Running Man

Stephen King-Verfilmungen sind mit Vorsicht zu genießen. Man weiß nie, was man bekommt. In den seltensten Fällen das, was einen bei der Lektüre ganz besonders gefesselt hat. Ganz besonders bei Running Man, der grellbunten Verfilmung von Menschenjagd aus dem Jahr 1987 mit Arnold Schwarzenegger (Terminator). Als Produzent Rob Cohen (The Fast and the Furious, Regie) Mitte der 80er die Rechte an einem düster-dystopischen Roman über eine sadistische Gameshow der Zukunft kauft, ist er angenehm überrascht, als sich der Autor Richard Bachman als Pseudonym von Erfolgsautor Stephen King (Es) herausstellt. 25 Drehbuchentwürfe und fünf Regisseure später ist von Kings Roman nur noch die Grundidee übrig: eine Gameshow des Todes, in der die Kandidaten um ihr Leben laufen müssen.

 

Das Jahr 2017. Die USA sind zu einem Polizeistaat geworden, die Bevölkerung lebt in Armut, Aufbegehren wird brutal unterdrückt. Fernsehen hält die Massen dumm und ruhig, denn es liefert Futter für die niedrigsten Instinkte. Wie etwa die Erfolgsshow “The Running Man”, in der Kriminelle in einen Parcours voller Gegner geschickt werden. Schaffen sie es, winkt ihnen Begnadigung und ein Leben auf Hawaii, schaffen sie es nicht, werden sie vor laufender Kamera von ihren Verfolgern niedergemetzelt. Polizist Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) ist im Knast gelandet, weil er sich weigerte, auf unbewaffnete Demonstranten zu schießen. Kaum gelingt ihm die Flucht, wird er wieder verhaftet, doch diesmal geht es nicht zurück ins Gefängnis, sondern vor die Kameras von Showmaster Damon Killian (Richard Dawson, Ein Käfig voller Helden), der sich Richards als besonders quotensteigernden Kandidaten für “The Running Man” ausgesucht hat. Zusammen mit seinen zwei Ausbrecherkollegen und der Jingle-Komponistin Amber, die auf der Flucht seinen Weg kreuzte, muss Richards sich seinen Verfolgern stellen …

Vom Buch zum Film

Originaltitel Running Man
Jahr 1987
Land USA
Genre Action, Science-Fiction
Regie Paul Michael Glaser
Cast Ben Richards: Arnold Schwarzenegger
Amber Mendez: María Conchita Alonso
Damon Killian: Richard Dawson
William Laughlin: Yaphet Kotto
Fireball: Jim Brown
Dynamo: Erland van Lidth
Buzzsaw: Gus Rethwisch
Subzero: Charles Kalani Jr
Mic: Mick Fleetwood
Stevie: Dweezil Zappa
Laufzeit 96 Minuten
FSK

Warum man wohl einen faszinierenden Stoff ankauft, um ihm dann all das auszutreiben, was ihn faszinierend macht? Wo die Vorlage grau und düster ist, ist der Film quietschbunt. Wo die Vorlage zutiefst pessimistisch ist und tragisch endet, ist der Film optimistisch und endet mit einem Ausblick auf ein Ende der Unterdrückung und einem Kuss zum Happy End. Wo im Buch der Protagonist durch eine Welt irrt, in der jeder ein Jäger sein könnte, sind im Film die Gegner überdreht gestylte Wrestler. Ja, okay, die Rolle des gehetzten, verbitterten Mannes, der weiß, dass er keine Chance hat und trotzdem immer weiter macht, wäre für Schwarzeneggers Schauspielfähigkeiten wohl eine Überforderung gewesen. Und Kings Konzept der Show ist nicht wirklich fernsehtauglich. Also dachten die Macher von Running Man in eine ganz andere Richtung und entwarfen Trash-TV der Zukunft: Showgirls und Wrestler, Kettensägen, Flammenwerfer, Opernarien, bunte Scheinwerfer, alte Damen, die für Killer fangirlen. Das ist an sich keine schlechte Idee. Der schmierige Showmaster ist wunderbar. Aber in ihrer Überdrehtheit ist die Show leider sehr unbedrohlich: es zweifelt wohl niemand daran, dass Arnie all diese Schießbudenfiguren eine nach der anderen umnieten wird.

