Chilling Adventures of Sabrina Weihnachtsspecial

Lesezeit: 5 Minuten

Traditionell haben viele US-Serien passend zu diversen Feiertagen eine Episode parat, die die Stimmung entsprechend einfängt. Netflix nutzt die Gelegenheit im Dezember und spendiert Chilling Adventures of Sabrina eine elfte Folge für die erste Staffel. Die Welt der Hexen feiert die Wintersonnenwende, während die Sterblichen sich auf Weihnachten vorbereiten und im Hause Spellman ist beides vereint. Inklusive Geistern. Immerhin ist die Barriere ins Jenseits in der längsten Nacht des Jahres besonders dünn. Plätzchen, Eierpunsch, entführte Kinder, Beschwörungen und besinnliche Dämonen – Satan segne die Zuschauer.

Die Wintersonnenwende markiert die längste Nacht des Jahres und die Spellmans entzünden feierlich den Jul-Stamm im Kamin, der böse Mächte fernhalten soll. Solange er brennt, ist die Familie geschützt und das soll bis zum Morgengrauen so bleiben. Sabrina kommt bei dieser Gelegenheit eine Idee. Da das Jenseits zum Greifen nahe ist, kann sie doch jetzt ihre Mutter Diana heraufbeschwören. Die steckt schließlich im Limbo fest und vielleicht kann Sabrina ihr helfen von dort zu entkommen. Außerdem ist mütterlicher Trost bei Liebeskummer nicht verkehrt. Vor ihren Tanten verschweigt sie den Plan natürlich, bittet aber die Hexenwaisen um Hilfe. Derweil scheinen die Vorbereitungen für Weihnachten bei Sabrinas menschlichen Freunden etwas fröhlicher. Susie hat es endlich geschafft, für den örtlichen Shoppingcenter-Santa den Elfen zu spielen. Da kann sie sich ein paar Dollar verdienen und Weihnachtsstimmung verbreiten. Zu dumm, dass in Greendale während der Adventszeit immer wieder Kinder verschwinden und Susie gibt in dem Elfenkostüm Jingles das perfekte Ziel ab.

Fortsetzung mit weitreichenden Folgen

Es wäre vollkommen legitim, würde „Ein Winternachtstraum“ als ein Special die Haupthandlung weiträumig umschiffen. Ein kleines Bonbon für Fans, das die Wartezeit bis April etwas verkürzt. Die Welt der Hexen ist ein schöner Kontrast zum behaglichen Lichterfest. Eisige Kälte, polternde Geister, ein bisschen was fürs Herz, da die Familie gemeinsam eine böse Entität besiegen muss. Aber tatsächlich wird hier mehr geboten und es ist unklar, ob das nun gut oder schlecht ist. Sabrina sah ihre Mutter im Limbo und warum Diana ihr Leben noch nicht endgültig losgelassen hat, welche Aufgabe für sie unerledigt scheint, ist eine spannende Frage. Das muss nun aber nicht mehr herausgefunden werden, denn das Mysterium wird hier ohne viele Probleme gelöst. Diana fühlt sich ein wenig schuldig, ihre Tochter allein zurückgelassen zu haben. Aber jetzt erkennt sie, dass Sabrina in ihren Tanten Zelda und Hilda gleich zwei Mütter an ihrer Seite hat. Und Ambrose ist ebenso für sie da. Es mangelt nicht an Familie.  Kein dunkles Geheimnis, aber eine schön eingefangene, emotionale Erklärung. Etwas befremdlich ist auch, dass Folge 10 in der Abschlussmontage zeigt, wie Sabrina ihren Platz neben Prudence an der Akademie einnimmt. Aber zumindest in den Ferien hindert sie nichts daran, sich mit ihren sterblichen Freundinnen Roz und Susie zu treffen. Der Bruch mit dieser Seite ihres Lebens wirkt nicht so harsch wie angenommen und Sabrina hat noch guten Kontakt. Dafür wird ein anderer loser Faden gänzlich unter den Teppich gekehrt. Zelda entschließt sich schweren Herzens, dass sie Baby Letitia lieber fortbringt. Die Kleine soll in Sicherheit aufwachsen und damit wird Zelda es in Zukunft ein wenig leichter haben. Auch wenn ihre charakterliche Reise sie sicherlich weiterhin zerreißt, sobald sie sich zwischen ihrem satanischen Glauben und dem Besten für ihre Familie entscheiden muss.

