My Hero Academia (Film 2): Heroes Rising

August 2021: Cape bügeln, in den Ganzkörperanzug schlüpfen und ja die Stiefel noch polieren, damit sich die Nachbarn darin spiegeln! Denn während in Japan das dritte Leinwandabenteuer World Heroes’ Mission startet, veröffentlicht KAZÉ Anime am 5. August 2021 nach einigen coronabedingten Verschiebungen endlich My Hero Academia: Heroes Rising auf Disc. Wir schlichen uns vorab in eine der Kinovorstellungen (wenig schurkenhaft natürlich mit Kinokarte, was denkt denn ihr!) und konnten Dekus zweites großes Abenteuer vorab schon einmal genauer checken. Dabei verschlägt es uns auf eine idyllische Insel, wir lernen einen knuffigen Jungen und seine freche Schwester kennen … ach und ja, es gibt da noch eine Gruppe böser Buben und einer Dame, die die Welt in Chaos stürzen wollen. Das Übliche halt.

Seit All Mights Rücktritt nehmen die Angriffe der Bösewichte immer mehr zu. Der Superheldenausschuss möchte daher die Ausbildung des Nachwuchses schneller vorantreiben, setzt dabei aber vor allem auf praktische Erfahrungen. Die Klasse 1-A der U.A. Oberschule darf aus dem Grund auf die kleine, sommerliche Insel Nabu, um dort die Aufgaben des pensionierten Profihelden für eine Weile zu übernehmen. Während es anfangs den Strand zu sichern heißt, vermisste Dinge in der Shopping Mall wiederzufinden oder die Streiche der jungen Mahoro Shimano über sich ergehen zu lassen, taucht plötzlich eine Gruppe Bösewichte auf. Der Anführer Nine, der das Wetter manipulieren kann, sieht es auf den Jungen Katsuma Shimano ab. Er möchte sich dessen Superkraft aneignen, was Deku nicht zu lassen möchte, weswegen er sich unter Einsatz seines Lebens dem Feind entgegenstellt.

Hallo Inselleben!

Originaltitel Boku no Hero Academia the Movie 2: Heroes:Rising
Jahr 2019
Laufzeit 104 Minuten
Genre Action
Regie Kenji Nagasaki
Studio Bones
Veröffentlichung: 5. August 2021

My Hero Academia: Heroes Rising startet zwar mit einer Fast & Furious-liken Verfolgungsjagd, bei der die Profihelden rund um Endeavor ihr Können zeigen, doch danach schlägt die Stimmung erst einmal eine ruhigere Richtung ein. Sonne, Sommer und unser Superheldennachwuchs, der sich mit einfachen Aufgaben auf der Insel befasst. Gerade diese chilligen Szenen zeigen wieder einmal, wie viel Spaß es macht, den Figuren mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten bei der Arbeit zuzusehen. Vor allem die Interkationen zwischen einigen Charakteren sorgen für Lacher, aber auch ein Wohlfühlgefühl, denn wenn Mineta von den erretteten holden Weiblichkeit ignoriert wird, weil die mehr Augen für den muskulösen Ojiro habt, ist die MHA-Welt schlicht in Ordnung. Insofern darf auch unser Lieblingsproblemkind Bakugou emotional mehrfach explodieren, selbst einem Kind gegenüber. In seinem Fall erst recht, wenn es die freche Mahoro ist.

Kleiner Heldenfan ganz groß

Apropos Mahoro: Das Team rund um Regisseur Kenji Nagasaki (No.6) schuf ein sympathisches Geschwisterduo, das zum Glück aller nicht so an den Nerven zerrt, wie es Kinderfiguren gerne tun. Gerade der kleine Katsuma legt ein so realistisches, nachvollziehbares Verhalten an den Tag mit seinem Wunsch, selbst ein Held zu sein, sodass Zuschauende ihn automatisch in den Arm nehmen wollen. Seine Schwester zeigt sich zwar zu Beginn von einer schlechten Seite, allerdings liegt ihrem Verhalten ein plausibler Grund zugrunde, dass wir ihr auch nicht böse sein können. Vor allem aber bleiben die beiden keine passiv zu Errettenden. Nein, gerade der kleine Katsuma wächst über sich hinaus, was natürlich zum allgemeinen Thema des Franchises gehört.

Die Sache mit dem Bösewicht

Mit weniger Liebe kommen im Gegenzug die neuen Schurken daher. Anführer Nine sieht interessant aus (noch mehr seine spektakuläre Macke bzw. Spezialität, Blitze und Unwetter heraufzubeschwören), doch bleibt er als Figur nur ein schwaches Wetterleuchten. Die wenigen kurzen Rückblicke reichen schlicht nicht aus. Von seinen schalen Kameraden fangen wir gar nicht erst an, auch wenn diese ein paar sehenswerte Fähigkeiten vorweisen. Wirklich schade, denn wenn My Hero Academia mit etwas überzeugen kann, dann neben strahlenden Helden auch vielschichtige Fieslinge zu präsentieren. Da freut man sich als Fan dann immerhin über die kurzen Auftritte von Dabi, Himiko und Tomura Shigaraki.

