Das Serien-Grundwissen (Teil 7)

Hier gibt es etwas mitzuenehmen: In unserer Reihe “Das Serien-Grundwissen” vermitteln wir kompaktes Wissen zu 70 Serien, die man entweder kennen oder zumindest schon einmal von ihnen gehört haben sollte – und auch weshalb. Natürlich gilt: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist keine ultimative Liste, aber ein Wegweiser durch den immer dichter werdenden Serien-Dschungel.

Teil 7

31. Mord ist ihr Hobby (1984–1986, Krimi)

© Universal Pictures

Worum es geht: Die ehemalige Englischlehrerin und Witwe Jessica Beatrice MacGill-Fletcher lebt alleine im kleinen Küstenstädtchen Cabot Cove. Ihr Geld verdient sie als Autorin von Kriminalromanen. Nach der Veröffentlichung ihres ersten Bestsellers wird sie vom Verleger auf ein Kostümfest eingeladen, bei dem ein Mord geschieht. Ihre Aufmerksamkeit ist geweckt und so beginnt sie zu ermitteln. Zudem reist sie sehr gerne in verschiedene Länder, um Werbung für ihre Werke zu machen und Ideen für neue Romane zu sammeln. An diesen mangelt es ihr definitiv nicht, denn auf ihren Reisen schlittert sie von einem Verbrechen ins nächste, denn durch ihre Erfahrung mit der Materie kann sie den Ermittlern hilfsbereit zur Seite stehen. Kein Mörder ist vor ihr sicher, denn trotz ihres charmanten Lächelns schafft es die über Fünfzigjährige, die gefährlichsten Täter zu stellen, indem sie die richtigen Schlüsse zieht.

Sollte man deshalb kennen: Mord ist ihre Hobby war zur Zeit der Entstehung eine der wenigen Krimiserien mit einer weiblichen Hauptdarstellerin. Eine weitere Besonderheit ist, dass Angela Lansbury bereits die bekannte Figur Miss Marple von Agatha Christie im Film Mord im Spiegel verkörperte. Da Jessica Fletcher durch das Schreiben von Kriminalromanen gut leben kann, genießt das Reisen. Dadurch kommen auch internationale Drehorte zum Vorschein und bringen Abwechslung. Wohin  sie auch reist, werden Verbrechen begangen und es kommen ihr Instinkt und ihr Wissen durch die Literatur zum Einsatz. Auch wenn es größtenteils um Morde geht, bleibt Jessica Fletcher immer eine ruhige, gelassene Person.

Umfang: 12 Staffeln mit insgesamt 264 Folgen zu je ca. 45 Minuten

Das gibt es noch: Die Figur Jessica Fletcher sollte das US-amerikanische Gegenstück zu Agatha Christies Romanfigur Miss Marple sein. Allerdings klingt das für die Ohren amüsant, da Angela Lansbury, die Jessica Fletcher verkörpert, Britin ist. Zwischen den Serien Mord ist ihr Hobby oder auch Immer wenn sie Krimis schrieb und Magnum entstanden zwei Crossover Episoden unter dem Titel “Magnum und Mord ist ihr Hobby: Konkurrenz vom Festland”. Von 1997 bis 2003 wurden zudem vier weitere Folgen in Spielfilmlänge gedreht. 2013 plante das NBC eine Neuauflage. Nach der Veröffentlichung des Drehbuchs sprach sich Angela Lansbury gegen die Dreharbeiten aus. Zur Folge wurde das Projekt beendet.

32. Friends (1994–2004, Sitcom)

© Warner Home Video

Worum es geht: Nachdem Rachel vor ihrer eigenen Hochzeit geflohen ist, trifft sie in New York ihre ehemalige Schulfreundin Monica wieder. Sie beschließt, sich in der Großstadt ein neues Leben aufzubauen. Monicas Freunde Joey, Phoebe und Chandler wissen zu Beginn nicht, was sie davon halten sollen. Nur Ross freut sich, denn er war schon in der High School in die Freundin seiner Schwester Monica verliebt. Bereits nach kurzer Zeit werden alle sechs aber schon beste Freunde. Sie teilen ihre Geheimnisse miteinander, reden über schöne und nicht schöne Themen und entwickeln Gefühle. Ausflüge, Erlebnisse, Streitereien und Alltägliches, sowohl privat als auch aus dem Berufsleben, gehören dazu. Die Freunde gehen gemeinsam durch dick und dünn.

Sollte man deshalb kennen: Die einzigartigen Charaktere sind ganz normale Menschen, die versuchen, ihr Leben zu leben und mit Liebe, Glück, Traurigkeit, schlechter Laune und Spaß die Tage meistern. Menschen, die wie jeder von uns auch kleine Problemchen und Marotten haben. Gerade das bringt die sympathischen Figuren dem Publikum näher, da die Serie auch mit ihrem Humor die richtige Balance findet.

