Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

Lesezeit: 6 Minuten

Zu den unbeliebtesten Ablegern des DC Extended Universe zählt Suicide Squad. Als Blockbuster spielte er für Warner Bros. satte 175 Mio. US-Dollar ein, fiel bei Kritikern und Publikum jedoch gleichermaßen durch. Ein Gutes – und da sind sich ebenfalls wieder alle einig – hatte die Sache jedoch: Margot Robbies (Once Upon A Time … In Hollywood) ikonische Darstellung der psychopathischen Joker-Flamme Harley Quinn. Bereits vor der Veröffentlichung von Suicide Squad war ein Spin-off bereits beschlossen. Ebenso, dass weitere Figuren das Rampenlicht erblicken sollten. Damals war sogar noch von Batgirl die Rede, doch daraus wurde nichts, und nun werden mit den Birds of Prey eine Hand voll weiterer Damen aus dem gleichnamigen Comic eingeführt, der zwischen 1999 und 2014 erfolgreich erschien. Es ist nur konsequent zu nennen, dass nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera Frauen die Strippen in der Hand hatten: Geschrieben von Christina Hodson, die das Transformers-Franchise mit Bumblebee bereicherte, inszeniert von Cathy Yan (Dead Pigs) und coproduziert von Margot Robbie in Doppelfunktion. 

   

Die junge Diebin Cassandra Cain (Ella Jay Basco) hat einen Diamanten gestohlen, den zuvor der narzisstische Unterweltboss Roman Sionis, auch bekannt als Black Mask (Ewan McGregor, Doctor Sleeps Erwachen) an sich gerissen hat. Er setzt ein Kopfgeld in Höhe einer halben Million Euro auf Cassandra aus, woraufhin der Abschaum Gotham Citys Jagd auf die Minderjährige eröffnet. Damit hat sie etwas gemeinsam mit Harley Quinn, frisch getrennt vom Joker und unter Verlust dessen Schutzes. Seitdem hat es auch auf sie die halbe Stadt abgesehen. Wie der Zufall es so will, gerät Harley Quinn in die Diamantensuche und hängt sich selbst an Cassandras Fersen. Auch die knallharte Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez, Lipstick Jungle) und die Sängerin Dinah Lance (Jurnee Smollett-Bell, True Blood) sind hinter dem Mädchen her – aus ganz unterschiedlichen Motiven.

Harley Quinn … mit ein bisschen Support der der Birds of Prey

Originaltitel Birds of Prey (and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)
Jahr 2020
Land USA
Genre Action, Komödie
Regie Cathy Yan
Cast Dr. Harleen Quinzel / Harley Quinn: Margot Robbie
Helena Bertinelli / Huntress: Mary Elizabeth Winstead
Dinah Lance / Black Canary: Jurnee Smollett-Bell
Roman Sionis / Black Mask: Ewan McGregor
Cassandra Cain: Ella Jay Basco
Renee Montoya: Rosie Perez
Victor Zsasz: Chris Messina
Maria Bertinelli: Charlene Amoia
Laufzeit 109 Minuten
FSK

Erstmals 1996 zu Papier gebracht, sollte ursprünglich die Geschichte zwischen Barbara Gordon, der Tochter von James Gordon, sowie der Dinah/Black Canary erzählt werden. Nach und nach fanden weitere Superheldinnen Gothams ihren Weg in die Geschichte, darunter auch beliebte Vertreterinnen wie Catwoman, Poison Ivy oder Katana (die ihren Auftritt bereits in Suicide Squad feierte). Wie der Filmtitel bereits verrät, steht die Emanzipation von Harley Quinn im Mittelpunkt. Tatsächlich ist das Ergebnis aus eher ein Harley Quinn-Film, während die Birds of Prey als solche eher zur Nebensächlichkeit werden. Drehbuchautorin Christina Hodson entschied sich dafür, die Zusammenführung der Actionheldinnen langsam anzugehen. Dementsprechend startet jede der Frauen für sich und alle Handlungsfäden finden dank Cassandra Cain schließlich zusammen. Während dieses Vorgehen in den meisten Fällen funktioniert, wirkt eine Figur dagegen wie ein einziger Störkörper. Huntress’ (Mary Elizabeth Winstead, 10 Cloverfield Lain) Geschichte läuft ins Leere und trotz der Bemühungen, ihr Handeln zu rechtfertigen, wird der Charakter einfach nur mitgeschleppt. Was sie genau nun im Showdown zu suchen hat, ist das große Rätsel des Films. Weitaus besser funktioniert das bei Black Canary, die das Zeug zum Publikumsliebling mitbringt.

Durch die Bank sympathischer Cast

Dass sich Margot Robbie in ihrer Rolle pudelwohl fühlt, ist nur noch der Form halber zu erwähnen. Bereits in Suicide Squad riss sie das Ruder an sich und bekommt nun auch noch eine Bühne, die einzig und allein ihr gehört. Den Joker vermisst man auch in keiner Sekunde. Wenn Harleys Augen beim Anblick eines Käsesandwichs leuchten oder sie ihre hauseigene Hyäne abschlabbert, strahlt die Figur etwas unglaublich Niedliches aus. Was sich im nächsten Augenblick wieder ändern kann, denn Birds of Prey setzt vor allem auf Knochenbrüche und lässt seine Hauptfigur alles andere als zimperlich auftreten. Ewan McGregor sorgt im Zusammenspiel für die richtige Chemie, denn sein Black Mask erweist sich als der ideale Gegenspieler. Etwas farblos erscheint da sein Handlanger Victor (Chris Messina, Sharp Objects), der sich vor allem durch seine Brutalität auszeichnet. Die von Rosie Perez verkörperte Renee sorgt vor allem für brachiales Vorankommen. Eher unscheinbar bleibt Ella Jay Basco, deren Figur Cassandra nur als Auslöser der Handlung dient, ohne wirklich von Bedeutung zu sein.

