Das Serien-Grundwissen (Teil 8)

Hier gibt es etwas mitzuenehmen: In unserer Reihe “Das Serien-Grundwissen” vermitteln wir kompaktes Wissen zu 70 Serien, die man entweder kennen oder zumindest schon einmal von ihnen gehört haben sollte – und auch weshalb. Natürlich gilt: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist keine ultimative Liste, aber ein Wegweiser durch den immer dichter werdenden Serien-Dschungel.

36. Lost (2004–2010, Mystery / Drama)

© Disney

Worum es geht: Dem Flug 815 der Fluggesellschaft Oceanic Airlines passiert das Undenkbare: Das Flugzeug stürzt ab, mitten im Pazifik und auf einer Insel fernab der Zivilisation. Nur 48 Menschen überleben diese Katastrophe und müssen bald einsehen, dass eine Rettung immer unwahrscheinlicher wird. Einer von ihnen ist Jack Shephard, der als Arzt bald eine Art Führungsrolle unter den Überlebenden einnimmt. Diese müssen sich nämlich organisieren, wenn sie auf der Insel bestehen wollen, aber viele verweigern die Kooperation. Doch schon früh zeigen äußerst mysteriöse Ereignisse, dass hinter der Insel mehr steckt und sie womöglich gar nicht so alleine sind, wie sie denken.

Sollte man deshalb kennen: Lost gilt als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Mystery-Serien des 21. Jahrhunderts, was unter anderem an der großen Beliebtheit und den vielen positiven Kritiken liegt. Eine Serie, deren Ende von Fans zum großen Teil verschmäht wird. Quasi das Schicksal der meisten beliebten Serien, die eine komplexe und sich über viele Staffeln erstreckende Handlung besitzen. Aber ob man das Ende nun mag oder nicht, so bietet Lost eine der spannendsten Handlungen der TV-Geschichte und schafft es dabei beispielhaft, einen außerordentlich großen Cast mehrdimensional zu gestalten, sodass sich zu jedem irgendwie wichtigen Charakter eine Form von Bindung aufbaut. Dafür sorgt vor allem eine Erzählweise, bei der die Episoden so aufgebaut sind, dass die Handlung auf mehreren Zeitebenen spielt. Zudem sind die Episoden insbesondere zu Beginn fest mit einem Charakter verknüpft, sodass dessen Leben vor und auf der Insel dargestellt wird. Später gibt es dann auch noch eine Erzählebene in der Zukunft. Fest steht: Für die Serie ist die volle Aufmerksamkeit gefragt, denn der dichte Plot erstreckt sich über alle sechs Staffeln und bietet sehr viele Wendungen. Wer da einmal nicht aufpasst, droht, sofort nicht mehr mitzukommen, denn hier ist nichts genau so, wie es zunächst scheint. Genau diese wendungsreiche, mit Mystery-Elementen intelligent gespickte Handlung sorgt mit den interessanten und komplexen Figuren dafür, dass Lost immer noch so eine große Relevanz für die Serienwelt besitzt.

Umfang: 6 Staffeln mit 121 Episoden zu je ca. 42 Minuten

Das gibt es noch: Zusätzlich zu den regulären Episoden gibt es insgesamt 13 sogenannte “Mobisodes”, die unter dem Obertitel “Missing Pieces” wenige Minuten zusätzliche Szenen zeigen. In den USA wurde während der Ausstrahlung viel Werbung gemacht, unter anderem mit mehreren Alternate Reality Games. Außerdem wurde in den USA das Buch Bad Twin veröffentlicht, welches von einem der beim Absturz gestorbenen Passagiere stammen soll und innerhalb der Serie immer wieder auftaucht. 2008 erschien für Xbox 360, PlayStation 3 und PC das Game Lost: Via Domus, bei dem ein eigens für das Spiel konzipierter Charakter namens Elliott Maslow gesteuert wird. Dieser stürzt mit den Charakteren aus der Serie ab und kann mit diesen interagieren, während es darum geht, seine eigene Vergangenheit zu entschlüsseln. Allerdings ist das Videospiel kein Teil des Kanons von Lost.

