I Kill Giants

Lesezeit: 4 Minuten

Mit I Kill Giants, der Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von Joe Kelly, seit August 2018 auf Netflix verfügbar, bringen uns die Produzenten Michael Barnathan und Chris Columbus, die schon mit Harry Potter und Percy Jackson eine Menge Genre-Erfahrung sammeln konnten, den nächsten Fantasykracher voller Action, Magie und Monster. Oder doch nicht? Barbara lebt mit ihrem älteren Bruder unter der Obhut der erwachsenen Schwester in einem Haus an der Küste. Sie trägt einen Haarreif mit Hasenohren, spielt Dungeons and Dragons und zeichnet grausige Gestalten. Kein Wunder also, dass sich die Schulpsychologin ganz besonders für die jüngste der Thorsons interessiert. Doch keiner ahnt, dass ausgerechnet die 12-jährige Nerd-Queen, die in der Schule nur gehänselt wird, die Heldin ist, die diese Stadt braucht. Denn im verborgenen tötet sie Riesen, die gekommen sind, Alles und Jeden zu vernichten. So sieht sie es jedenfalls.

    

Das Leben der heimlichen Riesentöterin ist nicht einfach. Noch schwieriger wird es als Sophia auftaucht. Sie ist gerade erst mit ihren Eltern von Leeds aus in die Staaten gezogen, kennt niemanden und hat sich vorgenommen, Barbara als Freundin zu gewinnen. Gleichzeitig gerät sie ins Visier der Schulpsychologin Mrs. Mollé, gespielt von Zoe Saldana (Guardians of the Galaxy), doch von all dem lässt sie sich nicht abhalten, jeden Tag ihre Fallen und Schutzrunen zu kontrollieren, Tränke zu brauen oder Nachts auf die Jagd zu gehen. Nicht einmal die Schikane ihrer Mitschüler kann sie von ihrer Mission abhalten. Aber was sind diese Riesen eigentlich? Warum kann augenscheinlich niemand außer Barbara sie sehen? Und was verbirgt sich im Obergeschoss ihres Hauses?

Nichts ist, wie es scheint

Originaltitel I Kill Giants
Jahr 2017
Land Großbritannien, USA
Genre Fantasy, Drama
Regisseur Anders Walter
Cast Barbara Thorson: Madison Wolfe
Sophia: Sydney Wade
Mrs. Mollé: Zoe Saldana
Karen Thorson: Imogen Poots
Mrs. Thorson: Jennifer Ehle
Laufzeit 106 Minuten
FSK

Eines ist klar: Wer bei I Kill Giants auf ein weiteres Fantasy-Epos hofft, bekommt nicht das, was er erwartet. Der Film kommt zwar mit imposanten Animationen und epischen Szenenbildern daher, das alles hat aber für den Kern der Geschichte absolut keine Bedeutung. Es geht viel mehr um die Verarbeitung von Ängsten und Verlusten. Um das Anderssein und dennoch dazu gehören wollen. Zu sehen, wie alles um einen zu zerfallen scheint, und wie man für sich selbst nach Erklärungen sucht. Genau das schafft der Film auf eine grandiose Art und Weise. Ist zunächst noch nicht klar, wo die Reise hingeht, zieht Barbara den Zuschauer genau wie Sophia immer tiefer in ihre Welt. Wirkt am Anfang noch alles spannend und neu, wird es im späteren Verlauf immer skurriler. Die Erkenntnis, was hier wirklich vorgeht, kommt erst, als es schon fast zu spät ist.

Und doch fügt sich alles

Ein Wermutstropfen ist die Laufzeit. Gerade der Mittelteil wirkt sehr gestreckt. Der Film braucht verhältnismäßig lange, um wirklich Fahrt aufzunehmen und diese dann auch zu halten. Fast alles, was wirklich relevant ist, geschieht in einer relativ kurzen Zeit. Und alles, was bis dahin passiert ist, macht im Nachhinein eher den Eindruck einer viel zu langen Einleitung. Trotzdem kann I Kill Giants mit einem gelungenen Look und einem stimmigen Soundtrack dieses Manko wieder ausgleichen. Die schauspielerische Leistung von allen ist durchgehend hoch, vor allem aber Madison Wolfe verkörpert ihre Rolle extrem gut, was jedoch erst nachdem alles vorbei ist wirklich klar wird.

Ich bin mit einer völlig falschen Vorstellung an diesen Film heran gegangen. Hätte ich im Vorfeld gewusst, um was es geht, hätte ich ihn wohl auch nie gesehen. Trotzdem gehört I Kill Giants zu dem Besten, was ich mir in letzter Zeit angeschaut habe. All die kleinen Marotten und Rituale, die Barbara sich im Laufe der Zeit angeeignet hat. All die alltäglichen Dinge, die sie in Ihrer Phantasie komplett aus dem Zusammenhang gerissen und so an ihre eigene Wirklichkeit angepasst hat, seien es Kadaver von angefahrenen Tieren oder Tonbandaufnahmen von alten Baseballspielen, fügen sich am Ende in einem Bild zusammen, das viel komplexer ist, als ich es erwartet hätte. Ganz großes Kino voller Emotionen, ohne wirklich kitschig zu werden.

© Allstar/1492 Pictures

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Mondlied

Mondlied ist ein Jäger und Sammler von allem, was ihm gefällt. Mangas, Animes, Games, Bücher, Merchandise… Nichts ist vor ihm sicher. Unermüdlich schleift er Frau und Kind über die Conventions des Landes, um diese Leidenschaft zu befriedigen. Sollte dann zwischen Arbeit, Familie und Sucht noch Zeit sein, kümmert er sich als Hobbyimker um seine Bienenvölker.

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Totman Gehend
Redakteur

Noch nie von gehört. Scheint wohl sowas wie “Brücke nach Terabithia” zu sein – da hat der Trailer den Charakter des Films auch komplett verfehlt. Kommt auf die to watch-Liste