Und täglich grüßt das Murmeltier

Lesezeit: 5 Minuten

Spricht man über Zeitschleifen, kommt man an einem Film nicht vorbei: Und täglich grüßt das Murmeltier. Auch wenn man über „Die besten Komödien aller Zeiten“ oder „Die besten Filme der 90er“ spräche, käme man an dem von Harold Ramis inszenierten Film, in dem Mitghostbuster Bill Murray die Hauptrolle innehält, nicht vorbei. Also raus aus den Federn ihr Faulpelze und nicht die warmen Schühchen vergessen, denn es ist saukalt da draußen. Das ist es jeden Tag, denn es ist Murmeltiertag! Immer wieder…

    

Phil Connors ist ganz klar zu Höherem berufen. Trotzdem muss sich der Wetteransager eines Lokalsenders in Pittsburgh einmal mehr zu seinem jährlichen Besuch im abgelegenen Örtchen Punxsutawney herablassen, um dort vom Murmeltiertag zu berichten. Sieht Murmeltier Punxsutawney Phil auf dem fröhlichen Volksfest nämlich seinen eigenen Schatten, sagt dies noch weitere sechs Wochen Winterwetter voraus. Sieht er ihn nicht, kommt ein früher Frühling (sowohl Stadt wie Ritual sind real existent, wenn auch nicht vor Ort gedreht wurde). Begleitet wird der mies gelaunte Zyniker Phil neben seinem altbekannten Kameramann Larry von seiner neuen und extrem positiv eingestellten Aufnahmeleiterin Rita und bringt entgegen deren Enthusiasmus seinen Bericht vom Murmeltiertag lustlos hinter sich. Die ersehnte Rückfahrt fällt aufgrund eines Schneesturms jedoch aus und der Wettermann ist dazu gezwungen, noch eine weitere Nacht in der pennsylvanischen Kleinstadt zu verbringen. Der Start in den nächsten Tag verläuft jedoch überaus seltsam für Phil: Von seinem Radiowecker wird er wieder mit Sonny und Chers „I got you babe“ aus dem Schlaf gerissen, wie am Vortag wird angekündigt, dass heute der Murmeltiertag sei, im Gang begegnet ihm derselbe freundliche Mitgast und die Hotelbesitzerin stellt ihm dieselben Fragen. Spätestens als ihn auf dem Weg zu Rita und Larry erneut Versicherungskaufmann Ned Ryerson erkennt („Bing!“) wird Phil klar, dass es sich hier nicht nur um eine seltsame Reihe von Déjà-vus handelt. Und auch auf dem Marktplatz findet weiterhin das Fest zu Ehren des Murmeltiers statt, wo Rita und Larry erneut auf Phil für die Aufnahmen warten. Also berichtet er wieder davon und ist durch einen Schneesturm wieder dazu gezwungen in Punxsutawney zu bleiben. Zu seinem Entsetzen muss er am nächsten Tag feststellen, dass es eben nicht der nächste Tag ist, sondern wieder derselbe: Murmeltiertag, genauso wie der Tag danach und danach und danach und danach und danach und danach und…

Wenn es kein Morgen mehr gibt, sondern morgen wieder heute ist

Originaltitel Groundhog Day
Jahr 1993
Land USA
Genre Komödie, Fantasy
Regisseur Harold Ramis
Cast Phil Connors: Bill Murray
Rita: Andie MacDowell
Larry: Chris Elliott
Ned Ryerson: Stephen Tobolowsky
Buster Green: Brian Doyle-Murray
Mrs. Lancaster: Angela Paton
Nancy Taylor: Marita Geraghty
Ralph: Rick Overton
Gus: Rick Ducommun
Laufzeit 101 Minuten
FSK

