10 Vorschläge für Fans von Dune

Seit seinem Erscheinen 1966 gilt Der Wüstenplanet als einer der besten Science-Fiction-Romane aller Zeiten und genießt Kultstatus. Es wurde mehrmals versucht, den Stoff von Dune auf die Kinoleinwand zu bringen oder für das Fernsehen zu adaptieren, was erst 1984 gelang. Später erklärte Regisseur David Lynch, dass Dune nicht der Film sei, den er gedreht hätte, wenn er volle Kontrolle gehabt hätte. Von der 180-minütigen Fernsehversion, in die das meiste des ursprünglichen Materials wieder integriert wurde, hat sich Lynch distanziert, weswegen das Pseudonym Alan Smithee genutzt wurde. Mit seiner Interpretation von Dune sollte Visionär Denis Villeneuve nun die bislang beeindruckendste Bewegtbild-Produktion des Stoffes erschaffen. Kritik und Erfolg geben ihm Recht. Für alle, die mehr möchten, haben wir zehn Vorschläge. Ob zur Überbrückung zwischen den Filmen oder danach: Aufgrund der Popularität der Vorlage existieren zuhauf ähnliche Titel und Stoffe. Dass David Lynchs Version natürlich einen Blick Wert ist, führen wir an der Stelle nicht extra aus.

 

© Splitter Verlag

Dune: Die Graphic Novel (Comic, USA, 2020)

Mit dem Anspruch, Frank Herberts Epos um die Wüstenwelt Dune originalgetreu wiedergeben zu wollen, sind Brian Herbert und Kevin J. Anderson zu Werke gegangen. Wie schon der Roman macht es die Graphic Novel nicht leicht, in die Geschichte einzusteigen. Begriffe wie Bene Gesserit, Mentat oder Fremen ergeben sich ebenso wie politische und gesellschaftliche Gegebenheiten erst aus dem Kontext heraus, wobei in der Graphic Novel das praktische Glossar fehlt. Die dargestellten Szenen reihen sich wie bunte Perlen auf einer Schnur nacheinander auf und führen geradlinig durch die Geschichte, wobei die Schauplätze sich nahtlos abwechseln. Steht im ersten Moment noch die Ehrwürdige Mutter Mohiam im Mittelpunkt, so befasst sich das nächste Szenario mit Baron Vladimir Harkonnen, um dann zu Leto und Jessica zu springen. In ihrer Gesamtheit ergeben sie genau das Bild, welches Frank Herbert mit Worten gezeichnet hat, ohne Signifikantes auszulassen, und lassen genügend Fragen, Unklarheiten und Andeutungen im Raum, um auf den nächsten Band gespannt sein zu dürfen.

 

© Sony

Jodorowsky’s Dune (Dokumentarfilm, Frankreich/USA, 2013)

Ein Film über einen Film, der nie gedreht wurde. Frank Herberts Romanzyklus um den Wüstenplaneten Arrakis galt jahrzehntelang als eine verdammt harte Nuss für Filmemacher, ein Projekt an dem man nur scheitern kann. Jodorowsky’s Dune schildert ein besonders heroisches Scheitern. Mitte der 70er Jahre beschließt der chilenische Filmemacher Alejandro Jodorowsky Frank Herberts Dune zu verfilmen. Bisher hat er absurdes Theater und einen avantgardistisch-surrealistischen Film gemacht, jetzt will er den ultimativen Science Fiction-Film drehen. Er hat durchaus einen Blick für surreale Bilder und ein Händchen dafür, große Namen für sein Projekt zu gewinnen: Mick Jagger, Salvador Dali, Amanda Lear und Orson Welles sollen Rollen übernehmen, Pink Floyd den Soundtrack beisteuern, H.R. Giger die Ausstattung übernehmen. Aber wie Hollywood tickt, dafür fehlt ihm das Gespür. Obwohl er und seine Mitstreiter zwei Jahre lang Herzblut in das Projekt investieren und ihr Vorhaben in einem gewichtigen Bildband, den sie potentiellen Geldgebern zukommen lassen, bis ins kleinste Detail schildern, findet sich kein Studio, das sich an das Megaprojekt herantraut. Tief enttäuscht macht Jodorowsky viele Jahre keine Filme mehr und widmet sich seinen vielen anderen Talenten, etwa als Comic-Autor im Team mit dem Zeichner Jean Giraud alias Moebius. Aber dank des umfangreichen Bildmaterials schafft es Jodorowsky’s Dune einen Eindruck zu vermitteln, wie dieser ungedrehte Film hätte sein können und wo sich später Kollegen aus der Sci-Fi-Branche bei Jodorowskys Bilderwelt bedient haben. Wünscht man sich, Jodorowsky hätte sein Projekt auf die Leinwand bringen können? Irgendwie schon, angesichts der schrägen Raumschiffe, der opulenten Kostüme und der Begeisterung der Beteiligten. Aber angesichts des unsäglichen Hippie-Kitsch-Endes, das er der Vorlage übergebügelt hätte, dann doch eher nicht.

 

© Apple TV+

Foundation (Serie, USA, 2021–)

Eine weitere Literaturverfilmung eines Sci-Fi-Klassikers: Isaac Asimovs Foundation-Zyklus. Die Serie erzählt von einer Gruppe Exilanten, die sich dem langsamen Untergang des herrschenden Imperiums gegenübersieht und versucht, die Menschheit durch die Gründung einer neuen interstellaren Zivilisation, genannt »die Foundation«, zu retten. Ein mächtiges und Jahrhunderte umspannendes Ausgangsmaterial, bei dem man erst noch sehen muss, ob die TV-Adaption von Apple den Gehalt stemmen werden kann. Ähnlich wie Dune bietet auch The Foundation eine neue epische Welt mit neuen interessanten Konzepten (Stichwort »Psychohistorik«) sowie kriegerische Dynastien, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen.

 

© Sony Pictures

Lawrence von Arabien (Film, Großbritannien, 1962)

Die bemerkenswerte Sandlandschaft Dunes führt zurück auf die nicht nur für ihre Zeit beeindruckenden Aufnahmen von Lawrence von Arabien, welches seinerzeit mit sieben Oscars ausgezeichnet wurde. Aber es geht natürlich nicht nur um Sand. Sowohl Paul als auch Lawrence werden als Protagonisten eingeführt, die von adeliger Herkunft sind und werden unfreiwillig in eine neue Kultur hineingezogen, welche an die besonderen Bedingungen ihrer Umgebung anknüpfen. Beide Figuren handeln unter dem Druck zweier gegensätzlicher Strömungen. Die Politik hinter Lawrence von Arabien ist jener von Dune ähnlich, auch wenn näher am Roman als an Denis Villeneuves Film. Ein Blick auf diesen Klassiker lohnt sich. Übrigens: Auch Prometheus, welches ebenfalls Teil dieser List ist, referenziert an vielen Stellen Lawrence von Arabien.

 

© Warner

Raised by Wolves (Serie, USA, 2020–)

Nachdem die Erde aufgrund eines großen religiösen Krieges unbewohnbar geworden ist, brechen die letzten Überlebenden der religiös-fanatischen Mithraiker zum Planeten Keppler-22b auf, um dort ein neues Zuhause zu finden. Auch die Atheisten schicken ein kleines Schiff gen Keppler-22b los, allerdings mit zwei Androiden an Bord, genannt »Mutter« und »Vater«. Sie sollen auf dem Wüstenplaneten eine friedliche und gottlose Kolonie von Retortenkindern aufziehen. Dass die beiden verfeindeten Lager irgendwann aufeinander treffen, ist unabdingbar und bald schon droht die unter widrigsten Umständen aufgezogene Menschenkolonie der Androiden aufgrund religiöser Unterschiede auseinanderzubrechen. Zusammengefasst gibt’s in Raised by Wolves also einen Wüstenplaneten, religiöse Kulte und eine moralische Geschichte, die komplex genug ist, um nicht genau zu wissen, auf welche Seite man sich schlagen soll. In Sachen Schauwerten kommt die Serie aber nicht an Dune heran.

 

© Sony Pictures

Arrival (Film, USA, 2016)

Denis Villeneuve erweckte 2021 Dune erneut zum Leben. Seine Handschrift ist es, die euch noch weiter interessiert? Dann werft einen Blick in das etwas andere „Alien-Erscheinen-auf-Erde-Szenario“. Doch zuerst: Was haben ein Streit mit dem Nachbarn, ein langes Telefonat mit der besten Freundin und ein Vorlesung des Lieblingsautors gemeinsam? Genau, sie funktionieren nur gut, weil es eine gemeinsame Sprache gibt. Doch was passiert wenn eine Lebensform auf der Erde landet, sich nicht ausdrücken kann und nun das große Rätselraten beginnt, was die Fremden wohl wollen. Die Linguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams) geht dieser Sache nach und lernt dabei viel mehr, als nur eine weitere Sprache. Arrival, so der Titel des Films, ist eine klug, sowie ruhig erzählte Geschichte bei der von Anfang an jede Kameraeinstellung, jedes Szene und jeder Ton sich am Ende zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügt. So wie es bei Dune eben auch der Fall ist. Es geht um Sprache, aber auch um so viel mehr, denn das Leben geht oft ganz überraschende Wege. Amy Adams und die anderen wenigen Schauspielenden zu begleiten ist spannend, aufwühlend und am Ende lässt es uns nachdenklich zurück. Ein besonderes Filmerlebnis erwartet einen hier.

 

© 20th Century Fox Home Entertainment

Prometheus – Dunkle Zeichen (Film, USA, 2012)

Prometheus – Dunkle Zeichen ist Teil von Ridley Scotts Alien-Filmreihe. Ende des 21. Jahrhunderts macht sich eine Forschungsgruppe mit ihrem Schiff Prometheus auf zu fernen Planeten, um dort den Ursprüngen des menschlichen Lebens auf den Grund zu gehen. Freilich müssen die Forscher*innen bald schon um ihr Leben kämpfen. Mit dabei: Noomi Rapace als Elizabeth Shaw und Michael Fassbender als David. Drehbuchautor ist John Spaihts, der auch bei Villeneuves Dune mitgewirkt hat. In Sachen Architektur und Alien-Design ließ sich Ridley Scott stark von HR Ginger inspirieren, der seinerzeit für das in den 70ern fehlgeschlagene Dune-Projekt von Alejandro Jodorowsky die Designs beisteuerte. Davon überlebt haben einzig die Harkonnen-Möbel (Nachbildungen davon sind übrigens für 30.000$ bis 50.000$ zu erwerben). Im Jahre 2017 erhielt Prometheus eine Fortsetzung: Alien: Covenant.

 

© Heyne

Schwarzschwinge (Band 1): Im Zeichen des Raben (Roman, USA, 2017)

Nach Dune habe ihr immer noch Lust auf ein Abenteuer mit ganz viel Sand? Dann ab in die Staatstaaten von Dortmark, oder besser gesagt an den Rand des Reiches und in die Nähe des Elends. An den Ort, an dem die letzte große Schlacht gegen die Armeen der Dunklen Könige stattfand und an dem die Namenlosen eine Waffen einsetzten, die den Ort zu einer vergifteten Wüste umwandelte. Das zurückgedrängte, aber nicht besiegte Böse sammelt seit damals seine Kräfte. Immerhin das Gute schläft nicht. Wobei Ryhalt Galharrow, alter Hauptmann und Untergebener des Magiers Krähfuß, alles andere als der nette Retter der Welt ist. Von Folter hat er Ahnung, vom Kämpfen genauso und das sogar sehr gut, nur mit dem Alkohol übertreibt er es gerne. Ein Befehl seines Meisters treibt ihn mittenhinein in ein gigantisches Komplott. Seine Aufgabe, die Adlige Ezabeth beschützen. Tja, zum Glück kann die sich genauso wie unser Paul zur Wehr setzen, denn sie ist eine Lichtspinnerin – also eine Magierin, die mit Licht kämpft. Trotzdem: Wenn alle möglichen hohen Tiere hier ihre eigenen Pläne haben, braucht es Gefährten. Der Auftaktroman Im Zeichen des Raben des Briten Ed McDonald überrascht mit einer ausgebauten Welt, lebhaften Figuren und einigen tollen Handlungswendungen. Zwar gibt es keine futurischen Elemente, dafür weben die Magier hier Licht in Kartuschen für Waffen. Steampunk-Fans aufgepasst! Und was das Elend angeht: Es ist faszinierend und gefährlich. Also wie die Wüste von Arrakis!

 

© LEONINE

Nausicaä aus dem Tal der Winde (Anime-Film, Japan, 1984)

In gewissen Fachkreisen gilt Nausicaä aus dem Tal der Winde als japanische Antwort auf Frank Herberts Dune. Das ist auf den ersten Blick weit hergeholt, denn weder handelt es sich bei dem Studio Ghibli-Film um eine Adaption, noch teilen beide Werke einen Plot. Dennoch ergeben sich beim näheren Hinsehen Parallelen, die sich weniger vom Look, als viel mehr vom Feel ziehen lassen. Beide Titel handeln von einer postapokalyptischen Wildnis, in der das Ökosystem gerettet werden muss. Das geschieht durch eine Figur, deren Rolle einem Messias ähnlich ist. Die hintergründige Ökokritik drängt sich in keinem der Filme auf, sondern bleibt Subtext. Natürlich ist Nausicaä aus dem Tal der Winde weniger dramatisch als die Hollywood-Produktion, aber nicht minder empfehlenswert. Der Film besticht mit seiner Retro-Schönheit und düsteren Epik.

 

© Nipponart

Planet of the Beast King – Jyu-Oh-Sei (Anime-Serie, Japan, 2006)

Die Zwillinge Thor und Rei müssen mit ansehen, wie ihre Eltern vor ihren Augen ermordet werden. Doch anstatt, dass sie das gleiche Schicksal erleiden, werden sie in ein Raumschiff gesetzt und auf dem Planeten Chimera verbannt. Gefährliche Monster warten schon auf sie und Thor muss hilflos zusehen, wie sein Bruder ebenfalls den Tod findet. Zum Glück nimmt ihn einer der dort lebenden Stämme auf, nachdem er sich seinen Platz erkämpfte. Mit der Zeit lernt er den Planeten, die Flora und Fauna und die Leute besser kennen, doch sein Ziel ist den Planeten zu verlassen und Rache für die Ermordung seiner Familie zu nehmen. Das kann er jedoch nur, wenn er zum König der Bestien wird. Das bedeutet er muss bei einem Kampf unter den rivalisierenden Stämmen als Sieger herausgehen. Nur warum wurde er überhaupt auf dem Planeten ausgesetzt? Da gibt es aber einige Überschneidungen mit Dune, angefangen bei einem ähnlichen Schicksal von Thor und Paul, was die Familie angeht, und einem unbekannten Planeten voller Gefahren, unterschiedlicher Stämme mit ihren Bräuchen und dem harten Weg des Lebens. Dabei erzählt Planet of the Beast King – Jyu-Oh-Sei vor allem eine komplexe, kompakte SF-Geschichte, die mit ein paar unerwarteten Überraschungen um die Ecke kommt und trotz der Jahre auf dem Buckel auch noch immer fantastisch aussieht.

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