My Hero Academia (Film 3): World Heroes’ Mission

Sind aller guten Dinge drei? Bei My Hero Academia: World Heroes’ Mission stellt sich diese Frage zu recht. Denn während der 2021 in Japan in den Kinos gelaufene Streifen zeitgleich zu den immer dramatischeren Ereignissen zur Manga-Vorlage und auch jenen in der fünften Staffel lief, stürzt sich Deku in diesem Film in ein ganz anderes Abenteuer. Doch fügt sich der Kampf gegen eine terroristische Sekte in die große Handlung ein oder stellt sich uns hier ein einfacher Filler-Film vor? Seit dem 28. Juni 2022 kämpfen sich die jungen Helden im Rahmen der Kazé Anime Nights 2022 auch durch die deutschen Kinosäle. Mittendrin: natürlich auch wir! Im maßgeschneiderten Superhelden-Outfit und einem perfekten All-Might-Lächeln. Ob wir das auch am Ende des Films noch im Gesicht tragen, lest ihr im nachfolgenden Artikel.

Die Sekte Humarise bringt das Gleichgewicht der gesamten Welt durch einen Terrorangriff aus den Fugen, denn sie entwickelte eine Bombe, deren versprühender Nebel Macken unkontrollierbar macht. Damit möchte sie eine Utopie für Mackenlose schaffen, da diese für sie die richtigen Menschen sind. Natürlich können die Helden der Welt nicht tatenlos zusehen und so tun sich alle zusammen, um eine gezielte Aktion gegen die Unterschlupfe dieser Sekte zu starten. Mit dabei: Izuku „Deku“ Midoriya und andere Schüler der U.A., die gerade bei Profis ihre Praktika absolvieren. Endeavor zieht es mit seinem Team – darunter Deku, Shoto Todoroki und Katsuki Bakugo – in die europäische Stadt Otheon. Im feindlichen Lager können sie jedoch keine weitere Bombe finden. Daher beginnt eine Durchsuchung der Stadt, bei der zufälligerweise Deku auf den jungen Gauner Rody Soul trifft. Durch eine seltsame Verkettung von Ereignissen läuft am Ende jedoch eine Terror-Fahndung nach ihm. Eine heldenhafte Flucht beginnt.

Klappt es mit dem gemeinsamen weltweiten Einsatz?

Originaltitel Boku no Hero Academia the Movie 3: World Heroes’ Mission
Jahr 2021
Laufzeit 105 Minuten
Genre Action
Regie Kenji Nagasaki
Studio Bones
Kinostart: 28. Juli 2022

Wie bei jedem neuen Film ist die wohl größte Frage, welchen Mehrwert er für das Franchise bringt. Während Two Heroes neue Seiten von All Might zeigt, blieb schon Heroes Rising hinter den Erwartungen zurück. Unglücklicherweise macht auch My Hero Academia: World Heroes’ Mission da keine Ausnahme. Auf dem Papier klingt ein gemeinsamer Einsatz vieler Helden in verschiedene Länder richtig klasse, hätte vor allem das Zeug für eine eigene kleine Staffel, funktioniert in den 105 Spielminuten aber nicht ganz. Nicht ganz, denn was in Ortheon passiert, weiß zu unterhalten und auch der erste gemeinsame Angriff auf die verschiedenen gegnerischen Stützpunkte weist eine tolle Dynamik auf. Hier präsentieren sich vor allem die drei jungen Schützlinge von Endeavor in ihren coolen schwarzen Stealth-Outfits. Wir müssen diese jedoch in den anfänglichen Filmminuten mit den Augen aufsaugen, denn sie kommen nicht noch einmal vor. Schade!

Mit einem charmanten Partner geht alles

Genau zwei Punkte tragen dazu bei, dass Dekus plötzliche Flucht aus dem Land Vergnügen bereitet. Zum einen trägt Rody die Schuld, denn der Junge fiel wahrlich nicht auf den Mund und er liefert eine herrliche Palette an humoristischen Einlagen ab. Sein großes Verantwortungsgefühl, seinen jüngeren Geschwistern gegenüber, sowie seine traurige Familiengeschichte, tragen ebenfalls dazu bei, den braunhaarigen Struwwelpeter mit süßem Vögelchen ins Herz zu schließen. So macht er im Laufe der Reise als Dekus Sidekick einfach eine tolle Figur. Die beiden dabei zu begleiten, wie sie durch das Land reisen und sich einfachen Problemen wie Bergen oder schlechten Straßen oder eben Verfolgern stellen, lässt die Uhrzeit vergessen. Und freut euch: Seine spezielle Fähigkeit ist eine tolle Überraschung.