Nach anfänglicher Verwirrung und Resignation fängt sich Phil und erkennt die Möglichkeiten seiner ungewöhnlichen Situation. Denn ohne ein Morgen, ohne eine Zukunft, gibt es für ihn an diesem Tag keine Konsequenzen, die nicht um Punkt sechs Uhr mit dem Neustart des Tages ausgelöscht werden. In dieser kreativen Ausgangssituation des Films kann Phil als wandelnder Anachronismus seinen Tag mehr und mehr auswendig lernen und zu seinem Vorteil nutzen, während sein Umfeld alles wieder vergisst. So ist es egal, was Phil tut, was er verbricht, mit wem er schläft oder wen er auf öffentlicher Straße bewusstlos schlägt. Gerade in diesem Auf-die-Spitze-treiben der Möglichkeiten und dem exzessiven Ausleben von Phils eh schon vorhandener asozialen Egomanie entfaltet der Film sein enormes komisches Potential. Doch ernstere Seiten werden ebenfalls angeschlagen: Keine Zukunft zu haben, bedeutet nämlich auch irgendwann Stagnation. Was Phil auch erreicht, wird für den in der Zeit Gefangenen immer wieder ausgelöscht und so wirkt sich die Sinnlosigkeit von allem irgendwann auf seine Psyche aus.

Punxsutawney Zod

Bill Murray (Lost in Translation), Komiklegende und Mann mit dem traurigen Hundeblick, erreicht in Und täglich grüßt das Murmeltier Bestform und zeigt auch in den ernsten Momenten des Films, dass er ein Oscar-würdiger Schauspieler ist. Murray steht dabei ganz klar im Mittelpunkt, zumal er die einzige Rolle innehat, die eine Entwicklung von mehr als einem Tag durchmacht. Mit Andie MacDowell (Vier Hochzeiten und ein Todesfall) als liebenswerte Rita findet sich zwar eine weitere Schauspielerin von Format im Cast, aber sie spielt in erster Linie eben das: eine liebenswerte Person und Impulsgeber für Phil. Dennoch gibt es diverse andere einprägsame Figuren in Punxsutawney, wie sie wohl nur eine amerikanische Film-Kleinstadt hervorbringen kann. Auch sie werden von diversen schauspielerischen Charakterköpfen gespielt, wie Stephen Tobolowsky (Glee) als Ned Ryerson oder Brian Doyle-Murray (Caddyshack – Wahnsinn ohne Handicap) als Bürgermeister Buster Green. Außerdem finden Zuschauer in dem Film Michael Shannon in einer seiner ersten Rollen als Jungbräutigam Fred wieder, lange bevor der hochveranlagte Schauspieler in Batman v Superman: Dawn of Justice als frühexpressionistische Wasserleiche endet.

„Lieblingsfilm“ ist eigentlich ein sehr relativer Ausdruck und ich glaube jeder Filmfan findet in seiner Sammlung einige Titel, die er eine Zeit lang sehr oft angeschaut hat, ehe sie von anderen abgelöst wurden und in den staubigen und dunklen Ecken gelandet sind. Diese Titel mögen zwar alle paar Jahre aus Nostalgie hervorgekramt und noch geschätzt werden, aber nicht mehr die Begeisterung von einst auslösen. Für mich ist Und täglich grüßt das Murmeltier ein Ausnahmetitel, weil das eben hier nie passiert ist und ich am Murmeltiertag immer noch dieselbe Freude empfinden kann, als hätte ich den Film noch nicht hundertmal gesehen. Ironischerweise natürlich der Film, der sich um endlose Wiederholungen dreht… Das Herausragende an dieser Komödie ist bestimmt Bill Murray und seine sehr spezielle Art von Humor (es gibt wenige Schauspieler, die nur mit gequältem Minenspiel und Blick in die Kamera schon zum Lachen anregen können), die hier perfekt passt und dazu die enorm kreative, in Film und Fernsehen oft nachgeahmte Idee einer Zeitschleife, die eine besondere Art von witzigen Situationen zulässt. Wenn auch nicht gefeit vor der obligatorischen Romanze, sticht der Film damit aus einem Sumpf von komödiantischem Einheitsbrei hell leuchtend hervor.

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©Sony Pictures Home Entertainment

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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