Ant-Man and the Wasp

Lesezeit: 7 Minuten

Ein guter Ort, um der Sommerhitze von 2018 zu entfliehen, ist ein klimatisiertes Kino. Und zum Glück hat Marvel den perfekten Film parat, um das Hirn zu entspannen und die Humorrezeptoren zu testen. Die Actionkomödie Ant-Man and the Wasp lässt Menschen schrumpfen, Herzen wachsen und bietet einen konstant hohen Produktionswert. Und um der Story zu folgen, ist es nicht einmal nötig ein Superheldenhandbuch verinnerlicht zu haben.

 

Scott Lang (Paul Rudd, Clueless) hat noch ein paar Tage Hausarrest vor sich und darf bald seine elektronische Fußfessel abnehmen, mit dem das FBI ihn überwacht, seit er Captain America in The First Avenger: Civil War geholfen hatte. Seine Zeit als Ant-Man hat vorbei zu sein, keine heroischen Alleingänge mehr. Und schon gar nicht mit der Technologie von Hank Pym (Michael Douglas, The Game). Der ist mit seiner Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly, Der Hobbit – Smaugs Einöde) noch immer auf der Flucht vor dem Gesetz. Laut den Sokovia Verträgen müsste er seine Forschung unter die Aufsicht der Regierung stellen. Aber Hank und Janet sind vor allem damit beschäftigt endlich einen verlässlichen Weg auf die Quantenebene zu finden, um Frau und Mutter Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer, Batmans Rückkehr) nach 30 Jahren zurückzuholen. Und die Experimente zeigen Wirkung – leider ist Scott der Empfänger der Quantennachricht, die beweist, dass Janet noch am Leben ist. Wenn Scott sein Haus unbefugt verlässt oder sich gar wieder mit Pym einlässt, drohen ihm 20 Jahre Gefängnis. Andererseits kann er einer Familie helfen, endlich wieder zueinander zu finden.

Simpel und effektiv

Wer Ant-Man verpasst hat, kriegt zu Beginn – noch vor dem Marvel Logo – einen kurzen Rückblick, der erzählt wie Janet einst verschwunden ist. Und das ist auch fast alles, was es zu wissen gibt, um sich von Ant-Man and the Wasp unterhalten zu lassen. Hank und Hope wollen Janet befreien, Scott schlittert ein wenig unfreiwillig rein und das FBI muss auf Abstand gehalten werden. Wo es bei Avengers: Infinity War für volles Verständnis wichtig ist, zehn Jahre an Filmen und zwei Dutzend Figuren mit ihren Einzelschicksalen zu kennen, ist der neue Marvel Film sehr simpel gestrickt. Es geht nicht um die Rettung der Welt und statt Anspannung gibt es Training für die Lachmuskeln. Eine kleine Verschnaufpause sozusagen. Wer sich nach mehr Epik sehnt, wird warten müssen und wer einen kurzweiligen Film zum gemütlichen Popcorn knabbern braucht, sollte das Kinoticket unbedingt lösen.

Kein Bösewicht ist auch eine Lösung

Originaltitel Ant-Man and the Wasp
Jahr 2018
Land USA
Genre Science-Fiction, Action, Comedy
Regisseur Peyton Reed
Cast Scott Lang / Ant-Man: Paul Rudd
Hope Van Dyne / Wasp: Evangeline Lilly
Hank Pym: Michael Douglas
Janet Van Dyne / Wasp: Michelle Pfeiffer
Ava / Ghost: Hannah John-Kamen
Bill Foster: Laurence Fishburne
Cassie Lang: Abby Ryder Fortson
Luis: Michael Peña
Laufzeit 118 Minuten
FSK