Umfang: 10 Staffeln mit insgesamt 236 Folgen zu je ca. 22 Minuten

Das gibt es noch: Warner Bros. gab 2019 bekannt, dass eine Friends-Reunion für den VoD-Dienstleister HBO Max mit dem Original Cast geplant war. 2020 wurde das Projekt aufgrund von Corona verschoben. Im Mai 2021 konnte das Special Friends: The Reunion – The One Where They Get Back Together bei HBO Max und in Deutschland zeitgleich bei Sky ausgestrahlt werden.

33. Game of Thrones (2011–2019, Fantasydrama)

© Warner Bros.

Worum es geht: Sieben Königreiche bevölkern den Kontinent Westeros. Kriege, Intrigen und Morde zwischen den Königshäusern stehen auf der Tagesordnung, denn jeder will den »eisernen Thron« besteigen und rechtmäßiger Herrscher über ganz Westeros werden. Doch während alle mit sich selbst und den Machtverschiebungen beschäftigt sind, wartet jenseits der Kontinentmauern eine erbarmungslose Armee Untoter darauf, ins Land einzufallen … 

Sollte man deshalb kennen: Die erfolgreichste Serie in der Geschichte des Senders HBO, acht Jahre lang die am meisten erwartete Serie überhaupt, mit 59 Emmys versehen und einem Finale, das Fans das Herz bluten lässt: Das ist Game of Thrones. Ein komplexes Epos, das sich über viele Jahre und noch mehr Kilometer erstreckt und es dennoch schafft, dabei kurzweilig und fesselnd zu bleiben. Game of Thrones ist weniger Hardcore-Fantasy denn vielmehr charakterfokussiertes Drama, das scheinbar nur zufällig in einer Fantasy-Welt angesiedelt ist. Eine verdorbene Welt mit einem hohen Grad an Sex und Grausamkeit und mit käuflichen Monarchen und sadistischen Knabenkönigen an jeder Ecke. Es sind die Außenseiter, die der Serie Herz und Verstand verleihen und die Geschichte zum Leuchten bringen (etwa ein herum hurender, trinkfester Kleinwüchsiger, ein 1,91 Meter großes »Mannsweib« oder aber ein unter Wert verkauftes Prinzesschen, das bei »Wilden« leben muss). Game of Thrones bietet ein verworrenes Netz aus Machtspielchen und Intrigen und sorgt mit seiner mutigen Art des Geschichtenerzählens – soll heißen Cliffhanger und unvorhersehbare Charaktertode – für (fast) grenzenlosen Sehspaß. Einziger Wermutstropfen: Die letzten beiden Staffeln, insbesondere die achte Staffel, werden stark für ihr übereiltes Tempo kritisiert sowie für Handlungsentwicklungen, die jeder Logik trotzen und den aufwendig aufgebauten Figuren nicht gerecht werden. Dennoch ist Game of Thrones seinerzeit wie eine Bombe eingeschlagen und stellt damit ein wichtiges Stück Geschichte in der Popkultur dar.

Umfang: 8 Staffeln mit insgesamt 73 Episoden zu je ca. 50 bis 80 Minuten

Das gibt es noch: Die bislang fünfbändige Buchvorlage Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin, diverse Novellen, Handbücher, Graphic Novels und ein Hörbuch mit dem Titel Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben (2013). Zu guter Letzt: diverse Games wie etwa ein Action-RPG aus dem Hause Cyanide (Game of Thrones, 2012), ein Adventure von Telltale Games (Game of Thrones: A Telltale Games Series, 2014) oder das schäbige Browser-PtW-Game von Yoozoo (Game of Thrones: Winter is Coming, 2019)

34. CSI: Vegas (2000–2015, Krimi)

© LEONINE

Worum es geht: Auch in der schillernden Glücksspielmetropole Las Vegas geschieht der eine oder andere Mord. Anstatt aber wie in Krimi-Serien üblich die Ermittlungen ein bis zwei Detektiven zu überlassen, werden die Verbrechen hier hauptsächlich durch gewissenhafte Spurensicherung am Tatort, wissenschaftliche Methoden und von einem umfangreichen Team an spezialisierten Kriminaltechnikern aufgeklärt: dem CSI (Crime Scene Investigation).

