Obi-Wan Kenobi (Folge 1×03)

Mit Episode 3 von Obi-Wan Kenobi feiert die Serie ihr Bergfest und hat dabei ein ganz besonderes Schmankerl in petto: das lang ersehnte Aufeinandertreffen von Obi-Wan Kenobi und Darth Vader.

Inhaltsangabe

Leia und Obi-Wan treffen auf dem Planeten Mapuzo ein, einem vom Imperium überwachten Bergbauplaneten. Ein dahergefahrener Minenarbeiter nimmt die beiden mit, lädt sie jedoch beim nächsten imperialen Außenposten ab. Es kommt zum Kampf. Eine imperiale Offizierin namens Tala Durith entpuppt sich als Rebellin und rettet die Situation. Sie bringt Obi-Wan und Leia in einer versteckten Unterkunft im nächsten Ort in Sicherheit. 

Doch die Info über Obi-Wans Aufenthalt auf Mapuzo wurde bereits abgesendet; die Inquisitoren machen sich auf den Weg und buhlen dabei um die Liebe von Darth Vader. Der Fünfte Bruder macht klar, dass ihm der Rang des Großinquisitors zusteht. Reva sieht das aber nicht so. Dass sie es war, die den Großinquisitor umgebracht hat, weiß niemand. Offiziell gilt Obi-Wan als sein Mörder. 

Die imperiale Rebellin Tala bereitet alles für die Flucht vor und schickt sich an, Obi-Wan und Leia durch einen versteckten Tunnel zu einem Hangar zu schicken, in dem ein Pilot auf sie wartet. Doch plötzlich treffen die Inquisitoren ein, angeführt von Darth Vader, der erbarmungslos durch den Ort geht und willkürlich Zivilisten umbringt. Obi-Wan schickt Tala und Leia durch den Tunnel vor während er selbst als Ablenkung zurück bleibt. Es kommt zum Showdown Vader vs. Obi-Wan, doch der alte Jedi-Meister wird von seiner Furcht übermannt und flieht. Leia überzeugt indes Tala, dass sie alleine zurecht käme und Tala zurück gehen müsse, um Obi-Wan zu retten. 

Diesem bleibt mittlerweile nichts anderes übrig als sein Lichtschwert zu ziehen. Beim Gefecht mit Vader unterliegt Obi-Wan in so ziemlich allen Belangen. Schließlich packt Vader ihn per Machtgriff und zieht ihn in eine brennende Feuerlache, um seinem alten Mentor dieselben Qualen zu verpassen wir er sie damals auf Mustafa durchleiden musste. Tala kommt zur Rettung, schießt aus der Ferne ein paar Strumtruppler aus dem Weg und vergrößert zur Ablenkung das Feuer, damit ein Lagerdroide Obi-Wan aus der heiklen Zone holen und in Sicherheit bringen kann. 

Unterdessen ist Leia im Hangar angekommen. Doch der Pilot ist tot. An seiner Stelle wartet Reva auf sie.

»Ich bin … leider nicht dein Vater.«

Das ungleiche Paar trifft also auf Mapuzo ein und muss feststellen, dass an den vorgegebenen Koordinaten keiner zugegen ist, der sie abholt. Hier zeigt sich der Kontrast zwischen Leias und Obi-Wans Grundeinstellung: Leia ist voller Hoffnung und geht trotz Enttäuschung aktiv voran, wohingegen Obi-Wan sich lediglich in seinem Misstrauen bestätigt sieht. Um nicht weiter aufzufallen, tischen sie den Sturmtrupplern eine Geschichte von »Vater und Tochter« auf (was für einiges an Anspannung sorgt). In diesem Zusammenhang ist es geradezu herzerwärmend wenn Obi-Wan anmerkt, dass er wünschte, es wäre wahr. Da war Anakins Eifersucht/Misstrauen gegenüber Obi-Wan in Episode III wohl doch berechtigt, wa?

Quinlan Vos am Start

Mit Tala Durith betritt eine Figur die Szenerie, die vermutlich großen Einfluss auf Obi-Wans Innenleben haben wird. Als sie ihm die versteckte Unterkunft zeigt mit all den Insignien überlebender Jedi, die hier durchgegangen sind, da leuchten Obi-Wans Augen das erste Mal seit langer Zeit wieder auf. Vor allem, als der Name Quinlan Vos fällt. Der Jedi mit den Dreadlocks (bekannt aus den Comics und The Clone Wars) hat also die Order 66 überlebt und hilft nun anderen Jedi beim Untertauchen. Vielleicht bedeutet das Namedropping, dass Quinlan bald sein Live Action-Debüt feiert. Vielleicht bedeutet das Namedropping rein gar nichts. Vielleicht will Disney auch einfach nur die Youtuber befeuern, mindestens 1000 Videos darüber zu machen, wie Quinlan Vos bald in *hier bitte den Namen der neuen Star Wars-Serie einfügen* auftauchen wird.

Vader und sein schwächelnder Meister

Kommen wir zum Star der Folge: Darth Vader überzeugt durch wahre Erbarmungslosigkeit, Monstrosität und Stärke. Bei seinem Streifzug durch die Stadt erwürgt er einen Mann in der Luft und bricht dessen Sohn direkt im Anschluss das Genick – alles vor den Augen der Mutter. Ungewöhnlich drastisch für Disney. Auch Obi-Wan geht im direkten Kampf mit seinem ehemaligen Schüler in die Knie – was natürlich auch an seiner eigenen Schwäche liegt. Fancy durchchoreographierte Pirouetten wie in Episode I waren einmal. Obi-Wan hat das Lichtschwert und die Macht seit zehn Jahren nicht mehr genutzt; deswegen hat er auf den Dächern von Daiyu kaum jemanden mit seinem Blaster getroffen (Folge 2), deswegen kann er das Schwert nicht mehr gescheit führen, deswegen kann er mit Qui-Gon nicht kommunizieren – er hat den Draht zur Macht verloren. Es wird wohl eine komplette Rocky-Montage benötigen, bis die Verbindung wieder steht.

Die fünf ?????

Trotz des prominenten Star-Auftritts, der alles dominiert, tun sich auch in dieser Folge wieder einige Fragen auf. Warum muss Obi-Wan das Laser-Gatter abschalten, wenn sie es doch einfach hätten umgehen können? Warum gilt Obi-Wan für die Inquisitoren bereits als »außer Reichweite«, obgleich der Lagerdroide ihn gefühlt nur 20 Meter hinter den nächsten Hügel geschleift hat? Wieso hat Lord Vader nicht einfach sein Machtding gemacht, um den Droiden daran zu hindern? Wieso lässt er sich überhaupt von dieser kleinen Feuerlache abhalten (zumal er wenige Sekunden zuvor noch bewiesen hat, dass er Feuer per Macht löschen kann)? Und wie gelangt Reva, die vermutlich dieselben Tunnel wie Leia passieren muss, noch vor dieser in den Hangar? Manchmal schaut man sich eine Serie an, bei der Fragen dieser Art zwar angebracht wären, sie aber nie gestellt werden, da man viel zu sehr mit dem Gucken und Genießen beschäftigt ist. So eine Serie weiß dann geschickt zu kaschieren. Obi-Wan Kenobi scheint bislang keine solche Serie zu sein.

Fazit

Insgesamt eine schmucke Episode, die vor allem auf den Auftritt Vaders und die Darstellung seiner brutalen Gnadenlosigkeit setzt, daneben aber auch wieder mit ein paar Szenen glänzt, bei denen man sich fragt »Wieso noch gleich?«. Auch in Sachen Charakterentwicklung passiert hier etwas Wichtiges: Nach langer Zeit scheint Obi-Wan wieder ein Gefühl von Hoffnung zu verspüren, u. a. ausgedrückt durch Tala, die sich in Gefahr bringt, nur um ihn zu retten (und natürlich weil Quinlan Vos noch irgendwo am Start ist). In dieser Folge beginnt es also; das Zusammenflicken eines zerbrochenen Jedis. 

© Disney

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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2 Comments
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Ayla
Redakteur
5. Juni 2022 15:30

Ganz klar bis jetzt meine Lieblingsfolge. Das große Highlight ist natürlich das (Lichtschwert-)Zusammentreffen von Obi-Wan und Vader, aber mir haben auch die ruhigen Momente gut gefallen. Besonders die Gespräche mit Leia (die mir in Folge 2 offen gestanden etwas auf die Nerven gegangen ist) und wie schnell sie merkt, dass Obi-Wan sich bei dem Vergleich zu ihrer Mutter keine Story aus den Fingern saugt. Der Part mit Reva, die schon auf Leia wartet, hat mich jedoch auch irritiert xD Kann sie sich teleportieren oder wie soll das gehen? Ich kann mir irgendwie auch nicht vorstellen, dass Leia so einfach auf die Finte reinfällt, nachdem sie in Folge 2 gezeigt hat, dass sie Fremden gegenüber durchaus auch Misstrauen entgegenbringen kann.

Lady Narmora
Redakteur
11. Juni 2022 20:56

Die Folge war der Wahnsinn trotz seiner Logikfehler. Der Auftritt von Vader hat alles getoppt: Bedrohlich, angsteinflößend und grausam – so muss er doch sein. Den Hass, den er für Obi-Wan empfindet, hat man förmlich auf der Haut priggeln gespürt. Reva dagegen ging mir etwas auf die Nerven.

Auch ist der Unterschied zwischen Leias Gutgläubigkeit und Obi-Wans Misstrauen sehr spannend. Man sieht deutlich Leias junge Naivität im Kontrast zu Obi-Wans düsteren Erfahrungen, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Doch gerade die Gespräche zwischen ihm und seiner kleinen Begleiterin waren wirklich sehr rührend. Allein die Lügengeschichte, die Obi den Sturmtrupplern erzählt, damit ihre Tarnung nicht auffliegt, ist traurig und herzerwärmend zu gleich: Man merkt genau, dass seine Worte nicht nur eine Lüge sind.