Ace of Diamond

Lesezeit: 6 Minuten

Baseball gehört in Japan zu den beliebtesten Sportarten. Kein Wunder also, dass sich auch eine Vielzahl Medientitel um die in Amerika entstandene Beschäftigung dreht. Basierend auf dem erfolgreichen 47-bändigen Manga von Yuuji Terajima (Giant Step) lief von 2013 bis 2016 die Anime-Umsetzung Ace of Diamond im japanischen Fernsehen. Darin begleitet der Zuschauer den Jungen Eijun Sawamura und die Baseballmannschaft der Seidou Highschool auf ihren Weg zu den Nationalen Meisterschaften. Die beiden großen Animestudios Production I.G (B: The Beginning) und Madhouse (Death Parade) produzierten den Titel. Hierzulande ist er beim Streamingdienst Crunchyroll mit deutschen Untertiteln komplett abrufbar.

Es ist sein letztes Baseballspiel in der Mittelschule, weswegen Eijun Sawamura alles in seinen letzten, entscheidenden Wurf legt. Doch er und seine Mannschaft verlieren. Sawamura beschließt daher, mit seinen Freunden zusammen auf der Highschool alles zu geben. Sein Vorhaben gerät jedoch ins Wanken, als ein Scout der renommierten Seidou Highschool ihn nach Tokyo einlädt. Als Sawamura bei einem Besuch sieht, in welcher Umgebung er spielen könnte, und unterstützt von seinen Freunden, beschließt er das Angebot anzunehmen. Er muss aber schnell merken, dass er noch sehr viel zu lernen hat, und dass er so schnell gar nicht spielen wird. Denn neben ihm gibt es noch viele andere Jungs, die in die Stammmannschaft möchten. Daher heißt es für Sawamura erst einmal hart trainieren, um es irgendwie auf den Pitcher-Hügel zu schaffen.

Ungeschliffene Diamanten

Originaltitel Diamond no Ace
Jahr 2013 – 2016
Episoden 126 in 2 Staffeln
Genre Sport, Comedy
Regisseur Masuhara Mitsuyuki
Studio Production I.G, Madhouse

Erzählt wird die Geschichte von Ace of Diamond aus der Sicht von Sawamura. Der aufgeweckte, laute und  ehrgeizige Junge ist ein typischer Hauptcharakter, womit er sich neben andere Shonen-Helden stellen darf. Seine Art passt aber auch gut in die sonst eher ernste Umgebung der Seidou Highschool, wo Rivalität auf der Tagesordnung steht und jeder gegen jeden kämpfen muss, um einen begehrten Platz in der Stammmannschaft zu bekommen. Sawamuras Ziel ist die Position des Pitchers, doch auf dieser spielen zu Beginn der Serie schon zwei andere Spieler. Mit dem aus Hokkaido stammenden Satoru Furuya kommt sogar ein gleichaltriger Rivale dazu. Doch da auch er noch viele Fehler macht, bleibt es für den Zuschauer spannend, welcher Spieler hier spielen darf. Allgemein ist es eine ausgezeichnete Wahl, Sawamura schon alleine in seiner eigenen Mannschaft viele Stolpersteine in den Weg zu legen, da es die Geschichte so sehr interessant macht. Denn in vielen vergleichbaren Sporttiteln ist das oft gar kein Thema, da die Teams eher kleiner Natur sind. Die Rivalität zwischen den beiden Jungs Sawamura und Furuya zieht sich durch die komplette Geschichte und sorgt dafür, dass es eine glaubhafte Entwicklung in Sachen Fähigkeiten gibt. Schließlich darf der eine nicht nachlassen in Sachen Technik, wenn der andere schon wieder etwas Neues gelernt hat. Sawamura beschließt sogar im Laufe der Geschichte, das Ace des Teams zu werden. Dafür muss er jedoch nicht nur an seinen Fähigkeiten arbeiten, sondern auch an seinem Charakter.