Was immer wieder ein wenig kritisch beäugt werden darf an den Marvel-Filmen, ist die Austauschbarkeit der Bösewichte. Nur wenige besitzen Profil oder gar Charisma. Neben Loki hat sich Black Panthers Killmonger hervor getan und Thanos ist als Protagonist seiner Geschichte gelungen. Für Ant-Man and the Wasp haben sich die Autoren aber was ganz Neues ausgedacht. Wie wäre es, wenn gar nicht erst versucht wird, einen protzig fiesen Schurken aus den Comicuntiefen auszugraben? Die Flucht vor dem Gesetz ist schon mal Stress genug und ein paar kleine Stolpersteine reichen aus, um nette Action zu rechtfertigen. Zum einen ist da Sonny Burch (Walton Goggins, Predators), ein Ganove, der Pym zunächst mit Geld locken möchte, dann aber auch bereit ist, seine Technologie zu stehlen. Und zum anderen taucht eine Unbekannte auf, die durch Wände gehen kann. Ghost (Hannah John-Kamen, Killjoys) ist speziell an der Quantenenergie interessiert und das nicht aus Weltherrschaftsgründen. Alle sind hinter Pym her, genauer gesagt seinem Labor, das er dank seiner Partikel auf Rollkoffergröße schrumpfen und mit sich tragen kann. Der perfekte MacGuffin. Jeder will es und so luchsen sie es sich gegenseitig immer wieder ab. Die Dringlichkeit ergibt sich nur, weil das FBI Lunte riecht und Janets Botschaft klar sagt, dass ihre Rettung sehr zeitspezifisch erfolgen muss.

Spaß in groß und klein

Was Ant-Man and the Wasp am nicht verwinkeltem Plot einspart, wird dafür in Action mit Gimmick investiert. Wie schon beim Vorgänger geht es darum, fantasievoll mit den Größenunterschieden umzugehen. Fahren im Straßenverkehr, aber im Matchbox Maßstab. Jemandem was an den Kopf werfen? Warum nicht einen überdimensional Pez-Spender? Hank Pym ist nicht mehr an einen Job gebunden und lebt in seiner ganz eigenen Welt, in der wirklich alles handlich verstaut werden kann. Er und Hope fühlen sich wohl damit und können die Technologie mühelos nutzen. Das Kommandieren von Ameisen ist die einfachste Nebensache der Welt und wer könnte besser all die helfenden Arbeiten in einem Labor erledigen. Die Insekten spielen nur eine kleine Nebenrolle und sind sowas wie ein einfacher Gebrauchsgegenstand. Scott gibt seinen Reittieren noch immer gerne Namen mit einem „Ant“ darin, wie etwa Ulysses S. Gr-Ant, aber ansonsten werden diese Späße nicht neu aufgekocht.

Der Wasp-Film mit Ant-Man-Beilage

Hope trägt nun endlich den Wasp-Anzug, der zum Ende des ersten Films kurz gezeigt wurde. Damit wird Evangeline Lilly zur großen Gewinnerin des Films. Zum einen spielt sie die erste weibliche titelgebende Figur in den MCU-Kinofilmen, noch bevor Captain Marvel dazu stößt. Und zum anderen wird klar gezeigt, dass sie viel mehr Erfahrung mit den Pym Partikeln hat als Scott – zusätzlich zum Martial Arts Training. Sie hätte schon in Ant-Man die Führung übernehmen sollen. Hier wachsen die beiden aber immerhin als Duo zusammen, was beide als Charaktere noch etwas sympathischer macht. In einem Interview wurde Lilly dann auch auf das Kostüm angesprochen, da sich die männlichen Kollegen gerne beschweren, wie unbequem solche Superheldenanzüge doch seien. Ihre Antwort war nur ein Lachen, da sie es als Frau gewohnt sei, dass Mode manchmal Schmerz bedeutet, wie etwa High Heels. Lilly blüht als Hope richtig auf, die nicht nur die Businessfrau rauskehrt, sondern die ordentlich austeilt und selbst wissenschaftliches Verständnis zeigt. Nicht mehr nur der Love Interest, der beschützt werden muss, weil der Mutter einst schlimmes widerfuhr.