Im Grunde nichts Neues

Während der erste Kinostreich My Hero Academia: Two Heroes den Mehrwert besitzt, uns in All Mights Ausbildungsjahre in Amerika einzuweihen, sucht der Zuschauende hier so etwas vergeblich. Schon alleine die Aufhängung von Heroes Rising – durch praktische Übungen neue Helden heranzuzüchten – ist seit des Rücktritts der Nummer 1 ein Dauerthema. Einziger Pluspunkt ist, dass die Kinder keine Hilfe von anderen Helden hier bekommen. Etwas, das sich vor allem im dramatischen Finale widerspiegelt, bei dem es zu einer … nennen wir es schnell verpuffenden Story-Wendung kommt. So bleibt am Ende der 104 Minuten das starke Gefühl eines überlangen Filler-Films zurück. Immerhin eines gibt es hier, wofür es lohnt, seinen Besuch auf Nabu nicht zu stornieren: Die Kämpfe.

Eye Candy-Action und unsaubere Gesichter

Studio Bones (Fullmetal Alchemist: Brotherhood) legte natürlich keinen Gang bei My Hero Academia: Heroes Rising zurück. Wie gewohnt liefern sich die Protagonisten hier eindrucksvolle Gefechte, bei denen wirklich kaum noch ein Stein auf dem anderen bleibt. Die unterschiedlichen Macken krachen hier an allen möglichen Orten, in unterschiedlichen Konstellationen und Zeiten aufeinander. Für Abwechslung sorgte das Kreativteam also zur Genüge. Was vielleicht nur etwas ungewollt ist, dass Bakugos Aussehen im Finale schon sehr nach einem Super Saiyajin aussieht. Tja, oder ruft da doch absichtlich die Anspielung? Wer weiß. Überschattet wird der visuelle Faktor im Laufe des Films allerdings dadurch, dass das Animationsteam in ruhigeren Szenen die Gesichter nicht immer ganz sauber darstellt.

Stimmlich nicht immer auf der passenden Höhe

Musikalisch bleibt alles wie gewohnt. Komponist Yuki Hayashi (Haikyu!!) greift auf viele bekannte Stücke zurück, wobei er mit der Power-Ballade „Might*U“ einen absoluten perfekten Griff beweist. Die sanfte Stimme von Makayla Phillips, die schon im packenden Kampf der vierten Staffel zu Tränen rührte, schafft es hier erneut, Dämme brechen zu lassen und Dekus Entscheidung im Finale noch mehr Wucht zu verleihen. Alleine die Kombination aus epischen Bildern und der Musik sorgt für den wohl größten Watch-Faktor des Streifens. Schade, dass im Deutschen nur die Stimmenbelegung der neuen Figuren nicht immer glückte. Marie-Jeanne Widera (Hana Mihara’ in W’z) klingt als böse Dame Slice gekünstelt und Amira Leisner (Nagisa Yukiai in Your Voice -Kimikoe-) wirkt nicht immer passend für die junge Mahoro. Im Gegenzug verlieht Katrin Heß (Thyma in Promare) dem schüchternen Katsuma eine schöne helle Stimmfarbe.

Fazit

My Hero Academia: Heroes Rising hinterlässt gemischte Gefühle. Auf der einen Seiten agieren die bekannten Figuren sympathisch, humorvoll und so wie wir sie kennen und lieben, auf der anderen Seite sind die 08/15-Bösewichte, die kaum in Erinnerung bleiben, was man fast genauso von der Handlung sagen kann. Wir lernen hier nichts Neues über die Welt, erleben fast nichts, was es nicht schon gibt und das Finale stellt so eine Sache für sich dar. Dieses funktioniert einfach auf der gefühlvollen Ebenen nicht richtig. Dekus Übertragung von „One for All“ auf Bakugo klappt emotional einfach nicht, da es schlicht ein Film ist und nicht das Ende der kompletten Geschichte. Daher ist sofort klar, dass die Übertragung weder von Dauer noch Konsequenzen beinhaltet. Trotzdem locken die imposanten Kämpfe, welche Studio Bones top animierte und alleine die musikalische Untermalung des Finales ist ein Must-see/-hear.

© KAZÉ Anime


Veröffentlichung: 5. August 2021

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Iruka
Iruka (@iruka)
10. August 2021 21:02

Nach einem halben Jahr mit warten, hoffen, bangen und diversen Verschiebungen hat es endlich geklappt! Endlich wieder Zeit für Plus Ultra! Ich wusste von der Handlung nicht viel. Der Nachwuchs ist auf einer Insel und irgendwann bricht Chaos aus. Mehr nicht. Also rein in den Sessel und gespannt sein.
Am Anfang den Schülern bei ihren Tätigkeiten zuzuschauen, war schon unterhaltsam. Wie du geschrieben hast: Da ist die Welt noch in Ordnung. 🙂
Bei den Gegnern kann ich zustimmen, dass mehr Hintergrundinfos gut gewesen wären. Die wenigen Sätze haben da wirklich nicht ausgereicht.
Mir gefiel das strategische Vorgehen, denn so konnte jeder mal wieder ins Rampenlicht rücken und seine Fähigkeiten zeigen.
Nur das Finale… Also, vielleicht war da jemand ein großer Saiyajin, aber mir gefiel Bakus Aussehen nicht. Power hin oder her, ich kann ihn so nicht mehr wirklich ernst nehmen. XD