Kabaneri of the Iron Fortress

Lesezeit: 5 Minuten

Plötzlich und wie aus dem Nichts wurde 2015 ein Originalwerk der Animeschmiede Wit Studio angekündigt. Im März 2016 folgte die Premiere des Steampunk-Animes, die schon sehr früh für skeptische Gesichter bei den Anime-Fans sorgte. Schließlich tat das Studio sehr viel dafür, dass Kabaneri of the Iron Fortress an einen ihrer früheren Animes erinnert. Die Rede ist von Attack on Titan, mit dem das damals noch debütierende Studio einen enormen Erfolg feierte. Während es bei Attack on Titan die Titanen sind, die den Menschen das Leben schwer machen, sind es hier die Kabane. Mit ihrer aggressiven Art fallen Kabane Menschen an, womit der Horror seinen Lauf nimmt und viele Opfer fordert.

    

Im feudalen Hinamoto bricht ein gefährlicher Virus aus, der aus Menschen Kabane werden lässt. Die Kabane sind zombieartige Menschen, die ihren Verstand verlieren und andere anfallen. Die einzige Schwäche der Kabane liegt in ihren Herzen, die allerdings nicht leicht zu durchbohren sind, denn sie sind durch eine sehr dicke Schicht Eisen geschützt. Inmitten einer industriellen Revolution müssen die nicht infizierten Menschen gegen die Kabane kämpfen. Der Transport von Waren und Personen ist mit großen Dampflokomotiven möglich, die sicher gebaute Stationen erreichen. Doch dann hat der erfinderische Junge Ikoma eine spezielle Waffe entwickelt, um die Monster zu töten…

Bist du ein Mensch oder ein Kabane? Weder noch – ich bin ein Kabaneri!

Originaltitel Koutetsujou no Kabaneri
Jahr 2016
Episoden 12 (in 1 Staffel)
Genre Action, Horror, Fantasy
Regisseur Tetsuro Araki
Studio Wit Studio

In extremen Situationen neigen die Menschen dazu, ihre Menschlichkeit zu verlieren. Seit der Virus ausgebrochen ist, muss auch der Junge Ikoma spüren, wie skrupellos die Menschen geworden sind. Ohne Gnade werden Menschen auf Verdacht, dass sie Kabane sind, exekutiert. Oft sind auch Unschuldige darunter, was für Ikoma nicht akzeptabel ist. Als die Kabane ins Gebiet der Menschen eindringen, sind diese gezwungen eine weitere Station aufzugeben. Doch Ikoma nutzt dabei die Gunst der Stunde um seine Erfindung auszuprobieren. Eine Waffe, die gegen diese Monster wirkt. Anfangs klappt alles wie geplant, aber dann wird Ikoma selbst von einem Kabane gebissen. Doch er ist clever und kann verhindern, dass der Virus seinen ganzen Körper befällt. Ab diesem Zeitpunkt ist er zu einem Kabaneri geworden. Jetzt ist er weder ein Mensch noch ein Kabane. Die Geschichte will ihm nur keiner abkaufen, so wird er von den anderen Menschen gnadenlos aus dem Zug geworfen. Eine Verbündete findet sich schnell, denn das Mädchen Mumei bemerkt ihren Gleichgesinnten. Sie ist ebenfalls ein Kabaneri und sehr im Kampf begabt. So entwickeln sich Mumei und Ikoma zu den Trumpfkarten der Menschen im Kampf ums Überleben.

Starker Start … doch ab der Hälfte kommt der Tiefpunkt

Kabaneri of the Iron Fortress wirkt wie eine Mischung aus Attack on Titan, The Empire of Corpses und Seraph of the End. Hinter allen Titeln steht das Wit Studio und daher dürften die Ähnlichkeiten kaum verwunderlich sein. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass der gesamte Staff von Attack on Titan ebenfalls an Kabaneri of the Iron Fortress beteiligt war. Ein Unterschied lässt sich hier aber in den Animationen feststellen, die einen Glossy-Look aufweisen. Das stellt eine Neuheit gegenüber vorherigen Animes des Studios dar. Die Serie kommt in düsteren Farben daher, wie es sich für ein Werk dieser Art gehört. Allerdings sind die Kabane nicht das, was man erwartet. Am Anfang noch als die große Bedrohung gesehen, werden diese mit der Zeit recht lächerlich dargestellt. Generell sind sie nichts weiter als Zombies, die Kabane genannt werden. Wer einen tieferen Sinn dahinter sucht, wird enttäuscht. Während die Serie anfangs noch mit ihren Charakteren und den Action-Szenen überzeugen kann, tun sich mit der Zeit Logiklücken innerhalb der Geschichte und des Settings auf. Diese wären noch das kleinere Problem, wenn da nicht auch noch ein schwacher Antagonist wäre, dessen Motive in keiner Weise überzeugen können. Die Charaktere erweisen sich als nicht sonderlich präzise ausgearbeitet. Allen voran Mumei, die am Anfang noch sympathisch und stark wirkt, deren Charakter sich im späteren Verlauf aber zum Schlechten verändert. Ein Charakter, der am Anfang gemocht wird und später nur noch als nervig empfunden wird.

Das Opening als musikalisches Highlight

Abgesehen davon kann der Anime wenigstens musikalisch überzeugen. Der Soundtrack stammt von keinem Geringeren als Hiroyuki Sawano (Seraph of the End). Mit Tracks wie unter anderem ”Warcry”, ”KABANERI OF THE IRON FORTRESS”, ”JAnoPAN” und ”Noname” kann der Komponist wieder das tun, was er am besten kann. Allerdings sind die Musikstücke recht schnell vergessen, im Vergleich zu den Soundtracks von Attack on Titan. Das Opening ”Kabaneri of the Iron Fortress” von Egoist stellt sich als das Highlight der Serie heraus. Es bietet nicht nur einen starken Song, sondern überzeugt auch visuell. Außerdem antwortet Ikoma am Anfang des Openings immer auf eine Frage. Nämlich “Bist du ein Mensch oder ein Kabane?” und seine Antwort lautet: “Weder noch – ich bin ein Kabaneri!”. Diese Szene verleiht dem Intro einen coolen Start. Das Ending ”Ninelie” von Aimer und Chelly (Egoist), braucht sich allerdings nicht zu verstecken, auch wenn es ruhiger ist.

Ich denke, wenn ich einen Anime als Mogelpackung betiteln müsste, dann wäre es Kabaneri of the Iron Fortress. Was bringen mir starke Animationen und ein genialer Soundtrack, wenn die Geschichte und die Charaktere extrem schwach sind? Die Anfänge sind noch überzeugend, aber dann driftet der Anime in die falsche Richtung ab und man bleibt enttäuscht zurück. Noch nie habe ich so viel verschwendetes Potenzial wie hier gesehen. Spätestens mit dem Auftauchen des Charakters Biba geht die Serie endgültig den Bach runter. Ein weiteres Problem sind die angesammelten Logiklücken, bei denen man sich fragt, was sich der Autor der Geschichte dabei gedacht hat. Ich kann den Anime höchstens Action- und Steampunk-Fans empfehlen, denn eine durchdachte Geschichte und sympathische Charaktere gibt er kaum her. So sollte man lieber zu Attack on Titan greifen, der in vielerlei Hinsicht besser ist.

 

 

Sharing is caring / Artikel teilen:
  • 12
  •  
  •  

Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

avatar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: