She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen (Staffel 1)

Lesezeit: 6 Minuten

Wenn eine Heldin die Kinderzimmer der 80er fest im Griff hatte, war das She-Ra. Die Schwester He-Mans, dem Protagonisten der Masters of the Universe, wurde zunächst als Actionfigur eingeführt. Nachdem sich der Verkaufserfolg der auf eine weibliche Zielgruppe abgestimmten Figuren abzeichnete, wurde die TV-Serie She-Ra – Prinzessin der Macht produziert. Zwischen 1985 und 1987 wurden immerhin 93 Folgen in zwei Staffeln veröffentlicht, welche nur zwei Jahre nach Abschluss der Serie dank Tele5 auch deutsche Wohnzimmer erreichte. Im Jahr 2000 sollte die Prinzessin der Macht noch einmal dank Premiere und K-Toon über die Mattscheiben flimmern, danach wurde es ruhig. Bis Netflix im Sommer 2018 die Bombe platzen ließ und eine Neuauflage der Serie ankündigte. Und das in einem Zeichenstil, dessen minimalistischer und jugendlicher Stil mit dem Original nahezu nichts mehr gemeinsam hat. Empörung unter den Fans – wurde hier ein Klassiker versaut? Die in den 90ern geborene Entwicklerin der Serie, Noelle Stevenson, liefert ihre ganz eigene Interpretation der Geschichte in animeinspirierter Optik ab.

  

Das Waisenmädchen Adora wurde von Hordak aufgezogen. Einem Tyrann, der den Planeten Etheria mit seiner dunklen Horde beherrscht. Als sich Adora eines Tages im Rahmen einer Virtual Reality-Kampfübung in den Wäldern verläuft, findet sie ein magisches Schwert. Mit dessen Hilfe verwandelt sie sich in She-Ra, die Prinzessin der Macht. Nach und nach wird ihr bewusst, dass sie bislang auf der falschen Seite spielte und sie erkennt, dass hinter Hordaks Agenda Tyrannei steckt. Schließlich wird Adora Mitglied der Rebellion und kämpft an der Seite anderer Prinzessinnen gegen die Horde, zu der auch Adoras einstige Freundin Catra gehört.

She-Ra, Freundin aller Social Justice Warriors?

Der Aufschrei über die bloße Ankündigung von She-Ra and the Princesses of Power entfachte ein großes Echo in sozialen Medien. Gleich auf mehreren Ebenen musste sich die Serie der Kritik stellen. Müssen alle Serien, die in den 80ern und 90ern einen Funken Ruhm besaßen, neu aufgelegt werden? Warum werden Fans mit einem Zeichenstil vor den Kopf gestoßen, der sich nur zu leicht als lieblos und simplifiziert bezeichnen lässt? Als wären Leichenfledderei und Gotteshuldigung in einem nicht genug, sollte die Serie den Finger noch in weitere Wunden drücken. Feminismus, LGBT, Diversity, Love Wins, Me Too. Alles, was medial in den letzten Jahren auch nur ansatzweise durch die Schlagzeilen ging oder Kommentarspalten auf Facebook füllte – das findet sich hier in konzentrierter Form wieder. Auch das Produktionsduo hinter der Serie könnte kaum unterschiedlicher sein. Noelle Stevens erhielt mehrere Eisner Awards und frischte mit den Comics Nimona und Lumberjanes bereits Gender-Rollenmodelle auf. Chuck Austen hingegen ist ein altes Eisen und inszenierte von den X-Men über Elektra und Superman einiges, was als Comic Rang und Namen hat.

Plötzlich ist Bow dunkelhäutig und flirtet mit Männern

Originaltitel She-Ra and the Princesses of Power
Jahr 2018
Episoden 13 in Staffel 1
Genre Fantasy, Science-Fiction
Cast Adora / She-Ra: Aimee Carrero
Glimmer: Karen Fukuhara
Catra: AJ Michalka
Bow: Marcus Scribner
Hordak: Keston John
Shadow Weaver: Lorraine Toussaint
Angella: Reshma Shetty
Sea Hawk: Jordan Fisher

