The Good Place (Staffel 1)

Lesezeit: 4 Minuten

Er ist unvermeidbar und kommt doch manchmal ganz überraschend: der Tod. Aber das ist okay, kein Grund zu verzagen. Zumindest, wenn man ein guter Mensch war, denn dann kommt man in den Guten Ort und kann die Ewigkeit unter himmlischen Bedingungen verbringen. Es klingt schon an: The Good Place von Schöpfer Michael Schur (Parks and Recreation) hebt sich aus dem Brei großstädtischer Selbstverwirklichungs- und Beziehungskomödien ab und bietet seit inzwischen drei Staffeln ein etwas innovativeres Szenario an.

    

Die großen Weltreligionen haben das Leben nach dem Tod zumindest teilweise richtig erahnt, wenn auch nur zu ungefähr 5%. Es ist im Grunde so: Es gibt den Guten Ort und den Schlechten Ort. Während des weltlichen Daseins wird jede Handlung erfasst und mit Punkten entweder positiv oder negativ bewertet. Erreichen diese Handlungen einen sehr guten positiven Wert, indem man seinen Mitmenschen selbstlos geholfen und ihnen nicht aus Eigennutz geschadet hat, kommt man in den Guten Ort, wo man in einer perfekt zusammengestellten Nachbarschaft mit seinem Seelenverwandten vereint wird und eine Ewigkeit erfüllten Glückes verbringen kann. Der schlechte Ort ist… na ja, weniger schön. So die Erklärung des Nachbarschaftsarchitekten Michael für die frisch verstorbene Eleanor. Eleanor Shellstrop ist so eine Person, die es in den Guten Ort geschafft hat, indem sie Unschuldige vor der Todesstrafe bewahrt und sich an Menschenrechtseinsätzen in der Ukraine beteiligt hat. Eleanors Problem ist leider, dass zwar der Name stimmt, aber sonst absolut nichts, denn sie ist eher wenig rücksichtsvoll mit ihren Mitmenschen umgegangen. Jemand muss also wohl einen riesigen Fehler begangen haben. Sie war allerdings auch keine schlechte Person, eher mittelmäßig, aber deswegen eine qualvolle Ewigkeit im Schlechten Ort zu verbringen scheint furchtbar unfair. Gut, dass ihr Seelenpartner Chidi Professor für Moralphilosophie war und ihr beibringen kann, ein Mensch zu werden, der gut genug für den Guten Ort ist. Bis dahin macht Eleanor halt das, was sie auch schon auf Erden gemacht hat: sich mit möglichst wenig Aufwand und Rücksicht durchmogeln und gute Miene zu all den nervigen Gutmenschen um sie herum machen.

Gibt es Minuspunkte für das Schreiben schematischer Comedyserien?

Originaltitel The Good Place
Jahr 2016
Land USA
Episoden 13 in Staffel 1
Genre Komödie, Fantasy
Cast Eleanor Shellstrop: Kristen Bell
Chidi Anagonye: William Jackson Harper
Tahani Al-Jamil: Jameela Jamil
Jason Mendoza: Manny Jacinto
Janet: D’Arcy Carden
Michael: Ted Danson

Comedy ist nicht zwangsläufig das vorhersehbarste Genre. Tatsächlich bietet sich ein komischer Rahmen sogar für das Gegenteil an. Immerhin geht es in der Komik darum, mit überraschenden Pointen Leute zum Lachen zu bringen. Erwartungen auf eine realistische Handlung sind ebenfalls gesenkt, kann man doch beim flachsten Witz die Bereitschaft für Kuriositäten wie in Bars kommende Pferde aufbringen. Trotzdem folgen viele Comedyserien den immer gleichen Bauplänen mit ihren mal harmonischen, mal asozialen Familien und Nachbarn, Großstadtbewohnern und Freunden, die alle Glück, Liebe und Erfolg suchen, in ihren Appartements und Vorstadthäuschen. Selbst außergewöhnliche Elemente wie ein Hexenhaushalt oder außerirdische Väter und Mitbewohner rütteln an derartigen Aufbauten nur bedingt und aus den Variationen der immer gleichen Ausgangslage, lassen sich letztlich auch nur Variationen des immer Gleichen erzählen. The Good Place ist zum Glück anders.

Was bedeutet es, eine gute Comedyserie zu sein?

