Comic Con Germany 2018

Lesezeit: 6 Minuten

Bereits zum dritten Mal öffneten sich am 30. Juni und 1. Juli 2018 die Pforten der Stuttgarter Messehallen, um Superhelden, Mangafans und all den anderen Liebhabern des geekischen Lebenstils Einlass zu gewähren. Wie in den Jahren zuvor lockten die Namen von Schauspielern viele Film- und Serienliebhaber an den Flughafen, die Möglichkeit, sich mit Lego auszutoben, Massen an Kindern und die Freude daran, sich als seine Lieblingsfigur zu verkleiden  und mit anderen Fans ins Gespräch zu kommen rund 40.000 Menschen in die Hallen.

Wer noch nie auf einer Comic Con war, dem sei hier kurz erklärt, was das für eine von Fans hochgelobte Veranstaltung ist: Man nehme viel Fläche, teile diese in Händler-, Künstler-, Panel- und Starbereiche auf und fülle diese entsprechend. Zwar nicht aus der ganzen Welt, aber zumindest größtenteils aus Amerika reisen Schauspieler an, mit denen man Leute in die Gänge zwischen den Ständen locken kann. Dieses Jahr war die für viele größte Versuchung, einmal Chuck Norris zu sehen. Doch auch abseits solch großer Namen gab es viel zu sehen: rund 400 nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler konnten ihre Werke in der Comic Zone zeigen und verkaufen, auf verschiedenen Bühnen wurden Vorträge, Gewinnspiele und Projekte vorgestellt und veranstaltet und Verlage stellten neben ihrer bekannten Produktpalette ihre neuesten Werke vor. Aber auch Schnäppchenjäger konnten fündig werden, versteckten sich zwischendurch immer Angebote wie Kisten voller Comics zum halben Preis. Neben dem üblichen Merchandise wie Poster und Figuren, der solche Veranstaltungen dominiert sprossen dieses Jahr Händlerstände voller Schwerter aus dem Boden.

Stars und Sternchen sowie Absagen, die Herzen brachen

Auch dieses Jahr fuhr die Messeleitung mit Namen auf, die so manches Fanherz dazu brachte, sich zu überschlagen. Am bekanntesten war dabei Chuck Norris, doch auch Pilou Asbæk und Nikolaj Coster-Waldau (Euron Graufreude und Jaime Lannister in Game of Thrones), sowie Robert Maschio (Dr. Todd Quinlan in Scrubs – Die Anfänger) und Stanislav Janevski (Viktor Krum in Harry Potter) zogen viele interessierte Besucher an. Zahlreiche weitere Stars waren vor Ort, wie zum Beispiel Stefan Kapicic, der zurzeit als Colossus noch in Deadpool 2 die Moral hoch hält. Doch bei all der Vorfreude waren auch Enttäuschungen vorprogrammiert. So sagte bereits zwei Monate vorher Arthur Darvill, der in mehreren Staffeln den sympathischen Teilzeit-Compagnon in Doctor Who spielt, ab. Am härtesten düfte aber viele die Nachricht vom Vorabend der Comic Con getroffen haben: Chuck Norris hatte Probleme bei der Anreise und konnte nicht an der Messe teilnehmen. Als Besucher musste man dennoch nicht auf den Anblick des Texas Rangers verzichten, denn es gab einige überzeugende Cosplays des Schauspielers.

Shut up and take my money!

