Death Ranch

Bei manch jungem Regie-Talent ist es aufregend, die Reise vom ersten Film über weitere Produktionen hinweg zu beobachten. Charlie Steeds (A Werewolf in England) ist eine solche Personalie. Der britische Regisseur drehte seinen ersten Kurzfilm im Alter von 20 Jahren. Sieben Jahre später kann er bereits neun Langfilme für sich verbuchen. Sein bislang stärkster Titel ist wohl Death Ranch, eine Grindhouse-Blaxploitation-Produktion, die nicht nur an die 70er Jahre erinnert, sondern auch dort angesiedelt ist. Hierzulande erscheint Death Ranch am 29. Oktober 2021 auf Blu-ray und DVD, zuvor gab es die deutsche Premiere auf dem Obscura Filmfest 2021

 

1971, mitten im Nirgendwo in Tennessee. In einem alten Farmhaus suchen die drei afroamerikanischen Geschwister Clarence (Travis Cutner), Angela (Faith Monqiue) und der just aus dem Gefängnis entlassene Brandon (Deiondre Teagle) Zuflucht. Dabei geraten sie direkt in die Fänge einer Sekte des Ku Klux Klans. Deren Mitglieder sind nicht nur rassistische Killer, sondern auch noch kannibalisch veranlagt. Sie sind fest davon überzeugt, dass das Fleisch dunkelhäutiger Menschen besonders wertvoll ist und foltern ihre Opfer. Doch sie haben die Rechnung ohne den Überlebensinstinkt Brandons gemacht …

Familienzusammenführung mal anders

Originaltitel Death Ranch
Jahr 2020
Land Großbritannien
Genre Horror, Action
Regie Charlie Steeds
Cast Brandon Cobbs: Deiondre Teagle
Angela Cobbs: Faith Monique
Clarence Cobbs: Travis Cutner
Delmar: Scot Scurlock
Gator: Brad Belemjian
Jeb: Thomas Mark Higgins
Cletus: Shane Guilbeau
Rufus: Robert D. Allsup
Laufzeit 78 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 29. Oktober 2021

Für Death Ranch hat sich Charlie Steeds viel vorgenommen: Grindhouse-Flair, Blaxploitation und Kannibalismus. Drei Themen, deren quantitative Ausschläge man in den 1970ern am stärksten vernahm. Es gelingt ihm auch spielend, diese drei Bausteine stimmungsvoll unter einen Hut zu bekommen. Obwohl Death Ranch sichtlich ein Indie-Film ist und ihm das geringe Budget auch deutlich anzusehen ist, punktet der Film mit seiner Atmosphäre. Steeds fängt den Zeitgeist zielsicher ein, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, nach dem Unerreichbaren zu greifen oder dabei all zu bemüht zu wirken. Look and Feel sind wunderbar oldschoolig geraten: Frisuren, Kleidung, Soundtrack, das Auto … Und ohne dass die Handlung bereits ins Rollen kommt, deutet sich schon eine gewisse Kompromisslosigkeit an. Denn die Zusammenführung der Familie steht unter keinem guten Stern und obendrein bewegen sich die drei Cobbs-Geschwister in einem Umfeld, in dem sie aufgrund ihrer Hautfarbe unerwünscht sind. Damit greift Death Ranch eine Thematik auf, die nicht zuletzt aufgrund der “Black Lives Matter”-Bewegung besondere Brisanz besitzt. Der Drehort, eine alte Farm in Tennesse, schafft einen authentischen Rahmen.

Death Ranch geht unter die Haut

Ganz unabhängig des gesellschaftlichen Kontexts tut Death Ranch einfach weh: Folter, Vergewaltigung und Verstümmelung. Es ist zum Teil schwer zuzusehen, welche Gewalt die drei Geschwister erwartet. Und es fällt umso leichter, ihre Peiniger des KKK zu hassen. Dass deren Gesichter lange Zeit bedeckt bleiben, macht es nur noch leichter, sie als grausame Unmenschen wahrzunehmen und ihnen das Schlimmste zu wünschen. Trotzdem hinterlassen die Widrigkeiten wie in beinahe allen Rape & Revenge-Filmen aus jener Zeit einen üblen Beigeschmack. Auf den Seiten beider gegeneinander spielenden Parteien hat der Film böse Überraschungen parat, die weh tun. Insbesondere wenn es in Richtung Genitalbereich geht. Am Ende sollen Genre-Fans vor allem aber Spaß haben. Deshalb verzichtet der Regisseur, der gleichzeitig auch das Drehbuch entwarf, auf einen sozialkritischen Kommentar. Aus diesem Grund sind die Rollen der Guten und der Bösen von Anfang an verteilt; Gerechtigkeit wird schon irgendwie walten.

Fazit

Death Ranch haftet etwas Tarantino-likes an, das man schwer übersehen kann, wenn man authentischen Zeitgeist wertzuschätzen weiß. Charlie Steeds holt wie so oft in seinen Filmen aus den begrenzten Mitteln das Maximum heraus und trifft dieses Mal, anders als in seinen anderen Filme, auch ein ziemlich amerikanisches Flair, was unmittelbar mit Location und Cast zusammenhängt. Mit 78 Minuten ist Death Ranch etwas kurz geraten, gewinnt aber auch schnell an Fahrt, kann dann Spannung und Action bis zum blutduchtränkten Finale aufrechthalten. Ein kleiner Überraschungshit, der wenig falsch macht.

© WVG Medien


Veröffentlichung: 29. Oktober 2021

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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