Katsugeki/Touken Ranbu

Lesezeit: 7 Minuten

Seit Jahren breitet sich das Touken Ranbu-Franchise in Japan in alle Richtungen aus. Theaterstücke, Musicals, Animes und Mangas folgten dem 2015 von Nitroplus (Steins;Gate) gestarteten Browser-Game. Auch in Deutschland baut sich eine Fangemeinde auf, denn dank KSM Anime findet sich die erste Animeserie Touken Ranbu: Hanamaru bereits vollständig im Händlerregel. Seit März 2019 erscheint nun auch hier zu Lande der von ufotable (Tales of Zestiria) produzierte Actiontitel Katsugeki/Touken Ranbu. Doch um was geht es überhaupt? Zu Menschen gewordene Samuraiwaffen, die in der Zeit zurückreisen, gegen eine Armee kämpfen und so den Lauf der Zeit beschützen. Klingt ein wenige abgedreht, aber Geschichtsfans erleben einige freudige Stunden, denn sie dürfen daran teilhaben wie historische Persönlichkeiten beschützt werden müssen.

  

Izuminokami Kanesada und Horikawa Kunihiro sind beides ehemalige Schwerter von Hijikata Toshizou, dem stellvertretenden Kommandeur der Shinsengumi. Ihr neuer Meister Saniwa schickte sie ins Jahr 1863 nach Cape Kokuchou, da dort ein neuer Angriff der Zeitumkehrarmee erwartet wird. Zu zweit stoßen sie schnell an ihre Grenzen. Eine Überraschung folgt der nächsten und der Feind bekommt langsam die Überhand. Jedoch lässt Saniwa die beiden nicht im Stich, schickt Verstärkung und erscheint selbst in der Vergangenheit. Die neuen Gefährten sind Mutsunokami Yoshiyuki, damals Schwert von Sakamoto Ryoma, Tonbokiri – einer der drei großen Speere, der früher von Honda Tadakatsu in der Sengoku Zeit geführt wurde – und Yagen Toushirou, einem Tantou (Kampfmesser), früher Besitzer: Oda Nobunaga. Zusammen schaffen sie es, den Angriff so weit abzuwehren, dass sich der Lauf der Zeit nicht verändert. Doch es bleibt keine Zeit zum Verschnaufen, denn weitere Bedrohungen durch den Feind erwartet die neue, als Einheit Zwei getaufte, Gruppe. Izuminokami erhält überraschenderweise den Titel des Kapitäns. Dass er damit eine schwere Bürde zu tragen hat, merkt er schnell, denn die Kontrahenten lernen dazu. Immer stärkere Gegner tauchen auf und so droht alles aus den Fugen zu geraten.

Was wäre, wenn du eine zweite Chance im Leben erhältst?

Zeitreisen sind immer ein heikles Thema: Zu schnell ist etwas verändert, was den Fluss der Zeit durcheinander bringt. Auch bei Katsugeki/Touken Ranbu ist das nicht anders, denn die ehemaligen Schwerter reisen zum Teil in die Zeit, aus der sie selbst kommen. Dort kann es schnell passieren, dass sie ihren ehemaligen Herren über den Weg laufen. Ab und an verlangt das sogar die eine oder andere Mission. Da fangen die neuen Gelöbnisse ihrem aktuellen Meister gegenüber an ins Wanken zu geraten. Doch können wir es den Figuren verübeln? Immerhin geht es nicht selten um das Leben und Sterben einiger großer historischer Persönlichkeiten, die sie lange begleiteten. Für den Zuschauer ist dieser Part der Geschichte überzeugend dargestellt, denn die Gefühle der Charaktere sind glaubhaft. So lastet die Treue, die sie als Waffen der Samurai lernten, nun auf ihren Schultern. Deshalb fällt ihnen – wie auch dem Zuschauer – das bloße Hinschauen schwer. Zwar baut die Handlung diesen Punkt erst in der zweiten Hälfte der Serie auf, entfaltet sich aber hervorragend, da somit mehr Tiefe vorhanden ist. Daher stört es auch nicht, dass zu Beginn erst einmal einfachere Aufgaben zu absolvieren sind; der Schwierigkeitsgrad nimmt noch ordentlich zu, da persönliche Gefühle ins Spiel kommen.

