A Star is Born

Lesezeit: 5 Minuten

Vor rund 80 Jahren erschien der Film Ein Stern geht auf (1937), der gleich mehrfach neu verfilmt wurde. Unter anderem in den 1970ern als A Star is Born mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson. 40 Jahre später war es wieder an der Zeit, die Geschichte aufs Neue auszupacken. Bradley Cooper (Hangover) knüpfte sich den Titel als sein Regie-Debüt vor und besetzte sich gleich selbst in der männlichen Hauptrolle. Mit Lady Gaga, die ihr schauspielerisches Talent bereits in American Horror Story: Hotel unter Beweis stellen durfte, erfolgte eine äußerst prominente Besetzung der weiblichen Hauptrolle. Schließlich konnte damit gleich ein ganzer Soundtrack mit der Sängerin aufgenommen werden, dem der Sprung in die Top 5 der deutschen Charts gelang. Ob zwei solch große Namen ausreichen, um dem bereits häufig verarbeiteten Stoff ein zeitgemäßes Update zu spendieren?

    

Jackson Maine (Bradley Cooper) ist ein Superstar. Er dominiert die Bühnen der USA mit seinen Country-Hits und füllt alle Hallen. Privat läuft es bei ihm weniger gut. Er ist lethargisch und dem Alkohol verfallen. Eines Abends kommt er zufälligerweise in eine Bar und erlebt dort die Kellnerin Ally (Lady Gaga), die auf der Bühne einen französischen Chanson darbietet. Gefesselt von ihrem Auftritt will Jackson sie kennenlernen und so ziehen die beiden gemeinsam in die Nacht. Am nächsten Tag wird Ally von Jacksons Management abgeholt. Sie solle per Privatjet auf sein Konzert geflogen werden. Kaum dort angekommen, landet sie ganz unverhofft auf der Bühne und singt ein Duett mit ihm, was ihr bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellt…

Hautnah und ganz natürlich

Originaltitel A Star Is Born
Jahr 2018
Land USA
Genre Drama, Romanze
Regisseur Bradley Cooper
Cast Jackson Maine: Bradley Cooper
Ally: Lady Gaga
Bobby Maine: Sam Elliott
George „Noodles“ Stone: Dave Chappelle
Lorenzo: Andrew Dice Clay
Ramon: Anthony Ramos
Wolfie: Michael J. Harney
Rez: Rafi Gavron
Laufzeit 136 Minuten
FSK

Es war absehbar, dass A Star is Born früher oder später eine Neuauflage erhalten würde. Bereits Anfang der 2000er war ein Remake im Gespräch und so wurde die Idee immer wieder ausgegraben, jedes Mal mit anderen Sängerinnen, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befanden, wie etwa Jennifer Lopez oder Beyoncé. Mit Lady Gaga ist ohne Zweifel eine der ikonischsten Sängerinnen der 2010er vor der Kamera. Die mehr als 30 Millionen verkauften Alben sorgen dafür, dass man ihren Weltstar-Status nicht in Frage stellen kann. Doch besonders beeindruckend ist in diesem Film, dass man ihr genau dies nicht anmerkt. Sie gibt sich natürlich und völlig nahbar. Keine Spur von abgehobenen oder auffälligen Auftritten des Starlets in den vergangenen Jahren. Das wird durch die gelungene Kameraarbeit von Matthew Libatique unterstützt, der nicht nur über 80 Musikvideos realisierte, sondern auch an großen Blockbustern wie Venom führend beteiligt war. Ähnlich wie bei einer Konzertdokumentation ist man ganz nah an den Protagonisten und bekommt dadurch ein realistisches Live-Gefühl vermittelt.

Weder Fisch, noch Fleisch

Bei der Geschichte ist über weite Strecken nicht ganz klar, wo sie eigentlich nun genau einzuordnen ist. Ein Drama über den Abstieg eines Musikers? Eine Liebesgeschichte zweier durch die Musik verbundener Menschen? Der Aufstieg eines Stars, wie der Titel das suggeriert? Oder doch ein bewegtes Warnschild, sich im Erfolgsrausch nicht gehen zu lassen? Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen und alles trifft mehr oder minder zu. Doch ganz rund ist das Ergebnis nicht, denn dafür spart die Handlung zu viel aus. Man erlebt im Zeitraffer, wie Ally vom Niemand zum Star wird und die Beziehung gleichzeitig Höhen und Tiefen durchlebt. Das geschieht erfreulicherweise konsequenter als man es dem Drehbuch zutraut. Kaum einer, der die Originalgeschichte nicht kennt, wird damit rechnen, dass sich Maine das Leben nehmen wird.  Nur bleibt von der Essenz nicht viel mehr als ein moralischer Appell wie “Sprich mit anderen Menschen über deine Probleme” oder “Ertränke deine Sorgen nicht”.

Die Chemie passt

Musikalisch ist A Star is Born ein überragender Titel. Es wäre allerdings schlimm, wenn dem nicht so wäre. Dass sich Lady Gaga mit ihrer stimmgewaltigen Darstellung um einen Oscar bewirbt, liegt ebenso auf der Hand wie die Fülle an musikalischen Stücken, die sie trägt. Die größere Überraschung ist eher, dass auch Bradley Cooper musikalisch eine gute, wenngleich nicht wirklich ebenbürtige Figur abgibt. Übrigens auch schauspielerisch, da Allys Figur mehr Facetten besitzt als Maine, dessen Abwärtsspirale kaum Möglichkeiten lässt. Unklar bleibt, wie eigentlich Allys musikalischer Verlauf aussehen würde, wenn weder Maine, noch ihr Musikproduzent Rez (Rafi Gavron, Tintenherz) Einfluss auf sie ausgeübt hätten. Das ist eine der Fragen, die einem zwar nicht unter den Nägeln brennen, im Gesamtkontext aber unzureichend beantwortet werden. Früher oder später kippt alles zugunsten eines Charakterdramas in eine eindeutige Richtung. Dass das funktioniert, ist dem Gespann Bradley Cooper und Lady Gaga zu verdanken. Sowohl auf der Bühne als auch dahinter geben beide ein stimmiges Protagonistenduo ab, dem man die Romanze ebenso abnimmt wie das musikalische Ineinandergreifen. Gänsehautmomente sind inbegriffen, vor allem dank der musikalischen Intensivität.

A Star is Born hat ein angenehmes Erzähltempo und kann den Verlauf der Geschichte über einen längeren Zeitraum weg erzählen. Die Entwicklung der Figuren verläuft stimmig, nur das Auslassen vieler Szenen sorgt dafür, dass manches (wortwörtlich) holprig über die Bühne geht. Im letzten Drittel ist es dann dem Zuschauer überlassen, ob er mit diesen Aussparungen leben kann oder den Verlauf der Handlung glaubhaft finden wird. Handlungstechnisch spielt sich gleich auf mehreren Ebenen etwas ab und nicht immer wird A Star is Born dabei dem Anspruch gerecht, jede Ebene bedienen zu können. Musikalisch ist der Film allerdings ohnehin über jeden Zweifel erhaben und das sollte für eine breite Masse der größte Grund sein, sich den Film überhaupt erst anzusehen.

© Warner Bros Entertainment

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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