Das Serien-Grundwissen (Teil 11)

Hier gibt es etwas mitzuenehmen: In unserer Reihe “Das Serien-Grundwissen” vermitteln wir kompaktes Wissen zu 70 Serien, die man entweder kennen oder zumindest schon einmal von ihnen gehört haben sollte – und auch weshalb. Natürlich gilt: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist keine ultimative Liste, aber ein Wegweiser durch den immer dichter werdenden Serien-Dschungel.

51. Mit Schirm, Charme und Melone (Krimi, Action, 1961–1969/1976–1977)

© Warner Bros. Television

Worum es geht:  Ursprünglich ging es mal um zwei Männer, die Rache nehmen. Daher auch der Originaltitel The Avengers. Doch schon in der zweiten Staffel fiel das Rachemotiv unter den Tisch und statt zwei Kerlen im Geheimdienst ihrer Majestät übernahm ein gemischtes Duo: John Steed (Patrick MacNee), der Gentleman mit Regenschirm und Melone und von Staffel zu Staffel wechselnde Agentinnen an seiner Seite, von denen Emma Peel (Diana Rigg), die Frau mit den schwarz-weißen Sixties-Outfits und den Karate-Kicks am besten in Erinnerung geblieben ist. Gemeinsam schützen sie die Welt vor Bedrohungen der eher phantasievollen Art: genialen Superschurken, teuflischen Geheimorganisationen, Höllenmaschinen oder Außerirdischen.

Sollte man deshalb kennen: Sixties-Stimmung pur. Die Musik. Die Kostüme. Die Dialoge. Dazu britischer Humor, Sinn für Skurrilität, eine starke Frau in coolen Outfits und ein Agenten-Duo, das sich elegant die Bälle zuspielt, dass die Luft nur so knistert, aber ohne dass es je zu einer Romanze kommt. Wer es ganz genau wissen will, wühlt sich durch alle Staffeln um zu sehen, wie das Konzept unterschiedlich umgesetzt wird, wenn eine neue Darstellerin eine andere Atmosphäre mitbringt. Und stellt vermutlich fest, dass die Staffeln mit Emma Peel die charmantesten sind.

Umfang: 6 Staffeln mit 161 Folgen.
In Staffel 1 agiert John Steed noch neben einem Agenten namens Dr. David Keel. Ab Staffel 2 hat er Frauen an seiner Seite: erst Venus Smith (Julie Stevens), dann Cathy Gale (Honor Blackman). In Staffel 4 und 5 ist Emma Peel (Diana Rigg) seine Partnerin und in Staffel 6 übernimmt Tara King (Linda Thorson).

Das gibt es noch: Die Nachfolgeserie The New Avengers brachte es 1976–1977 auf zwei Staffeln mit je 13 Folgen.
Die Verfilmung von 1998 mit Ralph Fiennes und Uma Thurman setzte auf Retro-Charme, konnte bei den Fans allerdings keinen Blumentopf gewinnen.

52. South Park (animierte Komödie, 1997–)

© Comedy Central Germany

Worum es geht:  Vordergründig geht es um nichts weiter als eine Gruppe Kinder im Grundschulalter. Stan, Kyle, Kenny, Butters und Cartman sind vielleicht acht oder zehn Jahre alt und wursteln sich durch den Schulalltag in dem kleinen Städtchen South Park in Colorado. Zwei sind pfiffig, einer ist schüchtern und naiv, einer ist fett und fies und einer… stirbt in jeder Folge, um in der nächsten wieder mit dabei zu sein. Öhm… schon ein recht spezieller Humor. Um diese schlicht konzipierten Charaktere hat sich in hunderten von Folgen ein ganzer Mikrokosmos von Figuren gruppiert. Und so ziemlich jedes gesellschaftlich-kulturelle Thema der letzten 25 Jahre tauchte irgendwann auch mal bissig-satirisch beleuchtet bei South Park auf.

Sollte man deshalb kennen: Sehr reduzierte Animation, makabre Scherze, aggressive Gesellschaftssatire und der Kunstgriff, aktuelle Themen durch die Augen von frühreifen Grundschülern zu betrachten, machen den ganz besonderen South Park-Humor aus. Nein, das ist keine Kindersendung, auch wenn die Hauptfiguren Kinder sind. Eher etwas für ein Publikum, das alt genug ist, um die Geschehnisse in den USA im Blick haben und das unverblümte, treffsichere Polit-Comedy zu schätzen weiß. South Park packt jede Menge heiße Eisen an und setzt sich immer wieder in die Nesseln, vergrätzt Politiker, Minderheiten, Scientologen, Muslime oder ganz China. South Park: Der Film schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde als der Animationsfilm mit den meisten unanständigen Wörtern, etwa 146 Mal “Fuck” und 79 Mal “Shit”. In ein paar Jahrzehnten wird South Park ein historisches Dokument über die USA seit den späten 90ern sein.

Umfang: seit 1997 bisher 24 Staffeln mit insgesamt 311 Folgen zu je 22 Minuten. Staffel 25 läuft seit Februar 2022 und bis zum Jahr 2027 sind Staffel 26 bis 30 in Planung.

Das gibt es noch: South Park: Der Film – größer, länger, ungeschnitten (1999) Fantasieland (2007). Dahinter verbergen sich drei Episoden aus Staffel 11, die zu einem 68 Minuten langen Film zusammengefasst wurden. Das Theaterstück Süd Park des Regisseurs und Autors Malte C. Lachmann hatte 2013 in Hannover Premiere. Zwischen 1997 und 2017 entstanden sechs Videospiele, die auf South Park basieren.

53. The Good Place (Komödie, 2016–2020)

© justbridge Entertainment

Worum es geht:  Die großen Weltreligionen haben das Leben nach dem Tod zumindest teilweise richtig erahnt, wenn auch nur zu ungefähr fünf Prozent. Es ist im Grunde so: Es gibt den Guten Ort und den Schlechten Ort. Während des weltlichen Daseins wird jede Handlung erfasst und mit Punkten entweder positiv oder negativ bewertet. Erreichen diese Handlungen einen sehr guten positiven Wert, indem man seinen Mitmenschen selbstlos geholfen und ihnen nicht aus Eigennutz geschadet hat, kommt man in den Guten Ort, wo man in einer perfekt zusammengestellten Nachbarschaft mit seinem Seelenverwandten vereint wird und eine Ewigkeit erfüllten Glückes verbringen kann. Der schlechte Ort ist… na ja, weniger schön. So die Erklärung des Nachbarschaftsarchitekten Michael für die frisch verstorbene Eleanor. Eleanor Shellstrop (Kristen Bell) ist so eine Person, die es in den Guten Ort geschafft hat, indem sie Unschuldige vor der Todesstrafe bewahrt und sich an Menschenrechtseinsätzen in der Ukraine beteiligt hat. Eleanors Problem ist leider, dass zwar der Name stimmt, aber sonst absolut nichts, denn sie ist eher wenig rücksichtsvoll mit ihren Mitmenschen umgegangen. Jemand muss also wohl einen riesigen Fehler begangen haben. Sie war allerdings auch keine schlechte Person, eher mittelmäßig, aber deswegen eine qualvolle Ewigkeit im Schlechten Ort zu verbringen scheint furchtbar unfair. Gut, dass ihr Seelenpartner Chidi (William Jackson Harper) Professor für Moralphilosophie war und ihr beibringen kann, ein Mensch zu werden, der gut genug für den Guten Ort ist. Bis dahin macht Eleanor halt das, was sie auch schon auf Erden gemacht hat: sich mit möglichst wenig Aufwand und Rücksicht durchmogeln und gute Miene zu all den nervigen Gutmenschen um sie herum machen.

Sollte man deshalb kennen: The Good Place mag nicht die bekannteste Serie sein, ist allerdings ein “Hidden Gem”, wenn es um Serien geht, die Ethik und Philosophie auf eine kreative Weise verbinden, ohne dass das Ergebnis schwer wiegt. Das ist den Charakteren zu verdanken, die klassische Antihelden sind und Zynismus zu positiven Botschaften verpacken. Auf eine ganz besondere Weise gelingt es The Good Place dadurch, selbstbewusst zu sein ohne sich zu ernst zu nehmen. Dickes Plus: Das wahnwitzig-kreative Worldbuilding, in dem Schimpfwörter automatisch beschönigt werden. Kein Wunder, dass die Serie in etlichen Kritikerlisten mitspielt und für 14 Emmys nominiert wurde.

Umfang: 4 Staffeln mit 53 Episoden à 22 Minuten

Das gibt es noch: 2019 wurde die sechsteilige Webserie The Selection auf YouTube veröffentlicht. Inhaltlich spielt die Serie während einer Folge der dritten Staffel.

54. Rom (historisches Drama, 2005–2007)

© Warner Bros.

Worum es geht: Wir schreiben das Jahr 52 vor Christus. Vierhundert Jahre sind seit der Gründung der Republik Rom vergangen. Die wohlhabendste Stadt der Welt ist eine kosmopolitische Metropole mit einer Million Einwohnern und das Zentrum eines gewaltigen Reiches. Gegründet wurde die Republik auf den Prinzipien der Gewaltenteilung und dem ehrgeizigen Wettbewerb ihrer Bürger untereinander: Niemals sollte ein Mann allein die absolute Macht übernehmen. Doch dieses Fundament bröckelt inzwischen – es ist morsch geworden durch Korruption und Maßlosigkeit. Nach acht Kriegsjahren werden die beiden Soldaten Lucius Vorenus (Kevin McKidd) und Titus Pullo (Ray Stevenson) unversehens in die historischen Ereignisse im antiken Rom hineingezogen.

Sollte man deshalb kennen: Schon vor dem Siegeszug von Game of Thrones sorgte eine Serie mit antikem Schauplatz für Furore. Rom war dabei ganz im Dienste der realitätsgetreuen Darstellung unterwegs und verharmloste ganz im Sinne aller Fans von Authentizität auch nicht die damals an den Tag gelegte Brutalität. Eine der Episoden erhielt hierzulande für ihre TV-Ausstrahlung keine Jugendfreigabe. Einem Geschichtsbuch kommt die Serie deshalb natürlich trotzdem nicht gleich, jedoch liegt sie noch immer näher an den Geschehnissen als ein Großteil anderer Produktionen. Bis heute handelt es sich um eine der teuersten Produktionen überhaupt. Bis zu 9 Mio. US-Dollar kostete die Herstellung einer Folge der BBC-HBO-RAI-Koproduktion. 

Umfang: 2 Staffeln mit 22 Episoden à 50 Minuten

Das gibt es noch:  Unstimmigkeiten zwischen den produzierenden Sendern sorgten lange für Ungewissheit. HBO wollte sie nach einer Staffel einstellen, weshalb die zweite Staffel kürzer ausfiel. Nachdem die Darsteller entlassen und die ersten Sets abgebaut wurden, zerstörte ein Brand 2007 einige Rest-Sets, womit alles Weitere ausgeschlossen wurde. Ein Film kam nie in Frage.

55. Stranger Things (Science-Fiction, Mystery, 2016–)

© Netflix

Worum es geht: Hawkins, Indiana im November 1983. Die vier Freunde Mike Wheeler (Finn Wolfhard), Will Byers (Noah Schnapp), Lucas Sinclair (Caleb McLaughlin) und Dustin Henderson (Gaten Matarazzo) sind mal wieder mit einer Runde „Dungeons & Dragons“ beschäftigt, wo ihre Rollenspielgruppe von einem Monster vernichtend geschlagen wird. Während das nur ein Spiel ist, trifft Will auf dem Nachhauseweg auf ein echtes Monster und verschwindet spurlos. Seine Mutter Joyce (Winona Ryder) wendet sich sofort an Sheriff Jim Hopper (David Harbour), der die Sache zunächst nicht ganz so ernst nimmt. Die Jungs versuchen auf eigene Faust etwas herauszufinden und treffen dabei auf ein merkwürdiges Mädchen (Millie Bobby Brown). Es spricht kaum, bekommt den Namen Elfi  – da sie die Nummer Elf als Tätowierung trägt, im O-Ton daher Eleven – und hat übersinnliche Begabungen. Elfi ist in einem Forschungszentrum des Energieministeriums großgezogen worden, wo geheime Experimente stattfinden, von denen die Bevölkerung besser nichts wissen sollte.

Sollte man deshalb kennen:   Vor allem sollte Stranger Things aufgrund seiner Popularität in Verbindung mit dem Streamingdienst Netflix bekannt sein, dem sie seit 2016 als Aushängeschild dient und seither jegliche Abrufrekorde brach. Dementsprechend hoch sind die Budgets gehalten, die eine immer längere Laufzeit der Episoden ermöglichten. Auf inhaltlicher Ebene rühmt sich die Serie vor allem mit zahlreichen Referenzen auf andere Produktionen, die in den 70ern und 80ern spielen wie etwa Die Goonies, E.T., Alien, Stand by Me, Poltergeist, Joey, Shining, Unheimliche Begegnung der dritten Art, Zurück in die Zukunft, oder Super 8. Damit gilt Stranger Things als Mitauslöser eines großen 80’s-Revival und inspirierte zahlreiche andere Produktionen.

Umfang: 4+ Staffeln mit 34+ Episoden mit 42–150 Minuten

Das gibt es noch:  Mit der zweiten Staffel erschien auf Netflix eine Talkshow (Beyond Stranger Things) mit sieben Episoden, die sich der Produktion und ihren Hintergründen widmen. 2017 wurde das Mobile Game Stranger Things: The Game veröffentlicht, Zur Veröffentlichung der dritten Staffel erschien Stranger Things 3: The Game, diesmal auch für den PC und die gängigen Konsolen. 2018 erschien Stranger Things: Das offizielle Begleitbuch mit Hintergründen und Verweisen auf inspirierende Werke. 2019 erschien Stranger Things: Suspicious Minds. Der Roman liefert als erste von mehreren Vorgeschichten Einblicke in Ereignisse, die sich vor der Handlung der Serie zugetragen haben. Hier geht es darum, wie Janes Mutter Terry Ives von Dr. Brenner 1969 für seine Forschung rekrutiert wurde. 2019 erschien ein Stranger Things-Kapitel in dem Survival-Horror-Game Dead by Daylight mit den spielbaren Figuren Nancy, Steve, Jonathan und Demorgogon.  

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