So wie das Treffen (oder Nicht-Treffen) der Stars vielen vor Aufregung Schweißausbrüche bereitete, so ließen die zahlreichen Merchandise-, Händler- und Künstlerstände das Portemonnaie bluten. Nur zu oft wanderten die Finger in Richtung des Geldbeutels, denn nicht nur bei den großen Ausstellern wie Panini (Runaways) dem Splitter-Verlag (Myre – Die Chroniken von Yria) oder Cross Cult (Paper Girls) konnte man Unmengen an Geld lassen. Nein, noch viel verlockender waren die Merchandisestände voller Plüschtiere, Figuren und Postern. Wer etwas individuellere Produkte abseits des Mainstreams erwerben wollte, wurde bei den zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern in der Comic Zone fündig. Von selbst publizierten Mangas und Comics über Fanart bis hin zu vollständig selbst ausgedachten Motiven ließ sich dort alles finden. So manche Wohnung hat nun viel weniger Platz an den Wänden … Schön war auch, dass sich die geistigen Erzeugerinnen und Erzeuger der Independent Comics zusammenschlossen und ein eigenes Programmheft gestalteten, mit dessen Hilfe man sich in den zahlreichen Gängen besser zurecht finden konnte, wenn man auf der Suche nach längeren Bildsequenzen mit Text war.

Kostenfreie Zugaben, die nicht umsonst sind und

Aber auch Besucher mit schmalem Budget konnten sich viel ansehen. Natürlich stand man dann schmachtend vor dem ein oder anderen Objekt der Begierde, allerdings konnte man sich mit Lego beschäftigen (wie der nachfolgende Abschnitt zeigt), sich die Star Wars-Ausstellung ansehen, denn ein Teil der Halle 3 wurde zum Raumschiffhangar umfunktioniert. Lebensgroße Raumschiffmodelle boten die Möglichkeit, sich vor ihnen ablichten zu lassen und der Welt zu zeigen, auf welcher Seite der Macht man steht. Wer wollte, konnte sich auch mit der “German Garrison” oder der “Rebel Alliance” ablichten lassen.

Die Ghostbusters hatten genauso wie die Power Rangers, die Transformers und zahlreichen anderen Autos (zum Beispiel eines Wagens aus Jurassic Park) in Halle 1 eine großzügige Ausstellungsfläche und auch Hulk blieb brav für Fotos stehen, obwohl wenn er so aussah, als wolle er gleich auf seine Feinde lospreschen.

 

Stein auf Stein, das ist fein – Die Lego Ausstellung

Auch das dritte Jahr in Folge sind die LEGO®-Steine-Aufeinandersetzer von “Schwabenstin 2×4” auf der Messe mit einer großen Ausstellung dabei. Diese konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, denn wer hat in seinen jungen Jahren nicht auch die eine oder andere Burg zusammengesetzt (wenn auch mit der Hilfe von Dad). Passenderweise waren die Modelle dem Thema der Comic Con angepasst. So fanden Fans hier eine ganze Palette an nachgebauten Star Wars-Szenen, bei denen man laut Erbauer auf Fehlersuchen gehen durfte. Schließlich gehört E.T. nicht in die Mos Eisley Cantina Bar und was machen eigentlich Truppler, wenn kein Aufpasser dabei ist? Richtig, sie sprühen Peace-Zeichen in den Ewok Wald. Hier gab es wirklich einiges zum Lachen und nicht zu vergessen zum Staunen. Ein gigantischer Barad-dûr Turm aus Der Herr der Ringe lenkte die Augen sogar einmal weit gen Decke und die Kinnlade nach unten. Aber auch kleine Bauten ließen Leute vor Freude aufschreien. Der Drumlin Diner aus Fallout lies zwei Fans nicht mehr los und auch der nachgebaute Behemoth sorgte für Freudentränen bei den Final Fantasy X-Fans. Wer plötzlich die Lust verspürte, selbst zum obersten Erbauer aufzusteigen, konnte sich an einigen bereitgestellten Tischen und einem Haufen LEGO® Steine austoben. In dieser Ecke der Halle kam wirklich jeder auf seine Kosten, daher von uns nur ein Daumen nach oben.

