Dune

Drogen und Bewusstseinserweiterung, Heilslehren und Erlösungsvisionen, ein böses Imperium, ein Auserwählter und ein tapferes Naturvolk. Es waren die 60er und was Science-Fiction-Autor Frank Herbert (Der Jesus-Zwischenfall) an Ideen und Motiven in seinen Romanzyklus um den Wüstenplaneten Arrakis verarbeitete, traf den Nerv der Hippie-Generation. Kultbuch nennt man sowas. Hinterher hüpft gern das Prädikat “unverfilmbar”. In der Tat war die Verfilmung von David Lynch (Blue Velvet) von 1984 eher ein grandioses Scheitern als eine gelungene Adaption. Jetzt versucht sich der kanadische Regisseur Denis Villeneuve (Blade Runner 2049) an dem ebenso spannenden wie sperrigen Stoff. Seit dem 15. September 2021 ist Dune auf deutschen Kinoleinwänden zu sehen.

 

Im Jahr 10191 hat man sich von Robotern und Computern verabschiedet. Stattdessen befähigt Drogenkonsum zu übersinnlichen Fähigkeiten und damit auch zu intergalaktischer Raumfahrt. Fatal nur, dass die kostbare Substanz, genannt Spice, nur auf einem einzigen Planeten abgebaut werden kann, dem lebensfeindlichen Wüstenplanet Arrakis. Dort gibt es kaum Wasser, viel Sand, gigantische Sandwürmer und ein mysteriöses Wüstenvolk, die Fremen. 80 Jahre wurde Arrakis vom adeligen Haus der Harkonnen ausgebeutet. Nun nimmt der Imperator den Harkonnen ihr Lehen weg und überreicht es Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac, Star Wars: Das Erwachen der Macht). Der ist davon nicht begeistert, aber Pflicht ist Pflicht und so zieht er mit seiner Geliebten Lady Jessica (Rebecca Ferguson, Doctor Sleeps Erwachen) und seinem Sohn Paul (Timothée Chalamet, Interstellar) nach Arrakis um. In der Tat stellt sich die scheinbar noble Gabe als Falle heraus, denn Baron Vladimir Harkonnen (Stellan Skarsgard, Chernobyl) ist fleißig dabei, gegen das Haus Atreides zu intrigieren und sich seinen Drogenplaneten zurückzuholen. Herzog Leto versucht, das in der Wüste lebende Volk der Fremen für sich zu gewinnen. Doch die unterdrückten Ureinwohner haben wenig Interesse an einem weiteren Kolonial-Herrscher. Dafür glauben sie an das Kommen eines Auserwählten, der ihrem Volk Erlösung bringen soll. Könnte das der 15-jährige Paul Atreides sein, der zuweilen seltsame Träume und ungeahnte Fähigkeiten hat?

In den Fußstapfen von David Lynch

Originaltitel Dune
Jahr 2021
Land USA
Genre Science-Fiction
Regie Denis Villeneuve
Cast Paul Atreides: Timothée Chalamet
Herzog Leto Atreides: Oscar Isaac
Lady Jessica: Rebecca Ferguson
Gurney Halleck: Josh Brolin
Duncan Idaho: Jason Momoa
Baron Wladimir Harkonnen: Stellan Starsgard
Chani:Zendaya
Stilgar:Javier Bardem
Ehrwürdige Mutter Gaius Helen Mohiam: Charlotte Rampling
Dr. Wellington Yueh: Chang Chen
Dr. Liet Kyne: Sharon Duncan-Brewster
Laufzeit 155 Minuten
FSK
Kinostart: 15. September 2021

Kennt man David Lynchs Der Wüstenplanet, gerät man leicht in Versuchung, immer wieder abzugleichen, was Villeneuve ganz ähnlich oder anders macht. Zum Glück ist das meiste ganz anders als in der einst recht zwiespältig aufgenommenen Vorgängerversion. Wo Lynchs Film bunt, grotesk und skurril ist, ist Villeneuves Version in elegant gedeckten Farben gehalten und alles ist monumental und episch, von den Raumschiffen über die Inneneinrichtung bis zum Schauspielstil. Kein Sting als dekadenter Harkonnen-Spross im Leder-Schlüppi mit Flügelchen. Wo Lynchs Version von besorgten Studio-Bossen radikal gekürzt wurde und so viel zu viel Material in viel zu wenig Filmminuten stopft, nimmt sich Villeneuve alle Zeit der Welt und handelt in 155 Minuten knapp die Hälfte von Frank Herberts Roman ab. Da ist längst noch nicht alles erzählt, aber das kann ja in weiteren Filmen folgen. Alles Entscheidungen, die das Seherlebnis deutlich verbessern.

Star Wars für Erwachsene?

Das behauptet zumindest Regisseur Villeneuve. Obwohl Dune überraschenderweise das Prädikat FSK 12 trägt und somit das gleiche Publikum anziehen könnte wie George Lucas’ Franchise. Ganz Unrecht hat er nicht. Hier wie da gibt es einen Planeten mit viel Sand und, einen verfolgten Prinzen, der sich religiös gefärbte Kampftechniken aneignet, um gegen ein böses Imperium zu kämpfen. Aber wo Star Wars naiv und märchenhaft ist, geht es bei Dune um Politik und Religion. Wo Star Wars lustige Nebenfiguren und putzige Roboter hat, kommt Dune fast völlig ohne Humor aus und man vermisst ihn nicht einmal. Ähnliche Motive, sicherlich, aber eine ganz andere Grundstimmung. Was den Film an ein anderes Erfolgs-Franchise der letzten Jahre heranrückt: ersetzt man Sandwürmer durch Drachen, hätte man einen ganz passablen Handlungsstrang im Game of Thrones-Universum mit seinen politischen Ränkespielen und skrupellosen Machtintrigen. Vielleicht nicht so ausgereift und vielschichtig, aber dafür ist Dune auch nur 155 Minuten lang und erstreckt sich nicht über acht Staffeln.

Kolonialismus im Weltall

Bei Star Wars wie bei Dune gibt es Sandleute. Noch eine Parallele. Nur dass in einen Universum daraus gesichtslose Schurken werden und im anderen edle Wilde, ausgebeutete Ureinwohner, die sich gegen die Kolonialherren wehren. Frank Herbert gibt ihnen in der Romanvorlage einen deutlich arabisch-muslimischen Einschlag. Was 1965 vielleicht nur exotisch war, mittlerweile aber andere Untertöne bekommen hat. Wenn aus einer Phantasiesprache plötzlich Worte wie Jihad oder Scharia herausstechen, klingt das schon merkwürdig. Wie dem auch sei, Villeneuve malt das Motiv Ureinwohner gegen Kolonialismus weiter aus. In der Lynch-Verfilmung wurde der Eingangstext noch von der Tochter des Imperators gesprochen, jetzt bekommt ihn Chani, das Fremen-Mädchen, von dem Paul träumt. Eigentlich kommt sie so früh in der Geschichte noch gar nicht vor, doch durch Pauls wiederkehrende Visionen ist sie den ganzen Film über präsent. Wie auch Fremen-Führer Stilgar (Javier Bardem, Pirates of the Caribbean: Salazars Rache) einen großen Auftritt bekommt, in dem er den bündnisbereiten Herzog eher abblitzen lässt, was interessieren ihn die Zwistigkeiten der Eroberer?