Nur etwas für den Kenner der japanischer Geschichte?

Originaltitel Katsugeki/Touken Ranbu
Jahr 2017
Episoden 13 (1 Staffel)
Genre Action, Samurai, Fantasy
Regisseur Toshiyuki Shirai
Studio ufotable

Wer sich mit der japanischen Geschichte auskennt, hat definitiv mehr Spaß an Katsugeki/Touken Ranbu. Allen voran mit den Waffen bzw. den Charakteren. Wer sich zum Beispiel mit der Edo-Zeit (1603 bis 1868) auskennt, wird bei Namen wie Sakamoto Ryoma und Hijikata Toshizou aufhorchen. Denjenigen wird es auch nicht wundern, dass sich die ehemaligen Schwerter dieser beiden Herren in die Wolle bekommen, wo doch schon ihre früheren Herren zwei verschiedenen Lagern angehörten. Außerdem überrascht es nicht, dass Yagen seine Vergangenheit eher unter Verschluss hält. Sein ehemaliger Herr Oda Nobunaga ist zwar einer der drei Reichseiniger, er ging aber vor allem als grausamer Dämonenlord in die Geschichte ein. Während die Missionen erklärt werden, bleiben die Auswirkungen beim Scheitern der Gruppe leider unausgesprochen. Bevor der Zuschauer den Autoren der Serie aber vorwirft, dass sie nichts erklären oder zu wenig, sollte berücksichtigt werden, dass es sich um allgemein bekannte Fakten für Japaner handelt. Da der Anime vorrangig für diesen Markt produziert wurde, müssen wir uns leider damit abfinden. Zum Glück können Wissbegierige historische Ereignisse, wie Schlachten, Konflikte und Geschichte der Figuren mittels einfacher Internetrecherche nachholen.

Japans Geschichte mit gutaussehenden Kerlen – eine Serie für die Damenwelt?

Es verwundert nicht, dass es sich bei den menschlichen Formen der Schwerter ausschließlich um Männer handelt. Die Spielvorlage von Studio Nitroplus ist für ein weibliches Zielpublikum konzipiert. Damit lässt sich auch erklären, dass jede Einheit mit einem niedlichen Fuchs ausgestattet ist, der als Datenbank und Helfer das Team unterstützt. Wer jetzt aber glaubt, dass Katsugeki/Touken Ranbu nur etwas für Frauen ist, der täuscht sich. Die Missionen der Schwerter gehen oft blutig vonstatten. Flüssig animierte Schwertkämpfe laden jeden Actionfan herzlich ein. Da zeigt sich wieder das hohe Animationslevel von Studio ufotable, welches sie schon bei Serien wie Fate/Zero, Tales of Zestiria oder Garden of Sinners unter Beweis stellten. Auch die Landschaften und Orte sind detailliert ausgearbeitet. Zwar weist der Titel hier und da kleinere Schwächen auf, wie die manchmal fehlenden Schattenverläufe, doch fallen diese nur wenig ins Gewicht. Das Charakterdesign lag in den Händen von Miyuki Ishizuka (Animation Director bei Fate/stay night: Unlimited Blade Works), die keine einfache Aufgabe hatte. Unterschiedliche Künstler entwarfen für das Game die Charaktere, was deutlich zu sehen ist, wenn diese auf einem Bild sind. Für den Anime ist hingegen ein einheitliches Aussehen festgelegt. So vereinfachte die Charakterdesignerin die aufwendigen Kostüme minimal, wie zum Beispiel das Muster im Kimono von Mikazuki Minechika, welches weggelassen wurde. Soma Saito, er spricht im Anime Tsurumaru Kuninaga, präsentiert musikalisch das Opening, welches mit passenden Bildern daher kommt. Doch im Vergleich zum Ending, welches die bekannten Gruppe Kalafina (Opening von Aldnoah.Zero) beigesteuert, wirkt der Song eher lasch. Ein stimmungsvoller Soundtrack von Hideyuki Fukasawa (Flowers of Evil) rundet das Werk ab.