37. Dr. House (2004–2012, Drama)

© Universal Pictures

Worum es geht: Der eigensinnige Dr. Gregory House arbeitet im Princeton-Plainsboro Universitätsklinikum als Leiter der Abteilung für Diagnostische Medizin. Als Spezialist für Nephrologie und Infektionskrankheiten sucht er auch bei scheinbar hoffnungslosen Fällen nach der korrekten Diagnose und Behandlungsmöglichkeit. Die Patienten selbst findet er dabei jedoch eher nervig, was auch für seine Kolleginnen und Kollegen gilt. Er würde sich am liebsten nur noch um die Diagnostik kümmern. Durch seine sture, arrogante und oft auch respektlose Art gerät er regelmäßig mit dem anderen Personal des Klinikums aneinander.

Sollte man deshalb kennen: Alles andere als ein strahlender Lebensretter: Gregory House ist als Hauptcharakter eine sehr spezielle Wahl, denn mit seiner arroganten und respektlosen Art sammelt er nicht gerade Sympathiepunkte. Selbst gegenüber der Patienten verhält er sich zynisch und unfreundlich, aber er ist eben auch ein extrem talentierter Diagnostiker. Im Gegensatz zu anderen Medicaldramas zeigt Dr. House damit einen Arzt, der zwar fachlich genial ist, aber auf menschlicher Ebene an einen Albtraum erinnert. Warum ist die Serie also trotzdem so beliebt und ein wichtiger Vertreter der Medical-Dramas? In jedem Falle ist der Aufbau und die Aufmachung der Serie sehr unkonventionell für das Genre, was ihr eine gewisse Einzigartigkeit verleiht. Der normale Verlauf sieht so aus, dass in jeder Episode ein neuer Patient mit mysteriösen Symptomen präsentiert wird. Dann gilt es, dass House rechtzeitig herausfindet, an was der Patient leidet, oft sogar kurz, bevor er zu spät ist. Die Fälle sind dabei sehr unterschiedlich und es werden auch sehr seltene Diagnosen gestellt. In den ersten Staffeln gehört ebenso der Ambulanzdienst zu Houses festen Aufgaben, wobei er immer wieder auf kreative und humorvolle Weise versucht, diesen zu umgehen. Spannend ist auch, dass die Hauptfigur nach dem Vorbild von Sherlock Holmes entworfen wurde, was auch durch einige Parallelen deutlich gemacht wird. Und auch wenn House selbst nicht gerade ein Vorbild ist, so kommt man nicht umhin, gespannt seine Geschichte (die auch ernste Themen wie etwa Tablettenabhängigkeit beinhaltet) zu verfolgen. Notfalls bieten immerhin die anderen Charaktere des nicht gerade konstanten Hauptcastes sympathische Figuren. Ebenfalls gelungen ist hierbei die recht realistische Darstellung der medizinischen Fälle, welche bereits häufig von der Fachpresse gelobt wurde.

Umfang: 8 Staffeln mit 177 Episoden zu je ca. 43 Minuten

Das gibt es noch: Zusätzlich zur Disc-Veröffentlichung erschien lediglich noch 2007 eine Soundtrack-CD, welche unter anderem die europäische Version des Titelliedes der Serie enthält. Der Erlös aus dem Verkauf ging dabei interessanterweise an gemeinnützige Organisationen.

