Mononoke

In den seltensten Fällen sind Geister harmlose, nette Nachbarn. Viel eher nerven sie oder wollen den Lebenden an den Kragen, weswegen gestörte Mieter gerne nach Abhilfe suchen. Gut, dass es dagegen Fachpersonal gibt! In der Animeserie Mononoke von Regisseur und Drehbuchautor Kenji Nakamura (Gatchaman Crowds) zieht ein mysteriöser Medizinhändler durch das alte Japan und hilft bei so manchem übernatürlichen Problem. Dabei umgeben den eher schweigsamen Wanderer selbst genug Mysterien. Die zwölf Episoden aus dem Hause Toei Animation (One Piece) laden aber nicht nur in eine andere Zeit, sondern vor allem in ein visuelles Kaleidoskop aus Farben und Mustern ein. Wir öffnen daher einmal die alten Schiebetüren und schlüpfen in eine andere Zeit, bereit uns den verschiedenen gruseligen Gesellen zu stellen.

   

Eine Frau möchte einfach nur ihr Kind in Ruhe zur Welt bringen. Doch bei ihrer Flucht aus dem adeligen Haus, in dem sie arbeitet, gelangt sie in ein Hotel, das ein dunkles Geheimnis hütet. Ein Schiff sticht in See, mit ihm die unterschiedlichsten Personen mit den verschiedensten Geheimnissen. Pech nur, dass es unwissentlich geradewegs ins Geistermeer steuert. Genauso mysteriös ergeht es einer Männerrunde, die bei einem Wettkampf um die Hand einer Frau plötzlich einer weniger ist. Und für eine kleine Gruppe werden Lug und Betrug noch zu einer ernsten Angelegenheit, denn mit der Rache einer Frau und einer Katze legt niemand sich gerne an. Doch egal, wie schlimm die Lage für all jene scheint, es gibt Hilfe in Form des plötzlich erscheinenden, mysteriösen Medizinhändlers.

Anime mit Vorgeschichte

Originaltitel Mononoke
Jahr 2007
Episoden 12 in 1 Staffel
Genre Horror, Fantasy, Psychologie
Regie Kenji Nakamura
Studio Toei Animation
Bislang keine deutsche Veröffentlichung

Was Erfolg hat, wird gerne fortgesetzt. So hatte auch Kenji Nakamura Glück, denn seine Folgen für die Anime-Anthologie Ayakashi: Japanese Classic Horror über einen Katzengeist (jap. “Bake Neko”) fanden großen Anklang beim japanischen Publikum. Daher bekam er die Erlaubnis, weitere Geschichten um den namenlosen Medizinhändler zu erfinden, die dann in der auf ein Publikum junger erwachsener Zuschauer ausgelegten Programmschiene noitaminA (da liefen unter anderem Psycho-Pass oder Banana Fish) des Fernsehsenders Fuji TV ausgestrahlt wurden. Das freute ihn sehr, denn sein Anime Mononoke basiert, wie eher wenige Titel, auf keiner Vorlage, ist also daher ein Anime-only-Titel. Die erhältlichen sieben gleichnamigen Manga-Bände erschienen erst nachträglich aufgrund des ebenfalls hohen Erfolges des Sequels.

Ein Sprung in die japanische Mythologie

Insgesamt erzählt der Anime fünf verschiedene Fälle, in denen die Protagonisten Probleme mit Geistern haben, aber zum Glück Unterstützung dabei bekommen. Für uns Zuschauer bedeutet das nicht nur einen großen Einblick in die vielseitige japanische Folklore zu bekommen, sondern auch in die tief verborgenen Geheimnisse der Figuren. Denn ganz so einfach ist die Austreibung nämlich nicht! Unser Medizinhändler kann nämlich sein Geister austreibendes Schwert erst dann aus der Scheide ziehen, wenn er die Form, die Wahrheit und das Bedauern herausbekommen hat. Daher gestalten sich die Aufträge auch als sehr knifflig. Schließlich gibt niemand gerne zu, dass er eine Straftat beging. Ähnlich wie ein Detektiv begibt sich daher unser Held auf Spurensuche und zieht dabei wie Wasser aus einem tiefen Brunnen so manche düstere Vergangenheit nach oben.

“Ich bin nur ein Medizinhändler.“

Unser Freund Spitzohr taucht praktischerweise in Mononoke immer zur rechten Zeit am rechten Ort auf. Warum dies so ist, bleibt leider ein Geheimnis. Wie so vieles andere, was den Händler mit der großen Holzkiste auf dem Rücken betrifft. So wird leider nicht einmal klar, was er überhaupt genau ist, denn schließlich scheint der Zahn der Zeit nicht an ihm zu nagen. Die letzte ebenfalls benannte „Bake Neko“ Geschichte, spielt um 1920. In gewisser Weise ist es schade, dass wir nur wenig von ihm erfahren, auf der anderen Seite bleibt er so aber bis zum Schluss selbst ein mysteriöses Wesen, das von der ersten Folge fasziniert. Mit Bannzetteln, Pendeln und einem alten Schwert bewaffnet, stellt er sich nämlich noch so gefährlichen Gegnern. Dabei muss der Gute auch hin und wieder einiges einstecken und vor allem Geduld zeigen. Wenn er das Schwert dann endlich zieht, zeigt sich auch seine andere Seite.