Was die Art des Humors angeht, erinnert er mit seinem makabren Unterton an Serien wie Dead like me oder Pushing Daisies und kommt neben den Dialogen besonders in Situationskomik zu tragen. Durch das Setting bietet sich hier jedoch ein ganz neues Inventar an Möglichkeiten. Die Ausgangslage vom Leben nach dem Tod und wie dieses hier gestaltet wird, ist etwas komplett Neues. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass Eleanor als selbstzentrierter Soziopath mit Empathiemangel (also als normaler Durchschnittsmensch) in ihrem übermoralischen Umfeld zwangsläufig für Chaos sorgt und auch die sehr starke Motivation hat, der ewigen Verdammnis zu entgehen. Der Comedy-übliche Episodencharakter (in dem pro Folge ein aufkommendes Problem gelöst und zum Ursprungszustand zurückgekehrt wird) weicht deswegen einem zusammenhängenden Erzählbogen, der von Anfang bis Ende mit überraschenden Wendungen aufwarten kann und tatsächlich unvorhersehbar ist. Abgesehen davon bewegen hier Zuschauer wie Figuren mehr als geometrische Beziehungskonstruktionen und die übliche Ross und Rachel-Frage (kriegen sie sich oder nicht?), nämlich die Frage, was es bedeutet ein guter Mensch zu sein. Und die ist gar nicht mal so leicht zu beantworten.

Wen sehe ich da und wenn ja, warum?

Im Kern von The Good Place stehen sechs Figuren, die mit einem schauspielerisch hervorragend harmonisierenden Cast besetzt sind. Kristen Bell (Veronica Mars) spielt den fluchenden (oder zumindest würde sie gerne fluchen, ein Sprachfilter im Guten Ort schwächt Kraftausdrücke ab) Normalo unter den ganzen Heiligen, William Jackson Harper übernimmt die Rolle von Chidi, Eleanors verzweifelnder Seelenverwandter und Serienveteran Ted Danson (Cheers) den überpositiven und selbstzweifelnden Architekten der perfekten Nachbarschaft, Michael. Hinzu kommen die Nachbarn von Eleanor: Jameela Jamil spielt die etwas zu selbstverliebte Profi-Philanthropin Tahani, Many Jacinto ihren Seelenverwandten, den mysteriösen buddhistischen Schweigemönch Jianyu. Und schließlich ist da noch D’Arcy Carden als Janet, quasi die omnipotente Siri oder Alexa des Lebens nach dem Tod.

Fazit

Ich muss gestehen, dass die Serie zuerst etwas an mir vorbeigezogen ist in der Masse an Titeln, die mit The Good anfangen (Wife, Fight, Cop, Doctor, Dinosaur, Neighbor, Sheperd, the Bad usw.), aber dem Trailer folgte ein Binge der ersten Staffel und kurz darauf ein zweiter Durchlauf. Sie ist erfrischend kreativ, abwechslungsreich, Figuren und Schauspieler haben eine gute Chemie und am wichtigsten: Die Serie macht einfach unheimlich viel Spaß. The Good Place lässt sich hierzulande digital auf Amazon Prime oder auf scheibenförmigen Datenträgern erwerben. Es lohnt sich.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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Prinzessin Blaubeere
Redakteur

Danke für diesen Artikel! Die Serie ist komplett an mir vorbeigegangen. Ich bin grad auf der Suche nach einer neuen, aber wusste irgendwie nicht so recht, was genau ich schauen will. Eleanor klingt nach einem sehr sympathischen Charakter. 😀 Vom Humor dürfte es mich auch ansprechen. Comedy ist nicht 100% mein Genre, außer es geht in eine zynische, makabre, schwarze Richtung. Und gut auch, dass die Serie auf Prime verfügbar ist. Endlich kann ich das mal wieder nutzen!
Werd ich gleich mal heute Abend anfangen.

Misato
Redakteur

Für mich ist The Good Place eine der absolut besten Serien der letzten Jahre. Neben Brooklyn Nine-Nine auf alle Fälle die beste Sitcom. Oh hoppla, sind ja beide von Michael Schur. Kein Wunder. Parks & Rec ist ja auch immer noch eine Empfehlung wert. Jemand der Charaktere wie Leslie Knope, Jake Peralta und Eleanor Shellstrop erschaffen kann, macht irgendwas richtig. Der Humor ist absolut auf meiner Linie und deshalb so genial, weil nicht einfach auf Schwächeren und Dummheit rumgetrampelt wird. Aber noch viel wichtiger ist die Menschlichkeit, die überall durchkommt. Und das ist bei The Good Place klar noch wichtiger als bei den anderen Serien.

Dass The Good Place klammheimlich eine Philosophie Vorlesung im Serienformat ist, ist ein echter Geniestreich.
Und jedes Mal, wenn eine absolut krasse Wende kommt und ich mich frage, wie das bloß weitergehen soll, wird es einfach nur besser.