Wayfarers (Band 1): Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Das Weltall ist ein unendlicher Ort, an welchem es viele verschiedene Lebewesen gibt. Ein Zusammenleben all dieser ist gar nicht so leicht und dabei kommen immer wieder neue Spezies dazu. In Beckey Chambers Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten geht es genau um diese Problematik und wie damit umgegangen werden kann. Science-Fiction mit Tiefgang, fernab von großen weltbewegenden Schlachten. Das Buch erschien 2016 und inzwischen sind zwei weitere Teile, Zwischen zwei Sternen und Unter uns die Nacht, erschienen.

   

Rosemary Harper möchte nur noch aus ihrem alten Leben fliehen – und dafür ist ihr jedes Mittel recht. Deshalb verschleiert sie nicht nur ihre wahre Identität, sondern nimmt gleich einen neuen Job auf der Wayfarer, einem Tunnlerschiff, welches Verbindungen zwischen den verschiedenen Sonnensystemen bohrt, an. Dieses hat gerade einen neuen Auftrag angenommen und wird einen Tunnel zu dem neuen Allianzpartner der Galaktischen Union, den Toremi, bohren. Leider ist das nicht nur ein Auftrag, der länger als die üblichen ist, sondern die Toremi sind auch für ihre Fremdenfeindlichkeit und ihre kriegerischen Handlungen bekannt. Für die Crew der Wayfarer bedeutet das, dass sie nicht nur sehr lange miteinander auskommen müssen, sondern sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen. Damit wird dieser Auftrag eine lange Reise durch den Weltraum zu einem kleinen zornigen Planeten.

Die unendlichen Weiten der Galaxis

Originaltitel The Long Way To A Small Angry Planet
Ursprungsland USA
Jahr 2016
Typ Roman
Bände 1 von 3
Genre Science-Fiction
Autorin Becky Chambers
Verlag Tor

Schon zu Beginn wird deutlich: Das Weltall ist vielgrößer als wir es uns heute vorstellen. Rosemary stammt zwar vom Mars, aber sie reist schon im ersten Kapitel innerhalb einer Kapsel durch den leeren Raum und das für eine unbestimmte Strecke. Der Weltraum scheint sich einfach unendlich weit auszudehnen. Denn auch auf der weiteren Reise der Wafayrer entdecken die Lesenden immer wieder Ecken der Galaxie, die ihnen unbekannt vorkommen. Sie treffen auf Planenten, welche mit Sonnenlicht und Luft versorgt werden müssen, weil sonst niemand darauf überleben kann, oder sie kommen auf Randplaneten, auf welchen sich Außenseiter mit zusammengebastelter Technik am Leben erhalten. Die Weiten der Galaxie, deren unterschiedliche Lebensarten und Ansichten und wie all dies zusammenspielt ist ein zentrales Motiv von Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten. Es geht hier um die Suche eines eigenen Platzes im Weltraum und in der Gesellschaft.

Zwischenspezifizäre Konflikte sind hier vorprogrammiert

Doch es gibt nicht nur unterschiedliche Planeten und Lebensbedingungen. Nein, die ganze Galaxis ist voll von unterschiedlichen Lebewesen, bei welchen der Mensch nur einer von vielen ist und dabei nicht einmal eine wichtige Position einnimmt. Auch die Crew der Wayfarer ist gemischt. So leben neben den Menschen auch Sissix, eine echsenähnliche Aandriskfrau, Ohan, ein Sinatpaar, Dr. Koch, ein Grum mit mehreren Fußhänden, und nicht zu vergessen Lovelace, eine empfindungsfähige KI, auf dem Tunnlerschiff. Doch nicht nur die anderen Spezies unterscheiden sich in ihren Anschauungen, auch die Menschen auf dem Schiff sind vollkommen anders aufgewachsen und haben einen anderen Hintergrund. So stammt der Mechaniker Jenks von einer Mutter ab, die auf der Erde in einem Reservat wie ein Neandertaler gelebt und nicht zugelassen hat, dass bei ihrem Sohn die Gene manipuliert wurden, sodass Jenks kleiner als ein normaler Mensch ist. Und auch die Unterschiede zwischen Menschen vom Mars und Menschen, die auf einem Siedlerschiff im All aufgewachsen sind, sind riesig. Bei all diesen unterschiedlichen Lebewesen ist es natürlich klar, dass Konflikte aufkommen müssen und diese sind ein Hauptbestandteil der Erzählung. Oftmals gibt es dabei auch nicht die einzige richtige Lösung und es wird deutlich, wie schwer es sein kann, miteinander auszukommen.

