Chilling Adventures of Sabrina

Chilling Adventures of Sabrina Teil 2

Lesezeit: 7 Minuten

An Halloween 2018 beschenkte Netflix Gruselfans mit der Serie Chilling Adventures of Sabrina. Im April 2019 geht das Hexendrama in die zweite Runde. Und bei all den religiösen Motiven scheint es, als seien Feiertage – an denen Tote auferstehen, also auch Ostern – genau die richtige Zeit für einen Bingewatch. Wer kann schon ahnen, dass die Anhänger Satans sich an so viele Regeln halten müssen wie brave Katholiken? Da muss Junghexe Sabrina Spellman weiter rebellieren und das magische Machtgefüge in Frage stellen.

Da Sabrina (Kiernan Shipka, Feud) sich ins große Buch des Biestes eingetragen und so ihre Seele dem Teufel verschrieben hat, ist es an der Zeit, sich dem Studium der dunklen Künste zu widmen. Ms. Wardwell (Michelle Gomez, Doctor Who) ist inzwischen Rektorin der Baxter High und hat kein Problem, wenn Sabrina zur Schule kommt und geht, wie es ihr beliebt. Die Akademie der Unsichtbaren Künste geht für ein Leben als Hexe vor. Zumal Ms. Wardwell nur eine Fassade ist und sie mit dem Dunklen Lord selbst im Bunde steht. Während die beiden für Sabrina besondere Pläne aushecken, ist der Hohepriester Faustus Blackwood (Richard Coyle, 5 Days of War) wenig angetan von der Halb-Sterblichen, die sofort damit beginnt, uralte Traditionen der Akademie in Frage zu stellen. Für ihn ist klar, dass Frauen den Männern dienen, also ist Gleichberechtigung in einem Satanskult für ihn ziemlich blasphemisch. Sabrinas Tante Zelda (Miranda Otto, Der Herr der Ringe) möchte ihre Nichte unterstützen, lässt sich aber weiter mit Blackwood ein, denn so kann sie vielleicht ins Zentrum der Macht rutschen. Cousin Ambrose (Chance Perdomo) möchte vor Blackwood ebenfalls gut dastehen, da die Jahrzehnte unter Hausarrest doch einschränkend waren. Währenddessen versucht Tante Hilda (Lucy Davis, Shaun of the Dead) die Bande zur Welt der Sterblichen festzuhalten und hat ein Auge auf Sabrinas Freunde. Die Spellmans haben keine Ahnung, wie viele Gefahren ihnen tatsächlich drohen und dass sie besser an einem Strang ziehen sollten.

Ein rebellischer Auftakt

Nach den höchst dramatischen Ereignissen zum Finale des ersten Teils der Serie und einem turbulenten Weihnachten, geht es zunächst fast friedlich zu. An der Akademie wird der neue Pracht-Bruder gewählt, eine Art Schülersprecher, der eine Verbindung zwischen Schülern und Lehrern darstellt. Der Titel klingt nicht nur männlich, das Amt wird traditionell auch nur an Hexer vergeben und schon schreitet Sabrina ein. Da es keine ausdrückliche Regel ist, dass Mädchen nicht gewählt werden dürfen, möchte sie der Pracht-Bruder werden. Es folgt ein kleiner Zauberwettstreit, bei dem ihr unfairerweise Dämonen auf den Hals gehetzt werden, um sie abzulenken. Während Sabrina am Ende von Teil 1 mit den Waisen rund um Prudence Night (Tati Gabrielle, The 100) zu sehen war, kämpft sie hier eher allein und ein normaler Schulalltag ist kaum möglich. Die Andeutung, Sabrina könne ihren Platz bei den Unheimlichen Schwestern finden, verpufft. Da beraubt sich die Serie selbst, hier mehr von der Welt der Hexen zu zeigen und warum sie eine Alternative für Sabrina sein könnte.