Überwiegend einer Ü25-Generation ein Begriff, haben es jüngere Fans leichter mit der Netflix-Produktion. Es fehlt die Erinnerung an den durchaus ansehnlichen, aber gleichermaßen hölzernen Animationsstil der 80er-Serie. Und während in den jungen Frauen von damals Identifikationsfiguren geschaffen wurden, befinden sich die Charaktere der 2018er Neuauflage selbst noch in der Selbstfindungsphase. Andere Dekade, andere Zielgruppe. Gewöhnen kann man sich immerhin an vieles. Doch wie steht es mit der Entfremdung bekannter oder gar geliebter Figuren? Wie verwerflich ist es, eine Figur weißer Hautfarbe nun plötzlich dunkelhäutig einzufärben? Hieran scheiden sich die Geister. Dass die Darstellung nicht-kaukasischer Typen noch immer unterrepräsentiert ist, ist kein Geheimnis. Zwar gibt es seit den 2010ern vermehrt dunkelhäutige Charaktere zu sehen, allerdings häufig in einem bestimmten Kontext. Das kann die Hautfarbe selbst, das Erfüllen eines Stereotyps (Rapper, Kriminelle, Big Black Mama) oder einer Quote (hier ist dann die Rede vom Quotenschwarzen) sein. Tja, der neue Bow erfüllt keines dieser Kriterien so wirklich. Außer vielleicht der Tatsache, dass er die einzige dunkelhäutige Figur in Staffel 1 (der orientalisch angehauchte Prinzessin Jasmin-Verschnitt Frosta bewusst außen vor) ist. Und als hätte man die Reaktionen gekannt (was keiner umfangreichen Trendforschung bedarf), wird er auch noch umgepolt. Wenn sich eine Serie Diversität auf die Fahne schreibt, dann also klotzen statt kleckern. Deshalb besitzt Glimmer auch ein wenig mehr Hüftgold und Entrapta ist ein waschechter Techniknerd. Ebenso sind Gut und Böse nicht trennscharf. Deswegen sind She-Ra und Catra eher “Frenemies”.

Die Stil-Polizei ist alarmiert

Vielleicht ist damit auch erklärt, weshalb die Serie ihr Bestes gibt, um sich optisch von ihren Wurzeln zu distanzieren. Gewöhnungsbedürftig ist vor allem, dass der Zeichenstil so simpel ausfällt, als hätte sich jemand entschlossen, eine ganze Serie über Microsofts Paint zu produzieren. Und es dauert, bis dieser Schock überwunden ist, auch ganz ohne Nostalgie-Vergleich. Im Verlauf der Serie finden allerdings immer häufiger Schattierungen ihren Weg in die Gesichter der Figuren, was schonmal für ein wenig mehr Plastizität sorgt. Auch die Hintergründe können sich stellenweise sehen lassen, wenn dann mal Spielereien mit Lichteffekten anstehen. Jedoch ist das kein wirklicher Trost, denn nicht selten treten Animationsfehler auf. So wird Bow und Glimmer beispielsweise in einer Szene ein Blumenkranz auf den Kopf gelegt, welcher in der nächsten Einstellung fehlt und danach wieder zu sehen ist. Solche groben Patzer trüben das ohnehin schwache Erscheinungsbild.

Lohnt sich die Serie inhaltlich?

Sieht man einmal von den Aufreger-Themen ab, ist noch immer nicht geklärt, wie gelungen eigentlich die Handlung ist. Auch hier macht She-Ra and the Princesses of Power eine ambivalente Figur. Die kurze Antwort vorweg: Spektakulär ist die Geschichte nicht. Aber: Sie bildet auch nur den Auftakt weiterer bereits angekündigter Staffeln. Ein fairer Punkt, denn der (diverse) Cast will vorgestellt werden. Und das geschieht natürlich am besten, indem man die Prinzessinen zusammenführt und eine erste Mission bestreiten lässt. Zugute halten muss man der Neuauflage auch, dass sie inhaltlich am Stück weg erzählt ist. Episodenhaftigkeit adieu! Ebenso gehören das Suchbild und die Moral der Woche der Vergangenheit an. Dafür gibt es mehr Slapstick (hauptsächlich von Catra verantwortet) und Coming of Age (in diese Rolle schlüpft die pubertäre Glimmer). Tja und eben Flirts unter allen männlichen Wesen, ein tollpatschiges Einhorn und Zickereien unter den Mädchen. Dass sich die Serie nicht immer selbst ernst nimmt, zeichnet sich mit der Zeit als echte Qualität ab.

Fazit

She-Ra prägte auch meine Kindheit (wenngleich nicht so sehr wie ihr Bruder) und deshalb war ich äußerst gespannt auf die Neuauflage. Eines muss man dieser lassen: Keine Serie (außer vielleicht Glee) besitzt soviel Spirit, wenn es darum geht, einen möglichst diversen Cast zu etablieren. Ich habe mich frei von Vergleichen auf die Serie eingelassen und nachdem der erste Schock über die – pardon – dahingerotzte Optik überstanden war, ließen sich die 13 Episoden am Stück schauen. Die 20 Minuten Laufzeit pro Folge sowie die im Zusammenhang erzählte Geschichte machen aus She-Ra and the Princesses of Power eine schnell konsumierbare Serie. Unerwarteterweise punktet die Serie mit ihren humorvollen Szenen, während die Handlung relativ linear und vorhersehbar erzählt wird. Für sich alleinstehend fällt die erste Staffel noch unspektakulär aus und wird dem Rummel um sich herum nicht gerecht. Wissend, dass noch mehr Stoff aus Etheria folgen soll, handelt es sich um einen soliden Auftakt. Fans von Sailor Moon, Pretty Cure oder Wonder Woman sollten der Serie unbedingt ihre Aufmerksamkeit schenken.

© Netflix

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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