The Heart of Thomas

Lesezeit: 5 Minuten

Thomas, ein Schüler des Schlotterbach Gymnasiums, begeht aus verschmähter Liebe Selbstmord. Er hinterlässt seiner großen Liebe Juli einen kurzen Abschiedsbrief, der aber weitreichende Folgen für den Empfänger hat. Der Manga The Heart of Thomas von Moto Hagio gehört zu den Klassikern des Boys-Love-Genres und der US-Verlag Fantagraphics veröffentlichte 2013 eine hochwertige Hardcover-Ausgabe, die alle drei Bände umfasst.

Der 13-jährige Thomas Werner ist so verzweifelt, dass er Selbstmord begeht. Denn seine große Liebe Julusmole Bauernfeind, auch Juli genannt, hat ihn vor der gesamten Klasse abgewiesen und danach stets ignoriert. Hintergrund ist, dass Thomas und sein Freund Ante eine Wette abgeschlossen hatten, wer zuerst Juli für sich gewinnt. Doch dieser hat davon erfahren und reagierte deshalb auch sehr barsch zu Thomas. Juli konnte nicht ahnen, dass der Junge sich ein halbes Jahr später umbringen und ihm einen Brief hinterlassen würde, der ihn nicht mehr loslassen sollte. Sein Freund Oskar, der auch ein Zimmer mit ihm teilt und als einziger ebenfalls vom Selbstmord weiß, steht Juli zur Seite. Doch mit dem neuen Schüler Erich Frühling, der Thomas sehr ähnlich sieht, wird die Lage noch komplizierter.

Der Musterschüler

Originaltitel Thomas no Shinzou
Jahr 1974
Bände 1
Genre Drama, Historie, Boys Love
Autorin Moto Hagio
Verlag Shogakukan (J),  Fantagraphics (US)

Julusmole hat griechische Wurzeln. Seine Großmutter hat für ihn und seinen inzwischen verstorbenen Vater nichts als Verachtung übrig, denn schließlich sieht er mit seinen schwarzen Haaren nicht wie ein Deutscher aus. Deshalb will er sich besonders anstrengen, um sie trotz allem für sich zu gewinnen. Er schreibt gute Noten, ist Präfekt an der Schule, kümmert sich um die Bücherei und versucht alle gleich zu behandeln. Nach dem Misshandlungsvorfall durch den Oberstufler Siegfried will Juli niemanden an sich heranlassen und auch keinen lieben. Denn er hat nach seiner Ansicht seine Flügel verloren und ist deshalb ein Sünder. Also weist er auch Thomas ab, denn insgeheim liebt er ihn wie jeder andere seiner Mitschüler auch. Darum ist er von dessen Abschiedsbrief auch dermaßen erschüttert, dass er nahezu jede Nacht von ihm träumt und sogar Erich androht ihn zu töten, weil dieser ihn stets an Thomas erinnert.

Der Neue

Erich Frühling ist alles andere als begeistert, dass er in dieses Internat muss. Er wäre viel lieber bei seiner geliebten Mutter Marie und würde sich eher weiterhin von Privatlehrern unterrichten lassen als in so eine Klasse gesteckt zu werden. Daher kann er sich anfangs nur schwer in die Schule einfügen. Zudem wird er ständig damit konfrontiert, dass er Thomas Werner so unglaublich ähnlich sieht, dass es ihm regelrecht auf die Nerven geht. Mit Juli hat er so seine Probleme, denn immerhin droht ihm dieser, ihn zu töten. Dann landet er später auch noch im selben Zimmer wie Juli, wodurch beide gezwungen sind, mehr oder weniger miteinander auszukommen. Erich erfährt dadurch von Julis Narben und seine Meinung ändert sich langsam. Ausschlaggebend ist aber die Nachricht vom Unfalltod seiner Mutter. Dies wirft Erich ziemlich aus der Bahn, da sie für ihn der wichtigste Mensch ist. Juli steht ihm bei und so bemerkt Erich seine Gefühle für den perfekten Präfekten.

Der Freund, der mehr sein will

Oskar ist ein weiterer sehr wichtiger Charakter, der sowohl Juli als auch Erich ein guter Freund ist und ihnen hilft. Obwohl dies seinem eigenen Interesse an Juli in die Quere kommt. Oskars familiäre Situation ist ein wenig kompliziert, denn seine Mutter wurde von seinem Vater erschossen, der dann zusammen mit seinem Sohn ein Jahr auf der Flucht war. Aber später gab er seinen Sohn in die Obhut seines besten Freundes, der nicht nur Schuldirektor des Schlotterbach Gymnasiums, sondern auch der leibliche Vater von Oskar ist. Darum wird er auch etwas bevorzugt behandelt, obwohl beide so tun, als wüssten sie von der Vaterschaft nichts. Dies führte damals nach der Sache mit Siegfried dazu, dass Oskar und Juli sich ein Zimmer teilten. Doch nachdem Oskar und Juli von Ante beim Küssen gesehen und verpetzt wurden, musste ersterer mit Erich tauschen und damit wieder zurück in die normalen Zimmer.

Das Herz von Thomas

Obwohl Thomas bereits am Anfang des Bandes stirbt, ist er stets auf eine gewisse Weise präsent. Die kurzen Rückblicke zeigen einen sensiblen und ruhigen Jungen, der bei allen beliebt war. Die Rückweisung von Juli hat ihm zu Denken gegeben und nach einem halben Jahr entschloss er sich dazu, den Freitod zu wählen. Seine letzten Worte sind ein Rätsel, da sie einen tieferen Einblick in sein Wesen benötigen. Deshalb bewegen diese auch den Leser darüber nachzudenken, was Thomas mit Stimme seines Herzens gemeint hat. Ebenso ist Julis Erkenntnis über die tatsächlichen Motive seines Verehrers zu hinterfragen, denn diese rücken Thomas in das Licht eines Heiligen. Juli vergleicht sich nicht umsonst mit Judas und ihn mit Jesus. Aber Menschen sind meist nicht so selbstlos, ob das auf Thomas zutrifft muss jeder selbst entscheiden.

Fazit

The Heart of Thomas lässt sich stellenweise schwer lesen, da immer wieder deutsche Wörter eingestreut werden und das stört doch ein wenig den Lesefluss. Zudem ist die Thematik auch sehr dramatisch und es trifft den heutigen Zeitgeist nicht mehr. Aber das haben Klassiker dieser Art oft gemein, was ich gelegentlich sehr interessant finde. Ich habe verhältnismäßig lange gebraucht bis ich den Band durch hatte. Er ist nicht so fesselnd, dass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht und der interessanteste Aspekt ist eigentlich, was Siegfried mit Juli gemacht hat, dass dieser sich dermaßen verschließt. Dies wird allerdings erst gegen Schluss aufgelöst. Dennoch finde ich das Werk lesenswert, einfach weil es auch einer der Grundsteine für das Boys-Love-Genre ist. Allerdings hat mir Julis Entscheidung zum Schluss nicht wirklich gepasst, denn er entschließt sich einfach mal so zum Priester zu werden. Das finde ich einerseits etwas zu abrupt und andererseits auch fragwürdig, ob ein 14-Jähriger das einfach mal so entscheiden kann, ohne zuerst Rücksprache mit seinen Erziehungsberechtigten zu halten. Zudem bin ich nicht wirklich überzeugt, was Thomas’ Motive angeht. Er wird als netter und ruhiger Junge dargestellt, der mit Amor und Jesus verglichen wird. Um dem gerecht zu werden handelt er mir aber zu egoistisch, da er es billigend in Kauf nimmt, seiner Familie und Freunden ungeheuren Kummer zu bescheren. Dafür mag ich Oskar sehr gerne, er ist einfach ein netter Kerl, der am Ende zumindest ein kleines bisschen Glück bekommt, auch wenn es kein romantisches ist. Allerdings kann ich Fans von Klassikern The Heart of Thomas definitiv empfehlen, aber auch Boys-Love-Fans ist der Titel nahezulegen.

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Taria

Taria arbeitet seit einigen Jahren für einen großen Automobilzulieferer in der Produktion. Abseits von der Arbeit beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Manga, Animes und Videospielen, in diesen Bereichen hat sie genretechnisch einen sehr breiten Geschmack bewiesen. Weiterhin sammelt sie gerne Figuren und anderes Merchandise von den Serien Gintama und JoJo's Bizarre Adventures.

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