Scrapped Princess

Lesezeit: 5 Minuten

Während das Animestudio Bones in jüngster Vergangenheit besonders mit seiner Umsetzung von My Hero Academia von sich reden macht, kann es darüber hinaus auch noch eine ganze Reihe anderer erfolgreicher und kreativer Titel vorweisen. Relativ weit am Anfang dieser Liste steht der 24 Folgen lange Fanliebling Scrapped Princess. Ursprünglich schon einmal im Jahr 2007 in deutschen Landen veröffentlicht, hat Nipponart die Science Fiction-Serie im schultergepolsterten Fantasy-Gewand im Juli 2019 als Komplettbox noch einmal neu aufgelegt, erstmals auch auf Blu-ray.

   

Pacifica Casull wirkt wie ein ganz normales Mädchen und die 15-jährige wäre genau das auch ganz gerne. Das Schicksal hatte leider andere Pläne: Eine Vorhersage des Propheten Grendel hat die Königstochter als „das Gift, das die Welt zerstören wird“ gebrandmarkt. Sobald sie ihr sechzehntes Lebensjahr erreicht, soll demnach die Apokalypse ausbrechen. So wird sie schon als Säugling zum Allgemeinwohl in eine Schlucht geworfen und vermeintlich getötet. Wie durch ein Wunder überlebt die ‚weggeworfene Prinzessin‘ diesen ersten Mordversuch jedoch und kommt als Adoptivkind bei der Familie Casull unter. 15 Jahre später ist Pacificas Leben immer noch in Gefahr, doch sie hat glücklicherweise ihre älteren Geschwister, die sie vor religiösen Fanatikern des Gottes Mauser, königlichen Spezialeinheiten und allerlei Auftragsmördern beschützen. Es hilft dabei, dass der große Bruder Shannon ein meisterhafter Schwertkämpfer ist und die große Schwester Raquel eine hochbegabte Magierin. Getrieben von dem Leid, das Pacifica durch ihre pure Existenz unabsichtlich um sich herum verursacht, gehen ihre Gedanken immer wieder dahin, sich zum Wohl von Menschheit und Familie zu opfern und auch ihre Geschwister sind nicht immer komplett frei von Zweifeln, ob sie das Richtige tun. Doch als übernatürliche Gottesapostel namens Peacemaker (Friedensstifter) sich einmischen und dem Trio immer häufiger ein hilfreiches, geisterhaftes Mädchen namens Zephiris erscheint, zeigt sich, dass mehr hinter der Prophezeiung steckt, als es zunächst den Anschein hat.

Wollen wir es Science Fantasy nennen?

Originaltitel Scrapped Princess
Jahr 2003
Episoden 24 in 1 Staffel
Genre Fantasy, Science-Fiction, Drama
Regisseur Masui Souichi
Cast Bones

Arthur C. Clarke (2001: Odyssee im Weltraum) ist weltweit wohl am ehesten für sein Science-Fiction-Werk bekannt. Gerne und häufig zitiert werden dabei seine sogenannten drei Clarke’schen Gesetze, wovon das dritte besagt: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ So ist es zumindest für die Figuren in Scrapped Princess, die sich durch die mittelalterliche Welt bewegen und augenscheinlich mit dem zu tun haben, was sie als Magie, Götter oder Drachen begreifen. Den Zuschauern müssen diese Elemente jedoch schnell seltsam vorkommen. Relikte, die sehr nach fortschrittlicher Technologie aussehen; Geister, die wie Hologramme wirken und ein Gott, der ausgerechnet einen Allerweltsnachnamen trägt? Mit dem Verlauf der Serie verhärtet sich der Verdacht, dass die Fantasy-Welt eigentlich gar keine ist, sondern eine ferne Zukunft, in der die historische Vergangenheit verklärter Mythos geworden ist. Religiöse Strukturen und Mittel wie Prophezeiungen und blinder Glaube sind dabei nur die Spitze des Eisberges, wie die Menschheit von etwas kontrolliert wird, das zwar alles andere als göttlich ist, aber mit seiner technischen Überlegenheit dieselbe Allmacht innezuhalten scheint, zumindest bis Pacifica geboren wird.