Sollte man deshalb kennen: Krimis, das waren, bis CSI: Vegas (bzw. CSI: Den Tätern auf der Spur) kam, hauptsächlich die sorgenschweren Genie-Detektive der Marke Sherlock, die mit ihrem übermenschlichen Auge fürs Detail den Mord eigentlich schon nach drei Sekunden gelöst haben (und Zuschauer-Avatare des Typus Watson das Ganze dann noch durchkonjugieren lassen). Oder aber harte, wortwörtlich schlagfertige Kerle, die durch die Gegend fahren und Verdächtige vernehmen. CSI: Vegas legt den Fokus dagegen auf die in Krimis bis dahin weniger vordergründige Arbeit der forensischen Spurensicherung und wie die daraus gewonnenen Erkenntnisse mit sorgfältiger Aufarbeitung letztlich zur Aufklärung führen. Klingt trocken (ist es in der Realität wohl auch), aber mit einem Team an sympathischen Wissenschafts-Nerds, einer stylischen Inszenierung, dem (vielleicht etwas zu) großzügigen Einsatz von musikalischen Collagen und ausgefallenen Tathergängen und Themenschwerpunkten traf die Serie einen Nerv. CSI: Vegas wurde damit eine der am längsten laufenden und weltweit am meisten geschauten Serien aller Zeiten und prägte eine ganze TV-Ära mit zahlreichen Spin-Offs und nacheifernden Trittbrettfahrern. Der „sciency stuff“ ist dadurch heutzutage aus Krimis kaum mehr wegzudenken.

Umfang: 15 Staffeln mit insgesamt 337 Episoden zu je knapp 45 Minuten.

Das gibt es noch: Zu viel, um alles nennen zu können. Hervorzuheben sind das erste Spin-Off, CSI: Miami, in dem man Hauptfigur Horatio Caine im sonnigen Miami 10 Jahre lang beim Auf- und Absetzen seiner Sonnenbrille und dem Formulieren makabrer One-Liner bewundern darf. Das zweite Spin-Off CSI: New York, das, nun ja, in New York spielt, bringt es immerhin noch auf neun Staffeln. Spin-Off Nummer drei, CSI: Cyber, das sich auf Cyberkriminalität spezialisiert, musste hingegen nach lediglich zwei Staffeln schon die Segel streichen. Dazu gibt es zu CSI: Vegas diverse Romane und Videospiele sowie eine Fortsetzung im Mini-Serien-Format aus dem Jahr 2021.

35. Emergency Room (1994–2009, Drama)

© Warner Bros.

Worum es geht: Die Notaufnahme des Chicagoer Bezirkskrankenhaus County General Hospital ist täglich im turbulenten Betrieb. In ihr kämpft das Klinikpersonal tagtäglich um das Leben ihrer Patienten, sodass es nicht einfach ist, den Job mit dem Privatleben zu vereinbaren. Einer von ihnen ist Dr. Mark Greene, der in seinem Beruf aufgeht, privat jedoch Eheprobleme mit seiner als Anwältin arbeitenden Frau hat und oft daran scheitert, seinen zeitintensiven Beruf und seine Rolle als Vater für die kleine Rachel zu erfüllen. Auch der junge Medizinstudent John Carter kommt neu an das County General Hospital, wobei er unter Leitung von Peter Benton zunächst die Fachrichtung Chirurgie besser kennenlernen wird.

Sollte man deshalb kennen: Als eine der erfolgreichsten und wichtigsten Fernsehserien aller Zeiten ist ER ein bedeutender Meilenstein. Ein Medical Drama, das Geschichte schrieb und quasi Ur-Vater aller moderner Serien dieses Genres ist. Die Serie machte aber auch die Erzählweise, mehrere Handlungsstränge auf einmal zu verfolgen anstatt diese episodenhaft abzuarbeiten salonfähig und ist damit Wegbereiter der modernen Dramaturgie. Wichtig ist auch, dass die Idee hinter ER auf den tatsächlichen Problemen der amerikanischen Notaufnahmen, insbesondere deren Überbelastung, basiert. Aus diesem Grund wurde sich bei der Serie besonders um Authentizität bei der Ausstattung und den medizinischen Fällen bemüht, weswegen nichts beschönigt wird. Die Mischung aus Realismus, Drama und manchmal durchaus auch Humor sorgt dabei dafür, dass die Serie trotz der hohen Episodenzahl nie langweilig wird. Das ist vor allem dem vielseitigen, diversen und großen Figurenensemble zu verdanken, das über die 15 Staffeln ganz unterschiedliche Charaktere in den Fokus rückt und diesen ausreichend Raum zur Entfaltung gibt. Die Balance zwischen medizinischem Arbeitsalltag und privaten Angelegenheiten gestaltet sich sehr angenehm. Mit politisch-gesellschaftskritischen und zeitlosen Themen trifft die Serie außerdem einen Nerv und scheut sich nicht, Missstände darzustellen. 

Umfang: 15 Staffeln mit insgesamt 331 Folgen zu je 45 Minuten.

Das gibt es noch: Neben einer Soundtrack-CD und kleinen Extras auf der DVD-Veröffentlichung erschien für Fans lediglich Begleitmaterial wie etwa 2003 ER: The Unofficial Guide, das Figuren, Hintergründe und Episoden der ersten acht Staffeln kompakt darstellt. In deutscher Sprache erschien in den 90er-Jahren bereits ein ähnliches, allerdings sehr kurzgefasstes Büchlein namens “ER: Emergency Room. Stories, Fakten, Hintergründe”.

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