Harley Quinn meets Deadpool. Und wo ist eigentlich Batman?

Deadpool machte vor, wie sich ein R-Rating auf die Darstellung eines Films auswirken kann, ohne dabei aber zu dark & gritty zu werden. Exakt diese Formel bedient auch Birds of Prey, dessen FSK 16 sich von anderen DC-Titeln wie Aquaman und Shazam! deutlich abhebt. Damit die Hauptfigur aber nicht zu stark in ultracoolem Gehabe und viel Distanz verschwindet, wird die Deadpool-Formel einmal mehr angewandt. Harley Quinn menschelt sehr, denn die Nähe zum Publikum ist durchgehend vorhanden. Wie aus Deadpool bekannt, wird die vierte Wand regelmäßig durchbrochen, um das Geschehen sarkatisch oder satirisch zu kommentieren. Ganz taufrisch ist diese Idee zwar nicht, bildet in vielen Fällen aber auch die einzige Gelegenheit, humorvolle Anmerkungen oder Pointen unterzubringen. Als Off-Erzählerin lässt Harley Quinn die Meta-Ebene geradezu sprudeln und versorgt uns eifrig mit Infos zu Gotham City und den zwielichten Gestalten, die hier ihr Unwesen treiben. Eine berechtigte Frage, die zwangsläufig aufkommt: Wo sind eigentlich der Joker und Batman? Während der Joker immerhin noch das Geschehen ins Rollen bringt, ohne dabei überhaupt auftauchen zu müssen, tritt Batman allenfalls in Referenzen auf. Margot Robbie erklärte in Interviews, dass Birds of Prey in den Randbezirken Gotham Citys spielt. Das wird insbesondere im Finale deutlich, welches an einem Hafen stattfindet. Auch davon abgesehen sind die Gegenden eher schäbiger Natur und laden nicht dazu ein, länger als nötig dort zu verweilen. Dass dieser Schmuddellook trotzdem zu Birds of Prey passt, liegt an der überfrachteten Dosierung an gesättigten Farben. Kaum eine Bildkomposition verzichtet auf bunte Farben, ansonsten helfen Glitzerfontänen und ebenso der poppig-knallige Soundtrack, die jeden Anflug von Düsternis tunlichst vermeiden. Selbst die Geschosse sind bunt, trotzdem nimmt man ihnen ab, dass sie höllisch weh tun.

Alibi-Handlung im Flashback-Mixer

Eine weitere Auffälligkeit bietet die achronologische Erzählweise. Immer wieder hält die Handlung an und Harley erklärt erst einmal, wie diese und jene Situation eigentlich wirklich ins Rollen kam. Dieser Kniff entpuppt sich als gelungener Eingriff, da die ansonsten lineare und hauchdünne Geschichte um eine weitere Perspektive ergänzt wird. Hält man sich vor Augen, dass die Geschichte auch ohne Rückblenden funktioniert, ist diese inhaltliche Entscheidung schnell als Blendversuch entlarvt, um etwas völlig Simples raffiniert erscheinen zu lassen. Gleichzeitig sorgen die Flashbacks aber auch dafür, dass ein Fuß vom Gaspedal genommen wird. Wenn sich eine Schießerei in einem Polizeirevier ankündigt, dann aber erst einmal zurückgespult und erklärt wird, ehe es weitergeht, geht auch eine Menge Dynamik flöten. Zumindest im Erzähltempo, während es den Actionszenen daran keineswegs mangelt. Für die Kampfszenen heuerte Cathy Yan den Martial Arts-Experten Jonathan Eusebio an, der sein Knowhow bereits bei Marvel (Black Panther) einfließen ließ. Seine Kampfchoreografien sind beeindruckend in Szene gesetzt und wissen vor allem kurz vor dem Finale zu überzeugen (das eigentliche Finale fällt erschreckend unspektakulär aus). Diese Momente brennen sich so richtig ins Gedächtnis ein und sorgen vor den schicken Set-Pieces für einen respektablen Erinnerungswert.

Fazit

Subversiv, referenziell und unglaublich bunt. Im Kern ist Birds of Prey eine gutherzige Nummer, könnte kaum gegenteiliger zu Todd Phillips’ Joker sein und bereichert das filmische Gotham City um eine Nuance, die bislang nicht vorhanden war. Streng genommen handelt es sich um einen reinen Harley Quinn-Film, während die anderen Damen allenfalls als schmückendes Beiwerk auftreten und den Weg für einen möglichen eigenen Film nun geebnet haben. Trotzdem tritt vor allem am Ende ein merkwürdiges Gefühl auf, wenn die Birds of Prey vereint sind: Das war also nun ihre Story? Was hält die Frauen zusammen? So richtig wollen die Handlungsstränge nicht zusammenhaften. Aber alles in allem ist Birds of Prey eine ebenso verrückte wie kurzweilige Actionkomödie voller raumausfüllender Figuren und Choreografien.

 

© Warner Bros.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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