Disenchantment (Staffel 1)

Lesezeit: 5 Minuten

Mit Die Simpsons erschuf Matt Groening 1989 eine Zeichentrickserie, die sich von allen anderen Zeichentrickproduktionen abheben sollte. Ein bissiger Humor, der keine Grenzen kennt. Figuren mit Ecken und Kanten. Ganz viel Popkultur. Der bis heute durchschlagende Erfolg ließ sich in dieser Dimension mit Futurama zehn Jahre später nicht wiederholen, doch auch die 140 Episoden starke Serie besitzt eine große Fanbase. 19 Jahre später machte sich Groening an sein drittes Erzähluniversum. Nach dem 21. und dem 31. Jahrhundert geht es in Disenchantment zurück ins Mittelalter. Genauer gesagt in das fiktive Königreich Dreamland. Die aus zehn Episoden bestehende erste Staffel lief im August 2018 auf Netflix an, weitere Episoden wurden bereits bestellt. Ob Disenchantment ebenfalls zur Kultserie aufsteigen wird?

  

Prinzessin Bean (vollständig: Tiabeanie Mariabeanie De La Rochambeaux Drunkowitz) ist keine gewöhnliche Prinzessin. Sie verbringt ihre Zeit am liebsten in der Taverne, trinkt viel Alkohol und begibt sich ständig in Gefahr. Als Prinzessin von Dreamland ist sie jedem bekannt, weshalb ihre Eskapaden immer wieder auffliegen und ihrem jähzornigen Vater Zøg zu Ohren kommen. Dieser ist nach dem Tod der Königin alleinerziehender Elternteil und damit völlig überfordert. Um seine Tochter wieder auf Spur zu kriegen und gleichzeitig den Interessen des Königreichs nachzukommen, soll Bean zwangsverheiratet werden. Bean ist wenig begeistert davon und zieht sich in die Kneipe zurück. Sie befindet sich in bester Begleitung mit dem naiven Kobold Elfo und dem hauseigenen Dämon Luci. Luci, ursprünglich als Fluch an die Prinzessin versandt, um ihr Leben ins Dunkel zu stürzen, wird allerdings von allen nur für eine Katze gehalten. Gemeinsam sind sich die drei für keine Schandtat zu schade.

Anforderung: Humor und Kreativität

Originaltitel Disenchantment
Jahr 2018
Land USA
Episoden 10 in Staffel 1
Genre Comedy, Fantasy
Cast Prinzessin Bean: Abbi Jacobson / Jenny Löffler
Elfo: Nat Faxon / Heiko Akrap
Luci: Eric André /Christian Intorp
König Zøg: John DiMaggio / Marko Bräutigam
Königin Oona: Tress MacNeille / Gabriele Schramm-Philipp
Pendergrast: Eric André / Armin Schlagwein

Eines muss sich Disenchantment sicherlich nicht vorwerfen lassen: nur ein müder Abklatsch Groenings anderer Serien zu sein. Dreamland als Setting bietet jede Menge Möglichkeiten. Viele davon werden in Staffel 1 bereits genutzt. Ritter, Kobolde, Trolle, Elfen, Zwerge, Meerjungfrauen, Piraten, Folter und Gerangel um den Thron. Die zehn Episoden zeigen sich abwechslungsreich und was zunächst nach Folgen mit abgeschlossener Handlung aussieht, erhält im weiteren Verlauf einen übergeordneten Handlungsbogen. Staffel 1 erzählt eine abgeschlossene Handlung, deren Ende man zunächst nicht kommen sieht (oftmals ist die Auflösung doch viel näher als man denkt). Allerdings wird nicht alles am Ende aufgelöst, sodass noch weiteres Potenzial für Staffel 2 bleibt. Der Kreativität sind bis dahin keine Grenzen gesetzt. So wird alles durch den Kakao gezogen, was in irgendeiner Weise in Fantasy-Titeln der letzten 50 Jahre verwertet wurde. Holprig wird es allerdings, wenn es um die Dichte der Gags geht. Nicht jede Folge bringt ein ausgewogenes Maß an Bissigkeit mit. Mal trumpft Disenchantment mit fiesen Folter- und Sex-Gags auf, mal wird es recht zahnlos. Das ist nachvollziehbar angesichts der zunehmenden Handlung, wirkt stellenweise dann jedoch umso bemühter. Auf der anderen Seite ist es keine große Überraschung, dass zunächst die Figuren mit all ihren Macken etabliert werden, ehe die Handlung in eine Game of Thrones-artige Intrigenpartie übergeht.

