The Broadcast Incident – Die Verschwörung

Ende der 80er wurden in Chicago, Illionois, zwei TV-Stationen Opfer eines Hacker-Angriffs. Während einer Sport-Übertragung wurde das Bild unterbrochen und zeigte einen Mann, der eine Max Headroom-Maske trug. Zwei Stunden später wiederholte sich dieser Vorfall während einer Ausstrahlung von Doctor Who. In die TV-Geschichte gingen diese Vorfälle als “Max Headroom Incident” ein. Auf diesen Zug springt Jacob Gentry (The Signal) mit seinem Paranoia-Thriller The Broadcast Incident auf. Darin überschneiden sich Science-Fiction-Elemente mit der Medientechnologie von 1999. Der außergewöhnliche Film war Teil des Fantasy Filmfest 2021-Programms und spricht vor allem Fans von David Cronenbergs Videodrome an.

 

1999, Chicago: James (Harry Shum Jr., Crazy Rich) ist von Beruf Digitalisierer in einem TV-Archiv. Sein Alltag besteht darin, alte VHS zu sichten und auf ein neues Medium zu übertragen: Die DVD. Da die Technik es nicht anders zulässt, geschieht all das in Echtzeit und er muss sich somit das Archivmaterial in einem zeitintensiven Prozess ansehen. Dabei stolpert er über eine Nachrichtensendung über eine illegale Signaleinspeisung. Das etwa eine Minute lange Signal hinterlässt einen verstörenden Eindruck, doch gleichermaßen zeigt James sich fasziniert davon. Er beginnt zu recherchieren. Doch je tiefer er sich auf die Suche nach dem Ursprung macht, desto mehr entgleitet ihm die Kontrolle und ruft eine traumatische Erfahrung hervor …

Vage Verbindungen

Originaltitel Broadcast Signal Intrusion
Jahr 2021
Land USA
Genre Thriller
Regie Jacob Gentry
Cast James: Harry Shum Jr.
Phreaker: Chris Sullivan
Stuart Litgow: Steve Pringle
Michael: Justin Welborn
Alice: Kelley Mack
Laufzeit 104 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2021

The Broadcast Incident ist ein Verschwörungsthriller, in dem sich Regisseur Jacob Gentry wie auch in seinem Film The Signal technischen Fortschritt zunutze macht. Er lässt in diese Thematik einen wilden Mix aus Wahrheitssuche, Verschwörungstheorien und emotionaler Verdrängung einwirken. Das ist wichtig zu wissen, denn ein großer Teil der Handlung spielt sich in James’ Gedanken ab und fordert vom Publikum ein, sich tief in die wirren Gedankenströme des Protagonisten zu begeben und vor allem auch, sich darauf einzulassen. Nicht jede Verbindung, die James sieht, ist auch real existent. Was in der Realität existiert und was er sich am Ende in seinem Wahn nur zusammenreimt, liegt nicht immer im Bereich des Offensichtlichen und wird vor allem auch nicht vollständig aufgeklärt. Auch worum es wirklich geht (Stichwort Plot), lässt sich alles andere als leicht beantworten.

Allegorie auf Verschwörungsmythen

Grundsätzlich sind die Hintergründe des Films spannend: Warum hackt jemand TV-Signale, um wirre Szenen in lokale Programme einzuspeisen? Was ist die Motivation jener Personen und was beabsichtigen sie damit? Die Spuren führen schließlich, wie soll es auch anders sein, aus dem Archivar ins echte Leben. Die Flucht in Verschwörungstheorien ist gleichzeitig auch James’ Flucht vor dem Umgang mit eigener Trauer. Und damit eine Allegorie auf Verschwörungsmythen, denn wer sich in entsprechende Gewässer begibt, lässt in der Regel auch das aus Fakten bestehende Ufer hinter sich. Tonal ist der Vergleich zu Cronenbergs Videodrome naheliegend, ohne je dessen Qualität zu erreichen. Dafür ist dem Film seine Indie-Herkunft auch handwerklich viel zu stark anzumerken. Viele Szenen sind beispielsweise kaum ausgeleuchtet und sorgen dafür, dass das Bild eher unsauber dunkel bleibt, was zumindest tonal schon wieder passend ist. Harry Shum Jr. erweist sich dafür als passende Hauptbesetzung und verleiht James das nötige, aber nicht zu aufdringliche Charisma, um durch den Verschwörungssog zu taumeln.

Fazit 

Über den Ausflug ins Jahr 1999, als die DVD noch das Medium der Zukunft war, kann man 22 Jahre später nur noch schmunzeln. The Broadcast Incident ist eine zeitgemäße Hommage an Verschwörungsthriller der 70er und 80er. Eine Reise zurück in die Vergangenheit, als Aufnahmen flackernd waren und Magnetbänder noch abgetastet wurden. Ein düsterer Film, der bis zum Schluss vieles unbeantwortet lässt und dem es selten gelingt, so wirklich Druck, Dringlichkeit oder Emotionalität aufzubauen. Die stets nüchtern erzählte Handlung plätschert ebenso vor sich hin. Ein Film für alle Investigativ-Detektive, die es unaufgeregt mögen und gerne an Details hängen bleiben. Eine Vorliebe für Filme vor der Jahrtausendwende kann in dem Fall nur hilfreich sein. Alle anderen, insbesondere diejenigen, die am Ende eines Films alle Fragezeichen in Ausrufezeichen verwandelt sehen wollen, machen besser einen ganz weiten Bogen um diesen Titel.

© MPI Media

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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