Wenn die Action Bestnoten kassiert …

Zum anderen sind es aber auch die Action-Einlagen, die keine Wünsche übrig lassen. Alleine die Verfolgungsjagd durch die Stadt, bei der es keine Kameraschnitte, sondern eine lange Animationsabfolge mit verschiedenen spektakulären Blickwinkeln gibt, sorgt für einen sprachlosen Moment. Ein wenig kommen hier die Spider-Man-Filme in Erinnerung, da Dekus schwarze Peitschen genauso gut Spinnenfäden sein könnten. Doch nicht nur der Protagonist haut ordentlich auf den Putz, sondern auch seine zwei Klassenkameraden, die ihr bisheriges Macken-Repertoire aufzeigen. Explosiv, feurig, eisig und eben dank Deku auch sehr amerikanisch schlagkräftig zeigt sich My Hero Academia: World Heroes’ Mission. Die Fähigkeiten der Gegenspieler sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern und sorgen für viel Abwechslung. Nur ist das Ableben dieser komplett egal.

… und jemand für die Bösewichte nachsitzen sollte

Und was können wir von den anderen Schülern der U.A. erwarten? Leider nicht sehr viel, denn bis auf ein paar kurze Scharmützel gegen andere Feinde war es das auch schon. Schnell kommt das Gefühl auf, dass die anderen Figuren nur dazu da sind, um es einigen Fans recht zu machen. Gerade Hawks flattert ein wenig in Amerika umher und das im Land der Superhelden! Allgemein versäumt es die Handlung, Personen aus anderen Ländern vorzustellen und so eine Stimmung zu erzeugen, dass alle weltweit sich beteiligen. Auch in Sachen Bösewichte heißt es einmal lange seufzen. Dabei bietet die tragische Fähigkeit des Oberbösewichts Flect Turn genug, um eben einen Antagonisten vorzubringen, der sich nicht hinter Shigarakis Gruppenmitgliedern hätte verstecken müssen. Doch bis auf einen sehenswerten Showdown bleibt nichts von ihm in Erinnerung.

San Francisco liegt in Italien

Mit Otheon entführen Regisseur Kenji Nagasaki (Classroom☆Crisis) und Studio Bones (The Case Study of Vanitas) in ein fiktives Plätzchen, das mit seiner Währung Euru, seinem italienischen Flair, aber seiner roten Golden Gate Bridge eine seltsame Mischung abgibt. So recht will der amerikanische Anteil nicht ins Bild passen, da wir uns in Europa befinden sollen. Sieht man davon einmal ab, präsentieren sich detaillierte, abwechslungsreiche Hintergründe, die eben auf eindrucksvolle Animationen treffen. Die neuen Charaktere fügen sich designtechnisch prima in die bereits bestehende Mannschaft ein. Wie gewohnt abwechslungsreich erklingt die Musik, da sich Yuuki Hayashi (Shaman King (2021)) wieder einmal darum kümmerte. Mit Asian Kung-Fu Generation trat eine sehr bekannte Band ans Mikrofon und mit ihrem gefühlvollen Ending „Empathy“ lässt sie gerade bei alteingesessenen Anime-Fans die Ohren positiv aufklingen.

Fazit

Mit einem halben All-Might-Lächeln lässt My Hero Academia: World Heroes’ Mission einen zurück. Dank der eindrucksvollen Kämpfe und des sehr sympathischen Buddy-Road-Abenteuers von Deku und Rody macht es Spaß, den Film zu verfolgen. Gerade bei dem liebenswerten Kleinkriminellen entspringt der Wunsch, dass es nicht sein letzter Auftritt sein wird. Die Idee eines weltweiten Einsatzes klingt imposant, jedoch schafft es die Handlung nicht, diesen richtig aufzubauen und dann in vollen Zügen zu präsentieren. Es fehlt das Gefühl, dass wirklich alle Helden der Welt im Einsatz sind. Auch in Sachen Feinde bleibt ein schaler Beigeschmack, denn es mangelt an würziger Charaktertiefe bei allen Fieslingen. Interessante Fähigkeiten und schlagkräftige Argumente formen eben keine erinnerungswürdigen Figuren. Im Gegenzug kommt beim Thema Visuelles Freude auf, denn die unterschiedlichen Hintergründe sorgen für viel Abwechslung und auch musikalisch fühlen wir uns sofort heimisch.

© Crunchyroll

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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