Ein Familienfilm

Für Comicleser ist es sicherlich spannend, der Rettung von Janet entgegen zu fiebern, der Original Wasp. Der Wasp, die in den Comics den Avengers überhaupt erst den Namen gab. Die Wasp, die ein Avenger war, noch bevor Captain America zum Team stieß. Innerhalb des Filmuniversums ist das leider nicht von Belang und der Figur fehlt eine entsprechende Gravitas. Mit Michelle Pfeiffer ist die Rolle aber immerhin würdevoll besetzt. Die Rückblende direkt zu Beginn nutzt dann auch wieder liebend gern Tricktechnik, um Pfeiffer und Michael Douglas die Falten zu glätten und sie 30 Jahre jünger wirken zu lassen. Auf der Suche nach einem Thema, das Ant-Man and the Wasp zusammenhält, bleibt wohl vor allem die Familie zu nennen. Nicht nur der Pym/van Dyne Haushalt soll vereint werden, auch Scott verbringt viel Zeit mit seiner Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson), die in ihm den strahlenden Helden sieht und ihn daran erinnert, dass es immer richtig ist, anderen zu helfen. Und Antagonistin Ghost trägt auch familiäre Erinnerungen mit sich herum. Die emotionale Seite all dieser Beziehungen wird aber nicht besonders dick aufgetragen.

Hinweis zur obligatorischen Mid-Credit Szene

Wie immer sollte man den Kinosessel nicht sofort verlassen, wenn der Abspann beginnt. Wem die Blase drückt, sollte wenigstens noch kurz sitzen bleiben, um den finalen Paukenschlag zu sehen, der nach dem Durchlauf der Castliste kommt. Wenn die putzig gestalteten Miniaturszenen durchgelaufen sind, steht ein wichtiges Experiment an, bei dem Scott gezielt die Quantenebene betritt, um Energie zu sammeln. Hank, Janet und Hope überwachen das Ganze und es sieht nach einem vollen Erfolg aus. Dann bricht der Kontakt ab, Scott steckt fest und niemand ist mehr da, um auf den Funk zu reagieren. Alle drei haben sich in Staub aufgelöst. Vielleicht die netteste Lösung, um die Familie nicht schon wieder auseinander zu reißen. Abgesehen von dieser Anbindung an das Ende von Avengers: Infinity War, hält der Film keine weitere Überraschung parat. Wer bis zum absoluten Ende bleibt, bekommt noch eine schlagzeugspielende Ameise.

Ich finde Ant-Man unterhaltsam, aber gleichzeitig auch furchtbar platt, weil kein Wagnis mit den Figuren eingegangen wurde. Genau das bügelt Ant-Man and the Wasp jetzt aus und trifft meinen Nerv. Es wäre vielleicht nett, wenn die Handlung die eine oder andere Überraschung parat hätte, aber gleichzeitig bin ich froh einen so überaus simplen Film vorgesetzt zu bekommen, nachdem Infinity War so vollgepackt ist. Es ist einfach nachzuvollziehen, warum die Leute tun, was sie eben tun. Dass Ava durch die Schmerzen und ihre drohende Auflösung ein bisschen nah am Wahnsinn ist, finde ich sehr nachvollziehbar. Vor allem wenn S.H.I.E.L.D. sie jahrelang für zwielichtige Missionen genutzt, ihr aber nie dauerhaft geholfen hat. In einer Serie wie Agents of S.H.I.E.L.D. wäre sie eine perfekte Figur mit hohem Potenzial für eine Wiedergutmachungsstory, aber in einer zweistündigen Actionkomödie bleibt die Story halt dünn. Nachdem Evangeline Lilly bei Der Hobbit so derbe übers Ohr gehauen wurde und sie entgegen der Versprechungen in einen Romanzenplot gequetscht wurde, ist es einfach schön, hier ihre Spielfreude zu sehen. Und es ist dieses einfache Gimmick mit den wechselnden Größen, das sich wieder wie frischer Wind anfühlt. Der Spaß steht an erster Stelle und zu keiner Zeit hat Ant-Man and the Wasp je mehr versprochen.

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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Ayres
Redakteur

Mein Kino war so dermaßen überklimatisiert, dass ich mir eine Decke gewünscht hätte…
Ant-Man (Film 1) und ich haben kein so spezielles Verhältnis. Ich besitze das Steelbook des Films und das auch nur, weil es mal 10 Euro innerhalb einer Aktion kostete und ich mir die Option offen hielt, den Film irgendwann für teures Geld zu verkaufen, sollte er es denn je wert sein. Deswegen liegt er noch immer im Original verpackt in einer Schublade, soviel dazu.
Ich musste mich überwinden, mir Teil 2 überhaupt anzusehen und ohne Avengers: Infinity War hätte ich das vermutlich nicht getan.