Eine Mannschaft besteht aus neun Spielern

Nach und nach lernen wir neben den Pitcher-Streithähnen auch noch andere Spieler kennen. Gleich in der ersten Episode treffen wir auf den frechen Kazuya Miyuki, der als Stamm-Catcher eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Sawamura und Furuya hat. Der Brillenträger sorgt allgemein immer wieder für lustige Szenen, aber auch auf dem Spielfeld zeigt er, dass er nicht ohne Grund als Baseballgenie von den Reportern gehandelt wird. Zu dem Duo Sawamura und Furuya gesellt sich noch der schüchterne Haruichi Kominato. Der pinke Schopf möchte nichts sehnlicher, als seinen zwei Jahre älteren Bruder zu übertrumpfen, was kein leichtes Unterfangen ist. Und so tauchen immer mehr Charaktere auf, die ihre eigenen persönlichen Ziele haben und damit die Serie mit viel Leben füllen. Doch auch die gegnerischen Mannschaften bleiben keine blassen Gestalten. Zwar kann die Story nicht jedem Team und jedem Charakter gleich viel Zeit schenken, aber das ist auch nicht nötig. Oft sind es die Pitcher und einige besondere Positionen, die hervorgehoben werden. Gerade Teams, die öfter auftauchen, bekommen sogar eigene Handlungsbögen. So begleiten wir zum Beispiel die Yakushi Highschool im späteren Verlauf in einigen entscheidenden Spielen, die sie gar nicht gegen Seidou austragen. Kein Wunder, schlossen Zuschauer diese Mannschaft doch schnell in ihre Herzen, da die Schule nicht viel Geld hat und das Vater-Sohn Gespann Todoroki einfach unvergesslich ist. Für jeden Zuschauer ist also mindestens ein Charakter dabei, dem er automatisch die Daumen drückt, auf dessen Weg zum Erfolg.

Shortstop, Forkball und Balk

Ace of Diamond richtet sich in erster Linie an Zuschauer, die mit der Sportart Baseball vertraut sind. In Japan sind das also fast alle, denn es ist vergleichbar wie Fußball in Deutschland. Daher werden im Laufe der Serie viele Fachbegriffe nicht langatmig erklärt. Vieles lässt sich zum Glück aber einfach herleiten, und ansonsten hilft das Internet auch schnell weiter. Wirklich einfach ist Baseball nicht zu erklären, denn alleine die Berechnung der Strike-Zone füllt mehrere Seiten und sorgt im realen Sport für genauso viel Diskussion wie ein Abseits im Fußball. Da Sawamura und auch die anderen Spieler noch viel lernen müssen, wächst zum Glück das Verständnis für die Schwierigkeiten dieses Sports. Allgemein befasst sich der Anime mit allen Problemen, die so auftreten können. Ob nun Verletzungen, psychologische Probleme oder Teamgeistbildung, hier kommt alles einmal zur Sprache.

Wenn Sofakissen leiden müssen

Kernstück des Animes sind und bleiben die Spiele. Diese können auch gut und gerne zehn Folgen lang sein und wirklich dafür sorgen, dass manch ein Zuschauer sich vor Anspannung die Nägel herunterkaut. Da kann es dann auch einmal passieren, dass man vor Freunde laut los brüllt, wenn ein Punkt errungen wurde — so intensiv werden die Matches. Das liegt vor allen daran, dass in den richtigen Momenten alles ein wenig länger dauert. Hier noch ein Kommentar von einem anderen Spieler, da noch ein paar Worte von einem Reporter und natürlich noch ein Gedanke, den der eine oder andere Charakter gerade hat. Das bedeutet, dass es leider auch einmal Folgen gibt, in denen im Grunde nicht viel passiert. Trotzdem ist der starke Wille da weiterzuschauen, denn bei Ace of Diamond sind einige Wendungen dabei, die das Ruder im Spiel wieder komplett herumreißen. Etwas ärgerlich sind leider die längeren Zusammenfassungen, die es am Anfang einiger Episoden gibt. Wenn nämlich noch Opening, Ending und Vorschau abgezogen werden, bleibt nicht mehr viel reine Spielzeit übrig. Da wundert es auch nicht, wenn viele Folgen für ein Ereignis verbraucht werden.

Kein Meilenstein der Animationskunst

Viele Rückblicke, Standbilder, einfache Zooms — Ace of Diamond ist für sein Alter eher einfach animiert. Gerade einige Spielbewegungen sieht der Zuschauer immer mal wieder, was auch nicht wundert, wenn in einer Folge ein Charakter mindestens zehn Würfe auf dem Mound macht. So viel Abwechslung in der Darstellung kann da auch nicht gezeigt werden. Trotzdem wären hier und da ein paar richtig gut herausgearbeitete Szenen schön gewesen. So kann Ace of Diamond zum Beispiel mit dem von A-1 Pictures produzierten Titel Big Windup! (Staffel 2) von 2010 nicht mithalten. Masuhara Mitsuyuki (Kobato.) sorgte jedoch dafür, dass der Anime teilweise eine Bild-zu-Bild- Umsetzung wurde. Fans der Vorlagen dürfen sich daher freuen, dass ihre Lieblingsstellen noch genauso vorhanden sind, wie sie sie kennen und lieben. Auch das Charakterdesign von Minoru Ueda (Gargantia on the Verdurous Planet) hält sich nahe an die Vorlage von Mangaka Yuuji Terajima. Der Soundtrack aus der Feder von Frying Pan passt einfach. Vor allem die Stücke, die während der Matches spielen, sorgen für ein Anheizen der Zuschauer vor dem Bildschirm. Über die Openings und Endings lässt sich hingegen debattieren. Es fehlt schlicht an Abwechslung. Nur zwei unterschiedliche Interpreten singen die Einspieler, was nicht hätte sein müssen. Und die Sprecher der Serie singen fast immer die Endings. Ohrwurmqualitäten sind kaum gegeben, was schade ist.

