Star Trek: Discovery (Folge 3×06)

Eigentlich sollte die Discovery nun am Ziel ihrer Wünsche angekommen sein. Endlich wieder der Sternenflotte dienen, mit all den besonderen Macken und Fähigkeiten, die Schiff und Crew auszeichnen. Der Alltag kann kommen. Missionen übernehmen, Gutes tun, zurückkehren und für die nächste Mission bereitstehen. Folge 6 von Star Trek: Discovery illustriert, dass das nicht ganz so einfach ist, wie es aussieht. Da reicht schon eine Katze auf der Brücke eines ankommenden Raumschiffs, um zumindest Michael Burnhams gute Vorsätze über den Haufen zu schmeißen.

Kein Wunder. Die Katze heißt Groll und ihr Herrchen, Michaels “Wir sind nur gute Freunde”-Freund Book ist nicht an Bord. Stattdessen eine Nachricht, die Michael Sorgen bereitet. Auf der Suche nach der Black Box eines der im Brand zerstörten Raumschiffe hat er sich wohl in eine Klemme manövriert, aus der nur Michael ihn herausholen kann. Dabei hätte sie als erster Offizier der Discovery anderes zu tun, denn die nun mit neuester Technologie aufgerüstete Discovery hat den Befehl, für einen wichtigen Einsatz bereitzustehen. Michael beschließt, diesen Befehl zu missachten und stattdessen Book zu suchen. Als Unterstützung hat sie sich ausgerechnet Georgiou ausgesucht, die an der ganzen Aktion viel Spaß hat – wenn da nicht immer wieder diese Aussetzer wären, die ihr Geistesabwesenheit, Halluzinationen und Ohnmachtsanfälle bescheren. Trotzdem ist der Ausflug zu dem Schrottplatz-Planeten, wo Book als Zwangsarbeiter gefangen gehalten wird, ein voller Erfolg. Schurkische grüne Orioner überlistet, die Sklaven befreit, die Black Box gefunden. Zurück im Hauptquartier warten allerdings die Konsequenzen von Michaels Alleingang: Ein aufgebrachter Admiral Vance und ein tief enttäuschter Saru, der sich nach diesem weiteren Vertrauensbruch Michael nicht mehr als seinem ersten Offizier vorstellen kann. Jetzt ist sie nur noch Wissenschaftsoffizier.

Die Mission der Woche

Wieder mal eine handliche, kleine Mission, die bis zum Folgenende abgeschlossen ist. Die grünen Orioner und die blauen Andorianer, Star Trek-Völker mit langer Kanon-Tradition waren schon in Folge 1 keine Sympathieträger. Hier leitet nun ein grüner Schurke einen Weltraumschrottplatz, wo Zwangsarbeiter schuften müssen. Bei Fluchtversuch wird der Kopf weggesprengt. Ein Szenario wie aus dem ollen Schwarzenegger-Vehikel Running Man. Was mir vermutlich nicht aufgefallen wäre, wenn ich nicht just diesen Film neulich reviewt hätte. Egal ob die Referenz beabsichtigt ist oder nicht, es ist eine ordentliche generische Vorlage, die allen Beteiligten Gelegenheit gibt, zu glänzen. Besonders mal wieder Georgiou, die hier als vermeintliche Schrott-Großkundin dem Affen so richtig Zucker geben darf. So weit, so vorhersehbar. Allerdings ist es genau die Mission, die Michael Burnham nicht hätte übernehmen dürfen. Der unauthorisierte Alleingang fördert zwar ein wichtiges Puzzlestück zur Frage nach der Ursache der großen Katastrophe zutage. Aber er kostet sie auch ihre Stellung als erster Offizier und Sarus Vertrauen. Dass dabei nicht Michael, sondern Saru Tränen in den Augen hat, macht die Sache diesmal nicht kitschiger, sondern eher eindringlicher.

Technik, die begeistert

Während Michael Burnham sich mit dem Konflikt “Befehl oder moralische Pflicht?” herumschlagen muss und dabei erst Abenteuer, dann Pathos und Drama generiert, geht für die staunende Crew die große Bescherung unterm Weihnachtsbaum weiter. Wäre das ein James Bond-Film, käme jetzt der Moment der Gadgets. Programmierbare Materie! Auf den Benutzer individuell abgestimmte Bedienungselemente aus buntem Licht oder Glibber! Und was die neuen Abzeichen alles können! Kommunikation! Und Beamen! Ungläubiges Staunen und strahlende Augen allerorten. Ein leises, skeptisches “Aber brauchen wir das wirklich?” wird sofort von einer Woge der Begeisterung hinweggefegt. Wer hätte gedacht, dass Technik-Affinität so glücklich machen kann!

Was sonst noch so los ist

Obwohl sich die Folge auf ein schlichtes Abenteuer konzentriert, tut sich viel an vielen verschiedenen Stellen. Wer schon immer Books und Michaels Beteuerungen, sie seien doch nur gute Freunde, misstraut hat, darf sich jetzt auf die Schulter klopfen. Wer sich über Georgious kurzes Weggetretensein in Folge 5 gewundert hat, weiß nun: sie hat ein massives Problem. Den Flashbackfetzen nach zu urteilen, hat es mit ihrer Vergangenheit zu tun. Adira hat nicht nur die Erinnerung ihres Geliebten übernommen, sondern gleich sein ganzes Bewusstsein. Und so ist er immer bei ihr, wenn auch unsichtbar für andere. Stamets bietet ihr Sympathie und Verständnis. Das Fernziel “Findet heraus, was den Brand verursacht hat” ist ein wenig näher gerückt. Und Michael muss sich mal wieder Sarus Vertrauen neu erwerben.

Fazit

Star Trek: Discovery Staffel 3 pegelt sich ein: mittlerweile weiß man als Zuschauer, was man von einer Episode zu erwarten hat. Eine kleine, abgeschlossene Handlung, allerdings mit Auswirkungen auf das große Ganze. Eine Prise Pathos, ein Esslöffel Humor, jede Menge putzige Charaktermomente. Viele Ostereier. Die finde ich zwar nicht alle, aber wenn ich irgendwo lese, dass jemand wieder eins entdeckt hat, wo ich keins gesehen habe, dann freut es mich. Lieblingsmomente dieser Folge: Tilly, die mit Groll schmust und dabei die ganze Zeit behauptet, mit Katzen nicht zu können. Georgiou, egal was sie tut. Und dieser ganz schlichte Running Gag mit Linus, dem glubschäugigen Crewmitglied, das die Beam-Funktion an seinem neuen Abzeichen einfach nicht in den Griff bekommt.

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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