Stimmungsaufbau im Musterwahn

In der Regel verbinden wir Gänsehaut einjagende Geistergeschichten mit düsteren Gemäuern und blutigen Ereignissen. Letzteres bietet auch Mononoke, wenn auch gerne farbenfroh und mit abwechslungsreichen, schicken Mustern und Texturen. Das klingt natürlich erst einmal befremdlich. Vor allem sind die ersten Minuten des Titels schon Gewohnheitssache für die Augen, aber Horrorfans werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Hat sich der Zuschauer mit den optischen Gepflogenheiten des Animes arrangiert, erwarten ihn ein paar nervenaufreibende Fälle, bei denen es auch brutal zur Sache geht. Jedoch in einem ungewohnten Gewand und von Nakamura eher auf den emotionalen Terror fokussiert. Schwankungen gibt es in Form des Gefallens der Geschichten. Nicht jede von ihnen ist gleich ansprechend vom inhaltlichen Level her.

Eine optische Erlebnisreise

Eine Handlung kann bei einem visuellen Medium auf viele Arten erzählt werden. Gerade das nutzt das Produktionsteam hier komplett aus und verwendet für jeden Fall seine eigenen Farben, Muster und andere Spielereien. So zum Beispiel werden die Nue-Folgen fast komplett in grau dargestellt, mit Schneeflocken, die sich ähnlich wie die Blöcke bei Tetris hin und her schieben. Wer genau hinschaut, wird bei den Hintergründen den einen oder anderen Hinweis auf die Geschehnisse finden. Im “Umibozu”-Abschnitt hängt zum Beispiel Gustav Klimts Gemälde „Die Erfüllung“ als gigantisches Gemälde im Schiff. Mononoke baut daher ein ansprechendes ästhetisches Gesamtwerk auf, mit einem anziehenden Design des Medizinverkäufers und jeder Menge kreativer Ideen. Eine Serie, ähnlich wie eine Pralinenschachtel, würde Forrest Gump sagen.

Nichts geht ohne Ton

Bei so viel visueller Anziehung bleibt noch die Frage, wie es mit dem Anteil für die Ohren ausschaut. Der Soundtrack von Yasuharu Takanashi (Boruto: Naruto Next Generations) passt wunderbar zu den dargestellten Szenerien, weil er sehr abwechslungsreich ausfällt. Tanzbar in Form eines Tangos mit eingehender Melodie, jedoch nicht sonderlich karaokewürdigem Text kommt das Opening „Kagen no Tsuki” von Ryouta Komatsu und Charlie Kosei daher. Das Ending kommt hingegen mit sanften Klavierklängen um die Ecke, die die Sängerin JUJU von sich gibt. Ihr Song “Natsu no Hana” klingt nur nach einem Standard-Ending und vermag vor allem visuell nicht lange bei Laune zu halten. Was hingegen die Sprecher angeht, so wählte das Team mit Takahiro Sakurai (Merlin in Fate/Grand Order: Absolute Demonic Front – Babylonia) den perfekten Sprecher für den geheimnisumwitterten Medizinhändler. Und auch sonst sind einige bekannte Namen in der Sprecherliste zu finden.

Fazit

Es war Liebe nach den ersten Minuten. Diese visuelle Reizüberflutung ist zwar erst einmal eine Gewöhnungssache, doch spielt dieser Anime wirklich alle positiven Karten aus, die ein Bewegtbild-Medium hervorbringen kann. Es ist dieses gesamte Konzept, das harmonisch ineinandergreift, ob es nun die Schiebetüren zu Beginn jeder Folge sind, die teils absichtlich gesetzten Schwarzeinblendungen sowie die farbigen Musterspiele. Es bleiben daher wirklich keine Wünsche offen. Im Speziellen ist es der mysteriöse Held, der mich von Anfang an neugierig macht und in seinen Bann zieht. Die ebenso wunderbar unterschiedlich gestalteten Fälle sorgen dafür, dran zu bleiben. Nakamura spielt perfekt mit diesen drei Dingen, die der Held finden muss, um die Wesen zu vertreiben und bietet daher auch etwas für Zuschauer, die es gerne verzwickter mögen. Mit Takahiro Sakurai ist nebenbei mein Lieblingssprecher vertreten. Dass mir persönlich das Opening und Ending nicht zusagen, verkrafte ich, denn für mich bietet Mononoke ansonsten ein tolles Seherlebnis.

© Toei Animation

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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