Kageki Shojo!!

Die Schauspielkunst stellt eine Kunstform dar, die aus heutiger Sicht kaum noch aus der Welt wegzudenken ist. Viele Mädchen haben den ”einen” Traum – nämlich auf der Bühne zu stehen und von Zuschauern angehimmelt zu werden. Die Mangaka Kumiko Saiki (Setsunai Koi) greift diese Thematik in ihrem Werk Kageki Shojo!! auf. Doch sie setzt noch eine Schippe obendrauf, denn die Hauptfigur der Geschichte, Sarasa Watanabe, will eine heißbegehrte Hosenrolle spielen. Doch nicht irgendeine, sondern die populäre Rolle der Lady Oscar aus dem Klassiker Die Rosen von Versailles. Das Studio PINE JAM (Just Because) entdeckte das Potenzial des Stoffs für sich und produzierte in der Anime Summer Season 2021 eine Staffel mit 13 Folgen, die hierzulande vollständig beim Streaming-Anbieter Wakanim zu sehen ist.

Die 15-jährige Sarasa Watanabe besitzt einen großen Traum, denn sie möchte die Hosenrolle des Oscar als Mitglied in der rein weiblichen Kouka-Schauspieltruppe spielen. Sie ist seit ihrer Kindheit vom Theater fasziniert und gehört zu den wenigen Auserwählten, die das Studium an der ”Kouka Revue” absolvieren darf. Auf der Musik- und Theaterschule erlernt sie die Schauspielerei sowie Tanz und Gesang. Nach ihrem zweijährigen Studium möchte sie direkt in die Kouka-Schauspieltruppe eintreten. Sie macht sich jedoch mit ihrer unverblümten Art und hoch gesteckten Ambitionen nicht nur Freunde. Trotz allem muss sie ihre optimistische Einstellung beibehalten, um ihren Traum verwirklichen zu können.

 

Sarasa startet auf der Kouka Revue durch

Originaltitel Kageki Shojo!!
Jahr 2021
Episoden 13 in Staffel 1
Genre Drama, Komödie, Slice of Life
Regie Kazuhiro Yoneda
Studio PINE JAM
Seit 25. September 2021 vollständig auf Wakanim verfügbar

Die in der Taisho-Zeit gegründete Kouka Revue erfreut sich großer Beliebtheit, denn 1.135 Mädchen haben sich beworben. Am Ende hat das Kouka-Konservatorium 40 von ihnen für eine Ausbildung ausgewählt. Zu den Glücklichen zählt Sarasa Watanabe, die besonders durch ihre laute und lebhafte Persönlichkeit auffällt. Sie ist zudem im Vergleich zu ihren Mitschülerinnen beachtlich groß gewachsen. Doch bemerkenswert an der Auswahl des Konservatoriums ist, dass sie nicht wegen ihrer Leistungen ausgewählt wurde, sondern weil mit ihr etwas Neues ausprobiert werden soll. In der Schule macht Sarasa mit den Worten ”Ich werde die neue Oscar der Kouka Revue!’, sehr schnell vor allen Schülerinnen ihr Ziel deutlich. Anders ist da ihre ruhige Zimmergenossin Ai Narata, die einen etwas angekratzten Ruf besitzt. Sie war einst Mitglied in der Idol-Gruppe JPX, aber als sie einem männlichen Fan ihre Abneigung kundtat, wurde sie aus der Gruppe ausgeschlossen. Aufgrund eines Traumas meidet sie ihre männlichen Fans und ihr Onkel ist der Einzige, der ihr nahe kommen darf. Zunächst ist sie abweisend und verbringt ihre Zeit lieber allein, aber als Sarasa in ihr Leben tritt, findet sie langsam wieder Interesse an anderen Menschen.

Der Weg zu den ersten Rollen

Zunächst erlernen die Schülerinnen im Unterricht die Grundlagen und Skills, die für ihren späteren Werdegang auf der Bühne von Wichtigkeit sind. Dabei dürfen die Charaktere probeweise in ihre ersten Rollen schlüpfen. Wie so oft in Anime-Produktionen kommt auch das Theaterstück Romeo und Julia in der Handlung vor. Ebenfalls wird die traditionell japanische Theater-Kunstform Kabuki in der Serie thematisiert. Dies hängt mit Sarasas Kindheitswunsch zusammen, denn sie wollte die Figur des Sukeroku spielen, was ihr jedoch als Mädchen verwehrt blieb. Die Kouka-Schauspieltruppe ist an die in Japan tatsächlich existierende Musiktheatergruppe Takarazuka Revue angelehnt. Wie in Kageki Shojo!! dargestellt, besteht die Gruppe ebenfalls aus Frauen, von denen einige auch Hosenrollen übernehmen. Die Inszenierung von Riyoko Ikedas Die Rosen von Versailles konnte sich als eines der erfolgreichsten Projekte der Gruppe erweisen. Diese Aufführung dient gleichzeitig als Inspiration für Kageki Shojo!!, da die Protagonistin so fasziniert von der Rolle der Lady Oscar ist. Ein weiterer Grund liegt in der Kindheit der Mangaka Kumiko Saiki, deren erster Manga Die Rosen von Versailles war. Für die Zuschauer durchaus ein Anreiz, sich den Klassiker näher anzuschauen.

Die Handlung widmet sich nebenbei verschiedenen Problemchen

Der Hauptfokus liegt zwar auf den Hauptcharakteren Sarasa und Ai, aber auch die anderen Figuren werden etwas näher beleuchtet. Inhaltlich kommen dabei einige ernstere Probleme vor, die aus dem wahren Leben gegriffen sein könnten. Dabei unter anderem das Trauma von Ai, welches durch ihre Vergangenheit offenbart wird. Wie eben die sexuelle Belästigung durch ihren Stiefvater in ihrer Kindheit und die Folgen dessen. Aber auch die mangelnde Hilfe seitens ihrer Mutter, die als Schauspielerin nur wenig Zeit für ihre Tochter aufopferte. Des Weiteren wird Ai von einem Stalker aufgesucht, der sich jedoch nur bei ihr entschuldigen möchte. Ein weiteres Problem sind unbedachte Äußerungen einer Lehrerin, die sich ein Mädchen zu Herzen nimmt. Die Folge ist, dass ein Schülerin in die Bulimie getrieben wird, um die Erwartungen der Schule zu erfüllen. Kageki Shojo!! hat durch die ganzen Nebencharaktere durchaus mehr zu erzählen und geizt nicht mit emotionalen Momenten. Zwar liegt der Fokus der Serie auf vielen weiblichen Charakteren, aber Männer sind hier ebenfalls vorzufinden. Die Protagonistin Sarasa wird gleich von zwei Herren unterstützt. Zu einem ist da ihr Vater Kosaburo und zum anderen ihr Freund Akiya.

Mehr Folgen hätten nicht geschadet

Die Anime-Adaption unter der Regie von Kazuhiro Yoneda (Akatsuki no Yona: Prinzessin der Morgendämmerung) hätte ruhigen Gewissens länger ausfallen können, denn die ersten 13 Folgen wirken schon eher wie eine Einführung, die zunächst die Weichen für die Erfüllung von Sarasas Traum legt. Denn erst einmal werden ein paar Figuren vorgestellt und erste Erfahrungen gesammelt. Das Theaterspielen kommt dadurch noch etwas kurz. Dies tut dem Spaß an der Serie jedoch keinen Abbruch. Zumal sich die Produktion von Folge zu Folge steigert. Die Animationen hinterlassen dabei einen ordentlichen Eindruck und das trotz so mancher auftauchender Standbilder. Des Weiteren bewegt sich Kageki Shojo!! optisch in einer hellen Farbpalette und setzt auf einen Glossy-Look der Haarprachten. Beim Cast finden sich unter anderem bekannte Synchronsprecher wie Sayaka Senbongi (Mumei in Kabaneri of the Iron Fortress) als Sarasa, Yumiri Hanamori (Sophie in Shadows House) als Ai und Takehito Koyasu (Dio in JoJo’s Bizarre Adventure) als Kosaburo.