Als der Schwarzenegger sprechen lernte

1987 hatte Arnold Schwarzenegger, der Mann mit der monumentalen Leinwandpräsenz und dem breiten steirischen Akzent, schon zwei der Filme gemacht, die seine Karriere begründeten. Conan, der Barbar und Terminator. In beiden hatte man sich um Schwarzeneggers Akzent und seine mangelnde Schauspielerfahrung herumgewunden, indem man die Dialoge möglichst sparsam gehalten hatte, mit ein paar prägnanten Sätzen und viel epischem Schweigen. Mittlerweile war Schwarzenegger auch auf der Leinwand ein Star, hatte Erfahrung vor der Kamera gesammelt und das Publikum hatte seinen Akzent als Markenzeichen akzeptiert. Zeit, ihm ein wenig mehr Text und eine Portion Humor zu schreiben, fand Drehbuch-Autor Steven de Souza (Stirb Langsam). Er hatte Erfahrung mit Actionfilm-Dialogen, immerhin hatte er der Welt den Satz “Yippieyayeah, Schweinebacke!” geschenkt. Und so ließ er Stephen Kings Düsternis hinter sich und schrieb für Schwarzenegger lauter muntere Einzeiler, am besten vor oder nach dem Kampf. Die versemmelt Schwarzenegger zwar auch zuweilen, indem er sie abliefert, als läse er aus dem Telefonbuch vor. Aber insgesamt sind Zuschlagen und Sprücheklopfen wohl verwandte Künste, die sich auf trashige Art gut ergänzen.

Der Strampelanzug des Grauens

Wenn man das Schauspieltalent von Arnold Schwarzenegger an irgendetwas messen will, dann lieber nicht an seinen Dialogen. Eher an der Tatsache, dass er es schafft, im lächerlichsten Kostüm der Filmgeschichte immer noch episches Format zu bewahren. Alle Kandidaten werden in glänzend-stretchige Overalls gesteckt, eine Kreuzung aus Aerobic-Outfit und Strampelanzug. Wohl, um in das Trash-Konzept der Show zu passen. Wer sich nur diesen Alptraum aus butterblumengelben Lycra ausgedacht hat? Böser kann man Schauspielern kaum ein Bein stellen. Obwohl. An seiner Mitstreiterin sieht das Ding ganz gut aus, dünne, sportliche Frauen sind wohl die einzigen Wesen, die so etwas tragen können. Die beiden Sidekicks sehen jämmerlich und entwürdigt aus, so wie sie die Show ja auch haben will. Nur Arnies geballte Leinwandpräsenz kann nicht einmal ein Strampelanzug beeinträchtigen. Was den Film ziemlich gut zusammenfasst.

Fazit

Running Man nimmt in den 80ern vieles voraus, was 2020 Realität geworden ist: Reality TV. Fake News. CGI. Alexa. Trotzdem wirkt der Film weder besonders prophetisch noch besonders aufrüttelnd. Weil er seinen Schwerpunkt auf die ganz schlichten Freuden der Filmwelt legt: wie Schwarzenegger Motorsäge-Mann oder Flammenwerfer-Mann mit einem flotten Spruch auf die Bretter schickt. Wer daran Spaß hat und die grellbunt-makabere Welt der bösen Gameshow mag, der wird unterhaltsame 96 Minuten verbringen. Stephen King-Fans werden jede einzelne Minute hassen und der Rest der Welt wird sich über die merkwürdigen 80er wundern.

Zweite Meinung

Für mich ist die Verfilmung von Menschenjagd – Running Man eine herbe Enttäuschung. Wenn ich bedenke, dass Stephen King den Roman schon nicht unter seinem eigenen Namen veröffentlichte, sondern unter seinem noch düsteren Pseudonym Robert Bachman, dann entsteht gewisse Erwartung. Doch warum ein Film, wenn von der Vorlage so gut wie gar nichts mehr vorhanden ist? Running Man wirkt wie ein klassischer 80er Jahre Actionfilm. An sich klingt das ja nicht schlecht. Arnold Schwarzenegger als strahlender Held, der sich alle Gefahren stellt und dabei eine muskulöse Figur in einem grauenvollen Anzug macht. Jedoch ist er hier ein langweiliger Held. Keine interessanten Facetten, die ihn irgendwie greifbar machen. Ich vermisse die Verzweiflung, die Richard im Buch durchleben muss. Die Ausweglosigkeit, die er sich stellen muss und dann zu einem Entschluss kommt, die in Erinnerung bleiben lässt. Alles fiel der Schere zum Opfer! Und wofür? Für einen standartisierten Actionfilm. Wenn ich mal mein Buchwissen beiseitelege und dem Titel eine Chance einräume, dann kann ich auch da nicht viel Positives vorfinden. Die Geschichte verläuft langweilig, die Figuren sind zu eindimensional gestaltet und der Sehgenuss schwindet von Minute zu Minute. Allen voran die Gefahren, denen sich der Held stellen muss, bringen mich eher zum Schmunzeln als zum Mitfiebern. Aus dem Thema Medienmissbrauch hätte Steven E. de Souza viel mehr herausholen können, um dem Film wenigstens etwas Tiefgang zu verpassen. Schade.

© Alive AG


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