Terminal: Rache war nie schöner

Lesezeit: 4 Minuten

Eine Kellnerin, ein Lehrer, ein Hausmeister und zwei Auftragskiller. Was verbindet diese Personen? Die Antwort: Rache. Nicht ganz so klar ist, wer sich eigentlich hier an wem rächen möchte. Regisseur Vaughn Stein inszeniert die Handlung seines Neo Noir-Thrillers Terminal: Rache kann so schön sein in einer namenlosen Stadt. Mit Margot Robbie und Simon Pegg wurden zwei prominente Aushängeschilder gefunden, die Steins Debütfilm zum Erfolg verhelfen sollten. Allerdings wurde der Film von US-Kritikern (teils zurecht) zerrissen und tummelt sich bei einem Rotten Tomatoes Metascore von gerade einmal 21%.

  

Eigentlich wollte sich der todkranke Englischlehrer Bill (Simon Pegg, Shaun of the Dead) umbringen. Doch der Bahnhof, den er sich zum Sterben ausgesucht hat, ist leer und sein vorgesehener Zug fährt ebenfalls nicht ein. Also verschlägt es ihn in ein nahegelegenes Diner. Dort begegnet er der Kellnerin Annie (Margot Robbie, Suicide Squad). Eine selbstbewusste Dame mit Hang zum Morbiden. Kaum miteinander ins Gespräch gekommen, bietet sie ihm auch schon Tipps für den perfekten Selbstmord an. In einer anderen Nacht begegnen die beiden Auftragskiller Vince (Dexter Fletcher, Die drei Musketiere) und Alfred (Max Irons, The Riot Club) Annie. Beide ahnen nicht, dass hinter der Frau weit mehr steckt als man zunächst annehmen mag. Und dann ist da noch der scheinbar völlig unauffällige Hausmeister Clinton (Mike Myers, Austin Powers), der sich sozusagen unsichtbar durch den Bahnhof bewegt und alles ganz genau beobachtet…

Neo(n)-Noir

Original Terminal
Jahr 2018
Land USA
Genre Action-Thriller
Regisseur Vaughn Stein
Cast Annie: Margot Robbie
Bill: Simon Pegg
Vince: Dexter Fletcher
Clinton: Mike Myers
Alf: Max Irons
Chloe: Katarina Cas
Laufzeit 95 Minuten
FSK

Eines wird auf den ersten Blick sofort ersichtlich: Dieser Regisseur will auffallen. Dafür dreht er Farbsättigung und -kontrast nach oben, womit ein comichafter Look entsteht. Gleichzeitig hebt er sich damit von anderen Neo Noir-Settings ab, welche zumeist düster sind. Obwohl Terminal: Rache war nie schöner und Sin City visuell völlig unterschiedlich sind, schlagen beide von ihrer DNA her in dieselbe Kerbe. Die ständig präsenten Neonlichter lassen sich noch am ehesten als Signatur-Element des Films beschreiben, während andere Facetten es da schon schwerer haben. Besonders negativ fällt hier auf, dass das Drehbuch versucht, mit einer ähnlichen Dialogwucht Marke Tarantino zu erschlagen. Man sieht der Produktion genau an, welche Ambition dahinter steckt. Das schafft eine Menge Distanz zwischen den Figuren und dem Zuschauer, der ohnehin zwischen den ganzen Irrungen und Wirrungen ein wenig mehr Orientierung benötigt. Was allerdings durchaus Laune macht, sind Annies Manipulationsversuche und Tötungsfantasien.

Femme Fatale meets Alice im Wunderland

Speziell zu Lewis Carrolls Meisterwerk Alice im Wunderland fallen zig Referenzen, die sich zum Schluss zu einem verstörenden Ganzen zusammenfügen. Die die Handlung stets begleitende Frage lautet: Was ist echt und was nicht? So geheimnisvoll die Neonlichter überall auch scheinen, so wenig interessant sind die Figuren letztlich. Sie alle sind überstilisiert und sollen eine coole und unnahbare Attitüde mitbringen, doch Ecken und Kanten sucht man vergebens. Auch Annie setzt sich nur aus zwei Facetten zusammen: Versuchung und Cleverness. Im Mittelpunkt des Films steht Margot Robbie, die eine Art Best of ihrer bekanntesten Rollen spielt. Annie trägt den abgründigen Wahnsinn einer Harley Quinn (Suicide Squad) in sich mit der Durchsetzungsfähigkeit einer Tonya Harding (I, Tonya). Ihre männlichen Kollegen bekommen weniger Freiraum um zu brillieren. Mit Ausnahme Simon Peggs, dessen Schlagabtausch mit der Kollegin zu den glanzvolleren Momenten gehört.

Fazit

Terminal: Rache war nie schöner versucht sich an die Fersen von Blade Runner und Sin City zu hängen, ohne je deren Tiefgang zu erreichen. Dafür fehlt es letztlich an Substanz, die diesen Film auch inhaltlich unvergesslich macht. Visuell ist hier alles künstlich bis verfremdet, was genau den Reiz des Dargestellten ausmacht. Trotz aller visuellen Raffinessen wurde aus dem Film kein großer Hit. Zu schnell möchte man ihm fehlende Eigenständigkeit (oder wohlwollender: eine Verneigung vor anderen großen Titeln) vorwerfen, als dass man ihm eigene Qualitäten zugestehen kann. Sehenswert ist Terminal für alle Freunde von Comic-Verfilmungen. Wenngleich hier keine Vorlage existiert, fühlt sich die Produktion wie die Adaption einer Neo-Noir-Comicausgabe an. Licht- und Kulissengestaltung sind jedenfalls 1a.

© Universum Film

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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