MEG

Lesezeit: 5 Minuten

Haie sind faszinierende Tiere, die einen wichtigen Platz in den Meeren einnehmen. Sie sollten beobachtet und geschützt werden. Dafür haben wir Dokus im Fernsehen. Auf der Kinoleinwand sind Haie aber die perfekten Raubtiere, die Strände unsicher machen und Menschen fressen. In Billigproduktionen gibt es überhaupt kein Halten mehr, da wühlen sie sich auch durch Schnee, regnen als Naturkatastrophe herab oder haben mehrere Köpfe. Aber was wenn Hollywood mal so richtig Geld in die Sparte pumpt? Ein hohes Niveau an Produktionsqualität, ein großer Name wie Jason Statham in der Hauptrolle und im Wasser ein Megalodon, die vermutlich größte Haiart, die der Planet je gesehen hat? Meg ist ein Spaß versprechendes Spektakel in Übergröße.

Die Ozeane halten noch viele unerforschte Gebiete bereit. Deshalb hat Milliardär Jack Morris (Rainn Wilson, The Office) eine Menge Geld in die Forschungsstation Mana One investiert. Dr. Minway Zhang (Winston Chao, Eat Drink Man Woman) und sein Team starten gerade eine Expedition in die tieferen Regionen des Marianengrabens. Sie wollen eine Schicht aus Schwefelwasserstoff durchstoßen, die verschiedene Unterwasserabschnitte voneinander trennt und hoffen, hier auf ein ganz eigenes Ökosystem zu treffen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne die dort lebenden Urzeitwesen gemacht! Rettungstaucher Jonas Taylor (Jason Statham, The Transporter) hat vor Jahren bei einer Mission von einem Unterwasserungetüm berichtet und wurde dafür als verrückt abgestempelt. Doch jetzt scheint er der beste Mann, um die verunglückten Forscher zu retten.

Was lange währt, wird endlich gut

Originaltitel The Meg
Jahr 2018
Land USA, China
Genre Action, Science-Fiction, Horror
Regisseur Jon Turteltaub
Cast Jonas Taylor: Jason Statham
Suyin Zhang: Li Bingbing
Jack Morris: Rainn Wilson
Minway Zhang: Winston Chao
Jaxx Herd: Ruby Rose
James Mac Mackreides: Cliff Curtis
Laufzeit 113 Minuten
FSK

Hollywood arbeitet manchmal sehr langsam und Meg ist ein wunderbares Beispiel. Bereits 1997 veröffentlichte Steve Alten seinen Roman Meg: A Novel of Deep Terror und die Filmrechte waren schon vor Erscheinen von Disney aufgekauft worden. Die Lizenz durchlief in den folgenden Jahren mehrere Filmstudios, es wurden verschiedene Skripte geschrieben, aber nichts konnte Produzenten überzeugen, dem Projekt grünes Licht zu geben. 2016 bekam Warner Bros Pictures den Staffelstab überreicht und nach einigen Schwierigkeiten fand man tatsächlich ein annehmbares Drehbuch sowie ein passender Regisseur, um endlich loszulegen. Eli Roth (Hostel) war sogar kurz im Gespräch, bevor Jon Turteltaub (Das Vermächtnis der Tempelritter) das Zepter in die Hand nahm. Und bei Warner war klar, wie ein solches Creature Feature im Blockbusterformat besonders reizvoll verpackt werden könnte – als eine weitere Koproduktion mit China!

Gerade genug Anspruch auf Logik

Wer Steve Altens Roman gelesen hat, kann sich ganz schnell in Rage darüber reden, wie viele Änderungen hier vorgenommen wurden. Aber der lesende Fankreis dürfte vergleichsweise klein sein und bei einem Blick darauf, wie absurd die Buchreihe wurde, geht es bei Meg als Film ziemlich durchdacht zu. Es werden genau so viele pseudo-wissenschaftliche Erklärungen aufgetischt, dass alles gut klingt, aber man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen muss (ähnlich wie das beste Technobabble aus Star Trek). Es wird schnell erklärt, warum sich tief im Ozean noch geheimnisvolle Kreaturen befinden können und wie sie jetzt unglücklicherweise freigelassen werden. Und alles dient dazu, möglichst bildgewaltige Aufnahmen zu liefern. Ein spannungsverheißender Schatten im trüben Wasser, rasiermesserscharfe Zähne, die Glas zum Knacken bringen und attraktive Schauspieler im kühlen Nass. Eines ist dabei aber wichtig, die Figuren selbst sind nicht dumm. Jeder versteht seine Aufgabe, bringt gewisse Fähigkeiten mit und niemand ragt durch besondere Idiotie heraus.