38. Bezaubernde Jeannie (1965–1970, Sitcom)

© Universal Pictures

Worum es geht: Astronaut Tony Nelson strandet auf einer pazifischen Insel und findet eine hübsch verzierte Flasche. Als er sie öffnet, entsteigt daraus ein Flaschengeist in Gestalt einer Blondine im rosaroten Bauchtanzkostüm. Flaschengeist Jeannie sieht Tony nun als ihren Meister an und obwohl er ihr ausdrücklich die Freiheit schenkt, besteht sie darauf, ihm fortan zu dienen und alle seine Wünsche zu erfüllen. Übereifrig, besitzergreifend und glühend eifersüchtig bringt sie Tony mit ihren Zauberkräften immer wieder in peinliche Situationen, denn Tony möchte sein Leben eigentlich ohne magische Hilfe und liebevolle Bevormundung führen und schon gar nicht soll irgendwer von seinem magischen Geheimnis erfahren.

Sollte man deshalb kennen: Meine Güte, diese 60er. Als alles auf dem (seit Neuestem!) farbigen Fernsehschirm in zuckersüßen Bonbonfarben erstrahlte. Da hatten die Autos noch Heckflossen und die Frauen trugen Dauerwellen aus Stahlbeton. Und eine Serie, in der eine Frau einen Mann zu ihrem Meister erklärt und ihn damit 139 Folgen lang auf Trab hält, war superlustig. In unserer heutigen Zeit katapultiert das Bezaubernde Jeannie eher auf eine Liste der 15 Serienklassiker, die es heutzutage nie ins Fernsehen schaffen würden. Veränderte Sexual Politics und so. Von den Klischees über arabische Kulturen ganz zu schweigen. Aber so etwas von einem Zeitdokument! Die kleinen Mädchen von 1970 sahen das sowieso ganz anders, die riefen noch nicht “Hex, hex!”, um zu zaubern, sie verschränkten die Arme und zwinkerten so wie Barbara Eden, denn sie wussten: Jeannie ist die Coolste und Tony ist ein armer Tropf, der nicht gegen Jeannie anzaubern kann. Und wer wollte nicht in einer Flasche wohnen, wenn die innendrin mit einer plüschig-lila Sofalandschaft und rosa Kuschelkissen ausgestattet ist?

Umfang: 5 Staffeln mit 139 Episoden zu je ca. 25 Minuten

Das gibt es noch: Da Bezaubernde Jeannie in den folgenden Jahrzehnten immer wieder gern ins Programm genommen wurde und so etwas wie Kultstatus erlangte, folgten zwei Fernsehfilme: I Dream of Jeannie… Fifteen Years Later (1985) und I Still Dream of Jeannie (1991), diesmal allerdings ohne Larry Hagman. Außerdem entstand 1973 die Zeichentrickserie Jeannie, die es jedoch nicht ins deutsche Fernsehen schaffte.

39. Twin Peaks (1990–1991, 2017, Mystery)

© Paramount Home Entertainment

Worum es geht: Special Agent Dale Cooper wird in das idyllische Provinzstädtchen Twin Peaks entsandt, um den Mord an der 17-jährigen Laura Palmer aufzuklären. Doch nicht nur die blonde Highschool-Ballkönigin hatte schmutzige Geheimnisse, so ziemlich jeder in der eng verwobenen Einwohnergemeinschaft der kleinen Stadt zwischen Wäldern und Bergen hat etwas zu verheimlichen. Oder zumindest ordentlich einen an der Waffel. Und dann scheint auch noch das Übernatürliche mit im Spiel zu sein …

Sollte man deshalb kennen: 1990 ließ Regisseur David Lynch, eigentlich bekannt für surrealistische Arthouse-Filme, die Welt der Fernsehserien ganz anders aussehen als bisher. Krimiserien mit einem Mordfall und einem Ermittler gab es zuhauf, das Motiv “Unter der idyllischen Oberfläche brodeln finstere Geheimnisse” war auch nicht wirklich neu, aber dass eine Fernsehserie so boshaft witzig, abstrus und rätselhaft sein konnte und dabei eine so dichte Atmosphäre der Spannung und des Geheimnisses aufbauen und halten konnte, das hatte man auf dem Bildschirm noch nicht gesehen. Jede Menge skurrile Charaktere, absurde Dialoge und surrealistische Traumsequenzen in Verbindung mit einer klassischen Mordfall-Ermittlung, die immer mehr ins Merkwürdig-Übernatürliche abdriftet, machen Twin Peaks zu einem Meilenstein der Fernsehgeschichte.