Ziemlich viele Restriktionen für eine Welt jenseits der Moral

Faustus Blackwood wird im Laufe der neun Episoden, die nahezu alle an der 60-Minuten-Marke kratzen, zu einer zentralen Figur. Als Hohepriester hat er das Sagen über diesen Zirkel der Kirche der Nacht und es wird deutlich, dass er große Pläne hat. Seine eigene Vision, wie die anderen Mitglieder sich zu verhalten haben, folgt streng stereotypen Geschlechterrollen. Die Hexen dürfen sich um Tränke kümmern – da stehen sie wenigstens am Herd – und sollten den Hexern Beschwörungen und ähnliches überlassen. Eine Ehefrau hat hinter ihrem Mann zu gehen, kein Amt zu bekleiden und sollte am besten nur reden, wenn sie gefragt wird. Das Hexenbild in Chilling Adventures of Sabrina ist sehr von der katholischen Kirche geprägt, da der mythologische Ursprung der Hölle mit dem Fall des Engels Luzifer Morgenstern zusammenhängt. Und obwohl diese Kirche der Nacht Satan preist, hat sie eben doch alle Merkmale der bekannten patriarchalen Religion. Bis hin zu einem Anti-Papst. Die eher heidnischen Bräuche und internationale Folklore, die in den vorherigen Episoden zum Tragen kamen, fallen vermehrt unter den Tisch. Da kann man sogar all den Kannibalismus richtig vermissen. Denn hier drängt sich die Frage auf, was eigentlich so toll dran sein soll, eine Hexe zu sein. Es gibt ziemlich viele Regeln zu beachten und unzählige Gefahren, die von anderen Leuten ausgehen, die ebenfalls zaubern können, und Böses im Schilde führen. Es mangelt an Verlockungen. Sabrinas Kräfte sind in der Welt der Sterblichen sehr viel beeindruckender, auch wenn sie da anfangs oft nur in ein Fettnäpfchen nach dem anderen trat. Wenn sie sich nun einmischt, scheint das sogar ohne Konsequenzen zu funktionieren.

Dreidimensionale Charaktere halten das Erzählniveau hoch

Originaltitel Chilling Adventures of Sabrina
Jahr 2019
Land USA
Episoden 9 im zweiten Teil
Genre Fantasy
Cast Sabrina Spellman: Kiernan Shipka
Zelda Spellman: Miranda Otto
Hilda Spellman: Lucy Davis
Ambrose Spellman: Chance Perdomo
Harvey Kinkle: Ross Lynch
Mary Wardwell: Michelle Gomez
Faustus Blackwood: Richard Coyle
Prudence Night: Tati Gabrielle
Rosalind Walker: Jaz Sinclair
Theo Putnam: Lachlan Watson

Da Sabrina sich aber nicht mit diesem vorherbestimmten Platz zufrieden geben möchte und Blackwoods Reformation als Rückschritt anprangert, bleibt sie eine sympathische Hauptfigur, die man anfeuern kann. Kraft zieht sie aus dem Wissen, dass ihr eigener Vater als Hexer und Hohepriester von der Vereinigung der zwei Welten überzeugt war. Da sich Sabrina im Weihnachts-Special mit ihrer Mutter aussprechen konnte, gibt es über ihre Eltern aber nicht viel mehr zu sagen. Sabrinas Tanten Zelda und Hilda sind diejenigen, die für die zwei unterschiedlichen Lebensweisen stehen. Zelda preist Satan wo sie nur kann, aber wenn es hart auf hart kommt und der Dunkle Lord etwas von Sabrina verlangt, stellt sie sich doch vor ihre Nichte. Hilda ist dagegen bemüht ein normales Leben fernab der Magie zu führen, aber in Greendale sind selbst die normal scheinenden Einwohner mit der Welt der Hexen und Dämonen verbunden. Da kann sie auf ihre Art helfen. Und wer Hilda unterschätzt, lebt vielleicht nicht mehr lange. Beide wahren ein lange gehegtes Image, doch Zelda hat eine verletzliche Seite, so wie Hilda ziemlich gnadenlos sein kann. Das sind die Momente, die die Serie sehenswert machen, wenn die Figuren zeigen, dass sie mehr zu bieten haben. Die interessanteste Entwicklung kriegt Ms. Wardwell alias Madame Satan spendiert. Der Verlobte der echten, menschlichen, und zu Beginn verstorbenen, Mary Wardwell taucht auf und stürzt die eigentlich loyale Anhängerin Satans in einen echten Gewissenskonflikt.