Alte Schwerter sprechen unsere Sprache

Die deutsche Sprachfassung von Touken Ranbu: Hanamuaru ist gelinde gesagt eine Katastrophe. Teils unpassend besetzte Charaktere und vor allem falsch ausgesprochenene Namen machen das Zuhören zu einem Graus. Daher waren Käufer gespannt, ob es für Katsugeki/Touken Ranbu Änderungen geben würde. Nach dem Anhören der ersten vier Folgen, lässt sich sagen, dass hier einiges umgestellt wurde. So wanderte der Vertonungsauftrag von GlobaLoc zu Studio Digital Media Technologie, das schon einige andere Animes vertonte. Damit verbunden sind auch komplett neue Sprecher für die Charaktere. Nicolas König (Kaisar Lidfald in Rage of Bahamut: Genesis) verleiht nun Izuminokami seine Stimme und Patrick Bach, der vor allem als Stammsprecher von Sean Astin (Stranger Things) bekannt ist, spricht Mutsunokami. Alexander Merbeth (Osamu Osanai in Tsugumomo), der noch nicht so viele Rollen übernahm, verkörpert Horikawa Kunihiro. Der große Tonbokiri wird von Daniel Welbat (Pine in ACCA: 13-Territory Inspection Dept) gesprochen, der freche Tsurumaru von Lukas Sperber (Inari in Naruto) und der wortkarge Yagen von Janek Schächter (Mitsuki in Boruto — Naruto the Movie). Alle Sprecher passen zu ihren Rollen und vor allem sprechen sie die teils komplizierten Namen perfekt aus. Der Dialogbuchschreiber Klaus Schönicke achtete auch darauf, dass die Suffixe beibehalten werden, da diese gerade bei einem historischen Setting wichtig sind. So erkennt der Zuhörer an diesen, welche Verbindung zwischen den Figuren herrscht. Als Beispiel: Kunihiro spricht Izuminokami zwar mit dem Vornamen Kane an, hängt aber immer ein ehrfürchtiges –san hinten dran.

Bonus: Kleine Waffenkunde

Wer sich wundert, dass in der kompletten Serie das Wort „Katana“ nicht fällt – vor allem nicht im Zusammenhang mit den Charakteren – der ist schnell aufgeklärt. Heutzutage wird der Begriff auch als Überbegriff für Schwerter verwendet, jedoch früher nur für eine spezielle Form des Langschwertes. Katsugeki/Touken Ranbu unterscheidet aufs Feinste, welche Waffen genau die Figuren früher einmal waren. So war Izuminokami Kanesada ein Uchigatana (Hiebschwert), Horikawa Kunihiro ein Wakizashi (ein kurzes Katana) und zum Beispiel Tsurumaru Kuninaga und Mikazuki Munechika sind Tachi (lange Schwerter mit säbelähnlicher Klinge). Da bietet sich eine schöne Abwechslung, da immer weitere Waffenarten auftauchen. Unter den Gegner befindet sich zum Beispiel ein Ootachi, was nichts anderes als ein sehr langes Schwert ist und auch Speere erwarten einen.