Fazit

Meine Leidenschaft für Baseball weckte der Anime Big Windup!. Danach fing ich an, mich durch viele Medien rund um diesen Sport zu lesen oder zu schauen. Irgendwann stolperte ich dann auch über den Anime Ace of Diamond und nach nur wenigen Würfen war ich ziemlich angetan. Sawamuras sehr steiniger Weg zum Pitcher ist von Anfang an sehr interessant aufgebaut. Mit seiner leidenschaftlichen Art, nie aufzugeben, konnte ich ja auch nicht anders, als ihn anzufeuern. Mit Miyuki fand sich auch schnell ein Lieblingscharakter und auch viele andere Figuren schloss ich ins Herz. Und das nicht nur bei den Seidou-Spielern, sondern auch bei den Gegnern . Nichts geht über einen fröhlich aggressiven Raichi Todoroki, der mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Mir gefällt, dass es auch viele Probleme abseits des reinen Spielverlaufes gibt, wie zum Beispiel die Stammspielerbesetzung oder später der Weggang der älteren Spieler. So verbringen wir auch viel Zeit damit, uns mit allen Facetten des Sports zu beschäftigen. Da Sawamura im Wohnheim lebt, haben wir auch viele humorvolle Szenen diesbezüglich. Allgemein bleibt hier selten ein Auge trocken, bei dem was der Anime an Witzen bietet. Die Spiele sind spannend und abwechslungsreich gestaltet, mein Sofakissen musste daher öfters leiden. Schade finde ich es nur, dass der Anime doch recht einfach animiert ist. Gerade die Szenenwiederholungen müssten für mich nicht so oft sein. Von den Openings und Endings bin ich kaum angetan. Einzig „BLOOM OF YOUTH” von OxT gefällt mir, weil es musikalisch einen schönen Rhythmus hat und optisch aus dem Standartraster fällt. Insgesamt sehe ich zwar einige Schwächen bei Ace of Diamond schaue den Titel aber trotzdem gerne an.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Iruka
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Iruka

Ich habe bin in durch Big Windup! zum ersten Mal überhaupt mit Baseball in Berührung gekommen. So richtig fesseln konnte mich der mich der Anime aber nicht. Einige Zeit später schwärmte mir ein Fan von Diamond no Ace vor. Ich schaute rein und konnte nicht mehr aufhören. Weil schon ein großer Teil der Serie erschienen war, konnte ich nach Herzenslust schauen. Mir gefiel neben dem verschiedenen Teammitgliegdern auch, dass es kürzere und längere Spiele gab und auch manche, bei dem die gegenerischen Mannschaften im Vordergund standen. Aber die letzten 10 Episoden waren echt hart. Immer eine Woche warten, während die Daumen wundgedrückt wurden und das Kissen leiden musste. Dann war das Finale vorbei und nun? Bis zur nächsten Season bewaffnet man sich eben mit Handschuh und Ball und spielt im Park fangen und werfen. Sehr zur Unterhaltung der Passanten. Daher war meine Freude auch groß, dass nun endlich die zweite Season gestartet ist und ich mich auf ein Wiedersehen mit den Jungs von Seidou freuen darf. 😉

Iruka
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Iruka

Da war ich doch etwas vorschnell mit dem Tippen:
Ich bin durch Big Windup! zum ersten Mal mit Baseball in Berührung gekommen. So richtig fesseln konnte mich der Anime aber nicht.
Als ich von der Serie Diamond no Ace erfuhr, war bereits die erste Staffel komplett draußen und etwa die Hälfte der zweiten.
Daher war meine Freude auch groß, dass nun endlich die dritte Season gestartet ist und ich mich auf ein Wiedersehen mit den Jungs von Seidou freuen darf.