First Love

Lesezeit: 4 Minuten

Wenn ein Regisseur 103 Filme dreht, ist der Blick auf das Alter völlig legitim. 2019 wurde Takashi Miike (13 Assassins) 58 Jahre alt. Bei einem Debütfilm im Jahr 1991 macht das sage und schreibe durchschnittlich 3,67 Produktionen pro Jahr. Dass die Qualität da schwankt, liegt in der Sache der Natur und dennoch hat er sich seinen Ruf als Ausnahme-Regisseur hart erarbeitet. Seine Werke sind häufig gezeichnet von comicartigen, gar überzogenen Gewaltakten und einer Leidenschaft für Yakuza. Und wer hätte es gedacht: Diese Signatur trägt auch die Gangsterkomödie First Love.

 

In einem Krieg zwischen der japanischen Yakuza und chinesischen Triaden eskalieren die Dinge und das Escort Girl Monica (Sakurako Konishi), die als Drogenlieferantin arbeiten sollte, flieht im Rausch vor ihren Widersachern. Dabei läuft sie mitten in der Stadt in die Arme des Nachwuchsboxers Leo (Masataka Kubota, Rurouni Kenshin). Der ist noch völlig benommen von der Prognose, bald an einem Hirntumor zu sterben, trotzdem nimmt er sich Monica an, beschützt sie vor ihren Verfolgern und flieht mit ihr in die Nacht. Ihnen auf den Fersen: Yakuza, die Chinesen, korrupte Polizisten sowie andere verhaltensauffällige Personen …

Ausgangssituation aus dem Baukasten

Originaltitel Hatsukoi
Jahr 2019
Land Japan
Genre Action, Romanze
Regisseur Takashi Miike
Cast Leo: Masataka Kubota
Monica: Sakurako Konishi
Ichikawa: Jun Murakami
Otomo: Nao Ohmori
Kase: Shôta Sometani
Gondo: Seiyô Uchino
Julie: Becky
Laufzeit 108 Minuten

Miikes wilde Zeiten (Ichi the Killer, Audition) sind vorbei und im zurückliegenden Jahrzehnt wurde mit Blockbustern und Manga-Adaptionen verstärkt das Mainstream-Publikum angepeilt. Auch First Love bildet dabei keine Ausnahme, denn es ist weit davon entfernt, originell zu sein. Die Zutaten sind einfach zu klassisch: Boy meets Girl (nicht umgekehrt, sondern genauso so), sie ist auf der Flucht und er ist der Helfer und zufällig mit besonderen Kampffähigkeiten ausgestattet. Damit beide nicht allzu perfekt erscheinen, bekommen sie ein augenscheinliches Manko hinzugeschrieben (Escort-Tätigkeit bei ihr, gesundheitliche Verfassung bei ihm) und fertig ist eine Begegnung der besonders stereotypen Art. Das klingt gemeiner als es eigentlich der Fall ist, aber man muss sich vor Augen halten, dass die Geschichte, die hier serviert wird, nicht den Anspruch erfüllt, spritzig und kreativ zu sein.

Solide Handwerkskunst ohne Überraschungen

Auf einer Seite ist First Love eine Hommage an viele Yakuza-Filme wie Cops vs. Thugs, auf der anderen Seite aber auch zeitgemäß. Das bedeutet: wilde Schnitte, hektische Kameraführung und weitere Stilmittel, die darauf abzielen, alles ein wenig dynamischer wirken zu lassen als es eigentlich ist. Denn (und um dem Vergleich mit der eigenen Filmografie treu zu bleiben) die Action-Szenen von First Love sind eher reduzierter Natur. Vordergründiggeht es um den Erzählverlauf der Geschichte, die zunächst wie ein Drama beginnt. Leo erfährt von seiner Erkrankung (seine Zukunft als Boxer scheint damit besiegelt) und wankt völlig betäubt durch die Stadt, ehe sein Schicksal einen neuen Weg einschlägt. Ab da legt die Geschichte auch merklich an Geschwindigkeit zu. Denn der Erzählfluss fließt ohne größere Unterbrechungen in einem durch und den Weg von Leo und Monica werden noch allerlei Personen kreuzen. Dafür bietet das Drehbuch allerlei Charaktertypen, die in ihrer Form auch direkt einem Manga entspringen könnten.

Schwarzer Humor begleitet Blutzoll

Obwohl es mitunter ganz schön brutal zugeht, legt Miike Wert darauf, die Story um die junge Liebe niemals als ernsthaftes Drama zu gestalten. In jeder Szene schwingt eine humorvolle Note mit, die auch die Kämpfe mit einer gewissen Groteske verbindet. Etwa wenn Plüschtiere als Funktionszünder herhalten müssen oder eine Oma ausgeknockt wird. Für das Jeder-gegen-jeden-Finale kommt ein buntes Potpourri an Waffen zusammen. Die Location dafür, ein Baumarkt, ist auf der einen Seite durchaus etwas Neues, andererseits fällt es uns schwer zu glauben, dass sich in einer solch überschaubaren Kulisse so viele Figuren einfinden können, ohne sich rasch zu entdecken. Unterhaltsam, aber eben doch (wie viele Passagen des Films) reichlich überkonstruiert. Das Erstaunlichste an First Love ist, dass die vollgepackte Handlung trotz der vielen Wendungen, der Dichte der Ereignisse und der verrückten Begegnungen immer noch die Zeit findet, die Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren Leo und Monica halbwegs gedeihen zu lassen. Zuviel erwarten darf man nicht, aber die Beziehung bleibt bei Weitem nicht so oberflächlich, wie sie angesichts der kurzen Laufzeit hätte ausfallen können. Stärker im Gedächtnis bleiben aber die schrulligen Widersacher, wie beispielsweise ein einarmiger Samurai.

Fazit

Obwohl First Love alles andere als ein herausragender Beitrag in Takashi Miikes beeindruckender Filmografie ist, handelt es sich um eine unterhaltsame Action-Komödie. In nur einer einzigen Nacht spielend, fällt sie angenehm kurzweilig aus. Leider verpasst das Ende es, beim Zuschauer die Wirkung zu erzeugen, die mit größerem Fokus auf Leo und Monica drin gewesen wäre. So bleibt der Star des Films der bitterböse und manchmal auch sadistische Humor, der das Protagonistenpärchen alt aussehen lässt. Was man von einem Takashi Miike-Film erwartet, bekommt man hier auch geboten. Nur eben etwas handzahmer als sonst.

© Eurovideo

Sharing is caring / Artikel teilen:

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: