Dave Made A Maze

Lesezeit: 4 Minuten

Wenn man als erwachsener Mann auf die Idee kommt, aus Pappkartons ein Labyrinth zu bauen, zeugt das entweder von großer Kreativität oder schlichtweg einer Lebenskrise. Brenzlig wird es, wenn man sich in seinem selbstgebauten Irrgarten verläuft. Zum Glück gibt es Freunde, doch selbst diese unterschätzen die Weiten des Labyrinths… Bill Wattersons Regiedebüt Dave Made A Maze gehört mit seinem Do-It-Yourself-Geist zu den sympathischsten Titeln des Filmjahres 2019.

Annie (Meera Rohit Kumbhani) staunt nicht schlecht: Als sie die Wohnung ihres Freundes Dave (Nick Thune) betritt, kann sie ihn zwar hören, aber nicht sehen. Dafür steht mitten im Zimmer ein aus Pappe gebautes Labyrinth, aus welchem sie Daves Stimme vernimmt. Dieser ruft ihr zu, dass das Labyrinth von innen viel größer als angenommen und er auf der Suche nach dem Ausgang verloren gegangen ist. Von Annie zunächst als Alberei abgestempelt, lässt diese sich davon überzeugen, Daves Kumpel Gordon (Adam Busch) anzurufen. So füllt sich langsam der Raum um die Pappbauten herum und Daves Freunde entschließen sich entgegen dessen Warnung das Labyrinth zu betreten …

Klingt komisch, ist aber so

Originaltitel Dave Made A Maze
Jahr 2017
Land USA
Genre Abenteuer, Komödie
Regisseur Bill Watterson
Cast Dave: Nick Thune
Annie: Meera Rohit Kumbhani
Gordon: Adam Busch
Harry: James Urbaniak
Brynn: Stephanie Allynne
Laufzeit 80 Minuten
FSK

Warum kompliziert, wenn es auch so einfach geht? Bill Wattersons Film spielt einfach in einem Pappkarton. Um es kurz zu machen: Dave Made A Maze ist ein Nerdspaß. Die Drehbuchautor Steven Sears und Regisseur Bill Watterson ließen sich von Kindheitsfilmen wie Die Goonies oder Der Dunkle Kristall inspirieren, um ihren Retrotrip aufs Zelluloid zu bringen. Wer ließ sich als Kind nicht davon begeistern, wie man mit Stühlen, Decken und anderen Materialien Höhlen bauen kann? Diesem Gedanken entspringt auch der Geist dieser Produktion. Tatsächlich ist das Labyrinth von innen riesig und jeder Raum ist ein Wunderland für sich. Mit eigenen Gesetzmäßigkeiten und Raumeigenschaften. Ganz so detailliert wie in Escape Room ist die Setgestaltung zwar nicht, dafür sind die Liebe zur Handarbeit und Dekoration auf den ersten Blick zu erkennen. Schließlich lassen sich aus Papier auch bunte Origamivögel und andere Wesen herstellen, die zum Leben erweckt werden. Zudem zieht ein aggressiver Minotaurus in den Gängen seine Runden.

Ein Mikrokosmos für sich

Wer nun denkt, dass so eine Gruppe in einem Labyrinth auf Fallen stößt, liegt dabei goldrichtig. Doch obacht: Dave Made A Maze ist nicht Saw. Wenn hier jemand sein Leben verliert, dann spritzt kein Blut, sondern Konfetti und Luftschlangen. Ein nahezu kinderfreundlicher Splatterspaß, welcher stets liebevoll gestaltet ist. Nur in Sachen Dialoge und Gags ist die Luft schnell raus: Zu eintönig entwickelt sich die Geschichte und es häufen sich die Belanglosigkeiten, die ein kleiner Teil experimentierfreudiger Filmzuschauer lieben wird. Denn die Geschichte liefert mit Dave und Annie liebenswerte Figuren, die uns viel Einblick in ihren Alltag geben. Zu interpretieren gibt es nicht viel und das Offensichtliche liegt auf der Hand: Das Labyrinth steht für unser Leben, in dem wir uns immer wieder mal verlaufen und Situationen völlig unterschätzen. Und dann gibt es da noch die Begleiter, deren Beziehungen untereinander auf eine humorvolle Art und Weise beleuchtet werden.

Minimales Budget, maximale Kreativität

Dank Stop-Motion-Technik erhält so manche Szenerie ein Eigenleben. Es sind Spielereien dieser Art, die aus dem Film ein Maximum herausholen. Sozusagen als Gegenentwurf zu Hollywoods CGI-Schlachten. Man sieht Dave Made A Maze an, dass man es mit einem günstig produzierten Independent-Titel zu tun hat. Das alles ist angesichts der Masse an guten Gestaltungsideen absolut verzeihlich. Nur der Inhalt, die Story – die kommt nicht vom Fleck. So können selbst 80 Minuten Längen aufweisen, was angesichts des abwechslungsreichen Szenarios umso unglücklicher ist. Dadurch sind die Szenen mitunter einfach nur aneinandergereiht und es reicht der Umstand, dass etwas passiert. Erklärungen sind obsolet.

Fazit

Maze Runner war gestern: Dave Made A Maze ist ein Film, den man eher für seine Ideen und Setgestaltung lieben muss, als dass er narrativ überzeugt. Fantasy-Fans mit Hang zum Unkonventionellen werden die Expedition genießen, Mainstreamfans können den Indie-Titel direkt links liegen lassen. Spannung existiert hier jedenfalls nicht, dafür ganz viel Liebe zum Detail und Blödeleien für Erwachsene, die sich gar nicht immer erwachsen fühlen wollen.

 

© Pandastorm Pictures

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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