Umfang: 2 Staffeln (1990–1991) mit insgesamt 30 Folgen zu je 45–60 Minuten (und jeweils 90-minütigem Pilotfilm bzw. Auftaktfolge der zweiten Staffel); 1 Staffel (2017) mit 18 Folgen zu je 60 Minuten

Das gibt es noch: Das Prequel Twin Peaks – Fire Walk With Me (1992), das man unbedingt erst nach Staffel 1 und 2 anschauen sollte, sonst hat man nur Unverständliches und jede Menge Spoiler vor sich.
In Twin Peaks: The Missing Pieces (2014) beackert David Lynch noch einmal das gleiche Terrain mithilfe von Filmszenen, die in den beiden Serienstaffeln und in Twin Peaks – Fire Walk With Me nur gekürzt verwendet oder völlig gestrichen worden waren und bringt es damit zu einem weiteren 91 Minuten langen Film.

40. Supernatural (2005–2020, Mystery / Horror)

© Warner Bros.

Worum es geht: Sam und Dean Winchester sind zwei Brüder, die durch ein 20 Jahre zurückliegendes Ereignis fest zusammengeschweißt wurden: Der Tod ihrer Mutter. In ihrem 67er Chevy Impala fahren sie kreuz und quer durch das Land und setzen das um, was sie von ihrem Vater gelernt haben: als Monsterjäger Dämonen, Geister und anderen Monster bekämpfen. Dabei steht auch die Suche nach jenem Dämon im Vordergrund, der seinerzeit den Tod ihrer Mutter herbeigeführt hat.

Sollte man deshalb kennen: Das US-Fernsehnetwork The WB war nach dem großen Erfolg von Buffy auf der Suche nach einer weiteren Horror-Serie für Teenager und schickte 2005 das ursprünglich auf fünf Staffeln ausgerichtete Supernatural an den Start. Dass daraus ein 327-teiliges Seriengebilde werden würde, war zum damaligen Zeitpunkt nicht absehbar. Zwischen den beiden Hauptcharakteren Sam und Dean entstand die vielleicht berühmteste Bromance der Popkultur, die von den beiden Hauptdarstellern Jensen Ackles und Jared Padalecki über satte 15 Jahre hinweg verkörpert wurde. Damit gehört Supernatural zu den langlebigsten Serien des Jahrtausends. Der Mix aus Popkultur (alleine die vielen nerdigen Episodentitel sprechen Bände), Selbstironie und einer einmaligen Aufzählung von allen Monstern, die das Horror- und Fantasy-Genre so zu bieten hat. Die Supernatural-Fanszene zählt derweil zu den größten Serien-Fandoms der Welt und es existieren zahlreiche Fan-Conventions, die auch über das Serienende hinaus Bestand haben. 

Umfang: 15 Staffeln mit 327 Episoden zu je ca. 42 Minuten

Das gibt es noch: Das Spin-off Supernatural: Bloodlines sollte in Chicago spielen und sich um die dort lebenden Jäger und Monster drehen, wurde jedoch von The CW abgelehnt. Auch das zweite konzipierte Spin-off Supernatural: Wayward Sisters bekam kein grünes Licht. 2010 gab Warner Brothers die Produktion der Anime-Serie Supernatural: The Animation bekannt. Produziert wurde diese vom bekannten japanischen Animationsstudio Madhouse. Die 22 Episoden bieten sowohl neue Episoden mit eigener Handlung, als auch Nacherzählungen der ersten beiden Realserienstaffeln und eine Umsetzung von einer Comicvorlage. Darüber hinaus existieren noch einige Romane und Comics.

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