Groenings Handschrift

Optisch sind Disenchantment und seine Figuren unverkennbar an Groenings Stil angelegt. Die Figuren ähneln stark den Simpsons (ohne deren Hautfarbe zu tragen), womit der Charme-Bonus bereits vorab inklusive ist. Ein besonderer Hingucker sind die Kamerafahrten zum Schloss. Die Hintergründe besitzen eine hohe Detailtiefe und im Gegensatz zu den zweidimensionalen Simpsons ist auch die eine oder andere dreidimensionale Kamerafahrt mit drin. Da die erste Staffel jedoch überwiegend hinter den Schlossmauern spielt, bleiben große visuelle Ausflüge eher eine Ausnahme. Das malerische Königreich auf der großen Klippe gibt es dafür umso häufiger zu bestaunen. Fans handgezeichneter Point’n’Click-Adventures à la Monkey Island oder Baphomets Fluch werden sich sofort wie Zuhause fühlen.

Dynamisches Protagonistentrio

Besonders die Chemie zwischen den drei Hauptfiguren begeistert. Während die emotionalen Ausschläge der abgebrühten Prinzessin eher gering sind, ist Elfo umso schneller zu erschrecken, aber auch zu begeistern. Seine Naivität bildet einen starken Kontrast zu Bean, die so leicht nichts aus den Latschen haut. Und Luci hingegen ist als eine Art Katastrophentourist unterwegs.  Immer auf der Suche nach dem nächsten Unglück, häufig aber auch mittendrin. Die drei bedienen zahlreiche Facetten, die dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird. Dazu trägt auch die deutsche Synchronisation einen großen Teil bei, die wie die englische großartig gelungen ist. Jenny Löffler stattet Bean mit einem resignierten Unterton aus ohne dabei so knurrig wie eine Marge Simpson zu sein. Heiko Akrap als Elfo erinnert in seinen Grundzügen jedoch sehr an die Anfänge von Bart Simpson, während Christian Intorp Luci mit einem gemäßigten Grundton versieht. Alle drei Figuren tragen ihr individuelles Päckchen mit sich herum, das immer wieder weitererzählt wird. Bean hat partout keine Lust auf Hochzeit, Elfo steckt mitten in der Pubertät und jeder will sein Blut, Luci ist nur allzu fix in eine Flasche gesteckt. Fans werden je nach Haltung zu Disenchantment lieben oder kritisieren, dass die Wesenszüge des Trios ihren Futurama-Pendants nachempfunden sind. Die trotzige Bean erinnert an die rebellische Zyklopin Leela, Elfo hat etwas des Normalo-Losers Fry und Luci ist moralisch so flexibel wie der Roboter Bender.

Obwohl ich mit Disenchantment riesigen Spaß hatte und die drei Hauptfiguren schnell ins Herz geschlossen habe, blieb der Drang, schnell die nächste Folge anschauen zu müssen, aus. Das liegt nicht etwa daran, dass die Serie zu wenige kreative Ideen besitzt. So ein richtiger Spannungsbogen ist schlichtweg nicht vorhanden, sodass erst kurz vor Ende Geschwindigkeit auf die Handlung gelegt wird. Je mehr man sich an ein “von den Machern von den Simpsons” hängt, desto höher werden die Erwartungen sein und umso stärker wird der Zehnteiler enttäuschen. Eine Chance verdient hat die mittelalterliche Saga um Prinzessin Bean allemal. Denn Dreamland ist groß und Geschichten darum tummeln sich auch jenseits der Schlossmauern. Soweit fühlt sich die erste Staffel erfrischend und unverbraucht an.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Prinzessin Blaubeere
Redakteur

Ich hatte meinen Spaß mit der Serie. Es war zwar auch bei mir nicht so, dass ich jeder Folge entgegenfieberte; es hat auch gereicht nur eine Folge am Tag zu sehen, aber Spaß hatte ich allemal daran. Ich finde die Serie gar nicht mal sooo witzig, aber ich mag das Setting sehr gern und vor allem die Hauptcharaktere (bis auf Elfo. Den find ich irgendwie eher nervig). Aber diese Kombi aus Bean und Luci ist genial. Dass er ständig für eine Katze gehalten wird, ist schon lustig. Außerdem kann ich mich teilweise sehr gut in Bean hineinversetzen. Als ich den Trailer zum ersten Mal gesehen habe, saß ich da und dachte so: Jepp, wenn ich eine Prinzessin wäre, dann genau so eine. Es haben auch Freunde zu mir gesagt: Hey, da kommt eine neue Serie über dich. xD Nur allein deswegen, mag ich Disenchantment schon. 😀