Star Trek: Discovery (Staffel 3)

Auf in ein neues Jahrtausend! Schluss mit Herumbasteln am Erbe vieler vorangegangener Star Trek-Staffeln, hinein in eine vom Kanon völlig ungeküsste Welt! Star Trek: Discovery Staffel 3 setzt da an, wo Staffel 2 endet: Michael Burnham saust durch ein Wurmloch in die Zukunft, die Discovery hinterher. Ankommen tun sie über 900 Jahre später, in einer Zeit, in der nichts mehr so ist, wie es mal war. Doch auch in einer neuen Ära bleibt Star Trek immer noch Star Trek, das macht Star Trek: Discovery Staffel 3 in allen 13 Folgen immer wieder klar.

Nach ihrem Sturz durch das Wurmloch landet Michael Burnham desorientiert auf einem fremden Planeten. Erst einmal keine Spur von der Discovery. Aber nicht nur die Discovery, auch die Föderation ist weg und fast alles Dilithium, die Substanz, die interstellare Raumfahrt ermöglicht. Eine rätselhafte Katastrophe, die als “der Brand” bezeichnet wird, zerstörte vor über 100 Jahren alle Raumschiffe mit aktivem Warp-Antrieb, für den Dilithium als Treibstoff dient. Seitdem ist Langstrecken-Raumfahrt kaum noch möglich und dadurch verlor die Föderation an Bedeutung, bis sie zu einem unauffindbaren Schatten ihrer selbst verkümmerte. Michael macht sich auf, den Verbleib der Föderation und das Rätsel des Brandes zu erkunden. Ihr Weggefährte wird der charmant-schlitzohrige Weltraum-Kurier Book, mit dem sie das nächste Jahr verbringt. Dann purzelt die Discovery aus dem Wurmloch, auf den gleichen Planeten, nur um ein Jahr verschoben. Endlich wieder an Bord ihres Heimat-Raumschiffs kann Michael ihre Informationen nutzen und das weit entfernte Hauptquartier der Föderation ausmachen. Doch der Empfang ist eher kühl. Zwar ist die Discovery nun das einzige Raumschiff, das weite Strecken zurücklegen kann und somit von unschätzbarem Wert für die an den Rand der Bedeutungslosigkeit geschrumpften Föderation, doch Admiral Vance betrachtet die Crew zunächst mit Misstrauen. Doch er kann sich mit dem unkonventionellen Führungsstil der Discovery langsam anfreunden und so können die wirklich wichtigen Probleme angegegangen werden: Was hat den Brand verursacht? Und wie kann sich die Föderation in einer Welt behaupten, in der das Verbrechen auf dem Vormarsch ist? Und mit der Bedrohung durch Osyraa, Herrin über ein interstellares Verbrechersyndikat, fertig werden?

Von einem Rätsel zum nächsten

Star Trek: Discovery hangelt sich in Staffel 3 gemächlich von einem Geheimnis zum nächsten, wie in einem behäbigen Krimi. Wo ist die Föderation? Einen Hinweis gibt es: die Nachricht eines Admirals Senna Ta. Wo ist der Admiral? Ausflug auf die Erde. Der Admiral ist tot, aber… er war ein Trill, mit einem Symbionten. Symbionten wandern von einem Wirt zum andern und nehmen die Erinnerungen der vorigen Wirte mit. Und Senna Tal lebt fort in… Adira Tal, dem neuen Crew-Mitglied. Aber Adira muss erst einmal lernen, auf diese Erinnerungen zugreifen zu können. Ausflug zu den Trill, die über Symbiose bescheid wissen. Dann erst gibt es die entscheidenden Koordinaten und so gehen einige Folgen ins Land, bis die Discovery endlich beim Föderations-Hauptquartier ankommt. Ähnlich geht es mit dem zweiten Rätsel, der Ursache des Brandes, weiter. Hier ein Indiz, da ein verschlüsselter Hinweis, bis das Finale die Auflösung bringt. Damit hält Star Trek: Discovery Staffel 3 den Zuschauer ganz gut bei der Stange und lässt eine Menge Platz für Einzelabenteuer, Comedy-Einlagen und Charakterbögen. Denn eigentlich geht es darum, wie Michael Burnham und die Discovery ihren Platz in dieser neuen Welt finden.