Die musikalische Untermalung für Sarasas Traum

Einen fröhlichen Einklang in die Anime-Serie finden die Zuschauer mit dem Opening ”Hoshi no Orchestra” von der Band saji (Ending von Ahiru no Sora). Im Zusammenspiel mit den Animationssequenzen ergibt es ein stimmiges Gesamtpaket und muss sich daher nicht hinter anderen Intros der Anime Summer Season 2021 verstecken. Doch die wahren Juwelen finden sich unter den Endings. Insgesamt hat das Studio fünf Outros für die Anime-Serie in petto. Nicht nur schicke Illustrationen werden einem geboten, sondern auch diverse Charaktere rücken darin ins Blitzlicht. Der Song ”Hoshi no Tabibito” wird in mehreren abgewandelten Versionen gesungen. Einige der Figuren (oder besser gesagt ihre Synchronsprecherinnen) performen entweder solo oder als Duett. Zusätzlich kann die Serie mit dem Soundtrack vom Komponisten Tsuneyoshi Saito (Soukyuu no Fafner: Dead Aggressor) überzeugen. Von ruhigen Piano-Klängen bis zu fröhlichen, dramatischen und sentimentalen Musikstücken ist so einiges vertreten. Besonders bleibt der Track ”Friendship” in Erinnerung, da dieser quasi als das Main Theme angesehen werden kann. Von diesem existieren noch mehrere abgewandelte Versionen.

Fazit

Kageki Shojo!! widmet sich in erster Linie dem Traum vieler Mädchen, denn sie wollen alle auf der Bühne des Theaters stehen. Damit ist also schon das Ziel festgelegt, worauf die Serie hinaus will. Dabei finden die Hauptfiguren Sarasa und Ai trotz recht unterschiedlicher Persönlichkeiten zueinander. Sie geben aber gleichzeitig ein gutes Duo ab, welches sich im Verlauf der Handlung gegenseitig unterstützt. Etwas ungewöhnlich, aber erfrischend ist der Aspekt, dass hier die Hosenrollen so heißbegehrt sind. Zumal die Protagonistin nicht die Einzige ist, die es auf Hosenrollen abgesehen hat. Ansonsten dient diese Staffel mehr dazu, die Figuren erst einmal vorzustellen und durch die Ausbildung die ersten Schritte für den Werdegang der Mädchen zu setzen. Am Ende sticht die Serie als ein sehenswertes Highlight aus der Anime Summer Season 2021 heraus. Die Mischung aus Theater und etwas ernsteren Mädchenproblemen erweist sich als gelungen. Zu schade, dass nach 13 Folgen schon Schluss ist, denn die Geschichte rund um die Kouka Revue macht einfach Lust auf mehr. Eine Fortsetzung der Anime-Adaption wäre wünschenswert, aber mit der Manga-Vorlage ist man nicht minder gut beraten.

© Wakanim

Alva Sangai

Alva Sangai beschäftigt sich in ihrer Freizeit gerne mit Medien verschiedenster Art. Egal, ob Serien, Filme, Anime oder Manga. Dabei spielt es keine Rolle aus welchem Land die Produktionen stammen, denn Alva ist da sehr weltoffen. Des Weiteren hört sie gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee oder ein Cappuccino darf dabei natürlich nicht fehlen. Nebenbei beschäftigt sich Alva mit den vielen Funktionen von Clip Studio Paint EX, denn sie möchte sich in der Zukunft an einem Web-Comic versuchen. Der Name Alva Sangai setzt sich aus dem Vornamen der Protagonistin ihrer ersten längeren Geschichte, sowie ”Sangai”, Hirschen die nur in Manipur (Indien) zu finden sind, zusammen. Sangai spielt also auf ihre Bollywood-Artikel an.

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