür fahren sie für einen Wochenendtrip in eine Hütte mitten im Wald. Zunächst liegen Liebe und Erotik in der Luft, doch als eines Abends Jackies ehemalige Freundin Sarah (Martha MacIsaac, Battle of the Sexes) vor der Türe steht, kommen Spannungen zwischen dem jungen Ehepaar auf. Am nächsten Tag gerät die Situation außer Kontrolle…

What keeps you alive verschätzt sich gnadenlos

Originaltitel What keeps you alive
Jahr 2018
Land USA
Genre Psycho-Thriller
Regisseur Colin Minihan
Cast Jackie: Hannah Emily Anderson
Jules: Brittany Allen
Sarah: Martha MacIsaac
Daniel: Joey Klein
Laufzeit 108 Minuten

Colin Minihans neuer Trip nach It Stains the Sands Red verlegt die Handlung nach einer trockenen Wüste ins saftige Grün. Die Außenaufnahmen des Gebirges sind vielleicht nicht die romantischste Kulisse, stecken aber schon einmal das Areal ab für alles, was folgen mag. Das höchste Risiko bei What keeps you alive besteht darin, zu verraten, was genau passiert. Denn genau auf dieser Idee fußt der gesamte Film und ist jener Plot Point bereits bekannt, steht das Konstrukt nicht mehr und ein großer WTF-Moment geht flöten. Das führt auch unweigerlich zur größten Schwäche des Titels. Er verlässt sich zu stark auf die Wirkung seines Twists. Diese ist ohne Frage von hohem Ausmaß und lässt selbst den coolsten Zuschauer stutzen. Doch jene Wendung besitzt nicht die Tragfähigkeit, diese Idee über die gesamte Spielzeit mitzuschleppen. Ist erst einmal bekannt, dass Jackie eine Psychopathin ist und Jules umbringen will, ist die Katze aus dem Sack.

Schauspielerisch stark, inhaltlich lasch

Zum Glück gibt es da noch Hannah Emily Anderson und Brittany Allen, die beide eine starke Performance hinlegen – insbesondere physisch. Beiden Schauspielerinnen wird eine Menge abverlangt. Es ist im Besonderen Hannah Emily Anderson, deren Mimik sehr stark an die jeweilige Situation angepasst ist und deren Minenspiel man nicht nur gerne, sondern vor allem aufmerksam zusieht. Der Ausgangspunkt funktioniert so lange gut, bis der Regisseur den eigenen Film entschleunigt. Jackie gelingt es, Jules zu schnappen. Doch erst einmal geht es den aufdringlichen Nachbarn an den Kragen. Ab diesem Punkt beginnt das Drehbuch zu kleckern, die Figuren verfolgen ihre Ziele nicht konsequent genug und ohnehin wird die Handlung dann nur noch auf Sparflamme bis zum Finale durchmanövriert. In Sachen Bodyhorror sind kleinere Einlagen eingebaut und daneben ist es vor allem ein Kampf bis zur Erschöpfung, den die Figuren durchlaufen müssen. Angenehm ist, dass die Homosexualität des Paares keine große Rolle spielt. Weder verhalten sich die Frauen dadurch anders, noch werden sie für Nacktszenen objektiviert. Dieser ernsthafte Umgang mit den Figuren schafft eine glaubhafte Grundhaltung. Alles andere hätte den Plot wohl auch ad absurdum geführt.

What keeps you alive macht in der ersten halben Stunde Spaß, solange bis die (wirklich nicht durchschaubare) Wendung erfolgt. Ab dann verpufft der Spaß im Fünf-Minuten-Takt, wenn mehrere Chancen vergehen und sich die Handlung dadurch immer stärker hinauszögert. Vielleicht wäre es hierbei vorteilhafter gewesen, die Figuren stärker zu etablieren und die zweite Hälfte zu straffen, welche irgendwann zu Ermüdungserscheinungen führt. Unterm Strich handelt es sich um einen mittelmäßig gelungenen Psychothriller, der weit hinter seinem Potenzial zurückbleibt, obwohl starke Grundvoraussetzungen vorhanden sind.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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