Weibliche Fans von trashiger Action werden besonders bedient

Neben dem hohen Budget von 130 Millionen Dollar gibt es einen weiteren großen Unterschied zwischen Meg und den Hai-Trashfilmchen, die den Videomarkt überschwemmen: Ein weibliches Zielpublikum wird viel stärker angesprochen. Vielleicht ist es vollkommen unabsichtlich, aber es fällt schnell auf, dass Jason Statham als Jonas Taylor hier nicht gerade als männlicher Machotyp auftritt. Jonas’ Ex-Frau Lori (Jessica McNamee, Sirens) muss gerettet werden und es gibt keine öden Zickereien zwischen den beiden. Zwar kriegt Jonas einen Moment der Genugtuung, dass er damals Recht hatte und es eine Art Seeungeheuer gibt, aber er schmiert es niemandem dauerhaft aufs Brot, um als toller Hecht dazustehen. Aggressive Klischees werden umschifft. Mit der Enkelin von Dr. Zhang versteht er sich gut, was eine kinderfreundliche Ader betont und deren Mutter Suyin (Li Bingbing, The Forbidden Kingdom) ist mit ihm auf Augenhöhe. Bei letzterem spielt die Zusammenarbeit mit China vielleicht eine Rolle. Chinesische Charaktere dürfen nicht zu negativ porträtiert werden. Aber Suyin hat nicht nur eine heldenhafte Szene, sondern ist klar die weibliche Hauptfigur, die sich schnell den Respekt von Jonas sichert. Verschämtes Flirten inklusive, ganz ohne derbe Anmachsprüche. Die ganze Crew ist rundum sympathisch. Selbst der obligatorische Geldsack hat trotz einer gewissen Arroganz etwas für sich. Teamarbeit, keine strunzdummen Kommentare und eine breit aufgestellte Cast nehmen dem Film seine dem Genre geschuldete Eintönigkeit.

Fazit

Ja, ich gebe Meg tatsächlich vier von fünf möglichen Punkten, da ich ihn an anderen Monsterfilmen dieser Art messe. Das hier ist kein Drama wie Der weiße Hai, aber es ist auch nicht das gänzlich stupide Level von Sharknado oder Ghost Shark (die mich beide zu Lachtränen gerührt haben). Es fühlt sich eher an wie ein Dankeschön an all die Fans, die diese Art von Trashfilm konsumieren. Gute CGI, gute Schauspieler, vernünftige Dialoge. Auf der Kinoleinwand imposant und wer daheim eine ordentliche Bildschirmdiagonale hat, kann sich an der Optik gebührend erfreuen. Für Statham ist Wasser ein ungewöhnliches Element, da er sich weniger mit Fäusten wehren kann, aber er ist ein idealer großer Name fürs Plakat. Ich war am Ende nur ein wenig enttäuscht, als ich den Bodycount im Kopf durchging. Der fällt leider doch etwas gering aus. Aber keine Angst, das Hündchen aus dem Trailer überlebt! Unterm Strich ist Meg ein sehr ehrlicher Film. Versprochen wird ein Urzeithai, der ein paar Leute frisst und aufgehalten werden muss. Und genau das wird in lupenreiner Bild- und Tonqualität geliefert. Als Schmunzelbonus gibt es eine thailändische Version des Songs „Mickey“ obendrauf, was mir als Ohrwurm hängen blieb.

©Warner

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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Iruka
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Iruka

Zuerst einmal oute ich mich als Leserin des Buches. Vor einer ganzen Weile lag es auf einem Flohmarkttisch, kleiner Preis, keine so schlechte Handlung, mitgenommen. Durchgelesen und dann im Regal verstauben lassen. Ich hatte es schon fast vergessen, bis der Film in die Kinos kam. Es ergab sich nur leider keine richtige Gelegenheit, um den Film zu schauen. Neugierig wäre ich schon. Die Bilder im Trailer sahen ziemlich gut aus. Viel erwarte ich nicht, aber wenn der Film als DVD erscheint, werde ich ihn mir mal anschauen.

Ayres
Redakteur

Erster Eindruck nach dem Film: das war es also? Und dafür der ganze Aufriss (auf positiven wie negativen Seiten). Ich finde Meg wirklich komplett unspektakulär. Nicht gut, nicht schlecht, sondern einfach unscheinbar und ohne besonderen Erinnerungswert. Jason Statham erfüllt seinen Job solide, die Trashszenen halten sich ziemlich in Zaun (selbst bei den ganzen Badegästen… die sind mit ihren Schirmen und Wasserringen ja auch eher Eye Candy in dem Moment). Negativ ist mir nur aufgefallen, dass so viele Asiaten hier vertreten sind. Nicht der Sache an sich wegen, sondern weil es so nach Kalkül stinkt und man einfach in jeder Szene vor Augen hat, dass der Film darauf aus ist, Kohle zu machen. Davon einmal ab, ein überraschendes Wiedersehen mit Masi Oka. DEN hätte ich in diesem Film nun wirklich gar nicht erwartet.
Wem empfiehlt man den Film nun? Gute Frage, denn eigentlich würde ich jeden anderen Killerhai eher empfehlen, wenngleich der nicht zwangsweise besser ist.

Da ich nun wieder “Hey Mickey!” im Ohr habe, gehe ich wohl besser gleich mal Girls United schauen… 😀