Life is Strange (Band 1): Staub

Seien es Filme, Serien oder Videospiele: Alle guten Dinge müssen enden und hat man sich noch so sehr mit den Figuren darin angefreundet oder wünscht sich noch so sehr, dass es irgendwie weitergeht! Comics bieten gerade dafür immer häufiger eine in der Produktion vergleichsweise günstige Möglichkeit. Auch zum 2015 veröffentlichten Square Enix-Titel Life is Strange erscheint seit 2018 eine Weiterführung der Geschichte der Zeitreisenden Max Caulfield und ihrer Freundin Chloe Price. Panini Comics bringt, angefangen mit dem ersten Band Staub, die Serie auch hierzulande in die Comicläden.

 

Ein Jahr nach den Ereignissen des Videospiels – in einer Zeitlinie, in der Max mit ihrer Fähigkeit die Zeit zurückzuspulen ihre Freundin Chloe gerettet hat und ihre Heimat Arcadia Bay von einem monströsen Wirbelsturm den Erdboden gleichgemacht wurde – leben Max und Chloe inzwischen zusammen in Seattle und versuchen die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Während Max sich weiterhin der Fotografie widmet, arbeitet Chloe an einer beruflichen Karriere als Mechanikerin. Auch die Freundschaft zu den Mitgliedern der Band „The Highseas“ erlaubt den beiden langsam zu so etwas wie Normalität zurückzukehren. Doch Arcadia Bay lässt sie nicht los, denn zum nahenden Jahrestag der Katastrophe feiert die reiche Familie Prescott nicht nur das Gedenken ihres verstorbenen Sohnes Nathan, sondern auch den Wiederaufbau der Stadt. Dies ruft beiden schmerzhaft in Erinnerung, dass Nathan für den Tod von Chloes Freundin Rachel nie öffentlich zur Rechenschaft gezogen wurde wie auch die Konsequenzen von Max‘ Entscheidung, der viele ihrer Freunde und insbesondere Chloes Mutter zum Opfer gefallen sind. Das alles hinter sich zu lassen, wird jedoch noch schwerer: Max, die ihre Fähigkeit seit einem Jahr nicht mehr benutzt hat, fängt nun an unkontrolliert zwischen unterschiedlichen Zeitlinien und Realitäten hin und herzuspringen, in denen die Ereignisse anders verlaufen sind. Da dies eine zunehmende Belastung für Max‘ Gesundheit darstellt, geben beide den Ruf des Schicksals nach und kehren nach Arcadia Bay zurück.

Zwei Enden, keins wirklich glücklich

Originaltitel Life is Strange: Dust
Jahr 2018
Land USA
Genre Drama, Fantasy
Autor Emma Vieceli
Zeichner Claudia Leonardi
Verlag Panini Comics

Zwar wird die Handlung des Spiels und dessen zugrunde liegendes Finale für Quereinsteiger anfangs kurz umrissen, doch der Comic dürfte in erster Linie für jene interessant sein, die auch das Game durchgespielt haben. Dieselben wissen auch, dass es im Spiel letztlich zwei mögliche Enden mit minimalen Variationen gibt: Eins, in dem man die Entscheidung trifft, Chloe zu retten und dafür Arcadia Bay von dem abnormalen Wirbelsturm zerstören lässt und das andere, in dem man sich entscheidet Chloe zu opfern, aber der damit verbundene Schmetterlingseffekt und besagter Sturm gar nicht erst entsteht. Wer das Spiel gespielt hat, weiß deswegen auch, dass die letzte Entscheidung einen vor das bekannte moralische Dilemma stellt, das Leben eines geliebten Einzelnen gegen das Leben vieler aufzuwiegen und so oder so mit den bitteren Beigeschmack der Konsequenzen zurücklässt. Noch schmerzlicher wird es noch durch das 2017 erschienene Prequel Before the Storm, das einen mit einem unangenehmen Gefühl der Machtlosigkeit Rachel Amber kennen (und lieben) lernen lässt, ehe sie ihr unabwendbares Schicksal ereilt. Das Erscheinen des Comics sollte also nicht nur das Bedürfnis einer Fortsetzung stillen, sondern auch die Hoffnung auf ein nachträgliches Happy End in irgendeiner Form wecken.

Zum Anfang ein Epilog

Der erste Band Staub fühlt sich über weite Strecken an wie ein Epilog des Spiels. Die beiden Heldinnen werden ein Jahr nach den Ereignissen gezeigt und wie sie mit diesen umgehen. Die melancholische Reise zurück nach Arcadia Bay gestaltet sich dabei zu einer Konfrontation mit den Geistern der Vergangenheit, denen Max durch die neue Entwicklung ihrer mysteriösen Fähigkeit leibhaftig gegenübersteht, sei es eine lebendige Rachel, Warren oder Chloes Mutter Joyce, die um ihre vor einem Jahr verstorbene Tochter trauert. Auch verschiedenen Versionen von Chloe konfrontieren Max, die mal glücklich ist, aber ihr gegenüber auch mit Verbitterung oder Wut begegnet, während Max‘ eigene Realität immer instabiler wird. Erst am Ende des Bandes scheint sich Max und mit ihr auch der Comic von der Vergangenheit zu lösen und eine neue, eigene Geschichte zu beginnen, die erst im Folgeband Wellen entfaltet wird.

Comicscrapartbook!

Verantwortlich zeigen sich für die Umsetzung als Autorin die in Comic-Kreisen bereits etabliert Emma Vieceli (Young Avengers) sowie die Zeichnerin Claudia Leonardi und Kolorist Andrea Izzo, für die Life is Strange das erste größere Projekt darstellt. Optisch zu bemängeln an der Umsetzung der Welt und ihrer Figuren in die zweidimensional gezeichnete Form gibt es nichts. Max und alle anderen sind gut wiederzuerkennen und stimmungsvoll umgesetzt. Der Scrapbook-Stil und Max als Voiceover-Erzählerin wurden ebenfalls aus dem Spiel übernommen, um dem Comic an die Vorlage anzunähern. Mit erwähnten Scrapbook-Einlagen, Grafiken aus dem Spiel, Skizzen und weiteren einmontierten Bildern und Designs erhält man zudem fast schon ein kleines Artbook und somit mehr als eben nur den Comic, sondern auch ein Sammlerstück für Life is Strange-Fans.

Fazit

Das Feeling des Spiels möchte bei mir nicht so wirklich aufkommen, wobei für mich auch das amerikanische Kleinstadt- und High-School-Setting und die Musik viel ausgemacht hat, was hier halt fehlt. Auch den Humor des Spiels, besonders der sarkastisch kommentierende Wortwitz von Max und die neckischen Sticheleien zwischen ihr und Chloe, bleiben auf der Strecke, wobei ein Comic für sowas vielleicht auch nicht zwingend den Platz übrig hat. Insgesamt spürt man aber, dass den Involvierten sehr an dem Material gelegen ist, das sie weiterführen. So sehr ich zudem die ursprünglichen Macher von Dontnod für das konsequente und wirkungsvolle Ende des Spiels schätze (ich konnte zwei Nächte lang nicht ruhig schlafen, weil es mich noch beschäftig hat), bin ich auch irgendwie froh mit dieser Fortsetzung vielleicht doch noch ein Happy End zu kriegen und nicht mehr das Blut von Aracadia Bay an meinem Gamecontroller kleben zu haben.

© Panini Comics


Im Handel erhältlich:

 

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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