Bunt gemischtes und oben drauf ein wenig Musik

Nicht nur von den Stars aus Film und Fernsehen konnte man sich Autogramme holen, auch einige Comiczeichner ließen sich für ein paar Stunden auf einem Stuhl nieder, um von ihren Fans gefunden zu werden. Wem die Füße weh taten, der konnte sich bei der dieses Jahr zum ersten Mal aufgebauten Lesebühne die Füße vertreten und danach mit frischer Kraft bei Kleinverlagen wie dem Manikore-Verlag (Opfermond), Torsten Low (Blutschwur – Die Söhne des Drachen), Feder & Schwert (Die Harry Dresden-Reihe) und Autoren wie Janika Hoffmann (Die Klaue des Morero (Drachenkralle 1)), Matthias Teut (Erellgorh), sowie Ann-Kathrin Karschnick (Weltenamulett – Das Erbe der Trägerin und bei vielen weiteren stöbern. Etwas abseits der Kleinverlagsmeile fand sich in Halle 3 der Verlag Edition Roter Drache. Im nächsten Gang konnte man sich zu jeder vollen Stunde eine Kostprobe der Musikrichtung Steam-Folk anhören, da die Band “Tales of Nebelheym” zusammen mit ihrem Drachen für Fotos und das Musizieren angereist kam.

Auch mein dritter Besuch bei der Comic Con Stuttgart hat sich sehr gelohnt. Natürlich führte mein erster Weg zu den Künstlerinnen und Künstlern der Comic Zone, denn ich liebe es, individuelle Kunst abseits des Mainstreams zu besitzen. Die Comics der großen Verlage kann ich mir auch regulär im Buchhandel zulegen! Dieses Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, nicht zu viel Geld auszugeben … Ja, ratet mal, was nicht funktioniert hat? Jedoch waren unter den Käufen auch viele Geschenke für Freundinnen, die dieses Jahr nicht dabei sein konnten. Die Comic Con präsentierte sich erneut als vielseitige und offene Messe, bei der man kaum einen Meter laufen kann, ohne sich irgendetwas anzusehen – vor allem die Cosplays mancher Besucher waren einfach nur staunende Blicke wert! So eine Veranstaltung wie diese Messe ist für mich auch immer ein kleines Familientreffen und ich sehe viele Menschen, die ich leider nur ein paar Mal im Jahr treffen kann. Ich habe mich also ganz entspannt treiben lassen, die Atmosphäre und die Angebote auf mich wirken lassen, viele Gespräche mit alten Bekannten geführt und neue Leute kennengelernt. Als Highlights sind hier Felix Mertikat, dessen Werke ich demnächst für Geek Germany unter die Lupe nehme, sowie die Band “Tales of Nebelheym” zu nennen, bei denen ich ein paar lockere und spaßige Stopps hatte inklusive Bestechungsversuchen mit Lesezeichen. Ob diese erfolgreich waren? Das könnt ihr dann bald lesen.

Zweite Meinung:

Für mich war es erst das zweite Mal, dass ich die Comic Con Stuttgart besucht habe. Letztes Jahr war ich zu der Zeit in Schottland unterwegs, deswegen freute es mich zu sehen, wie viel sich hier getan hat. Während im ersten Jahr es in der Halle kaum auszuhalten war, weil die Belüftung schlecht bis gar nicht gearbeitet hat, waren die Temperaturen am Sonntag wirklich angenehm. Das wird gerade die Cosplayer sehr gefreut haben. Halle eins war ein buntes Sammelsurium an Themen und ich freut mich besonders über die LEGO® Ausstellung. Die war nämlich wieder liebevoll erbaut worden und es gab einiges zum Lachen und anhimmeln. Leider passte Behemoth nicht mehr in meinen Rucksack! Auch die gewaltigen Raumschiffnachbauten waren wirklich der Hammer und dabei bin ich nicht einmal ein Star Wars-Fan. Was ich schade fand, dass in Halle drei einige Gänge recht eng gehalten waren. Da musste man sich schon durchkämpfen um voran zu kommen. Schade, denn in der anderen Halle hat man darauf mehr geachtet.

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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