Fazit

Dune mag zwar weniger Tempo haben als man bei Action im Weltraum vermuten könnte und weniger abrupt-bösartige Wendungen in seinen Intrigen als der Game of Thrones-Fan von Machtkämpfen in phantastischen Welten mittlerweile zu erwarten gelernt hat. Dafür bietet der Film alles, was eine gelungene Literaturverfilmung ausmacht. Eine Star-Besetzung, alles Schauspieler die die von Fans über Jahrzehnte hinweg verehrten Figuren zum Leben erwecken können. Großartige Bilder einer in sich stimmigen Welt. Genug Zeit, um die wichtigen Punkte der Vorlage ohne Hektik und schmerzhafte Kürzungen auf die Leinwand zubringen und das ohne dabei spannungsarm und weitschweifig zu werden. Das Einzige, dass man dem Film vorwerfen kann, ist ,dass er sehr deutlich ein erster Teil ist. Gerade, als es wirklich spannend wird, ist Schluss. Nicht wirklich ein Cliffhanger, aber ganz offensichtlich der Ausgangspunkt für noch viel mehr Entwicklung. Da kann man Villeneuves Dune nur viel Erfolg wünschen, damit ein zweiter Teil oder noch mehr hinterher kommt.

© Warner Bros. Pictures 

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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Aki
Aki
3. Oktober 2021 10:42

Verliebt! Ich könnte jetzt stundenlang über diese Perle der filmischen Kunst sprechen, denn ich war dieses Jahr noch nicht einmal so begeistert nach einem Kinobesuch, wie nach Dune. Was sich für einige als zu lang anfühlt, ist für mich genau die richtig Portion an Darstellung, Erzählung und Vermittlung einer so komplexen Welt. Dabei sind es oft auch nur die kleinen Details, die nicht mal wichtig erscheinen, die aber diese Welt so greifbar machen.

Ich bin so begeistert von den visuellen Eindrücken. Ob nun die Kleidung, die Landschaften (ich muss mal recherchieren ob da in Schottland gedreht wurde, für die Heimatplanetenaufnahmen von Haus Atreides) oder aber der Soundtrack von Hans Zimmer. Gerade letzter erschuf eine regelrechte Klangwelt, die sich perfekt zu diesen fremden Welten anfühlte.

Ebenso könnte ich von den Schauspielenden schmachten. Rebecca Ferguson haute mich regelrecht aus dem Kinosessel, wie sie ihre verschiedenen Angstattacken darstellte. Da gab es nicht nur im Gesicht etwas zu lesen, sondern einen ganzen Körper, der ein Gefühl vermittelte. Doch auch Timothée Chalamet überzeugte. So wie natürlich der restliche Cast, der einfach perfekt für die jeweiligen Rollen gewählt wurde.

Ich hoffe nun sehr, dass ein zweiter oder gar dritter Teil gedreht wird. In dem Filmprojekt steckt einfach so viele Liebe, das auch ich sehen möchte, wie die Geschichte weiter so umgesetzt wird. Daher mehr Liebe für Dune2021! 

Ayla
15. Oktober 2021 18:06

Hab mir heute Dune nun auch angesehen, nachdem ich den (ersten) Roman vor wenigen Tagen fertig gelesen hab (oder besser: verschlungen, einfach ein Meisterwerk!). In jedem Falle merkt man natürlich, dass der Film ein Teil 1 von einer größer angelegten Saga ist, denn gerade dann, wenn es wirklich spannend wird, folgt auch schon der Abspann. Die Rolle als Teil 1/Einführungsfilm hat Dune aber auch wundervoll erfüllt, da bekommt man wirklich Lust auf mehr. Visuell wie musikalisch ist Dune sowieso eine Wucht und die Beschreibung “Star Wars für Erwachsene” ist vom Grundprinzip ja gar nicht so falsch (was aber auch daran liegt, dass ich bei jedem Imperium sofort an George Lucas’ Universum denken muss xD).Frank Herbert hat da jedenfalls eine wirklich spannende, umfangreiche Welt geschaffen.

Schauspielerisches Highlight: Rebecca Ferguson. Hätte ich im Vorfeld nicht gedacht, das Marketing war ja sehr auf Chalamet und Zendaya konzentriert, aber sie hat Jessica wirklich auf einzigartige Weise Leben eingehaucht und ihre Szenen haben mir dann auch am besten gefallen.

Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis ein Teil 2 erscheint. Ich glaube, hier könnte man wirklich ein neues Science-Fiction-Epos der Extraklasse haben.

Last edited 7 Tage her by Ayla