John Wick: Kapitel 2

2014 brachten Chad Stahelski und David Leitch mit John Wick einen Film in die Kinos, dessen Geschichte über die Rache für einen getöteten Hund (und ein gestohlenes Auto) vorweg eher für Verwunderung sorgte, letztlich aber als hervorragend funktionierender Actionfilm überzeugte. 2017 kam dann mit John Wick: Kapitel 2 das langersehnte Sequel und Stahelski hat damit ein seltenes und bemerkenswertes Kunststück vollbracht: Eine konsequente Fortsetzung, die tatsächlich bei Fans und Kritikern noch einmal besser abgeschnitten hat. Seit Juni 2017 ist Kapitel 2 nun auch für das Heimkino erhältlich. Anlass zu schauen, was die Geschichte um den Schwarzen Mann so besonders macht.

   

Während für die Zuschauer drei Jahre vergangen sind, macht John Wick unmittelbar da weiter, wo er im ersten Kapitel aufgehört hat: Russische Mafiosi töten, um sich nun sein Auto zurückzuholen. Da sowohl John als auch die Russenmafia ihres offenen Schlagabtauschs müde werden, schließen beide Parteien einen wackeligen Frieden. John kann seine Arbeitskleidung also wieder einbetonieren und endlich den schmerzlichen Verlust seiner Frau weiterverarbeiten. Sein Frieden hält jedoch nicht lange, denn schon kurze Zeit später steht der Mafiaboss Santino D’Antonio vor Johns Haustür, um von seinem alten Bekannten einen durch eine Schuldmünze festgehaltenen Gefallen einzufordern. John lehnt zunächst ab, doch seine zu begleichende Schuld ist, wie ihm Winston erklärt, auch vor der Verwaltung des Continental (dem internationalen Hotel/neutralen Zufluchtsort für Auftragskiller) verpflichtend. So macht sich der Schwarze Mann also widerwillig an die Arbeit, um in Rom einen vermeintlich letzten Auftrag zu erledigen. Doch John ahnt schon, dass dies nur der Anfang von etwas viel Schlimmeren sein wird.

Die Kunst der Gegensätze im Licht- und Schattenspiel

Originaltitel John Wick 2
Jahr 2017
Land USA
Genre Action
Regisseur Chad Stahelski
Cast John Wick: Keanu Reeves
Santino D’Antonio: Riccardo Scamarcio
Winston: Ian McShane
Ares: Ruby Rose
Cassian: Common
Gianna D’Antonio: Claudia Gerini
Charon: Lance Reddick
Bowery King: Laurence Fishburne
Aurelio: John Leguizamo
Laufzeit 122 Minuten
FSK

Ein kleiner Exkurs: Komik funktioniert im Kern dadurch, dass einem erwarteten Verlauf oder Zustand der Dinge, einer Norm, eine plötzliche Wendung entgegengestellt wird, etwas komplett Gegensätzliches, womit die Erwartung auf die Norm plötzlich enttäuscht wird und sich das Verständnis im freien Fall befindet, bis das Unerwartete begriffen wird.
Kapitel 2 ist alles andere als eine Komödie, aber trotzdem bringt es den Zuschauer immer wieder dazu aufzulachen. Nicht – oder nur gelegentlich – weil etwas im klassischen Sinne wirklich witzig ist, sondern weil sich in so vielen Bildern plötzliche Gegensätze finden und sich Situationen ins komplette Gegenteil verkehren. Situationen, wenn Schusswaffen im engsten Nahkampf verwendet werden, Schusswechsel plötzlich leise und unauffällig stattfinden oder brutale Kämpfe bis auf’s Messer in zivilisiertes Beisammensein und Konversationen übergehen. Bilder, in denen ein kunstvolles Spiel aus Schatten gegenüber einem grellem Licht aus kontrastierenden Orange und Blau als reizvoller Hintergrund für brutale Gewalt dient und das blutige Töten mit einer plötzlichen Kreativität und Eleganz vollzogen wird, die einen überrascht auflachen lässt.

Neo und Morpheus wiedervereint

In einem Film, der inhaltlich seinen Schwerpunkt auf eine Trias aus Schießen, Kämpfen und Töten setzt, scheinen physische Fähigkeiten zunächst wichtiger als schauspielerisches Feingefühl. Seinen wortwörtlichen Gewaltmarsch bringt Keanu Reeves (Matrix) diesbezüglich schon hervorragend rüber. Gleichzeitig gibt es jedoch auch immer wieder ruhige und subtile Momente, die zeigen, dass sich John Wick nicht nur mit körperlichen Leiden durch die Handlung kämpft, sondern auch seelische Qualen unter der Oberfläche brodeln, sodass von Reeves gleichfalls eine subtile emotionale Tiefe gezeigt wird. Was die weitere Besetzung angeht, spielt Riccardo Scamarcio mit Santino einen sehr unsympathischen und somit wunderbar hassenswerten Antagonisten, dem mit Ruby Rose (Orange Is the New Black) als taubstumme Ares eine sehr einprägsame rechte Hand zur Seite gestellt wird. Schließlich kommt es nach der ersten Matrix-Wiedervereinigung in John Wick zwischen Keanu Reeves und Daniel Bernhardt (Agent Johnson in Matrix Reloaded) jetzt auch zum Leinwandtreffen mit Laurence Fishburne als Bowery King, wobei diese Rolle vielleicht etwas kleiner ausgefallen ist, als man es sich erhofft hat.

Es gibt Wörter, die ich nicht mag, die ich praktisch nie verwende, bei denen sich mir die Nackenhaare aufstellen, wenn ich sie höre. „Entzückt“ ist eins dieser Wörter und trotz dessen fällt mir einfach kein passenderes ein: Ich bin entzückt, John Wick: Kapitel 2 versetzt mich in absolut schwärmerische Entzückung, die mir sogar ein freudiges „Hach!“ aus dem Rachen feuert. In Actionfilmen wird meist Altbekanntes gesteigert und exponentiell intensiviert oder einzelne Innovationen und Gimmicks sorgen für einen Reiz. John Wick: Kapitel 2 zu schauen, verfremdet einem irgendwie alles, was man aus dem Actionkino kennt und bietet es den Zuschauern auf eine wundervoll kreative Art neu an, sodass man fast das Gefühl bekommt, es wäre das erste Mal, dass man sich etwas aus diesem Genre ansieht. Kapitel 2 ist ein hervorragender Film, ein absolutes Muss für jeden Actionfan und wem meine Ausführungen hier etwas ausschweifend vorkommen, dem sei ein Grund für das Anschauen nochmal in aller Einfachheit nahegelegt: John tötet jemanden mit einem Bleistift.  Kapitel 3 ist bereits in Planung und wenn die Leistungskurve tatsächlich noch einmal nach oben zeigt, kann man sich auf etwas Großartiges freuen. Besonders das Ende mit Johns Ausschluss vom Continental war übel, da ihm ja jetzt jeglicher sichere Hafen fehlt. Ich bin gespannt, ob Johns Herzschmerz ihn dann in eine spektakuläre Selbstzerstörung führt oder ob er seinen Gegnern derart hohe Verluste zufügen kann, dass sie tatsächlich aufgeben und er seinen Frieden findet. Aber vielleicht, oder eher wahrscheinlich, passiert auch etwas komplett Unerwartetes und darauf freue ich mich am meisten.

 

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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Ayres
Redakteur

Okay, nun bin ich neugierig geworden. John Wick 1 war echt nicht so mein Fall, da ist mir auch grade mal die Szene in dem Spa (oder Sauna?) hängen geblieben. Aber wenn der zweite Teil tatsächlich noch mehr Begeisterung erfährt, werde ich es doch noch einmal versuchen. Keanu Reeves mag ich immerhin schließlich.

Aki
Redakteur

Mir persönlich hat der zweite Teil leider nicht so gut gefallen. Er wirkte wie ein zweiter Aufguss vom ersten Teil. Immerhin mir gefiel, dass wir noch mehr von der Auftragskillerwelt gesehen haben. Wie der gute John, da seine Ausrüstung bekommt … Junge junge das war stylisch. Was die Kampfszenen anging, so fand ich einige zu lang. Sie sahen schon gut aus aber mir fehlte dann auch die Abwechslung hier und da. Bei dem Ende bin ich aber gespannt, wie sie den Faden für den 3 Teil aufnehmen wollen.