Ein schauriges Wintermärchen

All diese wichtigen Dinge sind vollkommen natürlich in die Handlung eingewoben und stechen nicht besonders heraus. Es wäre aber auch denkbar gewesen, von diesen Konsequenzen Abstand zu nehmen, denn es gibt genug Spannung durch eine feiertagsspezifische Bedrohung. Und darin liegt der Spaß der Folge. Selbstverständlich wird der Jul-Stamm ausgepustet (Madame Satan sei Dank) und ein paar Unholde trapsen durchs Spellman-Haus. Die Geschichte um die Hexe Gryla beginnt natürlich mal wieder mit einer Hungersnot und dem Fressen von Kindern. Selbst Sabrina fällt langsam auf, dass es in ihrem Leben reichlich viel Kannibalismus gibt. Hier wird vor allem isländische Folklore eingewoben, was die Hexenwelt wieder erfreulich vielfältiger macht. (So wie bereits die Alptraumdämonin Batibat aus Episode 5 philippinische Wurzeln hat.) Es ist auf Dauer eben langweilig, wenn sich alles von christlicher Religion ableitet. Hilda backt Plätzchen, Zelda spielt mit Baby Letitia, Sabrina überreicht Harvey ein mehrteiliges Weihnachtsgeschenk – es herrscht eine behagliche Grundstimmung. Nur Ambrose muss arbeiten, was daran erinnert, dass die Spellmans ein Bestattungsunternehmen führen. Da ist es eben normal, eine Leiche im Haus zu haben. Dazu kommen zwei magische Wesen, die besonders in der Winterzeit umtriebig sind und die gruslige Märchenstunde ist perfekt. Besonders gelungen ist es, wie die Geschichten um Gryla und die verschwundenen Kinder der Vergangenheit zum Ende verknüpft werden. Schön, dass Roz’ Visionen direkt genutzt werden und dass sie begreift, dass Susies Verschwinden übernatürliche Ursachen hat. Von Batel bekommt man wenig mit. Aber in Wachs getauchte Kinder, deren Seelen in den entstandenen Puppen gefangen sind, bringen ihm einen hohen Platz auf der Horrorskala ein

Fazit

Ich wäre tatsächlich schon mit weniger zufrieden gewesen, denn jetzt mache ich mir etwas Sorgen, dass hier viel Pulver zu nebensächlich verschossen wurde. Es ist noch nicht vollständig geklärt, wie Sabrinas Eltern ums Leben kamen (und ob es da nicht noch ein großes Geheimnis zu lüften gibt). Und es ist dann doch etwas frustrierend, dass Sabrina mit ihrer Mutter hier nur über Harvey redet, wo es doch dringendere Fragen gibt. Natürlich ist sie die richtige Ansprechpartnerin, da es um die Beziehung zwischen einer Hexe und einem Sterblichen geht. Die Szenen zwischen Harvey und Sabrina selbst finde ich gut, da nicht zu dick aufgetragen wird. Und ich kann Harveys Position verstehen, dass er von Magie nichts wissen will. Sabrina hat immer nur die besten Absichten und sie tritt dabei in jedes Fettnäpfchen, das sie finden kann, was die Dinge schlimmer macht. Eine fatale Kombination. Aber genau dafür mag ich Sabrina: sie ist nur ein Teenager. (Komischerweise wirken die Jugendlichen in Chilling Adventures of Sabrina trotz Magie realitätsnäher als die Figuren aus Riverdale.) Jeder hat ein bisschen was zu tun, die Geschichte ist stimmig und der Katalog von TV-Weihnachtsfolgen um einen gelungenen Eintrag reicher. Am besten finde ich die Information, dass man Dämonen in Greendale einfach per Telefonbuch finden kann.

Zweite Meinung

Satanische Weihnachten – here we come! Wie Misato schon schreibt: Die Folge hätte nicht plotrelevant sein müssen, ist es aber. Und ich denke, genau hier liegt das Problem: Die Macher von Chilling Adventures of Sabrina wollen zu viel. Kamen bei mir in der ersten Staffel nach ein paar Folgen schon die ersten Verdrusserscheinungen, setzen sich diese fort. Ich habe das Gefühl, auf ewig die gleiche Handlung verfolgen zu müssen. Sabrina ist eine Jugendliche und das wird auch oft gut dargestellt. Aber sie ist so naiv-doof, dass es weh tut. Diese Serie schneidet viele Handlungen an, aber arbeitet keine richtig aus (zum Beispiel das mit den Eltern, speziell der Mutter. Davon könnte man so spannende Gespräche oder gleich ganze Folgen handeln lassen.) Stattdessen werden die Themen immer angerissen, aber es fühlt sich nie organisch an. Ohne die plotrelevanten Probleme mit Diana und Baby Letitia hätte das eine gute Folge werden können. Außerdem nerven mich die Hexenwaisen langsam – sind sie jetzt pro oder contra Sabrina? Gerade nach dem Geschehnissen der ersten Staffel erwarte ich zumindest von der einen Schwester, dass sie keinen Bock mehr auf unsere Junghexe hat. Das wirkt alles so gezwungen. Der zweiten Staffel gebe ich noch eine Chance, dann entscheide ich, ob ich die Serie weiter verfolge.

©Netflix

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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Ayres
Redakteur

Schon verwirrend. Da denkt man sich: Bäh, Weihnachtsfolge, die lasse ich aus. Ach wait, die zweite Hälfte der Staffel ist noch nicht da, also gucken wir das noch. Und dann ist die Folge inhaltlich derart wichtig, dass man sich fragt, ob sie nicht einfach nur ein kleines unbedeutendes Bonusepisödchen hätte werden dürfen. Dafür finde ich das plotrelevante Ereignis auch sehr schnell abgehandelt. Ich gehe nicht davon aus, dass wir Sabrinas Mutter so schnell wiedersehen werden und dafür finde ich, dass zwar das Wichtigste irgendwo geklärt wird (die Eingeständnis, Sabrina zurückgelassen zu haben), aber sonst bleibt nur Harvey, Harvey, Harvey. Bei dem finde ich es zwar auch gut, dass er kein großer Fan der Magie ist, aber was Sabrina genau an diesem Typ findet, bleibt mir bislang auch unergründet. Die Folge ist als solche aber soviel besser als ich es je erwartet hätte.