Spoiler
Ich wollte einfach nur wissen, wieso Ant-Man nicht im Film ist und darauf geben mir die After-Credits nun eine Antwort, was zeitgleich auch bedeutet, dass Janet und Hope wohl nicht im vierten Avengers mitmischen werden.
Bekommen habe ich trotzdem einen überraschend guten Film, der meiner Meinung nach auch nur “The Wasp” als Titel hätte tragen dürfen, aber Ant-Man ist eben bereits etabliert, die beiden sind ein gutes Duo und da ist noch die recht gelungene Geschichte mit Cassie… Aber Hope ist der Star des Films. Eigentlich ist sie von ihren Fähigkeiten her wirklich mächtig und kaum zu schnappen, während Ant-Man ja immer auf eine helfende Ameise angewiesen ist…

Am meisten angetan bin ich aber von Ghost. Ich hasse solche Übergegner wie Ultron und mit Abstrichen auch Thanos. Auch so ein Loki ist nicht spannend, aber eine Figur, die ganz eigennützig kämpft und diesen Kampf sogar aufgeben würde, sobald das persönliche Ziel erreicht ist, finde ich großartig. Deshalb hoffe ich sehr, dass man Bill und Ava wiedersehen wird.

Die Qualität und Häufigkeit der Gags sind in der Tat aber wirklich gelungen. Im Grunde der kreativste Film des MCUs bislang und ich mag nicht nur die Liebe zum Detail (und wie fies Möwen sein können…), sondern auch die vielen Nebencharaktere, mit denen sich kein anderer MCU-Film so schmücken kann. Hier wird also vieles richtig gemacht und die eigentlich langweilige Hauptfigur funktioniert immerhin dank der gelungenen Vater-Tochter-Kombination.

Unterm Strich eine ziemlich positive Überraschung!

Aki
Redakteur

War sehr spontan im Kino und das im ersten LED Kinosaal von Europa (wenn ich das richtig verstanden habe)! War schon komisch aber das Bild war wirklich gestochen scharf. Aber nicht nur für das Bild hat sich der Film gelohnt, ich war schlicht von diesem zweiten Teil sehr angetan am Ende. Passender Humor, trifft tolle Actionszenen in einer Story, die endlich mal abseits der gängigen Bahnen verläuft. Gerade das es keinen Oberbösewicht gibt, ist so angenehm und das Thema Familie, passt hier richtig gut. Evangeline Lilly spielt wirklich klasse und es freut mich, dass man die Ereignisse aus dem dritten Cap Movie eingebaut hat. Alleine ihr Kommentar mit dem: Mit mir hätte man dich nicht erwischt. So genial. Und dieser Blick dazu. XD
Die zweite tolle Dame ist natürlich Cassie. Ich finde den Anfang so süß, wo sie die Rutsche runter rutschen und vorher ihre Suche. Der Pokal ist etwas, was ich nicht so schnell weider vergessen werden. Ich sage ja, der Humor passt einfach.

Bill und Ghost finde ich auch passend in die Geschichte eingefügt und ich denke, dass sie gerade mit einigen Aktionen viele Leute überrascht haben.

Spoiler
Wer hat nicht gedacht, das Bill seinem alten Partner eins auswischt? Ich dachte es, denn das wäre das gängige Klischee gewesen. Daher war ich so begeistert als Bill Ava aufhalten möchte. Ich hoffe, dass die beiden noch einmal auftauchen werden. Vielleicht können sie Scott aus der Quantenwelt retten, wenn sie sich nicht auch aufgelöst haben. Gott, der arme Scott aber hieß es da nicht was von Zeitstrudel oder so?!

Mein Highlight: Luis und das Wahrheitsserum XD Was hab ich da gelacht und die Haare! Tja sie haben es nicht besser verdient, wenn man gerade ihm, so was spritzt. Schön, dass er aber auch sonst einen aktiven Part einnimmt. Und ja, ich denke, viele hätten das Auto mit den Flammenstreifen genommen!