Der Messias ist da

Über den längsten Teil der Episoden, sind die Handlungsstränge sehr voneinander getrennt. Jeder geht den eigenen Problemen und Zielen nach und als Zuschauer muss man sich fragen, was der Dunkle Lord denn nun wirklich will und warum er Blackwood einfach gewähren lässt. Denn während Blackwood Sabrina am liebsten beseitigen würde, ist Satan damit beschäftigt, sie zu bösen Taten zu verführen. Die Wandlung zu einer Messias-Figur findet sich dabei sogar in den Episodentiteln wieder. „Die Passion der Sabrina Spellman“ ist eine Anleihe an Mel Gibsons Die Passion Christi und „Die Wunder der Sabrina“ deuten an, dass ihre Taten an die von Jesus vollbrachten Wunder erinnern sollen. Es fehlt nur eine Hommage an Martin Scorseses Die letzte Versuchung Christi. Immerhin ist Sabrina bereit, ihre Hexenkräfte aufzugeben und bringt damit ein großes Opfer. Das würde auch mehr Platz für Sabrinas Schulfreunde schaffen, die zwischendurch komplett vergessen scheinen, wenn Hilda nicht ein Auge auf sie hätte.

Zahmes Teen-Drama schont die Nerven

Das erfreuliche, wenn Sabrina Zeit findet, mal bei Harvey Kinkle (Ross Lynch) vorbei zu schauen, ist, dass Chilling Adventures of Sabrina nicht zu einem Teen-Drama mutiert. Die Beziehung zwischen Sabrina und Harvey ist (momentan) Geschichte und es gibt keine werden-sie-oder-werden-sie-nicht-Szenen. Harvey und Rosalind Walker (Jaz Sinclair) fühlen sich zueinander hingezogen und Sabrina zerfließt nicht in Eifersucht auf ihre beste Freundin. Dabei hilft sicherlich, dass Sabrina dem Hexer Nick Scratch (Gavin Leatherwood) näher kommt, der schon länger ein Auge auf sie geworfen hat. Ein bisschen Romantik ist im Spiel, die Autoren halten sich aber erstaunlich gut zurück, unnötige Dreieckskonstellationen einzubauen. Stattdessen gibt es das hexische Äquivalent zum Valentinstag namens Luperkalien, bei dem die Schüler der Akademie verpartnert werden und ein paar Rituale durchlaufen, ehe alles in einer Orgie – auf freiwilliger Basis – endet. Das klingt aufregend, ist aber wenig progressiv, wie alles, was die Kirche der Nacht von sich zeigt. Die Norm wird in der Baxter High durchbrochen, wo Susie Putnam (Lachlan Watson) zu sich selbst findet, ab sofort Theo heißt und ins Basketballteam der Schule möchte. Nach den Andeutungen aus dem ersten Teil der Serie hat Theo ein knappes und befreiendes Coming Out als Trans-Junge. Und für die Freunde ist das kein Problem.

Fazit

Dem ersten Teil von Chilling Adventures of Sabrina habe ich vier Punkte gegeben, weil so viel Luft nach oben war. Über weite Strecken verdient sich die Fortsetzung bei mir eher drei Punkte, weil genau dieses Potenzial nicht genutzt wird und die Erzählung sich in sehr sicheren Bahnen bewegt. Die letzten beiden Folgen fügen all die Fäden aber wunderbar zusammen und heben die Serie so eben aus dem Durchschnitt heraus. Die Tendenz geht eher nach unten, aber die Spellmans als Familie bleiben mir extrem sympathisch, allen voran Hilda. Auch schätze ich es sehr, dass ich mich durch keine plumpen Szenen zwischen Sabrina und Harvey quälen muss, um eine pseudo-romantische Spannung zu erzeugen. Es sind die kleinen Details, die mir gefallen, wenn Ms. Wardwell etwa das Theaterstück ansieht und klar wird, dass der Zuschauer hier mit Lilith sympathisieren soll. So sehr all der erzwungene patriarchale Quatsch nervt, so verdient ist dieses Ende, wenn Zelda zur Hohepriesterin wird, Lilith den Thron in der Hölle einnimmt und die sterblichen Freunde ihren Teil beitragen, um am Ende mit Sabrina wieder ein Quartett zu bilden. Dass sämtliche Vorkommnisse aus Teil 1 beachtet werden und zu Sabrinas Reise gehören, ist ein Bonuspunkt. Dass die Hexenjäger so schnell besiegt werden und nichts auf Harveys Familienhistorie anspielt, ist dagegen enttäuschend. Die Qualität in Sachen Produktion und Schauspiel ist weiterhin konstant hoch und bietet keine wirkliche Angriffsfläche. Als einmaliger Gaststar tritt Veronica Cartwright (Alien) als Kartenlegerin auf und der beste Neuzugang ist sicherlich Jedidiah Goodacre (Legacies) als Dorian Gray. Ja, genau, der mit dem Bildnis. Etwas mehr Mut zu derlei fantastischen Figuren ist für die Zukunft der Serie wünschenswert.

© Netflix

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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