Fazit

Bei Samurai-Geschichten bin ich ja nie weit weg und das Key Visual von Katsugeki/Touken Ranbu sieht einfach schön aus. Daher riskierte ich hier einen Blick und tauchte nach und nach in das Franchise ein. Meine Erwartungen waren recht hoch, da Studio ufotable optisch immer viel zu bieten hat und genau das ist auch hier der Fall. Wunderschöne Hintergründe treffen auf ein Charakterdesign, das genau nach meinem Geschmack ist. Die Ereignisse der ersten Folge packten mich nicht gleich, aber es wurde schnell interessanter. Mehr Personen, mit unterschiedlichen Problemen, sorgten für mehr Abwechslung und Tiefe. Der Ernst der Lang steigerte sich und als es um Leben und Tod ging, erwischte ich mich dabei, wie ich die Daumen drückte. Ich dachte wirklich, dass Tonbokiri im Kampf gegen den Ootachi verliert. Eine Woche musste ich warten, um zu erfahren, dass er überlebte. Das ist nichts für schwache Nerven! Eine weitere Steigerung folgt, sobald die Problematik eingefügt wird, dass die Schwerter ihre ehemaligen Heeren über den Weg laufen. Die Gefühle, die zum Beispiel Mutsunokami hat, als er Sakamoto trifft, sind nachvollziehbar. Immerhin weiß er, dass dieser Mensch nicht mehr lange zu leben hat. Noch packender wird es dann, als Kunihiro und Izuminokami auf ihren alten Meister treffen. Wir tauchen in eine geschichtlich schwierige Zeit ein, bei der es nicht einfach heißt: Gut gegen Böse. Mit einem opulenten Finale, bei dem alle noch einmal einen Auftritt haben, lässt uns der Anime mit dem Wunsch auf mehr zurück. Dass KSM Anime den Titel nach Deutschland holt, freut mich daher sehr, da ich nun die vorhanden Abenteuer noch einmal auf dem heimischen Fernseher genießen kann.

Zweite Meinung:

Schwerter in Menschengestalt, die durch die Zeit reisen und verhindern, dass die Geschichte sich ändert – klingt erst einmal nach einer eher ungewöhnlichen Idee, aber sie funktioniert und bietet viele Möglichkeiten. Erzählte Touken Ranbu: Hanamaru noch hauptsächlich witzige Geschichten aus dem Alltag der Schwerter, stehen bei Katsugeki/Touken Ranbu die Missionen im Vordergrund. Die packenden Kämpfe sowie die individuellen Designs der Schwerter in Menschenform bieten was fürs Auge. Die Schwerter sind sich auch nicht immer einig über das weitere Vorgehen und besonders schwierig wird das, wenn sie ihren ehemaligen Herren gegenübertreten. Dass sie da nicht immer an die Mission denken können und trotz besseren Wissens auch ihre ehemaligen Besitzer retten wollen, lässt sie menschlich wirken. Unklar bleibt, warum ihre Gegner die Geschichte ändern wollen. Das hätte ich zwar gern erfahren, aber es funktioniert auch ohne und die Ausgangssituation wird auch so klar. Was die Missionen selbst angeht, wird viel historisches Hintergrundwissen als gegeben vorausgesetzt und nicht weiter erklärt. Mit diesem Hintergrundwissen mag der Kenner japanischer Geschichte die Ereignisse besser in einem größeren Rahmen betrachten können, aber auch ohne dieses Wissen konnte ich der Serie folgen.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Iruka
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Iruka

Mein erster Eindruck von der Serie war: Die Grafik ist sehr gut, der kleine Fuchs zum Knuddeln und die Herrren sehen ausgesprochen gut aus. Nur mit den Namen hat es ordentlich gehabert. Ich konnte mir nur den Namen des Anführers merken und das lediglich Kurzform. Nach ein paar Folgen sieht es mittlerweile etwas besser aus 🙂 Dem oberen Kommentar stimme ich bei der Frage zu, warum die Gegner die Vergangenheit verändern wollen. Aber abgesehen davon, gefällt mir die Serie sehr gut. Ich werde sie auf jeden Fall komplett anschauen.

Sapamo
Redakteur

Ich habe bis jetzt nur die Comedy-Variante gesehen. Katsugeki/Touken Ranbu steht aber auch auf meiner Liste und nachdem was ich hier lese und auch schon gehört habe freu ich mich sehr drauf.

Iruka
Mitglied
Iruka

Ich bin endlich mit der Staffel durch und ich könnte glatt noch mal schauen oder gleich mit einer zweiten Staffel weiter machen. Nachdem ich die Klingen schon etwas kennenlernen durfte, habe ich mir auch die Comedyvariante angeschaut. Zum Schieflachen, einfach klasse!

Iruka
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Iruka

Kaum kam gestern das Volume auf deutsch heraus, bin ich wie der Blitz in den nächsten Laden und habe zugeschlagen. Ich bin wirklich neugierig auf die Sprecher. Besonders, da Hanamaru so ein Graus war :-(.