Animes sind manchmal wie gecastete Popmusik-Gruppen

Neben der Aufarbeitung der wichtigsten Fragen, welches Schicksal die Menschheit in der Vergangenheit zwischen fremden Mächten und den eigenen Schöpfungen ereilt hat und wie Pacifica in das ganze Bild hineinpasst, sind natürlich auch die Figuren selbst wichtig. Diese präsentieren sich anfangs noch als eher einfache Typen: Pacifica, Typus Damsel in Distress; Shannon, Typus Phlegmatiker mit sympathischer Vorliebe für Hausarbeit oder Raquel, Typus grenzenlos liebenswert, aber notfalls hart wie ein Sargnagel, wenn es um ihre kleine Schwester geht. Dazu kommen Nebenfiguren wie der rücksichtslose Karrieresoldat Chris, das wandelnde Vergangenheitstrauma Winia oder Leo, ein tollpatschiger Adeliger mit naiven Vorstellungen über das Rittertum, für den Pacifica natürlich Liebe auf den allerersten Blick ist. Die auf Tragik und Konflikt ausgelegte Konstellation der Geschichte zwingt die Figuren aber schnell, sich interessant weiterzuentwickeln, an komplexerer Tiefe zu gewinnen und schwierige Entscheidungen zu treffen, die einen mitleiden lassen.

Was man mit der Neuauflage in der Hand hat

Scrapped Princess hat zwar ein konstant gutes, aber auch nicht spektakuläres optisches Niveau, dementsprechend wäre zu überlegen, ob sich besonders eine Blu-ray-Fassung überhaupt lohnt. Scharfe Linien und volle Farben verjüngen ungemein die Fernsehserie im 4:3 Bildformat aus der Zeit, bevor es High Definition gab (oder zumindest bevor es so furchtbar, furchtbar wichtig wurde) und die handgemalten Hintergründe mit ihrem Detailreichtum können dank der guten Bildqualität neu schätzen gelernt werden. Auch der Klang ist einwandfrei und bringt den stimmungsvollen und epischen Soundtrack von Masumi Itō komplett zur Geltung. Der japanische Voicecast rund um Miki Shinichirou (Shannon) ist eh über jeden Zweifel erhaben, aber auch die deutsche Synchronisation ist insgesamt gut ausgefallen, wobei besonders Corinna Dorenkamp (Pacifica) einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Die neue Box selbst besteht aus vier Discs zu je sechs Folgen in einer aufklappbaren Hülle in durabler Papp-Ummantelung, inklusive Schuber, einem kleinen Heftchen mit Figurenprofilen und einem Aufkleber. Dank der guten Verarbeitung und einem farblich stimmigen Bild in dunklen Blautönen ergibt die Box ein anschauliches Gesamtbild. Auf der digitalen Seite sieht es mit Extras dagegen leider mau aus. Abgesehen von textfreiem Opening und Ending bekommt man lediglich die Serie selbst mit deutschem und japanischem Ton sowie deutschen Untertiteln. Wer also auf Hintergrundinfos und Specials gehofft hat, wird enttäuscht.

Fazit

Ganz hoher Nostalgiefaktor für mich! Scrapped Princess war vor Jahren eine meiner ersten (bewusst als solche wahrgenommenen) Animeserien und auch eine der Serien, die mich eine Zeit lang stark für Animes begeistern konnten (und dann kam Dance in the Vampire Bund daher … na ja, andere Geschichte …). So richtig hatte ich die Handlung auch gar nicht mehr im Kopf, aber beim Ansehen kam dann eigentlich schnell wieder zurück, warum ich die Serie damals so toll fand und sie auch jetzt immer noch toll finden kann. Die Ausgangslage ist neben dem Genremix einfach sehr ansprechend: Einen unschuldigen Menschen – ein Kind – töten, um die gesamte Menschheit zu retten? Wie als Person damit umgehen, dass einen jeder umbringen will, inklusive der eigenen biologischen Familie? Soll man sich zum Wohl aller opfern oder hat man nicht auch den Anspruch auf ein normales Leben? Welche Opfer sind für das größere Allgemeinwohl zu rechtfertigen? Die Serie trifft den richtigen Mittelweg zwischen interessanten moralischen Fragen, unterhaltsamen (auch komischen) Elementen und emotionaler Tiefe. Sowohl für alte Fans der Serie wie auch für jüngere Anime-Enthusiasten, die mit Scrapped Princess noch keinen Kontakt hatten, ist die Neuauflage eine Empfehlung wert.

Vielen Dank an Nipponart für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
Die Rezension unterlag keinen inhaltlichen Vorgaben und spiegelt lediglich die Meinung des Autors wider.

© Scrapped Princess Production Group. All Rights Reserved.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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