Jede Menge Zeit für Figuren-Entwicklung

Star Trek: Discovery Staffel 3 gönnt sich jede Menge Zeit für seine Figuren. Da ist Michael Burnham, die sich nach einem Jahr am Rande der Legalität in den Hierarchien der Sternenflotte fremd fühlt und doch so gern dazugehören möchte. Und außerdem Beruf und Beziehung unter einen Hut bringen muss. Saru muss in die Rolle des Käptns hineinwachsen. Tilly, eigentlich für Komik und zwischenmenschliche Momente zuständig, steigt in Verlauf der Staffel vom Fähnrich zum ersten Offizier auf, sitzt sogar für ein paar Stunden im Sessel des Käptn und muss mit Selbstzweifeln und gehässigen Sprüchen von Schurkenseite kämpfen. Adira, neu in der Crew, hat gleich einen ganzen Haufen Baustellen: Einen Symbionten, die innere Gewissheit, sich sowohl weiblich als auch männlich zu fühlen und einen toten Geliebten, der in Adiras Bewusstsein weiterlebt und damit gar nicht klarkommt. Ein Glück, das Stamets und Culber Adira quasi adoptieren und so zu einer Familie aus Vater, Vater, nicht-binärem Kind und unsichtbarem Schwiegersohn zusammenwachsen. Am Rand glänzt wieder Philippa Georgiou mit zynischen Sprüchen, bis sie leider im Verlauf der Staffel in eine andere Dimension entschwindet. Das beschert dem Zuschauer zwar gleich zwei Folgen mit Georgiou im Mittelpunkt, aber ihr Abgang reißt eine Lücke, die auch von den boshaften Onelinern der Schurkin Osyraa nicht gefüllt werden können.

OriginaltitelStar Trek Discovery
Jahr2020
LandUSA
Episoden13 in Staffel 3
GenreScience-Fiction
CastCommander Burnham: Sonequa Martin-Green
Commander Saru: Doug Jones
Lieutenant Stamets: Anthony Rapp
Fähnrich Tilly: Mary Wiseman
Dr. Culber: Wilson Cruz
Captain Pike: Anson Mount
Spock: Ethan Peck
Tyler: Shazad Latif
Philippa Georgiou: Michelle Yeoh
Leland: Alan Van Sprang
Auf Netflix verfügbar

Fazit

Star Trek macht dann am meisten Spaß, wenn es zur lieben Gewohnheit geworden ist, wenn sich die Brücke des Raumschiff so vertraut anfühlt wie das eigene Wohnzimmer. So auch Star Trek: Discovery Staffel 3. Staffel 1 hatte den Reiz des Neuen. Staffel 2 brachte so manchen Fan zum Fremdeln. Staffel 3 kommt endlich bei dem Vertrautheitsgefühl an, wo man mit den Figuren warm geworden ist und genau das kriegt, was man unterschwellig erwartet hat. Auch, wenn die Discovery jetzt durch ein neues Jahrtausend düst, wo prinzipiell alles möglich ist. Moralische Werte und grüne Aliens und Weltraumgeballer und lustige Interaktionen der Crew bilden das Rückgrat der Serie, egal, welche neuen Herausforderungen im Weltall lauern. Das setzt Star Trek: Discovery ordentlich um. Gemütlich trabt die Staffel von einem Geheimnis zum nächsten und hat unterwegs Zeit für Einzelabenteuer und Charaktermomente. Am Ende ist die Tür weit offen für Staffel 4 und beliebig viele weitere Staffeln. Wie sich das für ein so altes Franchise, das immer wieder das alte Grundprinzip in neuem Gewand ins Rennen schickt, auch gehört.

© Netflix

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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