Und wann geht es endlich los?

Schnell wird aus der Beschreibung des Romans klar, dass Becky Chambers vor allem ein Augenmerk auf ihre Figuren und deren Entwicklung gelegt hat. Sie schildert dies mit viel Hingabe und erweckt dadurch verschiedene Individuen mit ihren Problem zum Leben. Besonders schön ist dabei, dass versucht wird, nicht nur eine menschliche Sichtweise zu schildern, sondern viele diverse Charaktere mit ganz anderen Sexualvorstellungen vorkommen. In diesem Bereich liegt die große Stärke des Buches. Bei all den positiven Aspekten, die es bei Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planten gibt, hangelt sich die Geschichte jedoch von einer kleinen Erzählung zur nächsten. In jedem Kapitel wird ein neuer Aspekt aus dem Zusammenleben der Crew geschildert, doch wartet der Lesende, dass es endlich losgeht, die Crew sich auf den Weg zu den Toremi macht und in Kontakt mit dieser Spezies tritt. Darauf muss der Lesende aber lange Warten … Die Handlung plätschert so vor sich hin und es fehlt an einem Höhepunkt, denn es ist zwar interessant zu sehen wie sich die Figuren entwickeln, aber die Handlung wird kaum vorangetrieben, sodass das Lesen zeitweise langweilig wird.

Fazit

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten war für mich eine völlig neue Leseerfahrung. Hier geht es nicht um eine kriegerische Auseinandersetzung oder lange Schilderungen ausgefeilter Technik (obwohl es diese natürlich auch gibt). Es geht viel mehr um die verschiedenen Figuren und deren Zusammenleben. Dabei gefällt mir besonders gut, dass Becky Chambers so viel Wert auf eine vollkommen diverse Welt gelegt hat. Es ist einfach alles möglich in ihrem Kosmos und das macht es für mich so besonders. Manchmal war ich irritiert von den Verhaltensweisen bestimmter Spezies, aber das hat mich zum Nachdenken gebracht und genau das ist ein Punkt, der für mich bei guter Literatur wichtig ist. Leider zieht sich die Handlung in der Mitte des Romans ein bisschen, weil es keine Aktionen gibt, die das Geschehen auf lange Sicht weiterbringen. An diesen Stellen war es oftmals schwierig weiterzulesen, aber trotzdem möchte ich mir die beiden anderen Teile weiterlesen, denn ich bin gespannt, welche Überraschungen und kuriose Lebewesen Becky Chambers noch bereithält.

© Tor Verlag

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Ivy

Wenn Ivy nicht gerade ihre Zeit in der Hochschule verbringt, wo sie lernt sich im Informationsdschungel zurecht zu finden, verbringt sie ihre Zeit mit dem Horten von Büchern. Innerlich weiß sie, dass ihr in nächster Zeit der Platz für all ihre Neuerwerbungen ausgehen wird – trotzdem kann sie es nicht lassen, neue Funde mitzubringen. Sonst sind auch keine Mangas oder Comics vor ihr sicher, da doch alles irgendwo noch einen Platz finden wird. Sonst hat sie eine große Schwäche für gute und besondere Geschichten, Eulen und Schildkröten in jeder Form und Merchandise von "Gintama". Wenn sie mal keine Bücher kauft und liest, schreibt sie selbst.

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